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Seine Arbeit bei Opel als Entwicklungschef kannte ich schon viele Jahre, bevor ich ihn dann persönlich kennen lernen durfte. Er war so ehrlich und „geradeaus“, wie auch das Fahrwerk eines Opel-Diplomat. - So ein Mensch hat auf der Erde Spuren hinterlassen, bevor er diese Erde wieder verließ.
Nachruf auf einen guten, ehrlichen Entwicklungschef!
Als Verkaufsleiter eines Opel-Großhändlers – so etwas gab es mal! - war ein Diplomat-Coupé, das bei Karman in Osnabrück gebaut wurde, damals mein Dienstwagen gewesen.
Nicht nur ich war damals vom Fahrwerk dieses Automobils begeistert. Der Opel Diplomat hatte eine De-Dion-Hinterachse, also eigentlich eine sehr einfache, relativ unauffällige Konstruktion ist, bei der das Differential von der Masse einer hinteren Starrachse entfernt wird.
Herbert Oberhaus hatte diese Konstruktion bei der Umsetzung der Idee von einem Automobil der Premium-Klasse für Opel umgesetzt. Dabei wurden auch US-amerikanische Großserienteile verwendet, wie z.B. ein bulliger V8-Motor und die damals beste Dreigang-Automatik ihrer Zeit, wie ich empfand.
Damals wusste ich nicht, dass dieses Automobil dem Denken und Wirken des Herbert Oberhaus entsprungen war, als ich so ein Automobil meinem Vater zum Kauf empfahl, der meine Begeisterung für dieses Fahrzeug dann auch verstand. - Er war vorher Mercedes-Fahrer gewesen.
- Ich schwärme heute noch vom Geradeauslauf dieses Fahrzeugs und seinen Fahrwerksqualitäten bei Regenfahrten. - Eine De-Dion-Hinterachse ist eben spur- und sturzkonstant!
Es ist vielleicht traurig – aber auch schön – wenn man sich aus Anlass eines Todes mal wieder an die besonderen Leistungen eines Ingenieurs und Entwicklungschefs erinnert, der vor einigen Tagen – genau am 3. Februar 2026 – im Alter von 96 Jahren gestorben ist.
Ich hatte nach meiner ersten Erfahrung mit dem Opel Diplomat dann später oft – und gerne – als Journalist Kontakt zu ihm. Er war immer offen und geradeaus und schätzte auch manchmal meine Anregungen. Selbst wenn sie Kritik an Details „seiner“ Opel-Automobile enthielten. - Wenn sie denn begründet waren!
Herbert Oberhaus war als leitender Mitarbeiter des Hauses Opel gleichsam eine Visitenkarte seiner Firma, die sie – aus meiner Sicht – besser aussehen ließ, als sie als GM-Tochter eigentlich sein konnte.
Wichtige Entscheidungen wurden oft in den USA getroffen, wo man keine Beziehung z.B. zur deutschen Käuferschaft von Opel-Automobilen hatte. Die Arbeit eines Herbert Oberhaus hat diese Schwäche verdeckt.
Ich erinnere mich noch, als ich bei der Vorstellung des Opel Monza auf Sardinien gegen Mittag relativ spät von meiner morgendlichen Testfahrt zurück kam. Herbert Oberhaus stand auf dem Testwagenparkplatz, schaute auf seine Uhr als ich kam und erinnerte mich daran, dass ich wohl sehr spät dran sei.
„Sie sind der Letzte!“ - Das stellte er fast vorwurfsvoll fest, um weiter zu erinnern: „Wenn Sie sich jetzt nicht beeilen, bekommen Sie auch kaum noch etwas zu essen.“
Ich erklärte ihm dann, dass mir das Fahren dieses neuen Modells nicht nur Spaß gemacht habe, sondern ich hatte auch festgestellt, dass bei schneller Fahrt auf den kurvenreichen Straßen dieser Insel, der Motor bei weniger als halbvollem Tank und sehr schneller Fahrt – und darum hohen Kurvendurchfahrtsgeschwindigkeiten – zu Aussetzern neigte.
Herbert Oberhaus gefror ein wenig das Lächeln:
„Und gerade das kann nicht sein! - Wir haben, weil wir diesem Fahrzeug durchaus eine sportliche Note mitgegeben haben, auch im Tank eine ähnliche Anordnung getroffen, wie man sie auch bei Rennfahrzeugen in Form eines „Cash Tanks“ findet. - Wenn Sie wirklich Aussetzer registriert haben, muss das eine andere Ursache haben. - Aber ich fahre das Auto jetzt noch selber, bilde mir meine Meinung, telefoniere evtl. mit Rüsselsheim und gebe Ihnen nach dem Mittagessen Bescheid!“
Nach dem Mittagessen erfuhr ich, dass er das Problem zwar bei seiner Fahrt bestätigt bekommen habe, aber leider bei seinem Telefonat mit Rüsselsheim nicht klären konnte! - Er würde mich telefonisch nach meiner und seiner Rückkehr nach Deutschland informieren.
Das geschah dann auch zuverlässig! - So war das eben damals, als noch Leute wie Herbert Oberhaus bei der deutschen Automobilindustrie gab!
Ich hatte aber vorher schon am Nürburgring wahrgenommen, dass dort zügig ein Opel-Testteam mit einem Opel Monza auftauchte, bei dem – bevor es auf die Umrundung der Strecke ging – zuvor der Tankinhalt bis zur Hälfte in Kanister abgepumpt wurde.
Tage später kam dann der Anruf des Herbert Oberhaus:
„Danke, Herr Hahne! - Sie hatten recht!“
Da wurde doch im Opel-Einkauf selbstherrlich entschieden, dass man die Fertigungskosten senken könne, wenn man den Tank einfacher gestaltet. Was denn auch durch den Zulieferer geschah, den man zuvor um eine Preissenkung seines Angebot gebeten hatte, einer Bitte, der er nun nachkommen konnte.
• Das ist übrigens nicht das einzige Mal, dass ich etwas Ähnliches bei der Automobilindustrie erlebt habe!
Aber nicht überall gibt – und gab – es Leute wie Herbert Oberhaus. Nicht nur ein guter Ingenieur, sondern auch - wie schon gesagt - in seinem Verhalten eine gute Visitenkarte seiner Firma!
Ich weiß, ich weiß! - Nachrufe schreibt man anders. Auch ich war beim Erreichen der Nachricht von seinem Tod zunächst erschrocken, habe schon Trauer empfunden. Aber dann habe ich mich – s.o. Beispiel - an die vielen positiven Erlebnisse mit ihm erinnert, die mich nachdenklich machen, wenn ich an aktuelle Zusammentreffen mit jungen Ingenieuren denke.
• Ja, eigentlich bin ich fröhlich, wenn ich an einen Menschen wie Herbert Oberhaus denke! - Ein toller Typ!
Ich kannte übrigens auch seine Tochter, die ebenfalls bei Opel tätig war. Auch zuverlässig wie ihr Vater.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Ich verstehe, wenn die Familie des Herbert Oberhaus um ihn trauert! - Es ist ein Verlust! - Sie hat auch mein Mitgefühl!
Aber man mag mir verzeihen: Wenn ich aktuell an Herbert Oberhaus denke, habe ich ein Lächeln auf den Lippen, weil es in Verbindung mit seinem Namen mehr erfreuliche Beispiele gibt, als nur die De-Dion-Hinterachse des Opel Diplomat!
• Ich erinnere mich dankbar an Herbert Oberhaus als Opel-Mitarbeiter!
Was ich längst nicht von allen ehemaligen Opel-Mitarbeitern sagen könnte!
Wilhelm Hahne



