Größe garantiert kein verantwortungsvolles Handeln!

Wir sind so erzogen, etwas Größeres auch als etwas Besseres zu empfinden. Schon als Kind wird einem deutlich gemacht, dass die Großen, die Erwachsenen, alles besser wissen, besser beurteilen können. - Auch das Verhalten „der Kleinen“. - Die „Großen“ haben aufgepasst, wenn wir „Kleinen“ im Sandkasten gespielt haben, haben uns davor geschützt, dass ein anderer „Großer“ uns die Förmchen weg nahm. - Als wir in die Grundschule – oder Volksschule – kamen, waren wir wieder die Kleinen unter Großen. Die Großen waren stärker und wussten alles besser. Wir mussten uns anpassen – unterordnen(?) - oder wir waren Außenseiter. - Auch später, in der Berufsausbildung, waren es immer die Größeren, die uns etwas zu sagen oder beizubringen hatten. Ein höheres Gehalt war immer besser als ein kleineres. - So hat sich auch der „Kinderglaube“ bis heute erhalten, dass etwas mit einer größeren Zahl besser als mit einer kleineren Zahl ist. - Aber warum sollte die Funktionalität einer Handtasche von „Hermes“ größer sein, als die einer Handtasche, die man vielleicht ähnlich bei „Aldi“ kaufen kann? Nur weil sie teurer ist? - Warum muss der Frequenzumfang einer Stereoanlage – oder die Leistung eines Lautsprechers – größer sein als unser Hörvermögen? - Was bringt uns die größere Pixelanzahl in der Auflösung von digitalen Fotos, wenn   das Ergebnis in einem gedruckten Foto für unsere Augen nicht erlebbar wird? - Es wird höchstens die Festplatte unseres Computers früher „überlaufen“. - Ist ein 5 Meter großes Automobil besser als eines mit 4 Meter Länge. - Sind 200 PS in einem Mittelklasse-Automobil besser als 100 PS? - Wir geben Dingen mit hohen Werten und Preisen (!) auch eine größere Bedeutung. - So ist es auch auf anderen Gebieten unseres Lebens. - Aber wir sollten z.B. bedenken:

Größe garantiert kein verantwortungsvolles Handeln!

Gerade ging der „Hype“ – so sagt man heute – auf einen chinesischen E-Sportwagen zu Ende, der mit mehr als 1.500 PS zu einem „normalen Preis“ angeboten wurde. Der Reiz der hohen Zahl scheint verflogen. -. Welchen Sinn sollte eine solche Motorisierung auch haben?

Aber die Industrie, bzw. deren Marketingabteilungen versuchen unsere „angelernte Schwäche“ zu nutzen. So wird so manches Angebot preislich ein wenig angehoben, weil über die Höhe des Preises eine höhere Qualität empfunden wird.

Aber so ein höherer Preis ermöglicht auch eine Marketing-Strategie, die inzwischen mit „Rabatt-Marketing“ einen Namen erhalten hat. – Wenn man mal einen aufmerksamen Blick in die vielen Prospekte wirft, die uns unaufgefordert erreichen, dann ist der genannte Endpreis dort - überwiegend in ROT –  oft von einer klar höheren Zahl begleitet, die den eigentlichen Wert des Produkts darstellen soll, aber dann „durchgestrichen“ dargestellt wird.

  • So wird an unser Empfinden für „Schnäppchen“ appelliert! - Was übrigens, wie ich hörte - auf Europa bezogen – am besten in Deutschland funktioniert!

Wir kaufen auch lieber ein Produkt von einem größeren – großen - Unternehmen, weil wir von dort eine höhere, bessere Leistung erwarten, als die von einer „kleinen Quetsche“! 

  • Obwohl die „handwerkliche Leistung“ eines „Kleinen“, vielleicht besser ist, als die von einem „großen“ Unternehmens.

Gerade in einem aktuellen Stück unserer Zeitgeschichte, in der man der digitalen Entwicklung eine besondere Bedeutung zuordnet, sind inzwischen digital überfrachtete Produkte – wie z.B. Automobile – besonders anfällig für große Rückrufe geworden. Die uns versprochenen „besseren Lösungen“ sind defektanfälliger, unzuverlässiger.

  • So wurde z.B. Mercedes – Marken-Claim: „Das Beste oder nichts!“ - nun zu einem „Vorzeige-Beispiel“, mit der die Stuttgarter Autobauer im Deutschland des Jahres 2025 eine Spitzenposition einnehmen konnten. - Mercedes war mit 45 Rückrufen in 2025 automobiler Spitzenreiter! 

Spitzenreiter unter den Vorstandsvorsitzenden der deutschen Automobilfirmen war übrigens 2023 – weil hier der Vergütungsbericht 2023/2024 vorliegt – Mercedes-Chef Ola Källenius mit 12,74 Mio. Euro. - Das sind nur knapp 35.000 Euro pro Kalendertag! - Leider brutto, versteht sich!

  • Aber so wird auch verständlich, dass dieser Mercedes-Chef gerne Premium-Automobile zu Premium-Preisen verkaufen möchte. - Wenn er denn Premium-Automobile produzieren würde!

Da glauben sich z.B. gut 22 Millionen Mitglieder („natürliche Personen“!) beim ADAC e.V. in München gut aufgehoben, weil er doch nicht nur das Wort „Automobil“ in seinem Namen trägt, sondern auch durch seine Größe als besonders guter Anwalt (Lobbyist) der Autofahrer empfunden wird.

Wenn nun aber, durch ein Zeitungs-Interview eines seiner wichtigen „Bereichsleiter“ der Eindruck entstanden ist, dass dieser Automobilklub nun doch nicht unbedingt die Interessen seiner Mitglieder vertritt, sondern mehr den Mächtigen der Politik zu Diensten ist, dann hagelt es Austritte!

  • Der ADAC-Verkehrschef hat inzwischen sein Amt zur Verfügung gestellt. Er hatte die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument zur Erreichung der Klimaziele empfunden. Damit hatte er dem Automobilklub einen Schaden zugefügt, der zu seinem Rücktritt führte!

Dieser Automobilklub betreibt aber eine Motorsport-Politik, die die anderswo so gescholtenen „Verbrenner“-GT3 zur Attraktion von Rennserien macht und in dessen Organisation es passiert, dass „kleine Verbrenner“ zum Schutz von „großen GT3-Verbrennern, von Rennen ausgeschlossen werden.

Das stört dann die Mitglieder des Klubs offenbar nicht, weil sie sich für diesen Sport vielleicht nicht interessieren. 

  • Jeder scheint nur das als negativ zu empfinden, was ihn auch persönlich  negativ belastet!

Das können auch viele kleinen Dinge sein, weil die nicht allgemein interessieren und in der Summe der Addition nicht wahrgenommen werden.

  • Es zählt nur das angelernte Empfinden für Größe. Weil Größe Bedeutung gibt, weil Größe anerkannt wird, weil „ein Mehr“ – egal von was – immer als positiv empfunden wird!

So konnten dann auch „in unserer Zeit“ Statistiken an besondere Bedeutung gewinnen. Mit denen  sich Größe zahlenmäßig beweisen lässt.- Zumindest auf dem Papier!

Denn was alles so passiert, um z.B. in Deutschland eine besondere Position bei den Kfz.- Zulassungen nachzuweisen, was alles passieren muss, damit „die Statistiken stimmen“, das ist eigentlich – aus meiner persönlichen Sicht – erschreckend!

Jeder Automobil-Hersteller „der auf sich hält“, hat heute auch seine eigene Leasing-Abteilung oder -Firma. Nachdem die Preise eine bestimmte Größe erreicht haben, die eigentlich nicht mehr zu den Einkommensverhältnissen der möglichen Käufer passen, hat auch das Leasinggeschäft Aufschwung genommen.

Aktuell ist es beim Produkt E-Automobil besonders stark. - Weil die Preise sehr hoch sind und die technische Entwicklung dafür sorgt, dass der Wertverlust für einen Käufer auch sehr hoch – praktisch unkalkulierbar hoch wird, ist auch der Anteil der Leasing-Käufer bei diesen E-Produkten dann auch besonders gewachsen.

Aber schon seit langem ist die Betriebsamkeit in diesen firmeneigenen Leasing-Firmen dann besonders hoch, wenn man sich dem Quartalsende – oder gar dem Jahresende – nähert. Da müssen die Zulassungszahlen „auf Vordermann“ gebracht werden. - Sie müssen „konkurrenzfähig“ sein!

  • Da wird „getrixt“ was das Zeug hält! - Es muss nach Möglichkeit auch „Wachstum“ dargestellt werden!

So geht auch bei den Beteiligten – langsam aber sicher – jede Art von Unrechtsbewusstsein verloren. Denn was für sie Normalität ist, kann doch nicht falsch sein. Schließlich wird dieses Verhalten doch auch von den Chefs akzeptiert! - Da ist „der Schnee dann schon mal schwarz“!

Wir haben prägnante „Zwischenergebnisse“ schon mal erlebt. Der „Diesel-Skandal“ gehört dazu. Auch der hatte etwas von „Größe“ und war darum von Bedeutung.

Die wird auch aktuell – 11 Jahre – nach den „Enthüllungen“ dadurch noch mal eindringlich klar gemacht, wenn der ehemalige – damalige – Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, in diesen Tagen noch einmal als Zeuge vor Gericht erscheinen muss.

Aber was soll der schon  wissen? - Oft – aber nicht immer – sind diese Herren wirklich ahnungslos. - Spitzenmanager müssen aber auch vergessen können! - Und zuverlässig schweigen!

  • Wie sagte schon meine Großmutter: „Schweigen ist Gold!“

Ist es schade, dass das Gold gerade mal wieder deutlich an Wert verliert?

MK/Wilhelm Hahne
Durchschnitt: 5 (bei 14 Bewertungen)

Kategorie: 

"Anstoß" für Leser – nicht nur für Abonnement-Interessierte!

 

Lieber Leser,

 

Motor-KRITIK ist vollkommen werbefrei, aber – darum – auch ein wenig abhängig von seinen Lesern. - Oder anders: Von Einnahmen. - Ausgaben haben ich genug! - Und nicht alle Leser mögen sich gleich für ein Abo entscheiden. - Obwohl: Volltanken ist evtl. teurer!
 

Wenn Sie ab und an mal auf diesen Seiten vorbei schauen und Ihnen die hier gebotene "alte Art" von Journalismus gefällt, dann machen sie doch einfach ihre Zustimmung durch eine kleine Spende deutlich. - Auch kleine Beträge können – per Saldo – eine große Hilfe und Unterstützung sein!
 

Auch wenn Sie Abonnent werden wollen - finden Sie HIER meine Kontendaten! 

 

Danke!