„Was haben Sie eigentlich gegen e-Automobile?“

Das werde ich immer wieder gefragt. Dabei habe ich niemals etwas gegen eine Entwicklung gehabt, die unsere Gesellschaft weiter bringt. Auch ich habe so – das war schon vor gut 5 Jahrzehnten – immer nach dem Faden gegriffen, an dem eine bessere Zukunft für eine vernünftige Fortbewegung hängen sollte. - Wenn 1899 zum ersten Mal ein Geschwindigkeitsweltrekord für Automobile aufgestellt worden war, bei dem der Rekordwagen von zwei Elektromotoren (á 25 PS!) angetrieben, dank derer die – damals – unglaubliche Geschwindigkeit von 100 km/h überschritten wurde, so ist das für mich kein Grund, heute ein Automobil mit einem Elektromotor als normalen Kaufgegenstand zu favorisieren. Wenn sich ein e-Automobil nur „zwangsweise“ unters Volk bringen lässt, weil das Konzept insgesamt nicht überzeugend ist, dann ist das zwar aus Sicht mancher Bürger nicht positiv, aber doch im Fall der aktuellen e-Automobile eine Realität. Nun sollte man aber nicht den Druck auf den Verbraucher weiter erhöhen, sondern an Verbesserungen – oder Alternativen – arbeiten. Heute werden Rekordwagen von Düsentriebwerken angetrieben. Aber das ist auch keine Lösung für den Alltagsverkehr! - Auch SUV’s nicht! - Wenn ich – damals wie heute - etwas nicht verstanden habe, habe ich das auch – unmissverständlich – als Journalist zum Ausdruck gebracht. - Darum ist die immer wieder an mich gestellte Frage wirklich nicht angebracht:

„Was haben Sie eigentlich gegen e-Automobile?“

Meine journalistische Grundeinstellung zum Thema Automobil hat mir „damals“ schon – in den 60ern - eine Einladung zur RWE in Essen eingebracht, nachdem dazu in einer Sonderbeilage der „WAZ“ meine Meinung – argumentativ untermauert – erschienen war. Aber man hat beim RWE in Essen damals mein mangelndes Vertrauen in die damalige Entwicklung nicht beseitigen können.

Nein, ich hatte – und habe – nichts gegen den grundsätzlichen Versuch, die individuelle Mobilität des Einzelnen auf eine neue Basis zu stellen. Aber die sollte eine Verbesserung darstellen. - Nicht eine einseitige! - Ich habe nicht nur Theorien vertrauen, sondern auch selber Erfahrungen sammeln wollen. So habe ich schon „damals“ den ersten e-Roller in Deutschland gekauft. Der wurde bei Hercules gefertigt, war noch mit einer Bleibatterie ausgestattet. - Auch über die Erfahrung damit habe ich damals informiert.

Ich war der einzige deutsche Journalist, der zur Vorstellung des ersten Zagato e-Stadtautomobils in die Schweiz gefahren ist. Dazu war dann auch damals mein Erlebnisbericht als freier Motor-Journalist in der „auto zeitung“ zu lesen. Es gab zu dieser Vorstellung keine offizielle Einladung in Deutschland. Ich war als Journalist auf meiner Suche nach berichtenswerten Entwicklungen darauf gestoßen. - Sonst in Deutschland wohl niemand! - Es gab halt keine Pressemitteilung!

Dieser „Fahrbericht“ ist in einem von einem der damaligen Chefredakteure damals realistisch beschriebenen e-Umfeld einer Fachzeitung erschienen. Sein Name: Dipl. Ing. Jürgen Stockmar, der dann später – als ich den neu geschaffenen Motorrad-Teil in der „Auto Zeitung“ verantwortete – mein Chef war. Ein Chef, den man respektieren musste! - Ein Techniker, dessen gründliche, an der Realität orientierte Meinung, auch mich in meiner journalistischen Entwicklung deutlich beeinflusst hat. - Bis heute!

Meine Leser werden sich z.T. an ihn in irgendeiner seiner wichtigen Positionen bei Audi, Opel, Steyr oder Magna erinnern:

Prof. Dipl.-Ing. Dr. h. c. Jürgen Stockmar - das war sein Titel am Ende seiner beruflichen Laufbahn:

  • 1968 Leiter der Abteilung Motorsport bei SOLEX Vergaser, Neuss
  • 1972 Ressortleiter ‚Test & Technik‘, später Chefredakteur der Auto Zeitung, Köln
  • 1976 Leiter der Abteilung Fahrwerkabstimmung bei AUDI NSU, Ingolstadt
  • 1981 Entwicklungsleiter Allradfahrzeuge bei Steyr-Daimler-Puch AG, Graz
  • 1985 Mitglied des Vorstands, Bereich Entwicklung
  • 1988 Mitglied des Vorstands der AUDI AG, Ingolstadt, Bereich ‚Technische Entwicklung‘
  • 1990 Mitglied des Vorstands der Steyr-Daimler-Puch AG, Wien und Vorsitzender der Geschäftsführung der Steyr-Daimler-Puch Fahrzeugtechnik GmbH, Graz
  • 1994 Mitglied des Vorstands der Adam Opel AG, Rüsselsheim, Bereich Technik
  • seit 1997 Vorlesungen an der Technischen Universität Wien
  • 1998 Mitglied des Vorstands der Magna International und Magna Europa AG, Bereich Forschung und Entwicklung
  • 2002 Unternehmensberater, u.a. für MIBA, MagnaSteyr
  • seit 2002 Honorarprofessor der Technischen Universität Wien
  • seit 2003 Initiierung und Aufbau des ‚Frank-Stronach-Institute‘ an der Technischen Universität Graz
  • 2003 – 2010 Geschäftsführer der Magna Education and Research GmbH & Co KG
  • 2005 – 2009 Mitglied des Aufsichtsrats der Continental AG
  • 2008 Ehrendoktor der Technischen Universität Graz
  • 2005 – 2010 Mitglied des ‚Rats für Forschung und Technologieentwicklung‘ der österreichischen Bundesregierung
  • 2006 – 2012 Mitglied des Aufsichtsrats der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG)

Ich erinnere mich gerne an ihn, weil auch seine Einstellung zum Journalismus vorbildlich war. Er kündigte als Chefredakteur, als sich eine Entwicklung abzeichnete, an der er nicht teilhaben wollte!

Ebenso ungewöhnlich: Er hat mich vor Monaten – nach Jahrzehnten – mal angerufen, weil er in Wien gehört hatte, ich sei gestorben. - Ich konnte ihn beruhigen! - Wie meine Leser wissen, arbeite ich immer noch.

Eigentlich habe ich kaum eine Gelegenheit ausgelassen, mich auch auf dem E-Gebiet kundig zu machen, obwohl ich als normaler Mensch eine instinktive Abneigung gegen Elektrizität habe. Das ist etwas, was man nicht sehen, greifen kann. Erst wenn man einen „Schlag bekommt“, merkt man, das man etwas falsch gemacht hat.

Für mich ist – aber nicht darum – das e-Automobil aus den verschiedensten Gründen nur eine Zwischenlösung. Es gibt eigentlich auch keine Endlösung, denn alles im Leben ist immer in Bewegung. Hoffentlich immer in Richtung Fortschritt. Das erfordert auch in unserem menschlichen Denken oft eine Anpassung. - Habe ich also doch etwas gegen e-Automobile?

  • Nein, ich habe nur etwas dagegen, dass man heute den Menschen etwas als die beste technische Lösung verkauft, die schon morgen nur noch den Wert von Elektro-Schrott haben kann!

Da wäre z.B. die Batterie, die in der Zeit, auf die ich zurück schauen kann, immer weiter verbessert wurde. Ich muss da – weil ich sie noch im Hercules-Roller erlebte – von der Blei-Batterie ausgehen.

Dabei war auch Mitte 1980 ein eigentlich zu einer positiven Einstellung gegenüber der Zukunft verpflichtete Geschäftsführer einer Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr (GES) der Meinung:

„Ohne die Scheichs, die uns das Öl knapp machen, wird das nichts!“

So war es im Juli 1980 – von mir geschrieben – in der Tageszeitung „DIE WELT“ zu lesen. Aber auch die Aussage eines Elliot M. Estes, damals Präsident von GM (General Motors):

„Ab 1985 wollen wir jährlich 100.000 elektrisch getriebene Automobile auf den Markt bringen.“

Damals präsentierte er der Öffentlichkeit einen Zweisitzer, der mit einem Zink/Nickel-Batterie-System ausgestattet war. Im Jahr vorher hatte dieser Manager nicht nur so eine „neuartige“ Zink/Nickeloxid-Batterie“ angekündigt, sondern auch von einem „Durchbruch in der Batterie-Technik“ gesprochen.

Das war die – für Manager in solcher Position – eigentlich typische Aussage, die – auch in diesem Fall – an der damaligen politischen Entwicklung in Amerika orientiert war.

Heute orientieren sich deutsche Manager an der aktuellen politischen Stimmung in unserem Land, und sind deshalb nicht glaubwürdiger, als „damals“ der Chef von GM. - Man muss nun auch nicht mehr auf eine Preiserhöhung der Scheichs bei Rohöl warten. Die Rolle hat – wie man aktuell bei Maybritt Illner erfahren konnte – der Parteivorsitzender der „Grünen“, Robert Habeck, übernommen, der für den Herbst – nach den Bundestagswahlen – eine Benzinpreiserhöhung (durch eine Preiserhöhung für Co2-Belastungen) von 16 Cent pro Liter „ankündigte“, weil er wohl hofft, dass durch das Ergebnis der vor uns liegenden Bundestagswahl sein Einfluss, bzw. der seiner Partei, wächst..

Da sind dann nicht – wie „damals“ nach der Ankündigung des GM-Chefs -  am nächsten Tag an der Wallstreet die GM-Aktien gestiegen. Auch nicht an der Frankfurter Börse. Die Aussage des GM-Chef war damals exakt an einer neuen politischen Vorgabe zum gesetzlich vorgeschriebenen Kraftstoffverbrauch orientiert, der „Corporate Average Fuel Economy“ (CAFE), die für das Jahr 1985 einen durchschnittlichen Verbrauch von 8,5 Litern vorschrieb.

Der deutsche Scheich-Ersatz hat mit seiner Ankündigung bisher an den Börsen keine Reaktionen ausgelöst. - Das war „damals“ in Amerika anders:

  • GM-Präsident Estes hatte es geschafft, den Politikern klar zu machen, dass ein Elektro-Automobil in so einem Fall mit Null Litern (!) in die Berechnungen einbezogen werden muss!

Was ist heute anders? - Nun, die Batterie ist immer noch das eigentliche Problem. Um in einen solchen „Tank“ ausreichend „Treibstoff“ hinein packen zu können, fällt ein solcher Stromspeicher immer noch zu groß und zu schwer aus. „Damals“ lag das Gewicht für die Batterien beim e-Automobil von GM bei 500 Kilogramm. - Und heute? - Ein Fortschritt?

  • Und immer noch die gleichen „Rechnungen“ und das gleiche Geplärre von Politikern und verantwortlichen Managern!

Dabei gab es „damals“ – 1985 – auch schon über die aussichtsreiche Zukunft von e-Automobilen jubelnde Journalisten. Meine Meinung dazu ist sicher noch im Archiv von „Die Welt“ zu finden. Aber die war damals wie heute nicht gefragt!

Damals konnte man drei Batteriearten für ein Elektro-Automobil in Erwägung ziehen:

Die Blei/Säure-Batterie.
Als Traktionsbatterie für die spezielle Belastung in einem e-Aiutomobil ausgelegt, „ist sie auch weiterhin das Rückgrat für die e-Mobile der nächsten Jahre“, stellte der Chef der „GES“ damals fest.

Die Zink/Nickeloxid-Batterie.
Diese Batterie-Art war damals nur von GM angekündigt, sie sollte leichter sein als die Blei/Säure-Batterie und keine Alterungsprobleme aufweisen. GM versprach „damals“ eine Lebensdauer von 45.000 Kilometern!

Die Natirum/Schwefel-Batterie.
Aus der Sicht von „Fachleuten“ war das die „neue Batterie-Generation“, die mit Zukunft. Sie sollte – auf das Gewicht bezogen – fünfmal besser als ein herkömmlicher „Bleiaccumulator“ sein. Leider war es auch eine „heiße Batterie“, da sie Temperaturen um 350 Grad Celsius entwickelte und schon in einem Automobil eingebaut, „gut verpackt“ sein musste.

Über Elektromotoren wurde „damals“ wie heute kaum gesprochen. Auch da gibt es unterschiedliche Lösungen. Gute und teure, aber auch schlichte und billige Lösungen. Interessant ist vielleicht, dass z.B. in einem „Tesla“ aktuell nicht die effektivste – und teuerste – Lösung verbaut ist!

  • Nicht nur 1985 befinden sich Batterien und e-Motoren noch in einem Entwicklungs- und  Versuchsstadium!

Natürlich ist immer alles „Stand der Technik“, aber das bedeutet auf dem e-Sektor – wie schon geschrieben – dass das morgen nur noch „Schrottwert“ haben kann!

Auch mit der neuesten Generation von Batterien (eigentlich müsste hier „Akku“ stehen, weil sie aufladbar sind!), der letzten Lithium/Ionen-Generation, gibt es die alten Probleme:

  • Sie sind zu groß!
  • Sie sind zu schwer!
  • Sie verlieren bei Minus-Graden „an Kraft“.
  • Sie sollten beim Be- und Entladen nicht zu heiß werden.
  • Sie müssen „klimatisiert“ verbaut werden.
  • Sie leiden beim Schnell-Laden.
  • Sie sollte niemals ganz entladen werden.

Eigentlich sind wir– insgesamt betrachtet – noch ein ganzes Stück von einem wirklich gebrauchs- und alltagstüchtigen Elektro-Automobil entfernt!

Dabei könnte es durchaus eine Reihe von Vorteilen bieten. Wenn z.B. auch die Lade-Infrastruktur passen würde. - Und, und, und!

  • Wem hilft es eigentlich, wenn die aktuelle Situation des Elektro-Automobils schön geredet wird?

Darum verstehe ich heute auch nicht, die damals wie heute geradezu vorwurfsvoll an mich gerichtete Frage:

„Was haben Sie eigentlich gegen e-Automobile?“

Nichts! - Ich verfolge die Entwicklung aufmerksam! - Aber ich würde meine Arbeit als Journalist nicht ernst nehmen, wenn ich nun ein aktuelles e-Automobil als das „Non-plus-Ultra“ hochjubeln würde.

Vielleicht wird es das Automobil auch als perfektes Fortbewegungsmittel - für Individualisten geschaffen - niemals geben. - Wer sich trotz der von selbstherrlichen Politikern geschaffenen unperfekten Infrastruktur seine Beweglichkeit in seinem geografischen Umfeld erhalten möchte, der soll – muss – wohl zahlen!

Aber sollte man nur in eine Richtung blicken? - Man sollte den Technikern „freie Hand“ lassen! - Politische Lösungen und neue Gesetze und Vorschriften von – fachlich betrachtet – Amateuren, können da nur lähmend wirken!

MK/Wilhelm Hahne
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