21. Woche 2017: Bedeutendste des Jahres?

Die zurückliegende Woche war gefüllt mit Ereignissen, die beeindrucken konnten, mich sehr beeindruckt haben. Für die Einen war es „DAS GRÖSSTE AUTORENNEN DER WELT“ (RLT-Nitro), das 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, für Andere war es der „Große Preis von Monaco“, der 5. F1-WM-Lauf des Jahres im zweitkleinsten Staat der Welt, ein Ereignis, das Kai Ebel von RTL als „der größte Zirkus der Welt“ bezeichnete. Wieder Andere blickten hinüber in die USA, wo Fernando Alonso beim „Indianalopis 500“ seine Premiere bei Rennen im Oval bestritt. Das „Indy 500“, wie es auch nennt, ist nach der „Targa Florio“, die nicht mehr gefahren wird, die zweitälteste Motorsport-Großveranstaltung auf der Welt – und auf das Zuschaueraufkommen bei dieser Eintages-Veranstaltung, mit mehr als 400.000 Besuchern ist weltweit unerreicht. - Der Hinweis von RTL-Nitro auf „das grösste Autorennen der Welt“ kann sich also nur auf die Anzahl der Starter beziehen. Die war dieses Jahr mit 155 Fahrzeugen zwar – verglichen mit „Indy 500“ sehr hoch, aber verglichen mit der Starterzahl bei 24h-Rennen auf dem Nürburgring vor Jahren doch enttäuschend niedrig. Für Spannung sorgte das Wetter kurz vor Ende. - Motor-KRITIK hatte mit BMW den Gesamtsieger in diesem Jahr schon vor vielen Wochen vorhergesagt. Und musste registrieren, dass es für BMW nur zu Platz 2 reichte. - Da erlebten Teams am Nürburgring ein Drama, während in Monaco alles normal (wirklich?) verlief. - Was mich persönlich in dieser Woche weit mehr getroffen hat, ist ein Erlebnis, das zwar nicht überraschend kam, aber dann doch mehr an die Substanz ging, als alle wichtigen und bedeutenden Rennen in dieser 21. Woche.

21. Woche 2017: Bedeutendste des Jahres?

Mit den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring sind bei mir viele persönliche Eindrücke verbunden. Auch fahrerisch eindrucksvoll belastende, wenn man z.B. bei dichtem Nebel in der Nacht unterwegs war, hinter sich eine ganz Kolonne von schnellen Automobilen, die ich dann mit einem Automobil mit einem Motor von 600 ccm Hubraum anführte. Ich kenne die Nordschleife und war auch bei Nebel so schnell unterwegs, dass sich die Fahrer von Porsche – und allen schnelleren Automobilen – (eigentlich gab es nur solche) mich und meinen Honda N 600 als Führungsfahrzeug akzeptierten.

Oder es gab den Fall, das unser Team, das damals aus zwei Fahrern bestand, in der kleinsten Hubraumklasse fahrend, aber trotzdem das Fahrzeug mit einer unterlegenen Hubraumgröße war und die Besten und Schnellsten in dieser Klasse in der Nacht sozusagen „unauffällig“ überholt hatte.

Wenn man mit aufgeblendetem Licht auf ein langsameres Fahrzeug aufläuft, wird da schon mal schnell Platz gemacht und bevor der überholte Fahrer erkannt hat, von wem er überholt wurde, ist man schon wieder um‘s nächste Eck.

Nachdem es morgens – nach 4 Uhr dämmerte – hatte die Konkurrenz spätestens begriffen, wer da nun die Klasse anführte und man blies zum Angriff. Ich hatte mit meinem Bruder Bernd vereinbart, dass er bei diesem 24-Stunden-Rennen den Schlussturn übernehmen sollte, um auch einmal die Stimmung in der Schlussrunde erleben zu können.

Ich bin dann also – verabredungsgemäß - klar vor Ablauf meiner Maximal-Fahrzeit herein gekommen, um den Fahrerwechsel vorzunehmen. Mein Bruder Bernd stand bereit. Während ich mich aus den Sicherheitsgurten löse, sagt der zu mir durch die offene Tür:

„Ich fahre nicht mehr! - Ich will die Verantwortung nicht übernehmen. - Ich gehe!“

Und er verschwindet in der Box. - Wohl niemand kann sich vorstellen, was in diesem Moment in mir vorging. Mental darauf eingestellt, dass mein Einsatz beendet war, musste ich noch mal ran. Wütend habe ich dann auch noch den hubraumgrößeren Konkurrenten passieren lassen müssen und war „richtig sauer“. - Auf meinen Bruder. - „Damals“! - Das ist Jahrzehnte her!

In diesem Jahr gab es schon vor dem eigentlichen 24h-Rennen andere Krisen-Situationen.

Da hat z.B. Nico Menzel einen der schnellen BMW M6 GT 3 im 2. Qualifying in der schnellen „Metzgesfeld“-Passage weggeworfen. Das Fahrzeug fuhr zwar noch, war aber so krumm wie eine Gurke, die in dieser Form von der EU als nicht mehr verkaufsfähig empfunden wird. Als Auto wird man so aber tatsächlich unfahrbar.

Vater Christian, bei diesem Rennen mit einem Bentley unterwegs, erlebte den Crash seines Sohnes zufällig in den Kommentatoren-Kabine. Eine Situation, wie man sie sich nur in einem „schlechten Film“ vorstellen kann.

Das Verhalten von Sohn und Vater nach dem Crash – auch in der öffentlichen Darstellung – vorbildlich.

Vorbildlich war auch der Einsatz von Daniel Keilwitz im einzigen – und dann auch noch privat eingesetzten - Ferrari 488 GT3. Er dupierte mit einer 8:14,591 min die gesamten Werksteams, die aber z.T. auch noch „taktisch“, nach den Vorgaben der Werksstrategen unterwegs waren.

Mein Bruder Bernd, nicht nur ein Ferrari-Fan, sondern jemand der „Ferrari lebte“, hätte seine helle Freude daran gehabt.

Wenn man „den Durchblick hat“, war es in Kenntnis von vielen negativen Details zu diesem Nürburgring-Wochenende allerdings schwer, sich für diese Art von 24h-Rennen zu begeistern. Auf mich wirkte diese Motorsport-Veranstaltung wie eine Event-Verlängerung des „Vatertages“, von Amateuren ausgerichtet, die sich als Fachleute empfinden. - Das sind sie auch! - Zumindest im Abkassieren.

Wenn man die Geschichten Revue passieren lässt, wie man sich um die Quadratmeterzahlen, die z.B. zum Aufbau eines Zeltes im Fahrerlager benötigt und zusätzlich bezahlt (!) werden mussten, gestritten hat, kann einem schon schlecht werden. Für so ein Zusatzzelt wurden dann – ohne Zelt – nur für den Standplatz evtl. um 12.000 Euro fällig. Und das nicht nur in einem Fall.

Im Fahrerlager gab es aber wohl auch noch andere Sünder, was dann wohl die Zollfahndung veranlasste, mal nach dem Rechten zu sehen. Das Thema war dann hier „Schwarzarbeit“.

Es gab also schon vor dem Start am Samstag, 15:30 Uhr, schon viel Bewegung am Nürburgring. Bei einigen Fahrern kam es deswegen zu Verärgerungen, weil ihnen das „DMSB-Nordschleifen-Permit A“ verwehrt wurde. Rennleiter Hornung ließ sich auch die Drohung, man würde versuchen eine „Einstweilige Verfügung“ zu erhalten, nicht beeindrucken und setzte am Mittwoch für Freitag 11 Uhr einen „letzten Termin“, wohl wissend, dass der Donnerstag ein Feiertag war, an dem auch die Gerichte nicht arbeiten.

Motor-KRITIK hat bisher als einziges Medium zu dem Thema nicht nur eine Meinung, sondern auch Dokumente veröffentlicht, die diese „Anordnung“ des DMSB als Farce und nicht gerechtfertigte Geldmacherei entlarven.

Ein Mitarbeiter der FIA fühlte sich z.B. deshalb an diesem Rennwochenende auch nicht betroffen, weil die beiden Weltmeisterschaftsläufe der Tourenwagen (WTCC), die vor dem 24h-Rennen stattfanden, davon auch nicht beeinflusst waren.

„Die WTCC ist eine FIA-Veranstaltung. Da interessieren keine nationalen Sonderbestimmungen.“

Ist das 24h-Rennen mit den nationalen Auflagen von DMSB und den Sonderbestimmungen eines ADAC e.V. also eigentlich eine „Provinz-Posse“, die zufällig in der Eifel spielt? - Die FIA nimmt derzeit davon offiziell keine Kenntnis, da bisher in Paris dazu keine offizielle Beschwerde vorliegt!

Ich schalte mal im Fernsehen hinüber nach Monte Carlo. Dort läuft das Qualifying. Eigentlich bin ich sicher, das Lewis Hamilton in der Startreihe 1 einen Platz einnehmen wird. Aber er bleibt in der 2. Stufe hängen, kommt nicht in Qualifying 3, wird also – wenn man die noch eintretenden Verschiebungen nicht berücksichtigt – am Sonntag von Startplatz 14 ins Rennen gehen.

Eigentlich war ich – gefühlsmäßig – davon ausgegangen, dass man bei Mercedes auf die Ansprüche der neuen Besitzer der F1-Organisation Rücksicht nimmt. Dort hatte man mit allen Teamchefs Einzelgespräche geführt und denen klar gemacht, wie man als „modernes Unternehmen“ diese Motorsportart „spannend machen müsse“. - Auch für‘s Fernsehen! - Und das ist bei den ersten Läufen der Saison hervorragend gelungen. - Denke ich.

Aber nun Monte Carlo: Dass Kimi-Matias Räikkönen schneller war als Sebastian Vettel, das hat mich nicht überrascht. Dass Valtteri Bottas den Startplatz 1 um 45 tausendstel Sekunden verpasst, eigentlich auch nicht. Das kann passieren. - Aber dass Lewis Hamilton so gnadenlos hinterher fährt, das hat mich schon überrascht. - Da muss es schon Gründe gegeben haben, die man nicht unbedingt bei Lewis Hamilton suchen sollte!

Vorher hatte ich mich gefreut, dass Volvo in der WTCC am Nürburgring gleich alle beiden Läufe, den Vor- und den Hauptlauf, gewinnen konnte. Mir ist dabei ein Gespräch mit dem damaligen Mercedes-Chef Jürgen Hubbert eingefallen, das ich vor Jahrzehnten mal auf dem Genfer Salon mit ihm führte. Ich wollte ihn auf die Bedeutung des Tourenwagensports, bei dem Serienautomobile das Ausgangsprodukt sind, aufmerksam machen und hatte ihn gebeten, mit mir doch einmal zum Volvo-Stand nicht weit entfernt vom Mercedes-Stand zu gehen.

Dort wollte ich ihm den Volvo zeigen, mit dem dieser Hersteller damals in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft unterwegs war. - Wir sind dann zusammen hinüber gegangen. Am Volvo-Stand war das Rennfahrzeug ausgestellt. Ein Volvo-Kombi, mit dem man – entsprechend abgestrippt und ausgestattet - in England, in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft, unterwegs war.

Jürgen Hubbert schaute kurz auf das Volvo-Einsatzfahrzeug, um mir dann zu sagen:

„Wir als Premiummarke werden niemals gegen solche Blechkisten Rennen fahren.“

Darum machen auch heute noch die drei deutschen „Premium-Marken“ in der DTM alleine den Sieg unter sich aus. - Das was sich für Premium hält, ganz unter sich! - Und man wundert sich darüber, dass das Interesse der Zuschauer immer weiter nachlässt?

Gerhard Berger versucht inzwischen mit „frischen“ Marketingzugaben dieser faden Mischung eine interessante Schärfe zu verleihen. - Wohl bekomm‘s!

Die Zeit ist an der DTM vorbei gegangen – oder gefahren. Heute sind die WTCC- und – immer deutlicher in Erscheinung tretend – die TCR-Rennen die wesentlich interessanteren Veranstaltungen, zumal sie mit „echten Tourenwagen“, nicht mit Prototypen gefahren werden.

Noch eine Anmerkung zu den am Nürburgring aufgetretenen Reifenproblemen. Sie werden umso größer werden, je mehr „Einheitsreifen“ in den einzelnen Serien gefahren werden. Die Reifenhersteller werden damit von der Entwicklungsarbeit befreit, bestimmte Organisationen, Veranstalter, Personen füllen ihre Taschen – und der Sportfahrer hat diese Negativ-Einflüsse hinzunehmen. Der Motorsport – wie gerne formuliert wird – profitiert nicht von dieser Entwicklung. - Der Motorsportler seinerseits darf zahlen!

Was das 24h-Rennen betrifft: Wir haben in diesem Jahr das „letzte Aufbäumen“ mit Unterstützung des ADAC, DMSB und der Automobilindustrie erlebt. Die GT3 ist nach diesem 24h-Rennen zu einem „Auslauf-Modell“ geworden. Die GT4 wartet in den Startlöchern! Es wurden beim 24h-Rennen schon von Audi und BMW zwei neue Modelle in „freier Wildbahn“ den Interessenten und den Zuschauern vorgestellt.

Das erste Rennfahrzeug dieser neuen GT4-Kategorie war der Porsche Cayman, der nun – nach Audi und BMW GT4 schon als nicht mehr konkurrenzfähig bezeichnet werden muss. Aber man arbeitet bei Porsche aktuell schon daran, wieder konkurrenzfähig zu werden und hatte ein „Versuchsfahrzeug“ in der Prototypen-Klasse SP-X am Start, das vor den neuen GT4-Modellen der anderen Hersteller das 24h-Rennen beendete.

Selbst den Fachleuten werden allerdings „die Augen aufgehen“, wenn Mercedes seinen neuen GT4 vorstellt, der sich dann – wieder einmal – am weitesten von einem Serienfahrzeug entfernt haben wird.

Motor-KRITIK-Vorhersage: Die Zyklen, in denen sich neu vorgestellte Serien im Motorsport ihrem Ende nähern, werden kürzer werden. Die neue GT4-Kategorie wird nach kürzerer Zeit ihr Verfalldatum erreicht haben, als das jetzt bei der GT3 der Fall sein wird. - Eigentlich sollten die neuen GT4 das sein, was eigentlich die GT3 einmal vorgaben zu sein: Seriennah. - Mercedes wird mit der Vorstellung seines GT4 ein Beispiel dafür sein, dass auch hier der Zug schon wieder in Richtung GT3 abfährt. - Praktisch schon abgefahren ist!

Da wird dann die Konkurrenz nicht zurückstehen können und… - Das Rad der Zeit wird sich also immer schneller drehen. Da nutzt auch keine „BoP“ (Balance of Performance). Mercedes war auch das Beispiel beim 24h-Rennen im Jahre 2016 dafür, wie man die Grenzen aller aufgepropften Zusatzbestimmungen umgeht – um es vorsichtig zu formulieren.

Nicht nur der Diesel-Skandal – der inzwischen nicht nur bei VW öffentlich wurde – zeigt, dass bei den Automobilherstellern mit einer geradezu kriminellen Energie versucht wird, Erfolge zu generieren. - Vorstandsvorsitzende sind mit ihren Entscheidungen heute oft heute genauso „gnadenlos“, wie die von ihnen gut bezahlten Berater – oder auch Werks-Rennfahrer.

  • Es zählt nur der Erfolg. - Der Weg dahin ist nicht unbedingt bestimmt von Ehtik und Moral. - Davon spricht man nur!

Aber was ist Erfolg? - Nehmen wir einmal das Beispiel Opel. Dort ist man bisher immer brav an der Leine von GM gelaufen. Wenn man bei GM in den USA keinen Astra-Kombi für die europäische Kundschaft wollte, dann gab‘s keinen. Und wer bestimmte die Werks-Abgabepreise der Rüsselsheimer in die einzelnen Export-Länder?

Die Vorstandsvorsitzenden von Opel wurden von den GM-Leuten in den USA doch immer nur so lange akzeptiert, wie sie alle GM-Entscheidungen abnickten, hatten – wie das einmal ein in Rüsselsheim „verwaltender“ jüdischer Vorstandsvorsitzende mir gegenüber formulierte – nur Alibi-Funktion.

Inzwischen sind neue Leute bei Opel hinzu gekommen. Tina Müller hat als Marketing-Vorstand mit ihrem Slogan „Umparken im Kopf“ für Furore gesorgt, aber leider diese sehr gute Anregung für die potentiellen Käufer nicht für sich selbst umgesetzt. Sie kommt von der Haar-, Gesichts- und Mundpflege bei Henkel – natürlich in bestem Neu-Deutsch mit Hair, Skin und Oral Care benannt – und favorisiert auch für Opel nun solche TV-Serien wie „Germany‘s next Topmodel“. Sie hat in der Phase, in der es um die Herausstellung der Produktsubstanz von Opel gehen müsste, leider die Bedeutung des Motorsports übersehen, bzw. nicht erkannt.

Bester Opel beim 24h-Rennen am Nürburgring war in diesem Jahr ein Astra OPC-Cup auf Platz 71. - Oder soll man als Imageträger der Marke den Opel Calibra empfinden, der als letztes Fahrzeug in Wertung – auf Platz 116 – die Ziellinie überfuhr? - Der „legendäre“ Opel Manta mit „Fuchsschwanz“ war nach 71 Runden ausgefallen. - Hinterlässt das einen guten Eindruck?

  • Eine glatte „6“, Frau Tina Müller. - Setzen!

Gegen 10 Uhr morgens hatten sich beim 24h-Rennen an der Spitze des Feld zwei Audi R8 festgesetzt, die von zwei BMW M6 GT3 verfolgt wurden. Der einzige – und privat eingesetzte – Ferrari lag auf Platz 9 und hatte bis dahin die schnellste Runde im Rennen mit 8:19,375 min gefahren. - Diese Zeit wurde auch bis zum Rennende von keinem der Werkswagen unterboten!

Den jungen, dynamischen Werks-Ingenieuren sei ins „Berufschulheft“ geschrieben:

  • Das Fahrwerk dieses privat eingesetzten Ferrari wurde von einem alten, erfahrenen „Rentner“ auf die Nordschleife pefekt abgestimmt.

Es wurde dann langsam Zeit, mal nach Monaco hinüber zu blicken. Dabei musste auffallen, dass die deutsche Automobilindustrie dort durch Herrn Zetsche (Mercedes) repräsentiert wurde, die italienische durch Herrn Sergio Marchionne, den Vorstandsvorsitzenden von Fiat. Überraschender Weise war in Monte Carlo auch der Präsident des DMSB, des Deutschen Motor-Sport-Bundes, Hans-Joachim Stuck unterwegs, den wir eigentlich beim „größten Automobilrennen der Welt“ (RTL-Nitro) in Deutschland erwartet hatten. Schließlich ist er der ranghöchste Repräsentant des deutschen Motorsports. - Und die Eifel liegt nun mal in Deutschland, auch wenn der Nürburgring zur Zeit russisch verwaltet wird.

Aber Hans-Joachim Stuck hat in Monte Carlo sicherlich mehr Glanz, Glitzer und Glimmer vorgefunden als in der Eifel. Und offenbar war er auch zum Geldverdienen dort. Man kann einem Angebot des Hapag-Lloyd Cruisers Club vor Wochen entnehmen:

„Côte d‘Azur und Grand Prix in Monaco mit Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck vom 26. - 29. Mai 2017“

Kein billiger Spaß natürlich. Er kostet – ohne Anreise (!) - für drei Übernachtungen pro Person in einer 60 qm Luxus-Suite 6.700 Euro, wenn man im „Doppel“ anreist. Solo sind – in der gleichen Suite – dann 7.300 Euro fällig. Wenn man einen Bus-Transfer vom Flughafen Nizza zum Hotel in Anspruch nimmt, sind 35 Euro pro Person zusätzlich zu zahlen. Aber für Speisen und Getränke – und Hans-Joachim Stuck natürlich – ist auch gesorgt. Seine Leistung wird so dargestellt:

„Exklusive Begleitung am Renntag (28. Mai) durch Rennfahrerlegende Hans-Joachim Stuck“

In diesem Zusammenhang muss man den Markenverantwortlichen des VW-Konzerns für Bentley, Wolfgang Dürheimer, erwähnen, der das Rennwochenende bei „seinen Jungens“ am Nürburgring verbrachte, obwohl diese Bentley GT3, in der Klasse Sp 9-LG (LG = Last Generation, was in diesem Fall nicht „letzte“ = neueste, sondern „die letzte vor der neuesten Generation bedeuten soll) startend, kaum Aussichten auf einen Gesamtsieg hatten. Man setzte durch den VW/Audi-Tuner Abt drei Fahrzeuge ein, von denen eins ausfiel, die anderen zwei auf Platz 16 und 21 des Gesamtklassements einliefen.

Audi-Vorstand Stadler, obwohl „seine“ Fahrzeuge siegreich waren, war nicht am Nürburgring, sitzt sicherlich lieber mit seinen Fußballfreunden in der Münchner Allianz-Arena zusammen, als dass er sich in die Eifel, an den Nürburgring verirrt. - Nun passt er wohl auch besser zu so umstrittenen Persönlichkeiten wie Hoeneß und Winterkorn, mit denen er zusammen im Aufsichtsrat von Bayern München sicherlich lieber über Aktienkurse diskutiert. - Oder so.

Ich habe dann mal das Fernsehen eingeschaltet und weiß – wenn ich an das Hapag-Lloyd-Angebot denke - was ich heute gespart habe. - Wie sagte schon mein Vater:

„Geld, das man nicht ausgibt, braucht man auch nicht zu verdienen!“

Es gab in Monte Carlo das bei einem F1-Grand-Prix übliche Getümmel von Prominenten zu sehen. Das Rennen verlief wie erwartet. Sebastian Vettel hat vor Kimi Räikkönen gewonnen. Vettel hat ihn praktisch „in der Box“ überholt. Nur so war es Ferrari möglich, den Vorsprung von Vettel vor Hamilton in der Fahrerwertung, der auf einem Stadtkurs, auf dem angeblich nicht überholt werden kann, von Platz 13 startete und auf Platz 7 ins Ziel kam, dann deutlich zu erhöhen.

In Kanada wird dann der Sieger dann wieder Hamilton heißen. - Wetten? - Es wird – aus meiner Sicht – künstlich Spannung erzeugt. Das Rennen in Monaco war aber eigentlich langweilig. - Für den obersten Vertreter des deutschen Motorsports war es aber sicher aus anderen Gründen interessant.

Kein Wunder, dass ich zwischendurch immer wieder zu RTL-Nitro umgeschaltet habe, wo das Rennen sich dann, 1,5 Stunden vor Schluss dramatisch zuspitzte. Es gab beim führenden Audi wohl einen gelösten Sensor, der so von Platz 1 auf Platz 3 zurück fiel.

Dann gab es kurz vor Renn-Ende einen Betankungsvorgang, bei dem scheinbar alles schief lief, aber zur Umsetzung einer Entscheidung Platz ließ, noch mal von den schon gerade frisch montierten Slicks auf Regenreifen zu wechseln. Und dann regnete es auch so, dass der führende (auch) Audi auf Platz drei zurück fiel, während der auf Platz drei liegende BMW dann Platz zwei einnehmen konnte. - Natürlich alles GT3, von denen – nach dem Unfall von Nico Menzel – noch 29 am Start waren.

Wie beim 24h-Rennen in den letzten Jahren üblich, waren die meisten „Fans“ schon am Sonntagmorgen abgereist, haben die spannendsten letzten Runden des Rennens nicht mitbekommen. Dass aus dem Hubschrauber große Lücken und nur noch wenige Zuschauer zu sehen waren, war eigentlich keine Überraschung und nicht – wie auf RTL-Nitro zu hören – dem Wetter geschuldet. - Der Regen setzte erst langsam rd. 30 min vor Rennende ein!

Zu Hause war nach diesem Erlebnis nun Zeit, mal gut zu Abend zu essen und auf das Indy-Rennen zu warten, um die Platzierung von Oval-Rennen-“Rookie“ Fernando Alonso in Indianapolis mitzubekommen.

Es sah in Indy zunächst ein wenig nach Regen aus. Dann fährt man dort nicht. Aber dann blieb der doch aus und nach den für Indy traditionellen Vorspielen, dem „Gentlemen, start your engines!“ und einer Einführungsrunde ging es „fliegend“ auf die Reise. Alonso fiel zunächst auf Platz 9 zurück, war dann später an der Spitze.

Aber das macht ja den Reiz dieses „Indy 500“ aus. Da kann man auch von Startplatz 30 noch gewinnen. In diesem Jahr waren 33 Fahrzeuge am Start. Sebastien Bourdais hatte bei den Trainings einen Unfall mit einer Reihe von Brüchen erlitten und wurde – musste – durch James Davidson ersetzt werden. Damit waren dann 33 Indy-Rennwagen am Start.

Nach dem Start ist Alonso zunächst vom 5. Startplatz auf Platz 9 zurück gefallen. Später hat er dann das Feld angeführt. Fernando Alonso ist ein „Racer“, ein Mann mit „Rennintelligenz“. Er hat diese Art von Rennen im Oval erst studieren müssen, hat auch eine „Rookie“-Prüfung mit dem Fahren in sich steigernden Geschwindigkeitskategorien über sich ergehen lassen müssen.

Tatsächlich sind aber aus Motor-KRITIK-Sicht bei diesen Oval-Rennen für einen Neuling nur zwei Dinge wichtig:

  • Dass man in einem Team mit Erfahrung bei Oval-Rennen fährt.
  • Dass man die „natürlichen“ Reflexe - z.B. Gegensteuern bei einsetzendem Übersteuern beim Beschleunigen aus der Kurve – ausschaltet, sich darauf mental vorbereitet hat.

Fernando Alonso beweist auch in Indy, dass er ein echter „Racer“ ist, einer mit „Renn-Intelligenz“ und dem Gespür für die richtigen Entscheidungen im Rennen. Er übernimmt zeitweise die Spitze, setzt auch einen Re-Start – seinen ersten in Indy - in eine Führungsposition um.

Aber so ein Indy 500 geht über 200 Runden. Auch hier wird – wie an diesem Wochenende am Nürburgring – erst am Ende zusammengezählt. - Aber vorher ist Fernando Alonso überall dabei, immer mit in der Spitzengruppe. Er zeigt eine natürliche, nicht nur angelernte Rennintelligenz.

Während bei uns im „Ersten“ die „Tagesschau“ begonnen hat, geht in Indy die Spitzengruppe zum Reifenwechsel und Tanken an die Boxen. - Alonso ist derzeit Dritter!

Das Rennen ist schon aufregend. Alonso ist immer wieder – irgendwie – in der Spitzengruppe. Dann macht er auch schon mal einen Fehler – und er ist Zwölfter.

Eigentlich muss ich sagen: Ich verstehe so ein Oval-Rennen wie Indy 500 genau so wenig wie eine bestimmte amerikanische Ballsportart. - Aber man schaut trotzdem gerne zu. Auch, weil Alonso trotz der – zumindest für mich – unverständlichen schlichten Art solcher Oval-Rennen immer eine gute Figur macht.

Es sind in Indy jetzt so um 150 Runden zurückgelegt. Fernando Alonso liegt derzeit auf Platz neun. Der Bourdais-Ersatz, James Davison, macht eine gute Figur, liegt mit in der Spitzengruppe. - Alonso wird sicherlich nicht die Runden mitgezählt haben, aber er macht mit seinen ganzen Aktionen den Eindruck, als wenn er dazu gehört. - Als „Rookie“!

Jetzt, relativ kurz vor dem Endspurt, ereilt einen der Teilnehmer einen Motorschaden. Es ist natürlich ein Honda-Motor und der zweite Motorschaden eines Hondamotors in diesem Rennen.

Ein Großteil des Feldes kommt dann zum letzten Tankstopp an die Box. Natürlich auch zum Reifenwechsel. Im Rennen führt nun Chilton, während Alonso auf Platz 9 liegt. Ich habe keine Ahnung was er tun muss, wenn er noch gewinnen will. - Und nehme einen Schluck Weißwein von der Mosel.

Alonso sichert sich mit einem tollen Manöver Platz sieben. Man spürt, dass das Rennende naht. Jeder will gewinnen. - Und dann ereilt auch Alonso ein Motorschaden. Sein Honda-Motor „geht hoch“! - Als an Alonso interessierter Beobachter des Rennens, dessen Gesetzmäßigkeit – zumindest – ich nicht verstehe, bin ich fast beruhigt. - Alonso hat – ganz gleich wer nun gewinnt – eine erstklassige Vorstellung gegeben!

Nach dem Neustart kommt es zu einem Massen-Crash. Man hat fast den Eindruck, dass hier schließlich der gewinnen wird, der als Letzter im Rennen bleibt. - Hinter dem Safety-Car geht es in die letzten 14 Runden.

Es gibt wieder einen Neustart. Nach dem sind es dann noch elf Runden. Und einer wird gewinnen. Wer in Indy die „Weiße Flagge“ sieht weiß: Jetzt beginnt die letzte Runde.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Indy 500 wird das Rennen von einem Japaner gewonnen. Takuma Sato gewinnt von Startplatz 4 aus; Helio Castroneves wird Zweiter und Ed Jones Dritter. - Es war das 101. Rennen in Indianapolis.

Damit wird mit diesem Indy 500-Rennen nicht nur ein besonderes Rennwochenende abgeschlossen, sondern die aus meiner Sicht die bedeutendste Woche des Jahres. - Für mich.

Am Mittwoch habe ich an einem offenen Grab gestanden, hinunter geblickt auf einen schlichten schwarzen Sarg, der nicht nur durch ein aufmontiertes Holzlenkrad eines Oldtimer-Maserati für mich besonders war. Mein Bruder Bernd ist nach einem langen Krebsleiden gestorben und am Mittwoch beerdigt worden. Mein Bruder war gut 11 Jahre jünger als ich, wäre am 3. Juni 73 Jahre alt geworden.

Wir sind viele 24-Stunden-Rennen gemeinsam gefahren und auch sonst einige Langstreckenrennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Ich erinnerte mich – als ich vor seinem Grab stand – noch einmal der skurilen Situation, dass ich bei einem 24h-Stunden-Rennen, bei dem wir zusammen das Fahrer-Team auf einem Honda N 600 bildeten, dann in der Nacht – als Bruder Bernd fuhr – zur Rennleitung gerufen wurde. Dort wurde mir erklärt, dass in dem Fahrzeug mit unserer Start-Nummer in jeder Runde nach Durchfahren des „Bergwerks“ eine Zigarette angesteckt würde. Und Rauchen sei während des Rennens – am Steuer eines Einsatzfahrzeugs – für den Fahrer verboten!

Ich habe versprochen, dass ich beim nächsten Boxenstop meinen Bruder informieren würde (es gab damals noch keinen Funk) und habe so meinen Bruder Bernd im weiteren Verlauf des Rennens zu einem Nichtraucher gemacht.

Bernd fehlt mir! - Dabei fällt mir ein, dass sich Bernd nur wenige Wochen vor seinem Tod noch für sein Verhalten vor Jahrzehnten am Nürburgring bei mir entschuldigt hat! - Mich hat dieses Verhalten beeindruckt.

Ich war auch beeindruckt, wer alles – auch alte Kunden meines Bruders (er hat auch mal als Autoverkäufer – auch bei mir - gearbeitet) – zu seiner Beerdigung erschienen waren. Aber auch für Rainer Braun z.B. war es wohl eine Selbstverständlichkeit meinem Bruder die letzte Ehre zu erweisen.

Dieses Foto ist ein Ausschnitt aus dem Krefelder Stadtmagazin „KR-ONE“, Juni/2011. Es soll nur einen Eindruck davon vermitteln, wie mein Bruder „draußen“ empfunden wurde. Er war anders als ich – und damit ein schönes Beispiel dafür, wie stark sich Geschwister – obwohl von gleichem Vater und Mutter – auf verschiedene Art unterscheiden können. - Aber als Fahrer war er ein Hahne!

Bernd und ich haben uns gut verstanden. Auch die lebhaften Diskusssionen mit ihm, wenn es um „seinen Sport“, den Motorsport ging. Bernd war ein begnadeter Rennfahrer. Das sage ich. Er war der Beste in unserer Familie, die nicht arm ist an bekannten Rennfahrern.

Das ist eben der Unterschied zwischen bekannt und talentiert. Bernd war einer der wenigen Autofahrer – ich kenne noch einige – denen das Ausüben des Motorsports ein „sinnliches Vergnügen“ bereitete. Er liebte die so genannten „Oldtimer“, war sowohl mit einem „Vogelkäfig“-Maserati, wie auch einem alten Alfa GTA , einem Austin-Healey u.a., immer pfeilschnell unterwegs. Er fuhr nicht für Andere, er fuhr für sich, das Erleben der besonderen Eindrücke. - Ein alter Mann und echter Motorsport!

Einer der wenigen „modernen“ Rennfahrer, die das verstehen werden, ist aus meiner Sicht Frank Stippler; der auch zu den Wenigen gehört, die sowohl einen „Oldtimer“, als auch einen mit Elektronik überfrachteten modernen „Rennwagen“ optimal bewegen – im zweiten Fall: bedienen – können.

Bernd war ein Ferrari-Fan. Ihn hätte das Geschehen an diesem Wochenende sowohl am Nürburgring, wo ein Ferrari 488 GT3 die schnellste Rennrunde fuhr, als auch der Erfolg von Vettel in Monaco, als ersten F1-Erfolg des Ferrari-Teams in diesem Stadtstaat seit 16 Jahren begeistert.

Irgendwann werden wir alle etwas verpassen!

Übrigens – und das hat mich überrascht – waren sowohl der „Finanzexperte“ von „capricorn“ als auch Robertino Wild, der Chef selbst, unter den Trauergästen der Witwe meines Bruders.

Nein, mit mir haben sie nicht gesprochen!

Übrigens: Der 28. Mai, dieser Sonntag, ist – zufällig – mein Namenstag!

Es war wirklich etwas viel, in dieser 21. Kalenderwoche des Jahres 2017. - Darum wird sie auch wohl – für mich – die bedeutendste in diesem Jahr bleiben.

MK/Wilhelm Hahne
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1 Kommentar

Mein herzliches Beileid.

<p> Mein herzliches&nbsp;Beileid.</p> <p> Alle w&uuml;nschen&nbsp;sich, ihre&nbsp;Familienmitglieder&nbsp;k&ouml;nnen sich&nbsp;eines&nbsp;Tages&nbsp;genauso stilvoll von ihnen&nbsp;verabschieden, wie Sie&nbsp;es mit Ihrem&nbsp;Bruder&nbsp;hier&nbsp;taten. Sehr beeindruckend.</p>

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