2022

Ukraine-Konflikt: Ist Rheinland-Pfalz außen vor?

Genau genommen ist es ein Russland-Ukraine-Konflikt. Politiker, die bisher Entscheidungen vor sich herschieben konnten – oder Vorlagen auf dem Schreibtisch von rechts nach links – von denen erwarten nun die Wähler klare Stellungnahmen und Entscheidungen. Sie können – leider – nicht agieren; sie müssen (!) reagieren. Man hört die Ankündigungen der „westlichen Welt“ von vielen, Russland bald „hart treffenden Gegenmaßnahmen“. Sie sind nicht alle unbedingt präzise, aber sie verheißen in ihren z.T. noch schwammig angedeuteten Funktionen, für Russland, für die russische Wirtschaft, für russische Firmen – aber auch russische Einzelpersonen – nichts Gutes.

Da überrascht es nicht, wenn hier aus dem Umland des Nürburgrings, der bekanntlich in Rheinland-Pfalz liegt, an Motor-KRITIK Fragen gerichtet werden, die ich nicht beantworten kann. Aber natürlich verwende ich mich gerne für meine Leser!

So habe ich die Situation, in der sich das Land Rheinland-Pfalz durch die internationale Konflikt-Situation gebracht wurde kurz bedacht und gefunden, dass man in der rheinland-pfälzischen Landesregierung darum dazu auch eine Meinung haben müsse.

Immerhin gibt es hier den amerikanischen (!) Luftstützpunkt Spangdahlem, von dem in den letzten Tagen offiziell erhebliche Bewegungen in der Presse vermeldet wurden. Von da wurden F 15-Kampfjets  nach Rumänien verlegt; da landen „Tarnkappenbomber“, von da werden Truppen ausgeflogen.

Aber auch der (chinesische!) Flughafen-Hahn ist eine Zwischenstation für amerikanische Truppen, die aus dem US-Steuerparadies Delaware in Richtung Osten geflogen werden.

Es ist auch kein Geheimnis, dass auf dem deutschen (!) Flughafen Büchel im Interesse der amerikanischen Regierung von der deutschen Luftwaffe immer noch eigentlich eine veraltete Serie von Jagdbombern geflogen wird, weil nur die über eine Aufhängevorrichtung verfügen, in die die in Büchel lagernden Raketen – auch nicht mehr die jüngsten – eingeklinkt werden können. Es wird kolportiert, dass in Büchel sogar solche mit Atomsprengköpfen gelagert werden.

All’ diese Orte liegen in Rheinland-Pfalz. Da wundere ich mich nicht, wenn mich Eifel-Bewohner besorgt fragen, was denn nun mit dem Nürburgring wird, der sich eigentlich – nimmt man es genau - in russischer Hand befindet. Werden den nun auch Sanktionen der Landes-Regierung treffen?

    • Der Nürburgring bald eine „russische Exklave“?

Natürlich kann ich darauf als Journalist keine präzise Antwort geben. Da muss ich dort fragen, wo man sich – weil man auch die oben geschilderte Situation kennen muss – schon ein paar Gedanken gemacht haben wird.

Also habe ich die Staatskanzlei der Landesregierung von Rheinland-Pfalz in Mainz angeschrieben.

„...nachdem der russische Staatspräsident Putin nach Ansicht – auch – deutscher Politiker das Völkerrecht gebrochen hat, werden überall „Sanktionen“ vorbereitet, die auch einzelne russische Staatsbürger, bzw. die Firmen und ihren Besitz im Ausland betreffen.

    • Hat die rheinland-pfälzische Regierung irgendwelche Sanktionen gegenüber dem russischen Besitzer des Nürburgrings in Planung?

Das ist eine Frage, die von normalen Bewohnern der Eifel an mich herangetragen wurde. Welche offizielle Antwort der rheinland-pfälzischen Regierung darf ich da vermitteln?“…

Exakt 10 Minuten später erhielt ich die automatische (?) Antwort aus der Pressestelle der Staatskanzlei:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich bin zur Zeit nicht im Büro. Ihre Mails werde ich nicht lesen und beantworten können.
In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte ...
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Ihre Mail nicht weitergeleitet wird und die Benachrichtigung während meiner Abwesenheit Ihnen nur einmal angezeigt wird!

Mit freundlichen Grüßen“…

Knapp zwei Stunden später ging dann bei mir – trotzdem (!) - folgende e-Mail aus der Staatskanzlei des Landes Rheinland-Pfalz ein:

„Guten Tag Herr Hahne,

ich bitte Sie, diese Frage an die für Sanktionen zuständigen Stellen bei der Bundesregierung und der Europäischen Union zu richten.

Viele Grüße“…

Merke: Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat zu jeder Situation immer eine klare Antwort!

Diese Reaktion passt gut zum bisher wahrgenommenen Verhalten der Landesregierung. Man drückt sich nicht um eine Antwort! - Man verweist auf die Verantwortlichkeit einer anderen Regierung! - Man delegiert!

  • Hat man von Ex-Landrat Dr. Pföhler dazu gelernt?

Dumme Frage, die sich aus diesem Verhalten ergibt: Löst man so Probleme oder gar Konflikte?

MK/Wilhelm Hahne
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„Don’t Stop Me Now“: Soundtrack zur Transformation?

Ola Källenius wurde von einer Jury des „manager magazins“ u.a. „für die entschlossene und beispielhafte Transformation von Daimler, deren Erfolge sich dieses Jahr in hohen Gewinnen und steil ansteigenden Aktienkursen zeigen“, zum Manager des Jahres gewählt. Er hatte – so ist im „manager magazin“ (12/2021) zu lesen, eine „Großbaustelle“ übernommen. - Zitat aus „mm“:

„Während Tesla mit seinem elektrischen Model 3 die Massen begeisterte, stand Källenius bei der wichtigsten Zukunftstechnologie fast blank da.“

Inzwischen hat Ola Källenius „blank gezogen“ und nach Daimlers erstem Elektro-SUV, dem EQC, der intern – lt. „manager magazin“ – „als totales Desaster“ galt, nun den Mercedes EQS präsentiert, den er aber selber nur ab und an mal fährt.  - Wenn es sich nicht vermeiden lässt? - Bei „manager magazin“ wird das so beschrieben:

„Ola Källenius nutzt als Dienstwagen eine S-Klasse, tauscht sie nur gelegentlich gegen einen EQS aus dem Fuhrpark. Er führe lieber elektrisch, sagt er, aber die Nachfrage ist zu hoch, und auch da ist er konsequent: ‚Wir haben beschlossen, zuerst die externen Kunden zu bedienen.‘ Sobald sich die Situation normalisiere, werde er sich auch einen EQS bestellen.“

Es ist kein Geheimnis, dass in der Vergangenheit ein Testwagenwunsch von Motor-KRITIK durch Daimler mit dem Hinweis abgelehnt wurde: „Sie passen nicht so recht zu uns.“ - Das ist sicherlich richtig. Es ist auch bisher noch keinem Hersteller gelungen, mich „passend zu machen“. Aber darum muss ich mir dann auch in solchen Fällen meine Meinung durch Informationen aus anderen zuverlässigen Quellen bilden.

Natürlich habe ich z.B. auch den „Testbericht“ des ADAC – aber auch andere – gelesen. Die Beschreibungen und Feststellungen dort – zum Mercedes EQS – weichen doch sehr stark von der erlebten Realität eines Nutzers ab, den ich zur Abrundung meiner gesammelten Eindrücke, zu seinen Erfahrungen befragt habe. Als  – vorher - Besitzer eines Tesla 3, verfügt er schon über Erfahrung mit E-Automobilen und kann so auch besser werten.

  • Den Tesla 3 hat er 12 Monate besessen und in dieser Zeit 10 Werkstattaufenthalte registriert. Aber er hatte das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden. Immerhin gab es alle Wochen ein Update!

Zum Kauf eines Mercedes EQS hatte er sich entschlossen, weil er das „geräuschlose“ Fahren in einem E-Automobil im Tesla schätzen gelernt hatte. Und wenn man nun dieses Geräuschwunder E-Automobil mit den „Zaubertüren“ des neuen EQS und dessen angepriesenem Mercedes-Komfort paaren könnte… - Und er hat dann „das teuerste Automobil seines Lebens“ (sagt er) zu einem Gesamtpreis von gut 146.000 Euro erstanden. Weil er es dann praktisch sofort erhalten konnte, hat er ein Ausstellungsfahrzeug genommen, dessen Farbe und Ausstattung er allerdings nicht selbst bestimmen konnte.

Nach der Zulassung durch das Autohaus, dessen zugesagter Termin schon nicht eingehalten wurde, ist er dann mit dem neuen Mercedes EQS nur rd. 20 Meter bis zur Ausfahrt des Betriebshofs gekommen: Totaler Systemausfall!

Also zu Fuß wieder zurück, der Wagen in die Werkstatt. - Aber das war nicht der einzige Ausfall! So ging das weiter: Immer wieder der Ausfall von Assistenzsystemen. Die „Zaubertüren“ funktionierten nicht. Erklärung: Die seien auch nicht verbaut. - Aber er habe sie doch bezahlt! - Eingeständnis des Mercedes-Partners: Das stimmt, aber wir haben sie auch nicht berechnet! - ??? - Erklärung zur nicht erfolgten Preiskorrektur: Dafür sei andere Zubehörausstattung teurer geworden.

Der neue EQS-Besitzer war wenig amüsiert! - Zugeständnis: Man würde ihm den Aufpreis erstatten!

Die Mercedes-Zusage, dass ihm keine Ladekosten für das erste Besitzjahr entstehen würden, konnte nicht eingehalten werden. - Angebot: Dann solle er doch die Rechnung dafür herein geben! - Sie ist bis heute nicht bezahlt! - Dafür ist beim Zuziehen der Fahrertür die Zierleiste außen abgefallen und bei immer wieder auftretendem Ausfall von Assistenzsystemen musste er immer wieder die Werkstatt aufsuchen.

Der Verbrauch bei „Kaltstart“ lag bei über 50 kW/h bei Stadt- und Kaltfahrten. Die Reichweite jetzt im Winter betrug um 350 und nicht – wie versprochen – mehr als 700 Kilometer. Auch die Ladeleistung entsprach in der Realität nicht den Aussagen der offiziellen Darstellung! (Ladekabel?)

Es gab auch keinen einzigen Ansprechpartner bei Daimler/Mercedes für seinen Fall. Nein, es waren so um zehn! - Und jeder schob die Verantwortung auf den nächsten.

Der Mercedes-Besitzer und -Fahrer hatte nun – auf Deutsch gesagt – „die Schnauze voll“! - Der Hersteller bot ihm dann „die Wandlung“ an. - Man nimmt diesen EQS zurück! - Die „Wandlung“ läuft noch, weil auch eine Türklinke inzwischen nicht mehr ausfährt. Das musste vor der „Wandlung“ noch auf Garantie beseitigt werden. Außerdem muss noch ein Gutachter den „Restwert“ ermitteln, weil das Fahrzeug inzwischen seinen Fahrer 4.000 Kilometer weit gefahren hat.

Ola Källenius sei geraten, nun schnellstens vom Titel des Queen-Songs, „Don‘t Stop Me Now“ auf ein „Stop me now“ umzustellen. - Vielleicht sollte er die von seiner Firma angebotenen Produkte „mit der wichtigsten Zukunftstechnologie“ („mm“) aber auch einmal konstant eine Zeit lang selber fahren, bevor er durch einen desolaten Zustand – wie oben geschildert – gutgläubige Kunden auf ewig verschreckt.

  • Der inzwischen „ehemalige“ Besitzer eines Mercedes EQS wird nun wieder einen Tesla kaufen.

Auch eine Art von „Transformation“, zu der Ola Källenius als „Manager des Jahres“ angeregt hat!

MK/Wilhelm Hahne
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Nach Olympia: Wie viele China gibt es eigentlich?

„The party is over“, wird man heute in der Welthandels-Sprache Englisch in Peking feststellen. Olaf Scholz und Joe Biden waren nicht da. Ein „I am a Pekingnese“ hätte – selbst in bestem Lübke-Englisch – auch peinlich geklungen. - Ich persönlich hatte eigentlich mit China bisher keine Probleme. Meine chinesische Uhr überwacht zuverlässig meinen Schlaf, mein in China produziertes Android-Handy arbeitet sehr gut und mein amerikanisches iPhone - auch in China produziert - bietet keinen Anlass zu Beanstandungen.   (Info für meine Leser: Der Trend geht zum Zweithandy!) - Die Kameras die ich nutze, sind auch in China produziert und der China-Tee zum Frühstück – natürlich mit weichem Eifel-Wasser gekocht – schmeckt mir sehr gut. - Bisher hatte ich keinen Grund, irgendwie über China zu klagen. - Bis zu dem Zeitpunkt, da in Peking – und darum herum – nun die Winter-Olympiade 2022 durchgeführt wurde. Da habe ich in der Zeitung dann schon mal kritische Anmerkungen gelesen und auch solche im Fernsehen gehört. - Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich bin in meinem Leben auch noch niemals in China gewesen. Und da die deutsche Automobilindustrie nicht auf Crashtests an der chinesischen Mauer angewiesen ist – die ich auch nur dem Namen nach kenne – habe ich mir offensichtlich bisher zu wenig Gedanken über China gemacht. - Wie ich der Statistik auf meinem Server entnehme, war in diesem Jahr unter den ersten 30 Staaten, aus denen Leser auf diese Internetseiten zugreifen, China nicht vertreten. - Inzwischen muss ich aber – ein wenig unsicher - die Frage stellen:

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Alt wie neu: Unbekanntes Nürburgring-Wunderland!

Wir schreiben 2022. Wer erinnert sich da noch an „Nürburgring 2009“? Die (Bau-)Denkmäler, die ein Kurt Beck sich – auf Kosten der Steuerzahler – setzen ließ, sind einer neuen Generation von Nürburgring-Besuchern selbstverständlich geworden. Dadurch wurde ihr Bau aber nicht sinnvoller!  - Jetzt kurze Zeit vor Saisonbeginn, bin ich für Motor-KRITIK noch einmal mit offenen Augen (und Brille!) durchs Nürburgring-Wunderland geschritten, möchte an „Altes“ erinnern und auf „Neues“ aufmerksam machen. - Eine Kamera war mein Begleiter. -  Der erste „Touristenfahrer“-Tag soll der 12. März 2022 sein. Damit eröffnet die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG dann die Saison 2022. Ab 11. März 2022 soll die Nordschleife wieder befahrbar sein. Und es soll Neues geben. Nicht nur am Nürburgring direkt. Auch im „Industriegebiet Meuspath“ entsteht etwas Einmaliges. Und an der „Nürburgring-Einfahrt Breidscheid“ ist ein Bauvorhaben in Planung, das schon vor Einreichen der Bauanträge in gewissen Kreisen für Aufregung gesorgt hat. - Der „Aufreger“ ist hier wie auch an anderen Stellen des „Rings“ ein Imbiss. - Aber nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht oder gebraten wird! Selbst eine „Rennwurst“ nicht! - Für Breidscheid gibt es seit Kurzem scheinbar eine Lösung der Probleme. - Wenn Hamburg eine Hafenstadt ist, so hat sich das „Wunderland Nürburgring“ inzwischen zu einer „Garagenstadt“ entwickelt. - Und niemand hat es gemerkt? - Es gibt also eine Menge zu berichten bzw. zu informieren. Ich habe es für meine Leser unter dem Titel zusammen gefasst:

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DMSB: Ein Verein auf dem Weg in eine neue Zukunft?

Motor-KRITIK ist in der Eifel angesiedelt. Dort – so hört man – ist immer noch mit Erdbeben zu rechnen. Darum gibt es auch in unserem Gebiet Erdbebenmessstationen, die das Verhalten im Erdinneren unseres Gebiets überwachen. Bei dieser Realität ist der Vergleich nicht fern, einen auf ein bestimmtes Gebiet spezialisierten Journalisten auch als so eine Art von Erdbebenmessstation zu empfinden. Tatsächlich rappelt es immer irgendwo im „Fach-Karton“. Und Motor-KRITIK ist so eine Art von Messstation, deren Messungen ab und an schon mal vor einer drohenden Katastrophe warnen konnte. (s. Nürburgring-Affäre) Weil dann die Recherche-Zeiger weit ausschlagen. - Zu einer besonders umfangreichen  Recherche kommt es dann, wenn ein Sensor – es kann auch eine nicht beantwortete e-Mail sein – ohne eine Rückmeldung bleibt, es keine Antwort gibt. - Genau das ist im Fall des DMSB erfolgt. Bei der „Sensorüberprüfung“ ist es zu interessanten Messergebnissen oder nennen wir es - Eindrücken bei der Recherche – gekommen. - Da kommt dann – auch wegen der vorhandenen Erfahrung – dann das Bauchgefühl ins Spiel. - Im vorliegenden Fall muss ich mich fragen:

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10. Februar 2022: Dear Reader! (= Lieber Leser!)

Wer sich über diesen – für Motor-KRITIK neuen – Titel über dieser Geschichte wundert, die in der Vergangenheit immer nur „Lieber Leser“ lautete, dem muss ich erklären, dass ich mit ‚“Lieber Leser“ keinen „Shitstorm“ auslösen wollte. Ich habe mich für die englische Version (plus Übersetzung) entschieden, weil im Englischen eine Differenzierung zwischen Mann und Frau nicht vorgesehen ist. Sprachlich ist im Englischen, wenn es um Berufe geht, die Frau schon immer gleichberechtigt gewesen. - Sprachlich!

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Geringerer Druck auf die Spitze: Nun Doppelspitze!

Am Nürburgring sind für die Saison 2022 keine auffallenden Strategieänderungen bei der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG zu erwarten. Gab es bei der Betreiberin des Nürburgrings bisher eine Spitze, so wurde die – weil die alte Spitze weggebrochen war – nun durch eine Doppelspitze ersetzt. Dadurch wird sich aber in der Geschäftsführung wenig ändern. Lt. Pressemitteilung ist „bewährte Philosophie“ zu erwarten. Die „Anregung“ der aktuellen Geschäftsführung erfolgt nämlich – wie vorher auch - durch einen Vertrauten des Besitzers, Viktor Martin, ein gebürtiger Russe, der sich von einem Deutschen, Michael Lemler, assistieren lässt.

Der bisherigen „Einfach-Spitze“ war wohl der Druck zu groß geworden. Damit die Druckverteilung der neuen, der Nürburgring 1927 GmbH & Co. verordneten „Doppel-Spitze“ auch bewusst wird, wird man sie nun in einem neu zu schaffenden gemeinsamen (!) Büro im 3. Stock der Nürburgring-Verwaltung residieren lassen, wo ihre Schreibtische sich dann auf dem gleichen Höhenniveau wie die der „Macher“ Michael Lemler und Viktor Martin befinden.

Diese Herren kennen sich schon viele, viele Jahre. Unter anderem aus einem gemeinsam geplanten  Großprojekt, das von der auch bestehenden Firma Lemler Projektentwicklungsgesellschaft mbH betreut wurde, die aktuell auch von Michael Lemler als Geschäftsführer geleitet wird, der in dieser Funktion seine Ehefrau ablöste.

Michael Lemler kennt also Viktor Martin schon lange und Viktor Martin kennt seinen „Chef“, den offiziell als Käufer des Nürburgrings aufgetretenen Viktor Charitonin, z.B. aus einer gemeinsam bestrittenen Mille Miglia im Jahre 2014, aber auch schon einige Zeit vorher. Sie hatten z.B. schon gemeinsam versucht, ein Großprojekt auf einem ehemaligen amerikanischen Fliegerhorst umzusetzen. Auch mit Hilfe des Herrn Lemler. Über die Anfänge dort, hatte Motor-KRITIK in 2016 – bitte HIER klicken – schon mal informiert.

Das Gelände dort ist inzwischen längst an Google verkauft, aber bis heute noch nicht bebaut. Lt. einem Pressesprecher des Konzerns aus dem Herbst 2021 gegenüber „Erlensee aktuell“ :

„Das Grundstück in Erlensee gibt uns die Möglichkeit, unsere Präsenz an Rechenzentren in Europa weiter auszubauen, wenn unser Geschäft dies erfordert.“

Bisher war es wohl nicht erforderlich! - Zurück an den Nürburgring: Dort ist Viktor Martin der eigentliche „Strippenzieher“, dem von Michael Lemler assistiert wird. Immerhin ist Viktor Martin auch Vorstand der NR Holding AG, die – nicht zufällig – in Erlensee angesiedelt ist. Beide sind Geschäftsführer in einigen anderen Nürburgring-Firmen, die der Öffentlichkeit aber weitgehend unbekannt sind. Aushängeschild ist die als Pächter des Nürburgrings ausgewiesene Nürburgring 1927 GmbH & Co KG. Deren neue Geschäftsführer sind – nun als Doppelspitze - seit dem 1. Januar 2022 offiziell:

  • Christian Stephani aus St. Johann (Eifel) und Ingo Böder aus Leimbach (Eifel)

Beide werden in Zukunft durch die Herren Martin und Lemler „gesteuert werden“. Die Herren der „Doppelspitze“ werden dagegen von der Regionalpresse als „die beiden neuen Ring-Bosse“ empfunden („Trierischer Volksfreund“).

Die „Bosse“ standen Ende Januar der Regionalpresse zu einem Interview zur Verfügung. Stephani hat bisher als Geschäftsführer der VLN VV GmbH & Co. KG  bewiesen, dass er die Langstreckenserie VLN/NLS, die für die Rennstrecke Nürburgring von großer Bedeutung ist, nicht nach vorne bringen konnte. - Er hat sie auch nicht verstanden. - Es ging dort bergab, wie durch sinkenden Starterzahlen nachweisbar!

Ingo Böder ist ein – in einer anderen Firma – erfolgreicher Event-Manager gewesen und hat nach eigenen Aussagen „schon mindestens 20 Ideen im Kopf“. Aber zunächst werden beide Herren mal die Pläne der anderen Herren aus dem 3. Stock umsetzen müssen, wie z.B. - und unter anderem:

  • Bau von 30 Garagen im Bereich der alten Nürburgring-Zufahrt in Breidscheid
  • Abriss der Tribüne 13 und Bau eines neuen Luxus-Hotels

Und es wartet noch die Lösung von weiteren Aufgaben auf die neue „Doppelspitze“, die leider zum Teil unlösbar sind. Beide teilen sich zwar die Themengebiete der Aufgaben, die mit der operativen Umsetzung der normalen Verwaltung einer Rennstrecke verbunden sind. Es fehlt ihnen in der Praxis aber die früher - z.B. im Falle Böder - durch Herrn Manfred Strack vorhandene notwendige Verzahnung mit dem direkten – auch behördlichen – Umfeld . Da nutzen dann auch keine bedeutenden Titel auf einer Visitenkarte und auch nicht, dass beide aus der Region kommen.

Das Ende der „Doppelspitze“ ist für Motor-KRITIK schon absehbar, da z.B. ein Viktor Martin kein „Papa Gnädig“ ist. Als guter Automechaniker kennt er nur zwei Versionen: Funktioniert oder funktioniert nicht!

In fünf Jahren wird der Nürburgring 100 Jahre alt! Für mich ist vorhersehbar, dass die dann sicherlich geplante Feier „unter neuer Leitung“ – nicht mehr in der jetzigen Zusammensetzung mit einer „Doppelspitze“ stattfinden wird.

Eine „Doppelspitze“ ist selbst in der Politik nur eine Notlösung, hat manchmal auch Alibi-Funktion. In der Wirtschaft ist sie wenig effektiv, selbst wenn sie – wie in diesem Fall – aus dem Hintergrund von einer Person gesteuert und befeuert wird!

MK/Wilhelm Hahne
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KBA 011352: ...da bin ich um den Schlaf gebracht!

Ich weiß nicht wie die Daimler-Verantwortlichen zur Zeit schlafen. Ich wurde jedenfalls heute morgen gegen 5:20 Uhr von einem Alptraum aus meinem Schlaf gerissen, der eigentlich auf Fakten beruhte, die in Stuttgart geschaffen wurden und in den letzten Tagen des Jahres 2021 die Beamten des Kraftfahrtbundesamt in Flensburg veranlassten, einen Rückruf zu starten.

Dieser „Anregung“ des KBA ist der Hersteller Daimler Anfang Januar 2022 nachgekommen und hat die Besitzer von:

848.517 (in Worten: Achthundertachtundvierzigtausendfünfhundertsiebzehn) Mercedes-Besitzern weltweit, die Fahrzeuge des Konzerns vom Typ C-Klasse, CLS, E-Klasse, GLC, GLE, GLS und S-Klasse der Jahre 2017 – 2021, von einem Dieselmotor befeuert fahren gebeten, nach einer weiteren Aufforderung ihr Fahrzeug zur einer Kontrolle und evtl. kostenlosen Nachbesserung in eine Mercedes-Werkstatt zu bringen.

Da sind nicht nur die Besitzer solcher Fahrzeuge erschrocken, die ihren Mercedes erst im November 2021 erhalten hatten. Alle mussten nicht nur lesen, dass durch die mögliche Undichtigkeit einer Kühlmittelpumpe ein Ansteigen der Bauteiletemperatur nicht ausgeschlossen werden kann und dadurch Brandgefahr besteht, sondern es gab auch die Hersteller-Empfehlung:

  • Diese vom Rückruf betroffenen Fahrzeuge sollten möglichst nicht mehr genutzt werden, um einen möglichen Brand auszuschließén!

Gleichzeitig wurde allerdings auch darauf hingewiesen, dass die in Deutschland betroffenen Fahrzeuge – 239.832 Mercedes, der o.g. Vielzahl von Typen – erst ab Mitte/Ende Januar 2022 die Mercedes-Werkstatt ihres Vertrauens zur Kontrolle und Nachbesserung aufsuchen können.
Ich kenne die Argumentation der Marketing-Manager, die Rückrufaktionen als eine „Kundenbindungsmaßnahme“ verkaufen. In diesem Fall könnten diese Träumer auch versuchen, diese gewaltige Rückrufaktion als einen Daimler-Beitrag gegen den Klimawandel zu verstehen, da doch durch die so erfolgte Stilllegung von rd. 850.000 Dieselfahrzeugen der Ausstoß von ungezählten Tonnen CO2 verhindert wird.

  • In der Praxis sieht das jedoch ein wenig anders aus, da die jeweiligen Besitzer diese Mercedes-Fahrzeuge gekauft haben, um mobil zu sein.

Besonders betroffen sind die Fuhrparkverantwortlichen großer Firmen, die – theoretisch – bei einem Einsatz der fehlerhaft produzierten Fahrzeuge bis zum Zeitpunkt der Durchführung der Rückrufaktion, rechtlich dafür verantwortlich gemacht werden könnten, wenn so ein möglicher Brandschaden tatsächlich auftritt, der auch einen Personenschaden nach sich ziehen kann.

  • Aber eine Stilllegung der Fahrzeuge durch deren Besitzer, ganz gleich ob es sich dabei um Privatpersonen oder Firmen handelt, kostet Geld! 

Die Behebung der werksseitig verbauten Fehlerquelle kann wegen der Größe des Rückrufs auch einige Zeit dauern, so dass die Beeinträchtigung durch die eingeschränkte Art der Nutzbarkeit dann durchaus erheblich sein kann.

In den nächsten Tagen will darum z.B. der Bundesverband Fuhrparkmanagement e.V. (BVF) in einem Rat & Tat-Online-Seminar seine Mitglieder – auch rechtlich – beraten. Daimler bittet um Geduld, der Geschäftsführer der BVF ist dagegen das Meinung: „Das geht so gar nicht!“ und fordert im Interesse seiner Mitglieder z.B. Ersatz-Mobilität.

Dabei ist dieser große Rückruf von Mercedes-Fahrzeugen aktuell nur der Größte. Es gibt auch noch – stückzahlmäßig – kleinere Probleme. Bis hin zu fehlerhaften Ladekabeln für den Vorzeige-Elektro-Mercedes.

Aber Ladekabel werden nicht dem Automobil zugerechnet, werden darum in Zukunft auch nicht TÜV-geprüft. - Das E-Auto von Mercedes ist natürlich toll!

  • Nur die Ladekabel… - und so manche Software… und, und, und.

Mercedes gehört inzwischen zu den weltweit größten Herstellern von Rückruf-Automobilen!

Mercedes-Werbung: „Das Beste oder nichts“?

Meine Antwort darauf erfolgt auf Schwedisch, damit der CEO des Konzerns mich auch versteht:

Jag antar att det inte fungerade!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Dank Google kann ich das auch  – für die Daimler-Großaktionäre – in chinesischer Sprache schreiben: 我認為它沒有工作 – Übersetzung: Ich glaube, es hat nicht funktioniert.

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Aktien: Der gute Mensch denkt an sich selbst zuerst

Wenn meine Leser glauben, dass an dem Titel etwas falsch ist, dann haben sie recht. Der richtige Spruch stammt von Friedrich Schiller und lautet: Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt. - Das war gestern! - Die Zeiten haben sich geändert. Wo gibt es heute noch brave Männer? - Dabei denke ich – als Motor-Journalist - in erster Linie an die CEO’s (Chief Executive Officer) der Automobil AG’s. Natürlich auch an ihre Vorstandskollegen. Alle gut verdienende Manager, die natürlich auch versuchen, ihr schon gutes Einkommen, noch mal mit Aktiengeschäften zu verbessern.

Warum man in Verbindung mit Automobilherstellern nicht immer nur an Automobile und deren Technik denken sollte, muss ich vielleicht mit einem Gespräch erklären, das ich mit einem Vorstandsvorsitzenden hatte, das allerdings auch schon vor Jahrzehnten stattfand.

Ich stand nach einer Pressekonferenz am Rande eines Platzes auf dem die Testfahrzeuge bei einer Neuvorstellung verteilt wurden und schaute dem bunten Treiben zu. Da trat dieser Vorstandsvorsitzende neben mich um zu fragen: „Worauf warten Sie?“ - Ich habe gesagt, dass ich mir die Drängelei gerne ansehe, da doch sicherlich für mich auch ein Testfahrzeug über bleiben würde. - Mein Gesprächspartner hat zustimmend genickt und wir sind ins Gespräch gekommen. Dabei hat dieser Vorstandsvorsitzende nach Beantwortung meiner dann gestellten Fragen eine interessante Anmerkung gemacht:

„Warum haben Sie das nicht auf der Pressekonferenz gefragt? - Ich höre da immer die gleichen Fragen, die sich um Technik und Verkaufszahlen drehen. Niemand spricht von den anderen Problemen, die man so als Automobilhersteller hat. Wissen Sie, dass ich manchmal an einem Tag mehr Geld durch entstehende Währungsdifferenzen verliere, als ich mit der Autoproduktion an diesem Tag verdienen kann?“

Ich wusste. - Und weiß es heute immer noch. Darum ist mir aufgefallen, dass inzwischen ein neuer Typ von CEO’s bei den Automobilherstellern am Ruder ist. Einer davon wurde gerade in einem Wirtschaftsmagazin als „eiskalter Engel“, aber auch als sehr gut empfunden. Nur hat man da nicht begriffen, dass dieses „Wunderkind“ nicht zufällig den Aktienkurs seiner Firma durch die „richtigen“ Aktionen,  Pressemeldungen und Aussagen in neue Höhen geführt hat. Er wird persönlich davon mit hoher Wahrscheinlichkeit in irgendeiner Form profitieren.

So ist es heute fast üblich geworden, dass man einem neuen CEO bei seiner Einstellung ein nicht kleines Aktienpaket schenkt. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass der dann versuchen wird, dieses Geschenk zu mehren. Das ist natürlich auch im Interesse der Firma. Deren Bedeutung wird heute eben von einer breiten Öffentlichkeit – und der Wirtschaftspresse -  am Aktienkurs gemessen.

Ein schönes – oder unschönes – Beispiel ist Tesla. Da spielt der CEO, der ohne jedes Gehalt arbeitet, mit dem Aktienkurs auf moderne Art, indem er z.B. per Twitter persönlich Reaktionen der möglichen Aktienkäufer auslöst. - Er spielt mit ihnen – und mit der Öffentlichkeit.

Auch andere CEO’s spielen mit der Öffentlichkeit. Auch durch die Art ihrer öffentlichen Auftritte. Wichtig ist dabei, dass die Aktienkurse positiv beeinflusst werden. Da haben dann nicht nur die Aktienbesitzer etwas davon, sondern auch die CEO’s. - Wen interessieren da noch die Rückrufaktionen, die sehr oft – sozusagen – still über die Bühne gehen. - Wen interessieren schon die Einzelschicksale der Käufer?

Angeregt wurde ich zu dieser gedanklichen Anregung meiner Leser durch eine Lokalzeitung, die gerade heute berichtete, dass eine Regionalbank im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erzielte, weil sich allein das Aktiengeschäft um 62 Prozent verbessert hatte.

„Früher“ bekam man evtl. Aktien vererbt, die man dann weiter vererbte. „Heute“ wechselt man Aktienpakete evtl. schneller als sein Hemd! - Es geht um Gewinnmitnahmen. - Das sagt evtl. der Bankberater, der eigentlich kein Berater ist, weil er einen Teil seines Einkommens durch Provisionen aus dem Aktiengeschäft sicher stellen muss und rät darum zu einer Umschichtung.

Der Vorstand der lokalen Sparkasse, von der ich heute las, sieht das so:

„Wertpapiere spielen eine immer größere Rolle; dies ist auch richtig in diesen Zeiten.“

Darum muss man als Motor-Journalist heute auch diesen Aspekt im Auge haben, wenn man schon mal Entscheidungen von Vorständen eines Automobilherstellers beurteilt. Man könnte ganz platt sagen: Der macht Politik! - Für seine Firma – und nicht zuletzt für sich. - Und nutzt gerne die evtl. vorhandene Einseitigkeit im Denken seiner Gesprächspartner.

  • Ein CEO von heute denkt weniger an seine Kunden, mehr an seinen Vorteil bzw. den seiner Firma!

Das kann man – wenn man die Entwicklung der letzten Jahre beobachtet – zumindest unterstellen!

Das System hat sich verändert, ist an Geld und Statistikzahlen ausgerichtet!

MK/Wilhelm Hahne
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Bugatti-Speed regt an, auf und erinnert an Grenzen!

Stephan Winkelmann, eigentlich mal Audi-Manager, wurde – weil es im Konzern gerade mal so passte – bevor er zum Lamborghini-Chef „befördert“ wurde, der Chef von Bugatti und machte in Interviews dann  klar, wer denn eigentlich die Käufer von Bugatti-Automobilen sind. Nach seiner Aussage besitzt der durchschnittliche Bugatti-Käufer zwischen 30 und 40 Automobile. Damit sind sicherlich keine Firmen-Flotten, sondern Privat-Automobile gemeint. Natürlich hat der auch  mindestens noch einen Hubschrauber, eine Yacht, einen Privat-Düse und ein paar kleine Immobilien.

Ich erinnere mich noch an 1956, als ein Groß-Bauer am Niederrhein stolz war, neben seinem Traktor noch einen VW-Käfer in der Farbe Schwarz zu besitzen, mit dem er und seine Frau dann - allerdings nur sonntags! - zur Kirche fuhren. - Aber die Zeiten sind vorbei!

Der CEO von Bugatti sagte dem weltweiten Internetdienst „motor1.com“ im Jahre 2019:


„In meinen Augen ist es ein Fehler, ein Auto wie den Bugatti Chiron nur auf seine Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Denn wir sind der einzige Hersteller von Supersportwagen, der viele Dinge in einem Fahrzeug kombiniert. Normalerweise ist ein Hypercar sehr schnell und besonders im Design, aber es mangelt an Komfort. Ein Luxusauto ist das Gegenteil: komfortabel und ansprechend gestaltet, aber es fehlt die Performance. Der Chiron verbindet beide Welten miteinander. Für mich hat die Erlangung eines Weltrekords aktuell keine Priorität."

Ein tschechischer Millionär schien das im Jahre 2021 nicht zu wissen, als er nur so aus Spaß – und nach penibler Vorbereitung – mit einem Bugatti Chiron – der Komfort mit Performance verbindet, mal schnell über eine deutsche Autobahn huschte. Zu einer Zeit, bei der kein Verkehr auf der Autobahn herrschte. Er hat seine kleine morgendliche Ausfahrt – vor dem Frühstück! - nicht nur im Video für sich privat festgehalten, sondern auch andere – im Internet – daran teilhaben lassen.

Da sind dann so manche Betrachter ins Grübeln gekommen: Da war dieser Millionär doch tatsächlich mit einem straßenzugelassenen Luxus-Automobil mit echten 417 km/h über eine deutsche Autobahn gefahren! Weil das mit einem Bugatti möglich ist?

  • Müsste das nicht verboten werden?

Mit Bugatti hat sich Ferdinand Piech – Gott hab ihn selig – dann wohl doch ein Denkmal gesetzt, wie die öffentliche Reaktion auf diese „Rekordfahrt“ zeigt. Dieser Bugatti Chiron wird von einem Achtliter-16-Zylinder-Motor angetrieben, der1.500 PS entwickelt. Das ist sozusagen der Dinosaurier unter den Verbrennungsmotoren. Schon der theoretische CO2-Ausstoß übersteigt pro zwei Kilometer ein Kilogramm!
Aber mit einem Bugatti Chiron kann man auch Geld verbrennen. Nicht nur beim Kauf. So ein Automobil kostet … - also so um 3,5 Millionen sollte man schon ausgeben wollen. Natürlich kann man auch mehr dafür ausgeben, denn es gibt ihn natürlich  – jetzt, 112 Jahre nach der Gründung von Bugatti im elsässischen Molsheim – auch als „Individuallösung für höchste Produktpersonalisierung“, wie man bei Bugatti meint, der dann als „Bugatti Sur Mesure“ (steht für maßgeschneidert) ein paar Euro mehr kostet.

So ein Bugatti Chiron soll eigentlich – lt. technischen Daten – (abgeregelt!) 420 km/h schnell sein. Da bin ich dann schon enttäuscht, dass das Fahrzeug des tschechischen Millionärs nur 417 km/h erreichte. Aber die kleine Differenz muss wohl hingenommen werden.

Von anderen „kleinen Dingen“ wird bei Bugatti erst gar nicht gesprochen. Oder würden Sie, lieber Leser, als Bugatti-Käufer nach dem Ersatzteilpreis für Radmuttern fragen? - So ein Satz (= 20 Stück) kosten 1.000 Euro, da eine Spezialanfertigung. Wenn einem da beim Montieren mal eine weg rollt, dann ist das so, als wenn ein 50-Euro-Schein vom Wind verweht wird.

Ich möchte jetzt nicht vom Preis einer Felge sprechen, obwohl die in diesem Fall wohl auch den Verschleißteilen zuzurechnen sind, da ihre Laufzeit werksseitig auf 10.000 Kilometer begrenzt ist. Aber ich möchte schon die Reifenpreise andeuten. Michelin ist bei Bugatti „Hoflieferant“. Das Fahrzeug wird serienmäßig mit Reifen der Größe 285/35 R 20 vorne und 355/30 R 21 hinten ausgestattet. - Sie können für den Kaufpreis einen Mittelklassewagen in Zahlung geben. Die gibt es nämlich nicht bei Amazon!

  • Dort aber immerhin einen „Chiron“ als Spielzeugauto für Kinder (siku 1508) für 4,99 Euro!

Motor-KRITIK hatte schon vor lange Zeit mit einer Anfrage bei Michelin geklärt:

  • Der Hersteller empfiehlt in jedem Fall, die Reifen nach einer einzigen Fahrt mit Tempo 400 km/h durch einen neuen Satz zu ersetzen!

Eigentlich, wenn man nur ab und an schon mal mit 250 – 300 km/h dahin rollt, halten Felgen und Reifen rd. 10.000 Kilometer. - Maximal! - Immerhin wiegt so ein Bugatti Chiron auch rd. 2 Tonnen!

Man muss sich vorstellen, dass sich bei Höchstgeschwindigkeit die Räder über 50 Mal pro Sekunde drehen und dabei an der Lauffläche Kräfte auftreten, die etwas dem 4.000-fachen der Erdbeschleunigung entsprechen. So steigt z.B. das Gewicht des Reifenventils (18,3 g, ohne TPMS-Sensor) dann auf 55 Kilogramm an


Wenn man es sich einfach machen will, nimmt man den Sonderservice von Bugatti in Anspruch. Der Hersteller bietet für „normale“ Bugatti-Besitzer, die sicherlich bei ihrem Besitz von vielen Automobilen ihren „Chiron“ nur wenig fahren, ein jährliches Servicepaket für rd. 25.000 Euro an. - All inclusive!

Theoretisch könnte man als Besitzer eines Bugatti den Radwechsel sogar ohne weitere Ausbildung – anders als bei Hochvolt-E-Automobilen - selber vornehmen. - Aber das wäre nicht vornehm!

MK/Wilhelm Hahne
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