Wird aus „heißer Luft“ ein kalter Wind?

Am 27. Juli 2014 gab es eine Pressemitteilung der CNG, der „capricoron NÜRBURGRING GmbH“, in der u.a. zu lesen war: „Die capricorn NÜRBURGRING GmbH (CNG) hat die Weichen für die Zukunft über ihre diversen Hotelkapazitäten gestellt und einen neuen Managementvertrag mit der internationalen Lindner Hotels AG mit Sitz in Düsseldorf abgeschlossen. Ab dem 1. Januar 2015 wird der Betrieb des gesamten Hotel- und Gastgewerbes der CNG für zunächst drei Jahre von der Lindner Gruppe geleitet. Das 4-Sterne Haus wird künftig ‚Motorsport & Congress Hotel Nürburgring’, das 3-Sterne Haus ‚Hotel Grüne Hölle Nürburgring’ und die Ferienhäuser im benachbarten Drees ‚Ferienpark Nürburgring’ heißen. Über die Details des Managementvertrages haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.“ - Am 17. August 2015 liest man in einer aktuellen „Nürburgring-NEWS“ der CNG: „Die Sicherheit auf der Nordschleife bei Rennen, aber auch bei Testfahrten der Industrie und bei Touristenfahrten hat für uns höchste Priorität“, erklärte Carsten Schumacher, Geschäftsführer der Nürburgring-Betreibergesellschaft CNG beim Runden Tisch am Montag, 17. August im Lindner Congress & Motorsport Hotel am Nürburgring.

Wird aus „heißer Luft“ ein kalter Wind?

Das Beispiel aus dem Vorspann zu dieser Geschichte ist symptomatisch. Ab 1. Januar 2015 sollte das Hotel an der neuen Zufahrt zur Grand-Prix-Strecke „Motorsport & Congress Hotel Nürburgring“ genannt werden. Die Zuordnung „Lindner“ verschwindet. - Verkündet Carsten Schumacher am 27. Juli 2014.

Am 17. August 2015 vermeldet er dann einen „Runden Tisch“, an dem er teilgenommen hat, der – Zitat – im „Lindner Congress & Motorsport Hotel“ stattfand.

Hat Carsten Schumacher die Aussage in seiner Pressemitteilung vom 27. Juli 2014 vergessen?

Aber es scheint immer noch eine Steigerung möglich:

Am 17. August 2015 ist in der aktuellen „Nürburgring-NEWS“, getitelt mit:

„Mehr Sicherheit auf der Nordschleife“

zu lesen:

Stellvertretend für den 22-köpfigen Expertenkreis am Runden Tisch, zu dem der Nürburgring eingeladen hatte, erklärte DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck, der nicht persönlich teilnehmen konnte: 'Alle Beteiligten wollen die Nordschleife und ihre Einzigartigkeit erhalten. Jedoch ist jedem bewusst, dass wir die Sicherheit erhöhen müssen. Für dieses Ziel hat der Nürburgring als Strecken-Betreiber mit großem Einsatz eine Reihe von wirkungsvollen Maßnahmen detailliert ausgearbeitet, die bei diesem Runden Tisch auf breite Zustimmung gestoßen sind.'“

Es handelt sich also bei dem „22-köpfigen Expertenkreis“ offenbar um eine Instanz ohne Substanz. Sie wurde nur als Staffage missbraucht? - Und der Herr Stuck erklärte zum Ergebnis des „Runden Tisch“ im einem Hotel, das es mit diesem Namen seit dem 1. Januar 2015 nicht mehr gibt, was es denn in den nächsten Jahren am Nürburgring geben soll. - Toll!

Und Audi plant aktuell – überall vermeldet – dass man einen „E-Stadtgeländewagen“ (?) in der Entwicklung hat, der eine Reichweite von 500 Kilometern haben soll. - Es soll ihn dann in 2018 geben. - Und alle Medien klatschen Beifall! - Toll!

Toll ist auch, dass man die derzeitige Situation des Nürburgrings in einem wirren Insolvenzverfahren – Herrn Lieser sei Dank! - ganz vergisst. - Das wäre eigentlich das, was man aktuell berücksichtigen sollte. - Und das weder in den „nächsten Jahren“, noch in 2018 (wie die Fach-Kollegen bei Audi jubeln). - Jetzt!

Aber in der „News“ von der Nürburgring-Internetseite (es ist keine Presse-Info!) liest man auch:

„Der Teilnehmer-Kreis sprach sich zudem für eine sukzessive Umsetzung der Maßnahmen in den kommenden Jahren aus.“

Es ist in den „News“, die in der Computer-Kennung mit „UB“ (Uwe Baldes) gekennzeichnet ist, z.B. auch zu lesen:

„Insbesondere die Sicherheit der Zuschauer steht im Vordergrund der Planungen für zusätzliche Schutzzäune in mehreren Streckenabschnitten und einer Sperrzone im Bereich Schwedenkreuz. Zur Erhöhung der passiven Sicherheit ist die Optimierung der Schutzlinien durch zusätzliche Leitplanken und FIA-Schutzzäune vorgesehen, beispielsweise entlang der Döttinger Höhe zur besseren Absicherung der angrenzenden Bundesstraße.“

Die 22 Experten (!) des aktuellen „Runden Tisch“ werden sich sicherlich kaum an den 12. April 2008 erinnern, wo beim Training zu einem VLN-Rennen zwei Fahrzeuge auf der „Döttinger Höhe“ kollidierten. Das war, nachdem FIA-Zäune installiert worden waren, zu deren Aufstellung ich „damals“ (nachzulesen in meinem Buch) schrieb:

  •  Der FIA-Zaun wurde bisher zum Teil mit untauglichem Material verbaut.
  •  Seine Aufstellung kann - wie ich in der Vergangenheit aufgezeigt habe - keine Unfälle verhindern.
  •  Das mit der Aufstellung des FIA-Zauns z.T. verbundene Versetzen der Leitplanken kann die Unfallgefahr erhöhen.
  •  In der ersten Bauphase erfolgte der Bau ohne jede Genehmigung.
  •  Es erfolgte offenbar keine Baukontrolle.
  •  Die Baugenehmigung wurde dann in Turbo-Geschwindigkeit erteilt.
  •  Die FIA hat diesen Zaun nicht gewollt.
  •  Laut Nürburgring GmbH (und DMSB) erfolgt der Bau mit Ausrichtung auf eine Zukunftssicherung der Strecke.
  •  Die Strecke steht zum großen Teil unter Naturschutz.
  •  Zuschauer werden offiziell nur bei einem Rennen an der Nordschleife geduldet.
  •  Die Durchführung irgendwelcher Rennen wäre nicht gefährdet gewesen, wenn der FIA-Zaun nicht gebaut worden wäre.
  •  Der FIA-Zaun verschandelt die Eifel-Landschaft.
  •  Der FIA-Zaun verändert den Charakter dieser Natur-Rennstrecke.
  •  Dieser FIA-Zaun wird die Zuschauerzahlen in Zukunft mindern.
  •  Dieser FIA-Zaun ist also in seiner Wirkung geradezu kontraproduktiv zu den anderen Bemühungen der Nürburgring GmbH um mehr Besucher.
  •  Warum wurde dann dieser FIA-Zaun überhaupt gebaut?

Damals, am 12. April 2008, hingen die Plastik- und Carbon-Teile in den Bäumen oberhalb der FIA-Zäune an der „Döttinger Höhe“. Und ein Streckenposten (weibl.) erlitt einen Armbruch, weil sie zum vorderen Streckenposten Sichkontakt halten musste (lt. Vorschrift), das aber nicht hinter ihrem neuen FIA-Schutzraum konnte und darum vorgetreten war.

Vergessen? - Wahrscheinlich einfach nicht gewusst. - Aber auch nicht begriffen, dass es die absolute Sicherheit nicht geben kann. Sonst müsste man auch in den Zuschauerbereichen alle Mauselöcher schließen, in die man treten und sich den Fuß brechen kann. - Aber die CNG haftet ja nicht. - Sie kassiert ja nur.

Ich bin jahrezehntelang auf dem Nürburgring, auf der Nordschleife, Rennen gefahren. Ich bin für Sicherheit! Aber nicht für die Darstellung von Sicherheit, die nur Alibi-Charakter hat.

Um den neu entstandenen Ansprüchen – welchen eigentlich (?) - von Sportbehörden zu entsprechen? - Die Rennergebnisse werden in Tausendstel-Sekunden gemessen, wegen Verfehlungen um 1 sec bei der Boxen-Mindeststandzeiten (auch ein Blödsinn!) wird eine Sport-Strafe verhängt und die Funktionäre, winken im Schutz ihrer Sportbehörden dann Rennen um zwei Sekunden zu früh ab?

Um ein Ergebnis zu manipulieren? - Oder aus Dummheit, Trägheit, Zufall?

Hans-Joachim Stuck hat am 17. August – in Abwesenheit (!) – ein „Präsidenten-Blabla“ geäußert. Er hat die Möglichkeit seine Aussagen zu konkretisieren. Mit Unterstützung des Geschäftsführers der CNG, Carsten Schumacher. - Es wäre schön, wenn auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler am 21. August 2015 „vor Ort“ wäre. Das ist der Mann, der für die Baugenehmigungen der FIA-Zäune durch „seine Behörde“ verantwortlich ist.

Handelt er verantwortlich? - Sind die angedachten Maßnahmen der 22-köpfigen Experten-Kommission sinnvoll?

Keiner – außerhalb dieser Gruppe – kennt die Namen und die Kompetenz dieser Damen und Herren!

Auch sie sollten sich am 21. August 2015 den Fragen der interessierten Fans beim „STRaßenfest“ in Nürburg stellen!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Die „Nürburgring-NEWS“ finden Sie natürlich im Anhang als pdf-Datei. - Weil Sie es sonst vielleicht „nicht fassen können“.

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