Sind Oldtimer-GP + VLN DMSB-geschädigt?

Der Oldtimer-Grand-Prix des AvD wurde – wie alle Jahre – als großer Erfolg vermeldet. Sicherlich war er es auch. Aber wenn man vergleicht... - Genau so geht es den VLN-Veranstaltern derzeit mit ihren Rennen. Es wird sicherlich toller Sport geboten. Denn allein die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen stellt erhöhte Anforderung an das fahrerische Können. Da reicht ein DMSB-Nordschleifen-Permit fast kaum. - Die Einführung einer Fahrerkontrolle durch iPhone und z.B. eine „Garmin“-App durch den DMSB wäre da schon angebracht. - Wie man auch schon beim Unfall am 28. März 2015 feststellen konnte, als es noch keine Geschwindigkeitsbegrenzungen gab, aber schon ein DMSB-Nordschleifen-Permit. - Darum ist dieser Unfall vielleicht auch offiziell noch nicht aufgeklärt. - Man arbeitet sicherlich noch an passenden Gutachten. - Oder man ist mit der neuen FIA HTP (Historic Technical Passport), der man dann noch zu Sicherheit eine „kostengünstige“ DMSB-Version zur Seite gestellt hat, so beschäftigt, dass man gar nicht mitbekommt, dass aus den unterschiedlichsten Gründen, die aber alle bei den Motorsport-Behörden liegen, die Starterzahlen bei den aktuell durchgeführten Rennveranstaltungen immer kleiner werden, wenn man sie mit denen der Rennen z.B. aus dem Jahr zuvor vergleicht.

Sind Oldtimer-GP + VLN DMSB-geschädigt?

Aber natürlich beklagt sich niemand. Man möchte schließlich nicht den DMSB verärgern. Weil man sich irgendwie von ihm abhängig fühlt. Und der DMSB fühlt sich wieder abhängig vom ADAC. Und der ist wieder abhängig von seinen Mitgliederbeiträgen und muss eine kluge, ausgeglichene Politik betreiben, gerade, wenn es um den Motorsport geht. - Weil den nicht jeder mag.

Am Samstag, dem 22. August 2015, findet auf der Nürburgring-Nordschleife der 6. Lauf zur Deutschen Langstrecken-Meisterschaft 2015, das 38. RCM DMV Grenzlandrennen statt. Lt. „Vorläufiger Teilnehmerliste“ haben dort 158 Fahrzeuge genannt.

In der Vorberichterstattung auf der VLN-Internetseite vermeidet man die Nennung einer solchen Zahl, sondern erzählt nur von Sport, Spiel, Spannung. - Jubel, Trubel, Trallala!

Früher wurde dort praktisch immer mit den großen Starterzahlen um Zuschauer geworben. Öffentlichkeitswirksam.

Stellen wir der diesjährigen Zahl von – hoffentlich(!) - 158 Startern mal die Zahlen von 2014 gegenüber:

37. RCM DMV Grenzlandrennen am 2. August 2014

  • 170 Starter lt. „Vorläufiger Teilnehmerliste“
  • 172 Starter lt. „Ergebnisliste des Zeittrainings“ - gewertet! -
  • 169 Starter zum Rennen.

Die Zahlen 2015 fallen also schon in der „Vorläufigen Teilnehnmerliste“ durchaus kleiner aus. Wenn man einmal rechnet: Um 7 Prozent.

Zufall? - Nein! - Die VLN-Läufe weisen seit dem Unfall-Rennen am 28. März eine geringere Starterzahl auf. Weil die vom DMSB verhängte Geschwindigkeitsbegrenzung (auf einer Rennstrecke!) nicht gerade den Zulauf vergrößert.

Viele Fahrer haben den Spaß am Rennen fahren verloren, wandern in andere Serien ab – oder beschäftigen sich im Hinblick auf die nächste Saison vielleicht mit dem Gedanken, sich solche „Willkür-Maßnahmen“, wie jetzt vom DMSB verhängt, nicht mehr gefallen zu lassen. - Da kann dann tatsächlich Golfspielen mehr Spaß machen.

Und es ist auch nicht damit getan, dass man zunächst mit Umbauten an der Nordschleife in der Größenordnung von 10 – 12 Millionen Euro gedroht hat, um jetzt dafür Beifall zu erhalten, weil man „nur“ eine Ausbesserung von 500 Metern Strecke zur Beseitigung von fünf Bodenwellen – offenbar sehr kritisch! - vornehmen will.

Bei einer der letzten Sitzungen – natürlich vertraulich – in Frankfurt unter dem Vorsitz des allseits unbeliebten Generalsekretärs und Geschäftsführers, Christian Schacht, hatte der allerdings noch davon gesprochen, dass man den „Sprunghügel“ am „Fluglatz“ nun um fünf Meter abtragen müsse.

Also jetzt noch einmal eine Verbesserung. - Wartet Herr Schacht auf Beifall?

Es gibt in Deutschland wohl derzeit keine Motorsportart, die mit der „vorgesetzten Behörde“ DMSB keine Schwierigkeiten hat.

So z.B. auch der Historische Motorsport, wie er sich auch beim letzten AvD Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring darstellte. Nach einer groben Einschätzung von Motor-KRITIK waren hier dann

  • mit 500 Startern rund 100 weniger am Start als 2014.!

Natürlich wird das nirgendwo erwähnt, weil man doch den DMSB und die FIA... - In diesem Fall ist es die FIA, die die „alte HTP“ durch ein neues 26 Seiten starkes Dokument ersetzt hat, das der jeweilige Besitzer eines historischen Automobils selbst – nur in englischer Sprache (!) und nur per Computer – ausfüllen darf. Es muss mit selbst erstellten Fotos bestimmter Teile gefüllt werden, dann über den DMSB der FIA weiter gereicht werden, wobei insgesamt alleine die Bearbeitungsgebühren in Höhe von – jeweils von den Baujahren abhängig – überwiegend über 1.000 Euro liegen. - Und dieses Dokument muss alle 10 Jahre erneuert werden.

Der DMSB hat nun ein eigenes Formular, einen eigenen „HTP“ geschaffen, der ein paar Seiten weniger hat, von einem eigenen Spezialisten geprüft wird und „nur“ 535 Euro kostet. Der soll – wie aus Frankfurt (manchmal) verlautet – auch international gültig sein. Aber davon wissen ausländische Veranstalter nicht unbedingt und bestehen auf dem Original-FIA-HTP.

Aber dessen Bearbeitung dauert insgesamt eine Reihe von Monaten! - Die Stimmung unter den Besitzern historischer Automobile ist entsprechend. Entsprechend ist auch die Starterzahl beim Oldtimer-Grand-Prix zurück gegangen.

Warum sollte ein Besitzer – neben den sonst für die Erhaltung eines alten Schmuckstücks entstehenden Kosten – noch solche Mehrkosten tragen, um mit der öffentlich Zurschaustellung seines Fahrzeuges den Fans und Veranstaltern eine Freude zu machen?

Wussten Sie, dass der AvD z.B. für die Meldung eines historischen Rennwagens zu einem 1-Stunden-Rennen ein Nenngeld von 750 Euro verlangt? - Rechnet man dann noch die „Nebenkosten“ (Reifen, Benzin, Kosten für Betreuer, Spesen, Übernachtungs- und Transportkosten) hinzu, dann kann man dafür sicherlich besser einen netten Abend in netter Gesellschaft in einem Drei-Sterne-Restaurant verbringen. - Mit Champagner vorweg!

Motor-KRITIK hat schon seit einiger Zeit immer wieder die Über-Reglementierung des Motorsports und dessen Beeinflussung durch Marketing-“Experten“ (s. GT3) beklagt. Der DMSB trägt mit seiner Politik dazu ein gutes Stück bei. Und die „abhängigen“ Rennveranstalter trauen sich nicht. - Alles Pragmatiker!

Aber Rennfahrer und Rennfahrzeugbesitzer trauen sich! - Sie machen diese „Geldschneiderei“ nicht mehr mit. Die Motorsport-Funktionäre haben eine Grenze überschritten. Sie werden nicht mehr als Förderer des Motorsports, sondern als „Bremse“ empfunden!

Motor-KRITIK wollte das Thema mit diesen Beispielen nur anreißen. - Weil man über die sich abzeichnende Willkür der Sportbehörden auch Bücher schreiben könnte.

Aber dafür findet man sicherlich kaum einen Verleger.

Obwohl ein Krimi nicht spannender sein kann. - Aber - man kennt in diesem Fall schon die Täter!

MK/Wilhelm Hahne
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