Macht Mercedes Rosberg zum Weltmeister?

„Eine Monsterrunde“, lobte „Toto“ Wolff die schnellste Runde im Qualifying von Nico Rosberg zum „Großen Preis von China“. Motor-KRITIK hat das auch so empfunden. Das „Monster“ Mercedes hatte da mal wieder etwas vorbereitet. Hamilton wurde zum Statisten verurteilt und Rosberg wurde mit seiner Darstellung vor laufenden Kameras zum Volksschauspieler. Mercedes lässt sich das Schauspiel etwas kosten. Aber man empfindet wohl in der Stuttgarter Marketingabteilung, dass sich ein Nico Rosberg als F1-Weltmeister 2016 besser vermarkten lässt als ein Lewis Hamilton. Man muss schließlich daran denken, dass das Markenbild gegenüber der entsprechenden Klientel von Kaufinteressenten fürs Premium-Pkw-Programm nicht „verzerrt“ dargestellt wird. Die Überlegenheit der F1-Renner von Mercedes ist auch so groß, dass man Regie führen kann. Allerdings kann man nicht das Gesamtprogramm der F1 beeinflussen. - Und so fuhr Hülkenberg dann im Rennen die schnellste Runde mit 1:39.824 und landete auf Platz 15. - ??? - Paddy Lowe, der Technical Executive Director des Mercedes-Teams (pardon: AMG Petronas Formula One Team) hatte schon Tage vor dem Rennen versprochen: „Wir können einige interessante Strategie-Entscheidungen erleben.“

Macht Mercedes Rosberg zum Weltmeister?

Motor-KRITIK hätte beim Formel 1-Rennen in Shanghai einen Ford-Fiesta gewinnen können. - Wenn wir bei RTL angerufen hätten. Darum gehören wir auch nicht zu den Siegern – bei der F1-Übertragung von RTL.

Und schuldbewusst müssen wir zugeben: Wir haben auch kein „Krombacher“ während der Übertragung getrunken, weil wir das Rennen – und das Ergebnis – ganz nüchtern betrachten wollten.

So haben wir nüchtern die Aussage von „Toto“ Wolff, dem smarten Österreicher als „Chef“ des Mercedes-Teams, nach dem Rennen registriert, der sagte:

„...Als das Safety Car herausging, versuchten wir bei ihm (Anm.d.Redakt.: Lewis Hamilton) etwas anderes und setzten den SuperSoft ohne Positionsverlust ein. Das sollte ihm im Verlauf des Rennens einige Strategieoptionen eröffnen. ...“

Eine wahnsinnig gute Entscheidung. Wenn der Zweck die Mittel heiligt. Und „ohne Positionsverlust“! - Hamilton kam als 20. herein und fuhr als 20. heraus. - Toll! - Aber so kam Lewis Hamilton auf fünf Boxenstops während des Rennens und Nico Rosberg auf zwei.

Schon vorher hatte Lewis Hamilton eine Menge Pech bei diesem Rennen. Er bekam vorher ein neues Getriebe. Das ist keine Entscheidung des Fahrers, sondern der Techniker und hätte Lewis Hamilton entsprechend dem Reglement, dann nach dem Qualifying um fünf Startplätze nach hinten gebracht.

Erstaunlich auch, dass das Team Hamilton in Q1 mit Intermediates auf eine erste Inspektionsrunde schickte. Kein anderes Team hatte eine so kluge taktische Entscheidung getroffen. Lewis Hamilton musste auf dieser Runde aber die Feststellung treffen, dass der Motor keine Leistung hatte.

So stieg er dann – nach dieser ersten Runde - schon aus, konnte also am Qualifying nicht teilnehmen und musste darum am Sonntag vom letzten Startplatz aus ins Rennen gehen. Sein Team hatte ihm über Nacht einen neuen Motor – oder sagen wir besser – eine neue Gesamtantriebsquelle – eingebaut.

Niki Lauda, der – so der Motor-KRITIK-Eindruck – auch gute Miene zum bösen Spiel machte, sah rein theoretisch für Lewis Hamilton die Möglichkeit auf Platz drei oder vier zu kommen. Aber wie das Schicksal so spielt: Lewis Hamilton wurde in einen kleinen Crash in der ersten Kurve verwickelt und als dann das Safety Car heraus ging, kam es zu der von „Toto“ Wolff o.g. Vorbereitung möglicher „Strategieoptionen“, in dem man ihn in Runde fünf auf Super-Softreifen umbereifte.

Lewis Hamilton verstand, nachdem er so bereift auf die Strecke geschickt worden war, eigentlich die Welt nicht mehr. Er kam dann auch in der sechsten Runde wieder herein, um wieder auf Softreifen umgestellt zu werden.

Insgesamt kam er während des Rennens auf fünf Reifenwechsel, während Rosberg zwei vornehmen musste. Allein daraus ergibt sich für Rosberg ein theoretischer Vorteil von um gut einer Minute.

Hamilton beendete das Rennen 1:18.230 hinter Rosberg auf Platz sieben. Er selbst hatte - durchaus realistisch – vor dem Rennen für sich ein Endergebnis auf Platz sechs angepeilt.

Der kleine Crash in Runde eins beschädigte aber sein Fahrzeug so, das er schon mit einem (kleinen) Handicap unterwegs war.

Alle Mercedes-Verantwortlichen hatten sich vor dem Rennen große Mühe gegeben, das Ferrari-Team zu ernsthaften Konkurrenten hochzustilisieren. Auch Rosberg wollte nicht von einem möglichen leichten Sieg sprechen, hatte seine Bedenken, die auch gerne veröffentlicht wurden. - Sport, Spiel, Spannung?

Man versuchte tatsächlich eine Spannung bei den Zuschauern vor Ort – und vor dem Fernseher – aufzubauen, die nicht erwartet werden konnte. Auch nicht in Shanghai. Für Motor-KRITIK war nur interessant, wie die „Fachjournalisten“ die Situation einschätzten. - Natürlich auch so wie die „Experten“ von Mercedes.

Motor-KRITIK empfindet die gute schauspielerische Leistung aller direkt Beteiligten als „Lustspiel“, über die man vor dem Fernseher sitzend dann auch laut lachen kann. - Werfen wir doch mal einen ernsthaften Blick auf Qualifying und Rennen:

Nico Rosberg erzielte seine Bestzeit in Qualifying, die ihn auf Startplatz 1 im Rennen brachte, zwar mit SuperSoft-Reifen, war aber als Einziger mit Soft-Reifen (den langsameren) in Q2 der Schnellste gewesen, während alle anderen - also Neun der ersten Zehn - da mit Super-Soft unterwegs waren. Die Differenz zwischen diesen zwei Reifenmischungen liegt bei um 1 Sekunde pro Runde. - Und 2016 muss man bei einem geänderten Reglement gegenüber 2015 mit der Reifenmischung starten, mit der man in Q2 den Sprung in Q3 erreicht hat.

Rosberg fuhr in Q3 knapp sechs Zehntel Sekunden schneller, als der schnellste Ferrari. Räikkönen war in diesem Fall schneller als Vettel gewesen, gab aber zu, noch kleine Fehler gemacht zu haben. Bei Vettel waren die Fehler noch größer, so daß er noch deutlicher hinter Rosberg zurück lag, der nach dem Qualifying zu Protokoll gab:

„...Ich machte bei meinem ersten Versuch im Q3 einige Fehler, aber meine letzte Runde war ziemlich gut. Allerdings sagte Kimi, dass er einen Fehler auf seiner letzten Runde gemacht hat. Wenn wir das berücksichtigen, ist der Abstand sicher nicht so groß wie er heute in der Zeitenliste erscheint. Am Freitag waren die Ferraris auf dem gleichen Niveau wie wir. Wir müssen uns also auf eine große Herausforderung durch die roten Autos einstellen. Im Rennen könnten wir einige Überraschungen erleben. ...“

Nirgendwer hat darauf aufmerksam gemacht, dass Rosberg seinen besten Platz in der ersten Startreihe auf den „langsameren Reifen“ in Q2 herausfuhr. Das brachte ihm dann im Rennen den Vorteil, bei seinem ersten Turn länger draußen bleiben zu können.

Zugegeben: Alles sehr kompliziert. Auch Motor-KRITIK hat diese Geschichte in vorstehendem Punkt ein wenig korrigieren müssen. Der Motorsport ist leider derzeit in allen Sparten etwas überreglementiert. Man glaubt so die Spannung erhöhen zu können. Dazu braucht man dann noch Fahrer, die Marketing-Thesen verbreiten. Hamilton ist da offenbar weniger "willig" als Rosberg. - In Shanghai war dieser "Störfaktor" dann auch nicht als Konkurrenz vorhanden.

Rosberg konnte es sich so erlauben, auch im Rennen vom vordersten Startplatz aus „mit gebremstem Schaum“ zu fahren. Er hatte alles souverän im Griff. Am Ende war Vettel mit seinem Ferrari gut 37 sec hinter ihm. Und insgesamt fünf andere Fahrer auf den hinteren Rängen fuhren im Rennen schnellere Rundenzeiten als der Sieger Rosberg. - Ist das normal?

Rosberg fuhr als Sieger des Rennens seine schnellste Runde mit 1:40,418 min. Hülkenberg, der auf Platz 15 einlief, fuhr mit 1:39,824 min. die schnellste Runde beim „Großen Preis von China“. Aber noch weitere vier Fahrer, nämlich Verstappen, Button, Gutierrez und Grosjean fuhren im Rennen schnellere Runden als Rosberg.

Und Ferrari wird als der härteste Verfolger von Mercedes dargestellt? - Das stimmt! - Aber man ist – wenn Motor-KRITIK das Rennen in China zum Maßstab nimmt, bezogen auf eine Runde, wenn man auf gleichem Reifenmaterial unterwegs ist immer noch um rd. eine Sekunde zu langsam.

Das ist die Realität. Mercedes sollte aufhören, derzeit Ferrari als ernst zu nehmenden Konkurrenten zu bezeichnen. Der einzig ernst zu nehmende Konkurrent von Nico Rosberg auf Mercedes, nun scheinbar auf dem Weg zur F1-Weltmeisterschaft 2016, ist Lewis Hamilton.

Man darf darauf gespannt sein, welches Pech ihn bei den nächsten Rennen ereilt.

Es muss an seinem Horoskop liegen. - Oder?

Motor-KRITIK hat mal nachgeschaut:

„...Finanziell stehen Ihnen sowohl Finanzstern Merkur als auch Glücksplanet Jupiter zur Seite - 2016 wird Ihr Jahr! Intuitiv wissen Sie, welche Chancen Sie ergreifen müssen, damit die Kasse klingelt. ...“

Na denn... -

Übrigens: Formel 1 ist Motorsport. Weil das so eine Art Sport ist, sollte auch dort der Beste gewinnen. Und weil dazu auch technisches Gerät gehört, sollte der beste Mann auf dem besten Fahrzeug gewinnen. Nach der subjektiven Einschätzung von Motor-KRITIK ist das derzeit Lewis Hamilton auf Mercedes. - Warum geschieht das nicht?

Pech kann man mal haben. Hamilton sollte es aber – s. Horoskop – dann auch nutzen, „damit die Kasse klingelt“.

Die nächste Vorstellung des AMG Petronas Formel One Team ist am „Tag der Arbeit“ (1. Mai) im Sochi Autodrom (Russland). Für interessierte Formel 1-Besucher: Ein Visum für Russland kostet um 160 Euro!

Mit dem ADAC kann man den Formel 1-Zirkus in Russland ab 4.178 Euro (Karten+ Versandgebühr 3 €) für 4 Tage erleben.

MK/Wilhelm Hahne

PS: Dies ist eine „Muster“-Geschichte für Unentschlossene. Lohnt sich ein Motor-KRITIK-Abonnent? - Das muss jeder selber entscheiden. Jedenfalls sind nicht nur die „offenen“ Motor-KRITIK-Geschichten (Nürburgring- und „Lieber Leser“) interessant und nach besten Wissen und Gewissen (!) verfasst und recherchiert, sondern auch die „anderen Themen“, die nur Abonnenten vorbehalten sind. - Wie normalerweise diese Formel 1-Geschichte. (Abo-Kosten: s. rechter Seitenrand oben)

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