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Es gibt ein Buch, bei dem ich beim Lesen von der ersten bis zur letzten Seite hin und her gerissen wurde. Am Anfang ist man als normaler Leser – mit normalem Denken, Empfinden und Einkommen – von dem, was man zu Automobilen aus aller Welt erfährt, richtig fasziniert. Es sind Automobile, die heute ein Stück Vergangenheit darstellen, in unserer digitalen Zeit wie Dinosaurier wirken. Dann führt die Verdichtung im Buch - die sehr schnelle Abfolge von Höhepunkten - zu einem Gefühl, das dem gleicht, wenn man an einem Sonntagmorgen mal schnell 1,5 Kilogramm Pralinen in vielleicht zwei bis drei Stunden vernascht hat. - Das ist einfach von Allem zu viel! - Aber irgendwie ist man als Leser sowohl angezogen als auch abgestoßen, weil man den Erzähler manchmal genauso wenig versteht, wie den Erzähler auf dem Marktplatz von Marrakesch in Marokko, den ich auch nicht verstanden habe. - Das allerdings wegen seiner Sprache. - Er war umringt von einer Traube von auf dem Boden hockender Zuhörern, die seinen Märchen lauschten. - Weil sie ihn verstanden! - Ich weiß wovon ich spreche. Ich habe den Märchenerzähler auf dem Markt in Marrakesch erlebt, habe auch schon mal als Kind an einem Sonntagmorgen 1,5 Kilogramm Pralinen gegessen, aber – nun erwachsen - dieses Buch mit seinen etwas über 140 Seiten bewusst gelesen.
Nur ein Buch: Zwischen Normalität und Wahnsinn!
Man kann ein Buch auch ganz normal beschreiben. Dieses Buch, von ich spreche – Pardon, schreibe! - hat exakt die Maße von 29 x 20 x 2 cm und wiegt 770 Gramm.
Das kann nur einer von vielen Versuchen sein, sich diesem Buch zu nähern, aber keine meiner journalistischen Annäherungen wird dem Inhalt wirklich gerecht werden, weil ich nicht weiß, wer der jeweilige Leser sein wird.
Da wird es den Begeisterten geben, aber auch den, der kopfschüttelnd das Buch zur Seite legt. Das Buch sortiert die Leser beim Lesen aus. - Entweder tosender Beifall oder totales Unverständnis.
Der Autor nimmt uns mit in eine Zeit, die nun Vergangenheit ist. Ich genieße z.B. den Vorzug, deutlich älter zu sein als der Autor, war zur Zeit seiner Geburt schon im Besitz eines Führerscheins. Ich kenne viele der beschriebenen Fahrzeuge auch in vielen Details z.T. auch aus eigenem Erleben.
Aber durch dieses Buch habe ich dazu gelernt, Details erfahren, die mir bisher verborgen geblieben waren.
- Wichtig! - Man muss sich Zeit nehmen beim Lesen, um das Aufgenommene auch zu verarbeiten! - Falsch wäre es, über die Zeilen zu huschen, sozusagen „quer zu lesen“!
Dadurch, dass der Autor die Automobile aus seiner ganz persönlichen Sicht beschreibt und seine Darstellung - auch die der Automobile - eng mit seiner beruflichen Entwicklung verknüpft sind, erlebt man auch das Wirtschaftswunder mit.
So erfährt man auch, was im Leben alles möglich ist – bzw. mal, bei der „damaligen“ wirtschaftlichen Entwicklung möglich war!
Für mich persönlich waren viele Details interessant, die der Autor präzise benennen und notieren konnte, weil er sie im intensiven Umgang mit diesen Automobilen auch wirklich erlebt hat.
Hier berichtet niemand über seine Testerfahrungen in14 Tagen mit irgendeinem Testwagen, sondern ein Besitzer informiert darüber, was er mit bestimmten Automobilen persönlich erfahren durfte. Da spielt es für den Leser keine Rolle, ob er sich solche Automobile jemals überhaupt leisten möchte.
- Bob Lutz, ein nicht unbekannter Auto-Manager ist der Meinung, dass bei Automobilen für einen Besitzer weniger die verbauten Technik interessant ist, sondern das jeweilige Automobil in seiner Darstellung primär der Selbstdarstellung seiner Besitzer dient.
Dieses Buch macht deutlich, wie interessant die Technik von Automobilen solcher Selbstdarsteller sein kann.
Der Autor bezeichnet zwar sein Buch, mit dem zunächst unverständlichen Titel „COB 6043“ als…
„...Eine persönliche, rasante Spazierfahrt durch die Automobilgeschichte der Nachkriegszeit“
Aber es ist auch eine Beschreibung sowohl der Charaktere, als auch der wichtigen Details der Automobile jener Zeit.
So wird dem Leser irgendwann klar, warum sich der Sound von Achtzylindermotoren so deutlich unterscheiden kann: Durch eine unterschiedliche Zündfolge. Ein amerikanischer Achtzylinder „ballert“ dann eben anders, als ein italienischer Achtzylinder.
Ich habe bisher z.B. nicht gewusst, dass in einem „echten“ Bentley - nicht einem von VW - „damals“ eine Reihe von guten Komponenten anderer Firmen verbaut waren.
So weiß ich nun, dass in der hydraulischen Verdeckbetätigung eines Bentley Azur 1, Baujahr 1998, z.B. Hydraulikzylinder von Mercedes (nur echt mit dem „Stern“) verbaut wurden. Die Bremsanlage war ein Hochdrucksystem, das von Citroen entliehen war. Auch die Niveauregulierung an der Hinterachse wurde mit den bekannten „grünen Kugeln“ von Citroen realisiert.
Da die Grundeinstellung des Autors, dessen Lebensart bei seinem Durchstreifen der Welt mit vielerlei „unnützen“ Automobilen vielleicht nicht allen Lesern verständlich wird, macht er sie gegen Ende des Buches auf Seite 137 in einer kurzen Zusammenfassung deutlich:
„Seit der Jahrtausendwende hat sich das Automobildesign in einer Art und Weise entwickelt, die keineswegs meinen Gefallen findet. Die wundersame Vermehrung der sogenannten SUV, die aussehen wie kleine Panzer und entsprechend im Verkehr auftreten, ist unerfreulich. Die Sportwagen werden immer breiter, fetter und schwerer, die grazile Beweglichkeit der früheren Zeiten wird schmerzlich vermisst und durch brutale Leistung kompensiert, die von den Fahrern nicht beherrscht wird. Die Aggressivität der Kühlergrille, die zu Breitmäulern entartet sind, ist mir höchst unsympathisch. Die digitale Bevormundung, das Gepiepse und Gerüttele aus den Tiefen der bordeigenen EDV und die Monsterbildschirme sind ein Irrweg, ästhetisch und funktionell.“
Der das als seine Meinung zum Thema „Automobile von heute“ äußert, ist ein Mann mit drei Vornamen. Er hat auch, was man im Buch nicht erfährt, einen richtigen Doktor-Titel. Er ist aber auch ein Auto-Verrückter, was beim Lesen des Buches schon begreiflich wird. Dieser Mann ist aber auch einer, der sich dieses „Verrücktsein“ leisten kann.
- Allen, die sich das in dieser Art und Weise nicht leisten können, sei der Kauf dieses Buches empfohlen!
Die „technischen Daten“ des Buches:
- Titel: „COB 6043“ – 144 Seiten – alles in schwarz/weiß gedruckt – auch alle bearbeiteten Fotos.
- Verkaufspreis: 29,90 € - „Kindle“-Version 14,50 €
- ISBN: Deutsch 978-3-912206-00-5, Englisch 978-3-912206-01-2
Das Buch ist in deutscher und englischer Sprache bei „Amazon“ erhältlich. Dort gibt es auch die „Kindle“-Versionen in deutscher, englischer, italienischer, spanischer und französischer Sprache.
- Das Buch ist gerade erst erschienen und weitere Vertriebswege sind geplant!
Mich haben die vielen Informationen, die zum Teil auch meine Erfahrungen bestätigten, sehr erfreut. Als „normaler Mensch“ habe ich andere Dinge als „weniger normal“ empfunden.
Insgesamt – wenn ich mich jetzt nach dem Lesen über mehrere Tage zurück lehne – habe ich meine persönlichen Erfahrungen, die ich mit einem Teil der im Buch besprochenen Automobile selber hatte, aber schon abrunden können. - Und ich habe dazu gelernt!
- Per Saldo bin ich wahrscheinlich „zu normal“ um richtig begeistert zu sein. Aber für mich war das Lesen und der Versuch, das alles wirklich zu begreifen, so tatsächlich auch ein Gewinn.
Weil man begreift, dass nicht nur Automobile wie selbstverständlich „Macken“ haben. - Auch wir Menschen, die wir uns um solche technischen Dinge mit unterschiedlicher Intensität bemühen.
Vielleicht hat auch Bob Lutz mit seiner These (s.o.) einfach recht!
MK/Wilhelm Hahne
PS: Damit auch der Buchtitel erklärt wird: „COB 6043“ ist die Fahrgestell-Nummer einer AC Cobra, die im Leben des Autors 48 Jahre lang einen festen Platz hatte. - Nun ist sie wieder im Land ihrer Väter – Great Britain!



