Ein Erlebnisbericht: Mit dem Renault Mégane Grandtour dCi (160 PS) "Luxe" bei Schnee, Eis, glatten Straßen, bei Regen und auf der Nürburgring-Nordschleife unterwegs

Dieses Automobil war mir im normalen Straßenverkehr durch seine abstrakten Heckleuchten aufgefallen. Und sein elegantes Äußeres. Es hatte so gar nichts vom provinziellen Mief so mancher Großserienfahrzeuge. Und wenn man heute in der Fernsehwerbung, in der ein Verkäufer hinterfragt, warum denn jemand so ein Automobil besitzen will, die Antwort hört: "Weil ich ihn haben will!", so kann ich das verstehen. Ich hatte das Fahrzeug zunächst ein paar Tage in der unwirtlichen Winterzeit. Man konnte nicht ahnen, dass zum vorgesehenen Zeitpunkt der Winter über die Eifel herein brechen würde. (Der Meinung war auch immer die Nürburgring-Geschäftsleitung.) Mit Eis und Schnee, glatten Straßen, unwirtlichen Temperaturen. - Da habe ich das Fahrzeug nur relativ kurz gefahren und weil eigentlich keine Messungen - von gar nichts - sinnvoll waren, habe ich es dann wieder dem Importeur zurück gegeben. Mit der Bitte: Wenn das Wetter offen ist, würde ich den Wagen - bitte - gerne noch mal fahren. Damit sich mein Bild abrundete. Natürlich hatte ich schon einen ersten Eindruck erhalten. Aber kann man dem trauen? - Kann es sein, dass ein Großserienfahrzeug bei glatten Straßen als Fronttriebler so viel Grip aufbaut? - Mich haben die ersten Fahrtage überrascht und ich war gespannt, wie sich das Fahrzeug bei normalen Außentemperaturen und trockenen Straßen anfühlen würde. - Mein "Bitte" war wohl beim Importeur so ungewöhnlich, dass ich das Fahrzeug tatsächlich noch einmal erhielt. Nachdem ich den Mégane also "so und so" - unter allen Bedingungen - viele, viele Kilometer gefahren bin, muss ich sagen:

Dieser Mégane ist ein unterschätztes Automobil

10-06-28/09 - Nein, dieses Auto ist nicht billig. Man muss um 30.000 Euro auf den Händlertisch legen um ihn zu erhalten. Der Listenpreis beträgt exakt 27.750 Euro, wobei dann nicht nur die Überführungskosten, sondern auch das gewählte Zubehör noch hinzu kommen. Damit Sie vergleichen können, habe ich den Testwagen mal auf einem Parkplatz fotografiert:



Die geparkten Fahrzeuge wurden nicht von mir aufgetellt, sondern standen zufällig da. Am oberen Bildrand steht der Mégane Kombi, den Renault in ausdrucksstarkem Französich als "Grandtour" bezeichnet. Vergleichen Sie ihn mal mit den geparten Fahrzeugen. Ich finde seine Linie elegant. Ein wirklich auffallendes Merkmal dieses Modells sind seine Heckleuchten...



...wobei man auf dem Foto - am geöffneten Tankverschluss - auch erkennt, dass es sich bei dem gefahrenen Testwagen um einen Diesel handelte.

Wie es der Zufall wollte, war ich mit diesem Diesel, dessen Zweilitermotor satte 160 PS leistet, auch eine Runde auf der Nürburgring-Nordschleife unterwegs. Mit einem Kollegen, den eine Fahrt auf der Nordschleife aber aus anderen Gründen interessierte als mich. Es regnete in Strömen. Und ich fuhr wirklich nicht rennmäßig, sondern konzentriert schnell. Auch auf die Reaktionen des Mégane gespannt. Hier bestätigte sich meiner erster Eindruck: Das Fahrzeug hat - übertrieben ausgedrückt - für einen Fronttriebler Grip ohne Ende. Es war überhaupt kein Problem mit dem Fahrzeug jeweils in den Kurven vom Außenrand der Rennstrecke den Innenrand zu erreichen und wieder mit richtig Schwung den Außenrand zu "streicheln". - Ohne jedes Risiko.

Dieser Mégane lässt sich präzsie einlenken und mit dem Gaspedal so weich und exakt beschleunigen, dass selbst ich überrascht war, im Touristenverkehr unterwegs, an den anderen Fahrzeugen praktisch vorbei zu fliegen. Darunter waren richtig leistungsstarke Turbos mit Heckflügeln und allem möglichen sportlichen Schnick-Schnack.

Meinem Kollegen war es bei dieser Fahrt auf dem Beifahrersitz gar nicht wohl und er äußerte auch Bedenken. Ich hatte keine. Ich war sozusagen souverän unterwegs. Als ich auf ein anderes schnelles Fahrzeug auflief, versuchte der Fahrer seinen Einsatz zu erhöhen. Nicht jeder lässt sich gerne auf einer Rennstrecke von einem Kombi überholen. Schon an der nächsten Kurve haben wir ihn dann überholt, weil der "abgedreht" vor einer Leitplanke stand. - Das war eben kein Renault Mégane Grandtour, mit dem ich übrigens auch gerne zum Einkaufen gefahren bin...



...denn das Fahrzeug verfügt über einen Riesen-Kofferraum, der sich natürlich noch vergrößern lässt, indem man die Rücksitzbank umlegt:



Natürlich ist - wie man sehen kann - der Kofferraum bei geschlossener Klappe abgedeckt und von der Höhe her angenehm zu beladen. Dass vier Personen bequem Platz haben ergibt sich nicht nur durch die vorhandenen vier Türen, sondern der Innraum ist auch so großzügig bemessen, dass beim Fahren kein Gefühl von Eingeengtheit, sondern mehr ein Sich-Wohlfühlen entsteht, zumal die Fahrgeräusche im Innenraum niedrig bleiben. Der Motor summt, und die Windgeräusche bleiben auch im Hochgeschwindigkeitsbereich - auf der Autobahn - klein.

Der Testwagen hatte eine Lederinnenausstattung, die sich Renault in anderen Ausstattungsversionen als der gefahrenen "Luxe" mit 1290 Euro bezahlen lässt. Selbst die Metallic-Lackierung lässt man sich dann mit 500 Euro bezahlen. Auch das Komfort-Paket, das man sonst mit 790 Euro bezahlen muss ist bei der gefahrenen "Luxe"-Version Serie. Dazu gehören z.B. elektrisch anklappbare Außenspiegel...


 
...
ein "Keycard Handsfree", das eine automatische Entriegelung der Türen ermöglich und ein Starten per Knopfdruck, wenn man nur die "Keycard" irgendwo in der Tasche hat. - Tout comfort!

Ich habe auch mit dem Fahrzeug den Rundkurs umfahren, den ich mir so ausgesucht habe, dass er aus rund 50 Prozent Landstraße und 50 Prozent Autobahn besteht.

Wie bei modernen Automobilen üblich, versteckt Renault das "Herz" dieses Fahrzeugs unter einer Abdeckung. Die Zeit ist vorbei, wo man von Freunden gefragt wird: "Kannst du mir mal den Motor zeigen?" - Ich denke dabei an den Doppelnocken-Motor der Alfa Romeo Giulia (der alten!) oder anderen "alten" Automobilen, wo man vielleicht noch den Zylinderkopf mit einem Schrumpflack versehen hatte und der Markenname - angeschliffen - metallisch blinkend ins Auge fiel. - Und die Freunde sagten dann: "Booh, ist das toll!"

Vorbei! - Heute verpackt man einen Motor wie ein Stück Müll, so, als wäre er nichts wert. Aber die Abdeckungen sollen ja auch dämpfen:



Schade um den schönen Motor, der nicht nur Leistung bringt, samtweich läuft, sondern auch die Kriterien von EURO 5 erfüllt.

Auf der Autobahn rannte das Fahrzeug leicht bergab auf dem Tachometer 228 km/h schnell, selbst an leichten Steigungen fiel er nicht schnaufend ab, sondern kletterte wie eine Feder mit 225 Tacho-km auch an leichten Steigungen bergauf. Das waren - GPS gemessen - in der Spitze tatsächlich 224 km/h (bergab), während Renault die Höchstgeschwindigkeit im Prospekt (und im Fahrzeugschein) mit 215 km/h angibt. - Sehr ehrlich

Den erwähnten Rundkurs habe ich zwei Mal umrundet. Einmal entspannt und relaxt, auf der Autobahn maximal 149 km/h (echt!) fahrend mit einem Durchschnitt von 91 km/h. Ein zweites Mal, unter vollem fahrerischen und motorischen Einsatz, in der Spitze (wie oben geschrieben) 224 km/h erreichend, mit einem Durchschnitt von 97 km/h. - Wenn ich den Zeitunterschied betrachte, so betrug der exakt 5 Minuten. - Was lernen wir daraus? - Das so genannte Schnellfahren bringt nichts. Außer, dass man sich selbst unter Druck setzt. Und natürlich deutlich mehr Treibstoff verbraucht.

Gerade so ein Dieselmotor, wie bei diesem Motor, hat eine sehr flache Drehmomentkurve. Damit lässt sich wunderbar entspannt reisen. Auf Landstraßen rodelt man da mit 2.000 Umdrehungen dahin, was auf dem Tachometer einer Geschwindigkeit von 105 km/h entspricht, also der zulässigen Geschwindigkeit. Bummelt man hinter Touristen her, die staunend die Eifel mit 60 km/h erkunden, dann muss man schon mal zurück schalten. Denn unter 1.500 Umdrehungen erinnert das Verhalten des Motors durch eine entsprechende "löcherige" Gasannahme daran, dass es sich bei diesem Diesel (wie bei jedem modernen Diesel) um einen Turbomotor handelt. Im 6. Gang...



... - denn dieser Renault hat selbstverständlich ein Sechsganggetriebe - entsprechen 80 km/h etwas 1500 Umdrehungen in der Minute. Darunter sollte man das Fahrzeug nicht bewegen, sondern schon mal den Schalthebel nutzen.

So ein "Luxe"-Modell brauchen sie nach dem Aussteigen auch nicht abzuschließen. Sind sie drei Schritte entfernt, hören Sie schon, wie sich das Fahrzeug verriegelt. Wenn Sie zurück kommen, öffnen Sie einfach die Tür (Sie haben die Keycard in der Tasche), indem Sie am Türöffner...



...ziehen, der "dunkle Fleck" auf dem Foto erkennt Sie als Besitzer der Keycard zu diesem Auto und die Tür öffnet sich wie bei "Sesam öffne dich". Sie müssen dann nur noch den Startknopf drücken. (Vorher bitte die Kupplung treten.)

Für alle Bekannten, denen ich das Fahrzeug vorführte, war dieser Wagen eine Überraschung. "Das hätten wir von Renault nicht erwartet!". - Was beweist: Es muss nicht immer Mercedes sein. Die Zeit ist vorbei. Und mit einem Dacia unterwegs, wird man heutzutage auch nicht mehr als Sozialfall berachtet.

Die Zeiten haben sich geändert. In den Vorstandsetagen der meisten Automoilhersteller hat man das noch nicht wahrgenommen. Und versucht intern gesetzte neue "Zielstrukturen in der Personalpolitik" anzusteuern. Wie wäre es, wenn man sich mal wieder an die Wünsche der Automobilinteressenten an der Basis erinnert?

Ich zeige Ihnen zum Abschluss noch ein paar Außen- und Innen-Ansichten des Mégane Grandtour:









Und fast hätte ich es vergessen: Beim Tanken brauchen Sie beim Mégane Ganrdtour nur den Tankdeckel außen zu öffnen. Irgendeine Verschraubung - oder weiterer Deckel - fehlt.



Sie stecken dann einfach das vordere Ende des Tankschlauchs in die scheinbar nicht vorhandene Öffnung. Der Verschluss lässt sich wegdrücken. Und verschließt sich nach dem Herausnehmen des Tankschlauchs automatisch. So vermeidet Renault, dass für Mégane Grandtour-Besitzer Schilder mit dem Hinweis "Ölspur" aufgestellt werden müssen.

Noch Fragen?

MK/Wilhelm Hahne


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