VG Kelberg: Eine Fahne macht aufmerksam!

Eigentlich wollte ich nach Daun. Die Strecke führt durch Kelberg, am Gebäude der Verbandsgemeindeverwaltung vorbei. Und mein Auto wurde plötzlich langsamer, weil ich überrascht – den Gasfuß gelupft hatte. - Am nächsten Kreisverkehr – nur 100 Meter weiter - habe ich gewendet, um zu überprüfen, was ich – so im Vorbeifahren – gesehen hatte. Ich hatte richtig gesehen: Am Fahnenmast des Verwaltungsgebäudes – einer Behörde - flatterte eine Nürburgring-Fahne! - Ich habe schon Vieles an Fahnenmasten vor offiziellen Gebäuden gesehen. Da flattern Nationalflaggen, manchmal auch auf Halbmast. Da flattern Fahnen der Ortsgemeinde, mit Löwen und Rauten darauf. Oder auch anderen Dingen. Aber ich habe noch niemals vor einer Gemeindeverwaltung die Fahne eines guten Gewerbesteuerzahlers flattern sehen. - Kurz nachgedacht: Dabei ist der Nürburgring – oder sein aktueller Pächter, die CNG – gar nicht Gewerbesteuerzahler in Kelberg! - Als ich darüber nachdenke, fällt mir aber ein, dass Teile des Gesamtkomplexes Nürburgring auch auf dem Gebiet der VG Kelberg liegen. - Und plötzlich fällt mir auf – und ein – dass hier etwas nicht stimmen kann. - Warum zieht die VG Kelberg nicht eine Fahne ihres großen Gewerbesteuerzahlers Schillinger – einer Großbäckerei - vor ihrem Gebäude auf? - (Natürlich gibt es auch andere, größere und kleinere!) Und mir wird plötzlich klar, das hier wohl Einiges unklar ist. - Dabei wollte ich doch einfach nur nach Daun. - Um im Vorbeifahren nachdenklich gemacht zu werden.

VG Kelberg: Eine Fahne macht aufmerksam!

Diese hier in Kelberg erlebte Kombination empfinde ich als ungewöhnlich! - Der Nürburgring ist fast 10 Kilometer entfernt und zählt zur Verbandsgemeinde Adenau. Seit wann wirbt eine Verbandgemeindeverwaltung für den Gewerbesteuerzahler einer anderen Verbandsgemeinde? Immerhin – so fällt mir ein – liegt immerhin der „Ferienpark Nürburgring“ und auch der „Offroadpark Nürburgring“ auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Kelberg.

Aber ist das ein Grund, mit einer Flagge vor dem Verwaltungsgebäude der Gemeinde zu werben? Ich empfinde jedenfalls eine solche Aktion als Recherche-Anregung und habe begonnen, sie auf meine Art zu hinterfragen.

Natürlich habe ich meine aktuelle Feststellung quasi als Beweissicherung gleich fotografisch festgehalten:

In Adenau hat man die Bürgersteige wie die Curbs am Nürburgring – rot/weiß – gestrichen. Und die Stadt ist auch bei Nürburgring-Veranstaltungen mit Fahnen beflaggt, die auf den Nürburgring und seine Rennen hinweisen. Adenau ist schließlich auch ein Stück Nürburgring. (Sagt die Werbung.)

Aber was steckt hinter dem Hissen einer Nürburgring-Fahne vor dem Gebäude der VG Kelberg, die rd. 10 Kilometer vom Nürburgring entfernt ist?

Damit Sie sich als Leser noch mal in Kelberg im Umfeld der Fahne umschauen können, biete ich hier den Lesern von Motor-KRITIK eine Möglichkeit – und in Zukunft immer öfter – wie sie selbst in den modernsten Druckerzeugnissen nicht realisiert finden können: Ein 360°-Foto.

Wenn Sie HIER klicken, ist das so, als wären Sie selber da gewesen. Wir arbeiten noch an der Perfektion, aber klicken Sie einfach ins erscheinende Foto, vergrößern es so, nutzen die „Option“ indem sie „Vollbild“ wählen und Sie können mit Hilfe Ihrer Maus im Foto umher wandern. Wenn Sie dann noch den Mauszeiger aus dem Bild ziehen – wenn Sie einen bestimmten Bildausschnitt in Ruhe betrachten wollen - verschwinden auch „fremde“ Einblendungen.

Das sei hier etwas umständlich – aber hoffentlich ausführlich und verständlich genug – erklärt, weil Sie solche Fotos bei Motor-KRITIK in Zukunft nun öfter – als die bessere Information! (verglichen mit den in Druckerzeugnissen möglichen) - finden werden.

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Manchmal ist die Anregung zu einer journalistischen Recherche simpel. Wie im Fall der Nürburgring-Fahne in Kelberg, die einfach zur recherche-zündenden Frage führte: Was soll das?

Die Antwort führt dann nach Drees, dieser kleinen, aber nicht armen Dorfgemeinde, die derzeit (noch!) zur Verbandsgemeinde  Kelberg und damit zum Kreis Daun zählt. Irgendwo muss es zwar immer Grenzen geben, aber kaum irgendwo machen sie so wenig Sinn, wie im Umfeld von Drees.

Die nahe gelegene Tankstelle – mit Bistro und Modellauto-Verkauf – an der „Döttinger Höhe (HIER ein kurzer Blick auf einen kleinen Teil der Ausstellung) kann die Gebiets- und Grenz-Problematik verdeutlichen. Ohne diese Tankstelle wäre z.B. der immer weiter zunehmende Touristenverkehr auf der Nürburgring-Nordschleife gar nicht möglich.

Diese Tankstelle ist nach einer vor Jahrzehnten erfolgten Gebietsreform und den folgenden Anpassungen nun der Verbandsgemeinde Vordereifel zugeordnet. Die Kraftfahrzeuge tragen das Kennzeichen MYK, die aus dem Dorf Drees, „direkt um die Ecke“, das Kennzeichen DAU, die aus Nürburg das Kennzeichen AW. - Kein Witz: Auch der Nordschleifenabschnitt gegenüber der Tankstelle („Galgenkopf“) gehört zur Verbandsgemeinde Vordereifel. Ein Stück weiter, gehört die Strecke dann wieder zur Verbandsgemeinde Adenau.

So sind dann an der Nordschleife auch unterschiedliche Bauämter zuständig.

Der jeweilige Besitzer oder Betreiber des Nürburgrings hat so eine Menge Ansprechpartner. - Man macht sich aber keine Freunde, wenn man dieses Thema offiziell anspricht.

Nicht nur der Bürgermeister von Drees hat nach der Hausdurchsuchung bei mir und den staatsanwaltlich gegen mich eingeleiteten Ermittlungen begriffen, dass ich mit meiner journalistischen Arbeit bei den „bedeutenden Politikern“ des Landes Rheinland-Pfalz zu den „ungeliebten Personen“ zähle. - Und man verhält sich entsprechend!

Ich habe noch niemals auf eine E-mail-Anfrage an den Ortsbürgermeister von Drees – wer immer es auch war - eine Antwort erhalten. Man verhält sich also so, wie sich auch die gesamte deutsche Automobilindustrie oder andere Firmen und Behörden verhalten, die von mir als „politikabhängig“ empfunden werden.

Dazu zählen natürlich auch Redaktionen und Verleger.

Das ist für meine Arbeit zwar nicht gerade vorteilhaft, hat mich in meiner Arbeit aber sensibilisiert und meine journalistische Arbeit sogar intensiviert. Wie jetzt auch das Beispiel „Nürburgring-Fahne in Kelberg“ zeigt.

So bin ich jetzt erst darauf gestoßen, dass der Bereich „Gewerbepark am Nürburgring“ weiter ausgebaut werden soll. Das war zwar schon zu Zeiten des Wirtschaftsministers Hendrik Hering angedacht, aber selbst die wohlwollende Besichtigung dieses unsagbar unglücklich – und für den Steuerzahler nachteilig – agierenden Politikers, hat die im Planungsverband „Gewerbepark am Nürburgring“ zusammen geschlossenen Ortsgemeinden Herresbach, Meuspath und Drees nicht dazu bringen können, die schon „damals“ ins Auge gefassten Ausbaupläne zu realisieren.

Schon in der Organisation dieses „Zweckverbandes“ kommt die unglückliche Gestaltung der aktuellen Gebietsgrenzen zum Ausdruck. Obwohl hier sowohl Adenau wie Kelberg beteiligt sind, wurde hier eine Form gewählt, in der dieser „Verband“ gesamtheitlich unter Leitung der Verbandsgemeinde Adenau steht. - Im Industriegebiet Meuspath ist alles AW.

Obwohl hier die Gebietsgrenzen z.B. bei einem bestimmten Betrieb mitten durch die Firma verlaufen.

Der Planungsverband „Gewerbepark am Nürburgring“ wird in der Außendarstellung aber von den Verbandsgemeinden Vordereifel, Kelberg und Adenau und den Ortsgemeinden Herresbach, Meuspath und Drees getragen.

Nun ist Meuspath als Kommune eigentlich schon lange zahlungsunfähig. Die „Zahlungsaufgaben“ werden von Adenau mit übernommen. Und auch Herresbach, zur Gemeinde Vordereifel gehörend, krankt an den ständigen Vorlaufkosten für den „Gewerbepark am Nürburgring“, von anderen schlicht als „Industriegebiet Meuspath“ bezeichnet.

Dieser „Gewerbepark“ ist bisher für die beteiligten Gemeinden kein Geschäft, sondern hat zu ständigen Belastungen geführt, die z.B. schon vor Jahren die Erstellung eines ordentlichen Haushaltsplanung der Gemeinde Herresbach gefährdet hätten, wäre es nicht auf Vorschlag des damaligen Verbandsbürgermeisters der Gemeinde Vordereifel zu einer Lösung gekommen, mit der Motor-KRITIK damals schon deutlich machen konnte, was in der Politik alles möglich ist.

In Kenntnis dieser Situation, in der man dieses Gewerbegebiet als „Zuschuss-Objekt“ empfinden musste, habe ich – zugegeben – eine mögliche Weiterentwicklung dieses „Industriegebietes“ eigentlich ausgeschlossen.

  • Ein Fehler!

So bin ich erst durch eine Fahne daran erinnert, auf die

„Einzelfortschreibung des Flächennutzungsplans VG Kelberg Bereich ‚Gewerbepark am Nürburgring‘“

gestoßen, für die schon im Februar 2017 eine „Begründung und Vorentwurf“ vorlag und die inzwischen längst beschlossen und verabschiedet ist. (Meine Leser finden diese Unterlage als pdf-Datei im Anhang zu dieser Geschichte.)

Die Gemeinde Drees ist zwar nicht als arm zu bezeichnen, aber warum tut sie sich diese neue Belastung an? - Das war die Frage, die automatisch bei mir entstand, weil mir darum – da ich der Gemeinde Drees keinen Unverstand zutraute – auch die aktuelle Entwicklung auf diesem Gebiet entgangen war.

Den „Dreh“ den Drees gefunden hat - man hält sich dort für besonders schlau - ist folgender:

Man verkauft, nachdem der Flächennutzungsplan geändert wurde und die Bauvoraussetzungen geklärt sind, die gesamten vorgesehenen 22.000 qm einer Bauträger-, Makler- und Projektentwicklungsgesellschaft. Natürlich zu einem Preis, zu dem der allseits bekannte „Nürburgring-Investor“ (und „Berater“!) Kai Richter die Vorlage lieferte.

Nur: Es scheint z.Zt. irgendwo zu haken. In den letzten Wochen wurden noch Bodenbohrungen vorgenommen und man spricht von „seltenen Gräsern“ (o.ä.), die die aktuell vorgesehenen Maßnahmen behindern, verzögern.

Kenner des vorgesehenen Baugeländes raten möglichen Käufern auch zur Anschaffung eines eigenen „Caterpillar“, da der oft notwendige Niveauausgleich im neuen angedachten Gewerbegebiet eine Menge Erdarbeiten erfordert, die dann wieder eine Menge Geld kosten.

Die angedachte Dreeser-Lösung: Die Bauträger-, Makler- und Projektentwicklungsgesellschaft erstellt nach dem Kauf des Gesamtgebietes nun zu ihren Lasten die notwendige Infrastruktur, die auf der schon vorhandenen aufbaut. Interessenten können dann von dieser Gesellschaft die fertig erschlossenen Gründstücke zu "markgerechten Preisen" erstehen und sich so im Umfeld des Nürburgrings ansiedeln.

  • Vorteil für Drees: Kein Risiko, Geld (durch den Verkauf) in der Kasse und laufende Mehreinnahmen durch die dann fließende Gewerbesteuer.

Die Zeit der Grundstücks-Sonderpreise oder Zugeständnisse bei der Gewerbesteuer sind also vorbei. Die Politik überlässt das Geschäftemachen nun der Privatwirtschaft.

Wäre man so am Nürburgring verfahren, wäre es nicht zum Skandal gekommen. (Weil kein „Privater“ zu seinen Lasten so einen Blödsinn gebaut hätte!) Es hätten aber auch nicht so viele Berater, Gutachter, Mittelsmänner und Vermittler sich „eine goldene Nase verdienen“ können.

Wie eingangs schon erwähnt, ist die Gebietsaufteilung gerade in diesem Raum um den Nürburgring, der eigentlich als Gesamtobjekt empfunden werden sollte, ein wenig verwirrend.

So bin ich bei meinen Recherchen dann auch darauf gestoßen, dass hier eine Gebietsreform bevorsteht, zumindest schon angedacht ist, die die gerade für den Nürburgring bestehenden Nachteile beseitigen soll.

Drees und damit alle Anlagen, die bisher schon dem Nürburgring zuzurechnen sind, werden dann der Verbandsgemeinde Adenau zugeschlagen werden. Damit gibt es auch für die Geschäftsleitung des Nürburgring deutlich weniger Ansprechpartner. Man kann sich in Zukunft klar in Richtung Adenau – Bad Neuenahr-Ahrweiler orientieren.

Kelberg wäre damit „außen vor“.

  • Versucht man jetzt schon mit eine Nürburgring-Beflaggung von öffentlichen Gebäuden gegenzusteuern?

Wie man sich bei dieser neuen Gebietsaufteilung dann mit der Gemeinde Vordereifel, bzw. der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz auseinander setzen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Zumindest insgesamt zeichnet sich auf diesem Gebiet nun ein Fortschritt ab.

Womit der Problemfall Nürburgring aus der Sicht des Steuerzahlers und Wählers aber immer noch ein Problemfall bleiben wird, der sicherlich auch von der EU-Kommission so empfunden werden sollte.

Denn auch die Abwicklung der Insolvenz der Nürburgring GmbH, immerhin einer (überwiegend) landeseigenen Gesellschaft ist noch nicht abgewickelt und es sind auch noch Klagen von Handwerkern zu erwarten, die einmal den marktschreierischen Formulierungen des Herrschers über Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, vertraut haben.

Jawaharlal Nehru hat einmal gesagt:

„Die Vernunft spricht leise, deshalb wird sie so oft nicht gehört.“

Da ist was dran. - Man sollte aber auch die „leisen Entwicklungen“ unter Kontrolle haben, die sonst unserer Kontrolle entgleiten. Da hat auch nicht die forsche Einführung eines „Transparenz-Gesetzes“ durch Frau Dreyer geholfen.

Aus Motor-KRITIK-Sicht ist das nur der Versuch einer Ablenkung. Oder besser: Die Erhöhung der Aufmerksamkeitsschwelle?

Ich gebe es zu: Ich bin in dem geschilderten Fall schon – fast – darauf hereingefallen!

Zum Glück bin ich aber aktuell über die Fahne in Kelberg gestolpert!

MK/Wilhelm Hahne
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1 Kommentar

immer wieder faszinierend

<p> immer wieder faszinierend&nbsp;was Ihnen, auch so im vorbeifahren, auff&auml;llt.</p> <p> vielen Dank daf&uuml;r.</p> <p> schade finde ich allerdings das die Links zu Facebook&nbsp;f&uuml;hren und deshalb , zumindest f&uuml;r mich, nicht einsehbar sind.</p> <p> &nbsp;</p> <p> alles Gute!</p> <p> Markus</p> <p> &nbsp;</p>

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