Das Neueste aus der Geschichte des Bugatti EB 16.4 Veyron

Auch meine letzte Geschichte über den neuen Bugatti - den es noch nicht gibt - hat bei einigen Leuten (die es wissen müssen) für Aufregung gesorgt. Nach ihrer Auffassung habe ich übersehen, dass inzwischen die 2. Prototypenreihe im Versuch läuft. Und da hat sich dann schon gegenüber der 1. Versuchsreihe einiges geändert. Aber je mehr man sich mit dem Projekt beschäftigt, desto wirrer wird alles. Erst sollte das Fahrzeug ab 2003 gefertigt werden, dann soll die Produktion jetzt im April 2004 starten. Laut Bugatti (Internet) fand im Oktober auf der Tokyo Motorshow die Präsentation der Serienversion statt. Am 31. Juli 2002 waren die Prüfstandstests für den Motor abgeschlossen, aber danach wurde er nach meiner Kenntnis noch einmal konstruktiv überarbeitet. Und läuft inzwischen auf Prüfständen im Bergischen Land. Da wurde in Braunschweig die Lenkung entwickelt, auf der Basis von VW-Lenkungen, aber inzwischen unterscheidet sie sich von denen durch 70 Prozent andere Teile. Sie wurde auch längst für die Serienfertigung (mit 400 Stück) in Auftrag gegeben, aber Herr Pischetsrieder erklärt der FAZ, dass eine im Herbst vorgesehene Fahrpremiere wegen der Lenkung verschoben wurde. Und während auf der Internet-Seite von Bugatti vom Auftritt des Bugatti EB 16.4 Veyron in Amerika geschwärmt wird, erreichen mich von dort ganz andere Informationen.  

Bugatti war nicht gestern - Bugatti ist erst übermorgen

03-11-21/05. - Wenn in einem Automobilwerk so um dreißig "Phaeton" verschwinden können, muss man sich auch nicht wundern, wenn dort Informationen unter gehen. Oder man zieht einen Teppich drüber, nach dem man sie unter den Tisch fallen ließ.

Da treffe ich den Ingenieur eines süddeutschen Automobil-Herstellers. Wir plaudern ganz allgemein, weil der sich hüten wird, etwas über "seine" Probleme (die seines Arbeitgebers) zu erzählen. Ich erzähle ihm, dass gerade auf der Nürburgring-Nordschleife das Drehmoment (und die wechselnden Belastungen - auch dank ESP-Mitarbeit) die fünf Radmuttern des linken Hinterrades an einem SL (AMG) abgedreht hat. Ergebnis: Unfall und Abtransport. - Aber gleich in die Heimat. Damit es nicht auffällt.

Er sagt, dass er das nicht versteht, weil sie doch mit Drehmoment gar kein Problem hätten. Selbst die Antriebswellen... - Mein Einwand: weil die vielleicht jetzt halten, sind die Radmuttern die schwächste Stelle. Und ich frage, warum diese Superwerte eigentlich sein müssen. Für wen? - Wenn ich da an Bugatti denke... - ("smart" kommt bei seinem Sportwagen mit drei Radmuttern aus. - Was man da spart...) -

Sein Einwand: "Das verstehe ich auch nicht, warum die immer noch Probleme mit den Antriebswellen haben. - Das ist bei uns - auch bei noch größerem Drehmoment - wirklich kein Problem mehr." - Als ich jetzt wieder in Richtung Bugatti schwenke, dreht er ab: "Lassen Sie uns übers Wetter reden."

Herr Dr. Neumann, noch als Chef der Bugatti S.A.S. im Oktober in Tokyo bekräftigt dort noch einmal: "Nichts steht dem planmäßigen Anlauf der Produktion im Wege; im April 2004 wird das erste Fahrzeug ausgeliefert."

Und ich muss wirklich die 2. Prototypenserie übersehen habe. Selbst wenn es die gibt und Bugatti behauptet, in Tokyo (also im Oktober) habe die Präsentation der Serienversion des EB 16.4 Veyron stattgefunden: das Serienfahrzeug kann so nicht aussehen. Weil man nach meiner Einschätzung mit diesem Fahrzeug nicht die im Windkanal ermittelten möglichen 407 km/h Höchstgeschwindigkeit fahren kann. - Oder riegelt man bei 250 km/h ab?

Man hält mir vor, das Auto wäre doch schon erfolgreich in den USA auf einer Rennstrecke vorgestellt worden. Nach dem ich das auch so gelesen  hatte, erreichten mich Anrufe von Leuten, die im August auf der Rennstrecke Laguna Seca (bei Monterey, Kalifornien) mit dabei waren. Sie haben die vermeldeten Einführungsrunden (angeblich) mit beobachtet. Und das sah dann, von einer Position an Start und Ziel beobachtet, so aus:

Der Bugatti EB 16.4 Veyron setzte sich vor dem Rudel von alten Bugatti-Rennwagen in Bewegung und verschwand dann hinter einem Hügel aus den Augen der Beobachter. Dann stieg hinter diesem Hügel eine Rauchsäule auf - und mein Informant hat den Super-Bugatti nicht mehr gesehen. "Der ist wohl still und heimlich im Fahrerlager verschwunden." - Vor Ort wurde von Bremsversagen und ins-Kiesbrett-rutschen gesprochen. Andere meinten... - Egal!

Bugatti nennt sein Fahrzeug einen "zeitgemäßen Hochleistungssportwagen". - In welcher Zeit leben wir denn? - Der W 16-Motor, also praktisch  zwei ineinander verschränkte Achtzylindermotoren, haben insgesamt einen Hubraum von rund acht Litern. Der Motor ist ein Direkteinspritzer, der von vier Turboladern auf 1001 PS und 1250 Nm Drehmoment gebracht wird. Da vermeldete Bugatti am 31. Juli 2002: "Prüfstandtests abgeschlossen. Im Laufe der Tests brachte der Motor erstmals eine Nennleistung von 1001 PS und das enorme Drehmoment von 1250 Nm. Damit ist der Bugatti-Motor mit Abstand der stärkste Motor, der in einem Serienfahrzeug zum Einsatz kommt." - Toll!

Und warum läuft der jetzt noch immer - mit scheinbar unbefriedigendem Ergebnis - auf den Prüfständen der Firma Dr. Schrick in Solingen? - Darf man fragen, wie hoch der Verbrauch dieses Motors in der Kaltlaufphase ist? - Wenn man sich den Verlauf der Ansaug- und Auspuff-Führung betrachtet, kann man es ahnen. Und welche Reifen werden - bei dem Gewicht und der möglichen  Höchstgeschwindigkeit - verbaut werden? - Und im April 2004 fahrfertig lieferbar?

Wobei mir in diesen Tagen überzeugend und eindringlich klar gemacht wurde, dass das ursprüngliche Gewicht in der jetzigen Version (alles Serie oder was?) schon auf 2.040 Kilogramm gesunken wäre. Und der Motor benötigte auch nicht mehr 100 Liter Kühlflüssigkeit, sondern nur noch 40 Liter. Und im weiteren Bereich der Entwicklung wäre es sicherlich möglich... - Entschuldigung! - "Im April 2004 wird das erste Fahrzeug ausgeliefert", hat Dr. Neumann in Tokyo erklärt. - Wäre es nicht langsam an der Zeit, alle Versuche abzuschließen, müssten sie nicht längst abgeschlossen sein?

Nun ja, die Lenkungen - 400 Stück - seien schon für die Serienfertigung bestellt und auch... - Mein Einwand: Aber der Motor ist doch noch längst nicht fertig. Und hatte die Lenkung nicht - lt. Herrn Pischetsrieder - zu Beanstandungen geführt, so dass eine Fahrpremiere verschoben wurde?

Jeder argumentiert in Sachen Bugatti auf seine Weise, nach seinem Informationsstand. Und ich habe den Eindruck, dass niemand so richtig weiß, wie eigentlich der Entwicklungsstand des neuen Bugatti ist. Denn jeder hat andere Informationen und damit andere Voraussetzungen für seine Termin-Rechnung.

Bei all diesen Zeit-Rechnungen dürfen wir nicht vergessen, dass den Käufer eines Bugatti EB 16.4 Veyron eine Rechnung von 1 Million Euro erwartet. Dafür erwartet der dann auch einen Gegenwert. Nicht nur in Materialien, sondern  auch in geprüfter Qualität und damit - Zuverlässigkeit. Was nutzt einem ein Sportwagen mit 1001 PS, wenn man die nicht nutzen kann? - Was nutzt ein Drehmoment von 1250 Nm wenn das einen deutlich verstärkten Antriebsstrang erfordert, der wieder mehr Gewicht bringt, und höheren Verbrauch.

Und was nutzt das schönste Fahrzeug, wenn es sich im Hochgeschwindigkeitsbereich aus aerodynamischen Gründen nicht (sicher) fahren lässt?

Aber vertrauen wir den  Bugatti-Lieferzusagen: zuerst war es "ab 2003", dann "April 2004". Gut, dass das ein Monat ist, dessen 1. Tag bekannt und berüchtigt ist. - Warten wir also ab. - Gut, wenn das nun  auch Millionäre lernen müssen.

Aber vielleicht liefert man denen - ersatzweise, bis dass der Bugatti lieferbar ist - einen VW Phaeton. Da stehen doch genug von  herum. - Pardon! Davon hat man im Hinblick auf die derzeitige Bugatti-Situation genügend vorproduziert. - Und wenn die Bugatti-Kunden ganz brav sind, dürfen die auch den Phaeton behalten.

MK/Wilhelm Hahne


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