AZ 88 12 01 – 433: Zum Deubel – noch mal!

Morgen wird vor dem Landgericht in Koblenz das Urteil gegen ein paar wenige Angeklagte in Sachen „Nürburgring 2009“ gesprochen. Nach dem Empfinden unseres Teams bei Motor-KRITIK fehlen da eine ganze Reihe von Verantwortlichen. Priviligierte hatten sich wohl „Bauernopfer“ ausgeguckt. Die Motor-KRITIK-Leser waren bei einer Befragung am 16. Oktober 2012 zu 61 Prozent der Meinung, dass dieser Prozess vor dem LG Koblenz – der sich nun deutlich länger als ein Jahr hinzog - „Alibifunktion“ habe, aber „öffentlichkeitswirksam“ sei. Viele Verantwortliche hatten sich im Vorfeld zu diesem Prozess in der Sache als nicht verantwortlich empfunden und durch „Schutzschilde“ (Datenschutz, Persönlichkeitsrecht, Vertraulichkeit u.a.) viele Angriffe abwehren können. Motor-KRITIK möchte das heute noch einmal an einem Beispiel aufzeigen und einen Blick zurück auf ein Stück Realität des Jahres 2008 – auch durch einen Blick in ein Gutachten von 2009 - werfen:

AZ 88 12 01 – 433: Zum Deubel – noch mal!

Am 4. November des Jahres 2008 erreichte mich ein Schreiben des damals in der Landesregierung von Rheinland-Pfalz als Finanzminister tätigen Professor Dr. Ingolf Deubel. Auf einem Briefbogen des „Ministerium der Finanzen – Der Minister – Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nürburgring GmbH“ wurde mir eine Anfrage (per E-mail) vom 29. Oktober 2008 unter dem o.g. Aktenzeichen beantwortet.

Der Herr Minister schrieb:

„Sehr geehrter Herr Hahne,

für Ihre E-mail vom 19. Oktober 2008 danke ich Ihnen.

Bereits im Zuge der Konzepterstellung wurde das Projekt Nürburgring 2009 gutachterlich begleitet. Unabhängig davon beauftragte der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH im Oktober 2007 eine unanhängige Prüfungsgesellschaft damit, das Gesamtkonzept für die Erlebnisregion nochmals einer umfassenden wirtschaftlichen Analyse zu unterziehen. Die Gutachter kamen u.a. zu dem Ergebnis, dass das Projekt im Businessplan zutreffend abgebildet wurde und das Geschäftsmodell wirtschaftlich tragfähig ist. Aufgrund des internen Charakters sehe ich mich allerdings nicht in der Lage, Ihnen dieses Gutachten zugänglich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Deubel (handschriftlich - mit einem Füllfederhalter - unterzeichnet)

Hier war einmal der „interne Charakter“ das Argument für eine Ablehnung von Auskünften. Warum nicht? - Schließlich ging es nur – aus Sicht von Motor-KRITIK – um die sinnlose Vergeudung von öffentlichen Geldern.

Diesen Vorwurf muss man nicht nur Herrn Prof. Deubel machen, sondern selbstverständlich auch Kurt Beck, Hendrik Hering – eigentlich der gesamten damaligen Regierungsmannschaft – aber auch dem Landrat und stellvertretenden Aufsichtsratsmitglied Dr. Jürgen Pföhler, dem Verbandsbürgermeister Romes, dem Landtagsabgeordneten Wirtz, und, und, und. - Eigentlich sind so (fast) alle Parteien betroffen, sollten darum – ob des Ergebnisses, wie es sich jetzt darstellt – auch betroffen sein.

Manche der oben Genannten sind inzwischen irgendwie zurückgetreten – evtl. auch ins zweite Glied – oder sind aufgestiegen, schweben scheinbar über dem, was sie eigentlich mit zu verantworten hatten. Wie z.B. der aktuelle Finanzminister des Landes Rheinland-Pfalz, Carsten Kühl, der auch s.Zt. dem Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH angehörte, die sich aktuell in Insolvenz befindet.

Wir bei Motor-KRITIK haben uns über die Jahre immer wieder bemüht, auf legalem Weg in den Besitz eines der vielen Gutachten oder Businesspläne zu kommen, die immer wieder von den Verantwortlichen als Basis für ihre Entscheidungen hingestellt wurden. Eigentlich war immer klar, dass die Argumentation über „Gutachten“ ein „Schutzschirm“ war.

Anfang 2008 schrieb ich zu diesem Thema die Sätze:

„Der Inhalt der Gutachten, deren Ergebnis gerne zitiert wird, ändert aber nichts an ihrem Alibiwert. Denn niemand aus den Medien, die die Erbauer der künftigen Bauwerke heute schon feiern, kennt die 'Zahlenbasis', auf der die Gutachten entstanden.“

Motor-KRITIK ist nun endlich im Besitz eines Gutachtens von Ende 2009, das sich auf die vorhergehenden Businesspläne und Gutachten – und deren „Zahlenbasis“ - beruft. - Und kommt – trotzdem (!!!) - zu überraschenden Ergebnissen.

Das Gutachten ist natürlich „vertraulich“ und ich möchte Sie bitten, es auch so zu behandeln. Sie haben aus meiner Sicht ein Anrecht darauf zu erfahren, was die Gutachter (in diesem Fall Ernst & Young) erarbeitet haben, da es die Steuergelder betrifft, die auch Sie mit zusammengetragen haben.

Außerdem ist das Gutachten nun 5 Jahre alt und die Firma über die berichtet wird längst in Insolvenz. - An dieser Entwicklung kann man auch die Qualität des Gutachtens überprüfen.

Dieses Gutachten ist eigentlich eine „Analyse der Unternehmensplanung“, bezogen auf das Projekt „Nürburgring 2009“. Es ist also ein „Businessplan“ (aus dem Jahre 2009!), aus dem ich nicht alle - zunächst einmal nur folgende - „Zwischentitel“ zitieren möchte:

  • „Einige Tochtergesellschaften sind bilanziell überschuldet – dies ist auf der Ebene der Tochtergesellschaften fortlaufend zu prüfen und zu überwachen“
  • „Im Vergleich zu Museen sind die Eintrittspreise für das ring°werk relativ teuer, bei vergleichsweise wenig Attraktionen“
  • „Der Business Plan der Nürburgring GmbH wurde im Zeitablauf mehrfach geändert – u.a. wegen des Bauverlaufs im Rahmen des Projekts Nürburgring 2009“
  • „Die Planung der Nürburgring GmbH ist sehr umfangreich, die GuV-Planung besitzt einen ausreichend hohen Detailierungsgrad – dagegen sind Bilanz- und Cash-Flow-Planung unzureichend detailliert“
  • „Die Planung wurde mehrfach geändert, insbesondere wegen der deutlichen Erhöhung des Investitionsvolumens und der fehlenden Abstimmung mit anderen Unternehmen am Nürburgring“
  • „Der Plansstand vom 19. November 2007 musste insbesondere hinsichtlich des erhöhten Investitionsvolumens – mit Auswirkung auf die Abschreibungs- und Zinsbelastung – sowie des Personalaufwandes korrigiert werden“
  • „Die Anpassungen des Planungsstands 25. August 2009 betreffen im Wesentlichen die neueren Kenntnisse zu tatsächlichen Besucherzahlen sowie Weiterbelastungen durch die CST und höhere Zinsen“
  • „Die ursprünglich getroffene Einschätzung über Besucherzahlen beruhte auf teilweise nicht zutreffenden Prämissen“
  • „Das kumulierte Jahresergebnis von -139,3 Mio.€ (Plan 30. Oktober 2009) resultiert im Wesentlichen aus dem Projekt Nürburgring 2009, die Verluste Formel 1 und die Gewinne Kerngeschäft kompensieren sich nahezu“
  • „Für das Projekt Nürburgring 2009 wird in 2020 ein EBITDA von 9,7 Mio.€ erwartet (worst case 5,1 Mio.€), davon etwa 50% aus dem ring°werk“
  • „Die Planung des ring°werk (real case) geht von 372.000 Besuchern im Jahr 2010 aus“
  • „Die derzeitigen Besucherzahlen liegen deutlich unter Plan – trotz teilweiser Senkung der Eintrittspreise“
  • „Die Nürburgring GmbH rechnet mit jeweils etwa 125 Veranstaltungen in Eventhalle/Arena p.a., die derzeitige Buchungssituation lässt eine deutlich niedrigere Nutzung erwarten“
  • „Auf Basis der derzeitigen Besucherzahlen sowie der Ausgestaltung des ring°werk als Familienattraktion, ist die Umsatzplanung für das Parkhaus ambitioniert“
  • „Nach dem derzeitigen Stand der Besucherzahlen, des Konsums und der Buchungen für Eventcenter/Arena ist der Eintritt des worst case in den nächsten zwei bis drei Planjahren wahrscheinlicher als der Eintritt des real case“
  • „In einigen Teilbereichen des Nürburgring 2009 ist der worst case besser geplant als der real case (Effekt hieraus insgesamt 2,5 Mio.€ im Planungszeitraum)“
  • „Für die CST und andere Beteiligungen besteht ein Fortführungsrisiko“
  • „Bei konstant 200.000 Besuchern für das ring°werk ergibt sich eine Ergebnisverschlechterung zum worst case von kumuliert -22,3 Mio.€“
  • „Bilanz und Cahs-Flow sind nicht ausreichend detailiert – für eine weiterführende Analyse empfehlen wir die Erstellung einer detaillierten integrierten Planungsrechnung“

Hier wurden – wie gesagt - nicht alle Zwischentitel zitiert, aber es muss darauf hingewiesen werden, dass die Beratungsleistungen von Ernst & Young am 11. September 2009 begonnen und am 13. November 2009 beendet wurden.

Die Informationen in diesem „Business Plan“ von Ernst & Young basieren auf folgenden Informationen:

  • „Business Plan vom 30. Oktober 2009, vom 29. Oktober 2009, vom 25. August 2009 und vom 19. November 2007“
  • „Prüfungsbericht der Nürburgring GmbH 2008 von Dr. Dornbach & Partner GmbH“
  • „Prüfungsbericht der Nürburgring GmbH 2007 von der KPMG AG“
  • „Gutachten 'Besuchsanalyse Erlebnisregion Nürburgring' von Wenzel Consulting Aktiengesellschaft, Mai 2006“
  • „Gutachten 'Prüfung der Berücksichtigung von Ergebnissen einer Besuchsanalyse sowie einer Hotelprojektstudie im Businessplan des Projekts Erlebnisregion Nürburgring' von KPMG AG, 15. Dezember 2006“
  • „Gutachten 'Zukunftsprojekt Nürburgring 2009 – Überprüfung des Businessplans' von der Deloitte Consulting GmbH, 2. November 2007“
  • „Daily Report der Nürburgring GmbH (letzter Stand: 13. November 2009) über die Besuche und den Konsum im ring°werk“

Ich habe zu diesem Thema – diesem Business-Plan – den Ex-Wirtschaftsminister des Landes RLP, Herrn Hendrik Hering angeschrieben. Leider war ich da noch nicht im Besitz der Gesamt-Unterlage, kannte nur Teilabschnitte, so dass ich aufgrund meiner Informationen davon ausgehen musste, dass Ernst & Young im Jahre 2010 tätig geworden war. Woraus sich dann eine entsprechende Fragestellung ergab.

So hat sich dann Hendrik Hering auf meine E-mail auch bis zum Erscheinen dieser Geschichte nicht gemeldet, da er wohl auf die „Finte“ eines Journalisten hofft. - Entschuldigung! - Tut mir leid! - Aber tatsächlich ist Hendrik Hering jetzt noch stärker betroffen als ich annehmen musste. Denn der Auftraggeber an Ernst & Young kommt aus seinem Ministerium. - Damals, 2009. - So hat sicherlich auch sein Ministerium, das Wirtschaftsministerium, die Kosten dafür getragen.

Und was Hendrik Hering für einen Nutzen aus diesem „Business-Plan“ gezogen?

Motor-KRITIK wird dem Herrn Ex-Minister gerne die Möglichkeit einräumen, auf diesen Seiten seine Sicht der Dinge darzustellen. Wenn er von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch macht, wäre das allerdings auch zu werten.

Zu Beginn der Ernst & Young-Zusammenstellung von Daten und Feststellungen gibt es auch eine „Ergebnis-Zusammenstellung“, die sich – wir schreiben Ende 2009 - folgendermaßen darstellt. (Motor-KRITIK zitiert wörtlich aus der Ernst & Young-Untersuchung, den Seiten 2,3 und 4):

„Wir haben den Business Plan der Nürburgring GmbH mit seinen Geschäftsbereichen Kerngeschäft, Formel 1 und Nürburgring 2009 auf Plausibilität untersucht. Unserer Untersuchung lag die revidierte Planung vom 30. Oktober 2009 zugrunde.

Der Business Plan für die Geschäftsbereiche Kerngeschäft und Formel 1 wurde durch die Gesellschaft aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung mit der Austragung von Veranstaltungen bzw. deren Besucherzahlen hinreichend genau geplant.

Im Gegensatz dazu weißt die Planung des Geschäftsbereichs 'Nürburgring 2009', auch wegen fehlender Erfahrungswerte, hohe Risiken auf. Dieser Bereich besteht im Betreiben eines Themenparks mit starkem Motorsportbezug, der Merkmale eines Freizeitparks aufweist sowie zusätzlich Veranstaltungen mit Eventcharakter ausrichtet. Der Geschäftsbereich 'Nürburgring 2009' ist mit diesen Aktivitäten als start-up zu klassifizieren. Dieser start-up Bereich ist zumindest in Deutschland einzigartig, ein Vergleich mit ähnlichen Projekten oder Einrichtungen deshalb nicht oder nur eingeschränkt aussagefähig.

Für das Projekt 'Nürburgring 2009' wurden drei Planszenarien aufgestellt (best, real, worst case). Nach unseren Untersuchungen ist die Eintrittswahrscheinlichkeit des worst case Szenarios derzeit, zumindest für die nächsten zwei bis drei Planjahre höher einzuschätzen als die des real case, da die aktuellen Istzahlen bzgl. Besucheranzahl, Pro-Kopf-Konsum und Anzahl der Events deutlich unterhalb der in den anderen Planung en angenommenen Werte liegen.

Risiken im worst case bestehen in der Erreichung der geplanten Besucherzahlen für den Teilgeschäftsbereich ring°werk. Um die Planzahlen zu erreichen, bedarf es zwingend einer Verbesserung der Zusammenarbeit mit den weiteren Gesellschaften am Nürburgring zur Akquisition wichtiger Veranstaltungen/Events,

  • einer gemeinsamen Vermarktung des Angebots am Nürburgring und
  • der Fertigstellung der Bauten inklusive des ring°racer.

Die Gesellschaft weist in ihrer real case Planung einen kumulierten Jahresverlust über den Planungszeitraum in Höhe von 139,3 Mio.E und im worst case in Höhe von 220,5 Mio.€ aus. Der Ergebnisunterschied resultiert im Wesentlichen aus den in den Planszenarien unterschiedlich getroffenen Annahmen zum Projekt 'Nürburgring 2009'.

  • Die Höhe des Finanzierungsbedarfs (z.B. auch Investitionszuschüsse bei Tochtergesellschaften) sowie die Bereitstellung einer Finanzierung durch das Land Rheinland-Pfalz sind noch nicht final geklärt.
  • Eine Fremdfinanzierung erfordert nach Bankanalysen eine Mindest-Eigenkapitalquote von 20 – 30%.
  • Zum 30. September 2009 weist die Nürburgring GmbH ein negatives Eigenkapital aus. Dieses ist durch entsprechende Erklärungen oder Maßnahmen der Anteilseigner bzw. Dritter auszugleichen. Das notwendige noch zu beantragende Investitionsvolumen für die Fertigstellung des Projekts 'Nürburgring 2009' muss abschließend durch Sachverständige beziffert werden.
  • Die Attraktionen (u.a.ring°racer) des Projekts 'Nürburgring 2009' werden über einen Zeitraum von 10 Jahren abgeschrieben. Während dieser Zeit plant die Gesellschaft neben den turnusmäßigen, jährlichen Instandhaltungen zusätzlich eine Rücklage für Re-Attraktivierung in Höhe von kumuliert rund 5 Mio.€. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass dieser Betrag ausreichend dotiert ist, um die Attraktionen zukünftig in einem funktionsfähigen und zeitgemäßen Zustand zu erhalten.
  • Weitere Risiken für die Planung bestehen in folgenden Sachverhalten:
  • Die Margen- und Umsatzsteigerungen im Geschäftsbereich Kerngeschäft sind ambitioniert geplant.
  • Die Fortführung des Formel 1-Rennens belastet nachhaltig die Planergebnisse, führt jedoch, Drittgutachten zufolge, zu einem insgesamt positiven volkswirtschaftlichen Beitrag in der Region.
  • Die Auswirkung der derzeit geringen Besucherzahlen auf die Boulevard-Mieter.
  • Der nicht vertraglich abgesicherte jährliche Tourismusbeitrag des Landes Rheinland-Pfalz in Höhe von 3,2 Mio.€.
  • Der nicht geplante Mittelabfluss durch den möglichen Bau eines Sicherheitshauses (Sicherheitsdienste, Feuerwehr etc.) in Höhe von 5 Mio.€ (Investition) sowie 0,3 Mio.€ für den laufenden Unterhalt p.a.
  • Die Überschreitung der geplanten Marketingkosten auf Grund der missglückten Eröffnung und der ausbleibenden Besucher.
  • Die Nichtberücksichtigung der Zinslasten für den kurzfristigen Liquiditätsbedarf aus den negativen CashFlows.
  • Das Risiko von Einmalkosten in 2009 (Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit der Neuausrichtung des Gesamtprojekts).
  • Die möglichen rechtlichen Auseinandersetzungen mit Bauunternehmen, dem Generalunternehmer und der MSR aufgrund Bauverzögerungen und Überschreitung der geplanten Investitionskosten für das Projekt 'Nürburgring 2009'.
  • Die Überschätzung des Einflusses des ring°racer auf die Attraktivität des Nürburgrings für die Besucher.
  • Die derzeit geringen Buchungen für das Eventgeschäft.
  • Die insgesamt negative Publizität des Projekts.

Im Rahmen unserer Untersuchungen hat sich folgender akuter Handlungsbedarf gezeigt:

  • Verbesserung von Planung und Berichterstattung, insbesondere des Projektcontrolling für das Projekt 'Nürburgring 2009'.
  • Implementierung eines adäquaten Risikomanagements-Systems zur Früherkennung von Kosten- und Ergebnisrisiken.
  • Zusammenarbeit mit den weiteren Gesellschaften am Nürburgring (MSR)
  • Fertigstellung der Bauten“

Wenn die Basis zu der oben dargestellten Erkenntnis von Ernst & Young die ebenfalls erwähnten Gutachten, Business-Pläne und Untersuchungen waren, zu denen alle Verantwortlichen Zugang hatten, aber gegenüber der Öffentlichkeit Einblicke verweigerten, dann muss klar sein, dass die Untersuchungen durch externe Gremien das Projekt „Nürburgring 2009“ nicht so gut aussehen ließen, wie es versucht wurde darzustellen. - Auch z.B. gegenüber Motor-KRITIK durch den Herrn Finanzminister.

Was bedeuten würde: Nicht nur die Beteiligten, über deren Verhalten in der Nürburgring-Sache morgen ein Urteil gesprochen wird, haben sich – evtl. (!) - strafbar gemacht, sondern auch die, die die Details in den „geheimen“ Gutachten kannten und gegen alles wirtschaftliche Denken die Pläne – die man wohl einer politischen Planung zurechnen muss – weiter führten, obwohl das Ende im Chaos absehbar war.

Wenn man in die Details der insgesamt 42-seitigen Untersuchung einsteigt, ergibt sich z.B. daraus, dass die offiziell verbreitenden Besucherzahlen am Nürburgring – von Motor-Kritik immer schon korrigiert – auch von Ernst & Young nicht ernst genommen wurden.

So wurden z.B. in einer Tabelle die offiziellen Besucherzahlen am Nürburgring zwar mit 2.000.000 (in Worten: Zwei Millionen) angegeben, aber mit einem „Sternchen“ versehen, das dann zu der Anmerkung führt:

„Nach unseren Informationen haben im Jahr 2008 rund 900.000 Zuschauer den Nürburgring besucht.“

Man muss also davon ausgehen, dass der Aufsichtsrat – und die Aufsicht führenden Politiker – die Situation der Nürburgring GmbH in der Realität kannten. Wie z.B. die Ernst & Young-Untersuchung auf der Basis interner Unterlagen (!) ergibt. - Was soll man da z.B. von dem Brief des Herrn Finanzministers (s.o.) an den „Sehr geehrten Herrn Hahne“ halten?

Es werden übrigens auch folgende „Notwendigkeiten“ beschrieben, wenn ausreichend Besucher zur Erwirtschaftung von Deckungsbeträgen an den Nürburgring gelockt werden sollen:

  • „Regelmäßige Ausrichtung von Top-Veranstaltungen“
  • „Verbesserung des Image des Nürburgrings (derzeit negative Presse)
  • „Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften am Nürburgring (Abhängigkeit der Eventbuchungen von den Übernachtungsmöglichkeiten und umgekehrt)“
  • „Regelmäßige Re-Attraktivierung der Besucherattraktionen“

Nun wissen wir inzwischen: Der „ring°racer“ wird abgebaut. Und die Betriebserlaubnis im letzten Herbst, durch die Kreisverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler ausgesprochen, war wohl nur eine Gefälligkeits-Genehmigung. - Ich habe das in einer E-mail dem Herrn Landrat Dr. Pföhler vorgehalten. Er hat darauf nicht reagiert. - Folglich sah er wohl keinen Grund, meiner Annahme zu widersprechen.

Und der „ring°racer“ wird – wir wir offiziell informiert wurden – auch am Nürburgring in Zukunft nicht mehr laufen. Er wird abgebaut – und – wenn wir Robertino Wild glauben können – verschenkt werden. - Wer sich für die Kosten interessiert:

Die Kosten für den Abbau des ring°racer müssen nach inoffiziellen Informationen mit sechs Millionen Euro angeommen werden.

Übrigens: Das Plaungsmodell der Nürburgring GmbH für das Projekt „Nürburgring 2009“ umfasste per 30. Oktober 2009 rund 260 Seiten.

260 Seiten Illusionen und Visionen, die den Steuerzahlen im Jahr 2014 gut eine halbe Milliarde Euro kosten werden. Und Dr. Kafitz spielte – zumindest vor Gericht – den Ahnungslosen.

Und – wie die Untersuchung von Ernst & Young aus dem Jahre 2009 beweist: Die Politiker in Mainz wurden auf die Schwächen des Projekts aufmerksam gemacht. - Auch die, die dieses Mal noch nicht vor Gericht standen.

Auch Capricorn war nach Motor-KRITIK-Informationen rechtzeitig über viele Details, wie sie hier geschildert wurden, „im Bilde“. Und konnte so mit den Insolvenzverwaltern und der Landesregierung – wie man so schön sagt - „auf Augenhöhe verhandeln“. - Details dazu demnächst in – Motor-KRITIK!

Morgen gibt es zunächst einmal die Urteilsverkündung vor dem Landgericht Koblenz. Oder auch nicht. - In jedem Falle wird eine Entscheidung verkündet werden. - Nach rd. eineinhalb Jahren Prozessdauer.

„Im Namen des Volkes“?

MK/Wilhelm Hahne

 

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