DTM: Kam der „zündende Funke“ per Funk?

Die Einstellung von Motor-KRITIK gegenüber der Motorsport-Kategorie „DTM“ war immer klar und unmissverständlich: Das ist eigentlich kein Motorsport, sondern eine vom Marketing gesteuerte Werbeveranstaltung, deren Sinn ich bis heute nicht verstanden habe. Vielleicht muss man Vorstandsmitglied bei einem Automobilhersteller sein, um dafür ein Gefühl zu entwickeln. Ich persönlich finde es spannender einem Eisstockschießen im Fernsehen zuzuschauen, als einem DTM-Rennen. Beides sind keine olympischen Veranstaltungen aber setzen einen stark unterschiedlichen Aufwand voraus. - Dadurch dass die DTM in der ARD in Deutschland einen Medienpartner gefunden hat, hat diese Serie eine gewisse Popularität erreicht. Aber das Publikums- bzw. Zuschauerinteresse (beim Fernsehen und am jeweiligen Veranstaltungsort) schwindet mehr und mehr. Darum versucht man mit Änderungen im Veranstaltungsablauf ein größeres Interesse zu erreichen. Das Interesse an der DTM erhöhte man beim letzten DTM-Rennen im österreichischen „Spielberg“ dann ganz einfach, indem man Anweisungen, die sonst verborgen bleiben, einmal öffentlich machte. Dem Medienpartner ARD sei Dank!

DTM: Kam der „zündende Funke“ per Funk?

Nein, die DTM ist keine Meisterschaft. Sonst würde man sie auch so benennen. Da „D“ steht für Deutsche, das „T“ für Tourenwagen, das „M“ für Masters. Darum kann es auch keinen „Meister“ geben. Auch bei der ARD hat man das scheinbar noch nicht verinnerlicht.

Man nimmt es eben nicht so genau. Die Automobilhersteller schon. Man möchte schon eine Serie, in der das Produkt, das jeweilige Fabrikat, das Werk im Vordergrund steht, nicht der Fahrer. Darum setzt man inzwischen keine Persönlichkeiten mehr als Fahrer ein, sondern solche, die – wenn sie nicht durch die DTM daran gehindert werden – noch zu einer solchen reifen wollen. - Später mal.

DTM-Fahrer sollten austauschbar sein, pflegleicht und abhängig. Über die Höhe der Bezüge der Fahrer herrschen in der Öffentlichkeit falsche Vorstellungen. Es sind in der Mehrzahl eher Gehälter, die dem Einkommen mittlerer Angestellter entsprechen. Die Zeiten, in der die Bezüge z.B. noch einen Umweg über Liechtenstein nehmen mussten um Steuern zu sparen, sind für DTM-Fahrer vorbei.

Die Fahrer beziehen ihre Gehälter auch weniger für ihre Fahrkünste, sondern mehr dafür, dass sie auch zur Erledigung der unterschiedlichsten Marketingaufgaben zur Verfügung stehen. Sie sind Figuren, die durch die „Strippenzieher“ der Werke – nach Anweisung also – im richtigen Moment das richtige tuen. - Müssen! - Also nur das, was von diesen Herrschaften gewünscht ist.

Wie gut das funktioniert, war denn – ausnahmsweise - am letzten Wochenende in der ARD in kurzer Abfolge von Ton und Darstellung im Bild zu sehen:

Ein „Strippenzieher“ rief:

„Timo, schiess ihn raus!“

...und Timo schoss. - In diesem Fall dann „Zwei auf einen Streich“. - Ob er da mit einer Prämie rechnen kann? - Bezeichnender Weise ist Timo noch der Sohn eines Fahrlehrers. - Auch das noch!

In der ARD war man unsicher, ob man richtig gehört hatte. Weil doch eigentlich das, was nach den Regeln eines sportlichen „Fairplay“ nicht passieren durfte, nun gerade vielen Fernsehzuschauern ohne Bestellung ins Haus geliefert wurde:

Ein Beispiel dafür, dass die DTM eigentlich kein Sport ist. Und deren Fahrer mehrheitlich „Abhängige“ sind, zumindest sich so verhalten.

Schließlich geht es wohl um die Existenz! - Oder so.

Und jetzt geht ein Aufschrei durch die Medien. Die einen sprechen vorsichtig von „Ärger um Funkspruch“, die anderen sprechen von „Abschusserklärung“. Eigentlich war es nur eine Offenbarung, die der Öffentlichkeit klar machen könnte, was die DTM wirklich ist.

Wenn im Rennen davor – in Zandvoort – plötzlich sieben BMW's die ersten sieben Plätze belegen, während sie vorher nur hinterher fahren durften, dann wird das als Leistung von BMW verkauft. - Hat man wirklich in der Öffentlichkeit „überhört“, dass BMW mit dem Rückzug aus der DTM gedroht hatte?

Es hat doch funktioniert!

Es hat auch funktioniert, wenn schon vor Jahren bei einem bestimmten Fabrikat bei einem bestimmten Rennen „besonders starke Motoren“ zum Einsatz kamen, um die angereisten Vorstände einer bestimmten Firma freudig zu stimmen.

Es hat auch funktioniert, wenn sich auf einer bestimmten Rennstrecke an den Rennfahrzeugen eines bestimmten Fabrikats ab einer bestimmten Geschwindigkeit die Heckflügel so flach stellten, dass ein höherer Top-Speed möglich wurde.

Ich erinnere mich noch gerne der Aussage eines Vorstandsmitglieds der an der DTM teilnehmenden Hersteller auf einer großen Automobilausstellung, als ich dem auf einem nahe gelegenen Ausstellungsstand ein Wettbewerbsfahrzeug aus einer in einem anderen Land erfolgreichen Tourenwagenserie zeigen wollte:

„Glauben Sie etwa, wir würden gegen solche Blechkisten fahren?“

Ja, ja – auch die „Gegner“ sollten schon ein gewisses Niveau haben. Premium eben! - In der DTM ist das Niveau dann auch grundsätzlich gleich.

Technisch und optisch gibt es kaum einen Unterschied. Und der kleine Unterschied, der dann – wie auch immer – den Sieg des einen oder auch des anderen Fabrikats sicherstellen kann, der ist leicht herzustellen.

Aber man kann doch wirklich nicht die brutale Realität im Fernsehen offen darstellen. Das Fernsehen dient zur Darstellung einer Welt, in der sich die Zuschauer – die Seher – glücklich fühlen sollen. - Alles ist gut! - Es ist die Darstellung von Motorsport aus der Sicht von Marketing-Experten der Hersteller. Aber natürlich „auf die feine Art“!

Und nun so etwas! - Da muss man hart durchgreifen! - Da müssen, für die Öffentlichkeit nachvollziehbar, drakonische Strafen verhängt werden. - Natürlich sollte man die schon... - Also ganz so weit darf man nicht gehen. - Aber schließlich muss man das Gesicht wahren.

Natürlich ist auch zu berücksichtigen, dass der Präsident des DMSB noch einen gut dotierten Beratervertrag mit einem großen deutschen Automobil-Konzern hat und dass der DMSB ab und an auch Fahrzeuge für seine DMSB-Sicherheitsstaffel braucht. Und weil... -

Ein leitender Mitarbeiter eines deutschen Importeurs pflegte bei der Entstehung von ähnlichen Konstelationen zu fluchen:

„Verdammte Notzucht!“

Da haben jetzt schon Werke „ihren Fahrern“ Anweisung gegeben, zu den Ereignissen in „Spielberg“ nichts mehr zu sagen. Und wenn doch, gilt es nur das zu äußern, was man den Mitarbeitern, von denen man „Loyalität“ erwartet, als intern entwickelte – sozusagen - „justistiabel abgestimmte Aussagen“ mit auf den Weg gegeben hat.

Nun gilt es Zeit zu gewinnen. Und die Öffentlichkeit „einzulullen“.

Die Zeit heilt alle Wunden!

Im September 2015 hat die DTM dann auch ihren Auftritt am Nürburgring. Damit sich die – wahrscheinlich nicht zu vielen Zuschauer – nicht auch im 5,148 km weiten Rund der Grand-Prix-Strecke verlieren, werden die Rennen nur auf der „Sprint-Strecke“, immerhin 3,629 Kilometer lang, ausgetragen. Da muss man dann als Zuschauer nicht so lange warten, bis dass die Fahrzeuge wieder vorbei kommen.

Eigentlich beweisen die Rennen auf der „Nordschleife“, dass es darauf nicht ankommt. Aber auf dem Grand-Prix-Kurs... ? - Da könnte das schon eine richtige Entscheidung sein! - Auf die DTM bezogen.

Wie die Fachleute der CNG, der capricorn NÜRBURGRING GmbH, als Pächter und Verpächter der Strecke das sehen, ist auf deren Nürburgring-Internetseiten nachzulesen. Dort steht:

Faszination pur!

Vom 25. bis 27. September 2015 steigt mit der populärsten internationalen Tourenwagenserie DTM wieder ein absolutes Highlight in der Eifel. Dabei wird es am Samstag und am Sonntag jeweils ein Rennen geben - ein absolutes Novum.

Die Fans erwartet ein spannender Dreikampf der drei Premium-Hersteller Audi, BMW und Mercedes-Benz gespickt mit vielen Highlights. Die High-Tech-Tourenwagen der DTM gehören zu den faszinierendsten Fahrzeugen der internationalen Motorsportszene. Der satte Sound und die bullige Optik sorgen für Gänsehaut bei jedem echten Motorsport-Fan. Offene Boxengasse, Fahrerlager-Tickets, Videowalls, Konzerte, Autogrammstunden und nicht zuletzt die günstigen Eintrittspreise machen die DTM zu einem Motorsportwochenende, das keine Fan-Wünsche offen lässt.“

Damit wären wir dann wieder mal bei „Pippi Langstrumpf“ und ihrer Aussage:

„Ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt!“

Das hat Dr. Wolfgang Ullrich, Sport-Direktor bei Audi, mit seinem Schrei nach „Timo“ wohl auch gedacht. - Natürlich im Interesse seiner Firma.

Au, die? - Ja, gen-au di-eee!

MK/Wilhelm Hahne

 

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