Die „Doktorspiele“ des Robertino Wild

Malu Dreyer sagt es, die BILD schreibt es, der Insolvenz-Sachwalter möchte da nicht zurück stehen. Alle erwähnen den Namen Robertino Wild – oder auch „nur“ Wild – stets in Verbindung mit dem akademischen Titel „Doktor“. - Während bisher dann noch die Frage im Raum stand, um welche Art von „Doktor“ es sich denn bei Robertino Wild handele, lieferte ausgerechnet die F.A.Z. am 14. Oktober in der Nr. 238, Seite 22, die Aufklärung (?), indem man präzisiert: „...Wild, promovierter Arzt...“ - Nun hatte sich Motor-KRITIK schon länger mit diesem Thema befasst und möchte ein wenig zur Aufklärung beitragen. - Nein, die Auflösung der Unklarheiten um den akademischen Titel des Robertino Wild lässt sich nicht mit den – sicherlich ähnlichen – Fällen eines Karl-Theodor zu Guttenberg oder einer Annette Schavan vergleichen. Erstaunlich auch, dass Motor-KRITIK erst noch die Staatskanzlei in Mainz „anstoßen“ musste, bevor man dort begriff... - Aber lassen Sie mich die Abläufe im Zusammenhang schildern.

Die „Doktorspiele“ des Robertino Wild

Als die ersten Informationen 2013 zu einem „Bieter“ Capricorn hier in der Eifel aufliefen, da habe ich mir natürlich die Eintragungen im Handelsregister angeschaut und die Bilanzen der vielen Capricorn-Firmen mit Interesse ausgewertet. Schließlich bietet heute das Internet die Möglichkeit dazu. Und Basiswissen kann einem Journalisten nicht schaden.

Auffallend war, dass zwar in (fast) allen Handelsregister-Einstragungen Robertino Wild mit der Voranstellung des akademischen Titels „Dr.“ zu finden war, in den Bilanzen fehlte dagegen dieser Zusatz schon mal, selbst wenn die Eintragung im Handelsregister auf „Dr.“ lautete.

Robertino Wild versteht das – heute (!) - alles nicht: „Ich unterzeichne immer mit 'Wild'.“

Dann hatte ich Ende Januar 2014 die Möglichkeit, mir von den beiden neuen „Bietern“ für den Nürburgring in einem längeren persönlichen Gespräch ein Bild zu machen. Ich habe dazu dann auch kurz darauf meine Eindrücke zusammen gefasst, nachdem ich die erhaltenen Informationen mit meinen Recherche-Ergebnissen abgeglichen hatte.

Diese Geschichte hat mir wütende Reaktionen eingetragen. Nicht nur von den „Bietern“, sondern auch aus meinem Leserkreis. - Ich habe darüber auch berichtet.

Heute will (muss) ich an ein „PS“ erinnern, dass ich dieser Geschichte – Ende Januar 2014 - angehängt hatte. Dort war zu lesen:

„Natürlich habe ich nicht übersehen, dass im Internet der Name Robertino Wild meist mit einem „Dr.“ verziert ist. Auf Nachfrage bestätigte mir Herr Wild, dass er sein Medizinstudium abgebrochen habe. Auch auf seiner aktuellen Visitenkarte fehlt ein Dr.-Titel vor seinem Namen.“

Heute kann sich Herr Wild nicht mehr an diese seine Information mit dem Medizinstudium-Abbruch erinnern. Ich bin auch damals davon ausgegangen, dass nun auch einige Kollegen in dieser „Dr.“-Sache die Fährte aufnehmen würden. - Aber denen fehlte es entweder immer an Zeit oder das Thema war wohl uninteressant.

Ich habe in der Sache weiter recherchiert. Nicht mit Hochdruck und schnell, sondern mit Überlegung und Nachdenken, denn der Fall Wild schien ein wenig anders zu liegen.

Ich bin nämlich auf einen respektablen Professor gestoßen, der sich gegenüber Gesprächspartnern in geselliger Runde in Düsseldorf schon mal als „Doktorvater von Robertino Wild“ geoutet hatte. Ich habe zwar Namen und Adresse „ausgegraben“, aber mir schien es wenig sinnvoll, einem solchen Mann zu unterstellen, dass er Unwahrheiten verbreitet.

Robertino Wild hat diesem Mann viel zu verdanken. Vielleicht sogar sein Leben. Und er bezeichnet ihn als „Förderer, Freund und Unterstützer“. Ihn verbindet mit diesem Mann eine tiefe Verbundenheit, weil der ihn einmal, nach einem schweren Unfall auf der Rennstrecke in Silverstone, mit einem Lufttransport aus einem Krankenhaus aus Birmingham nach Deutschland überführte.

In dem Krankenhaus spricht man übrigens noch heute von einer „Entführung“ und von einer Art Überfall, wie ihn England in der Zeit des 2. Weltkrieges durch die V2 erlebte. - Der Prof. ist also ein wirklicher Freund. - Aber auch ein Lügner, wenn es um eine Dissertation geht?

Nachdem ich vergebens in ganz Deutschland nach einer Dissertation des Robertino Wild – oder auch Werner Wild – gesucht hatte, war eigentlich klar, dass Robertino Wild niemals eine Dissertation eingereicht hatte. Und von Robertino Wild kam der Hinweis, dass man auch außerhalb der BRD promovieren oder akademische Titel erreichen kann. - ??? -

Nun ist ein Doktor-Titel nicht irgendein Titel, sondern der höchste akademische Grad. Also habe ich noch intensiver nachgeforscht.

Mir gegenüber hatte Robertino persönlich gesagt, dass er sein Medizinstudium abgebrochen habe. Also konnte er keine „Approbation“ besitzen. Die ist aber die Voraussetzung für eine Dissertation, eine Doktorarbeit. Für Dissertationen gilt in Deutschland eine Publikationspflicht.

Und dann war da der Professor... und ich kannte inzwischen auch das in der Dissertation behandelte Thema: Es ging um das Innenohr eines Kleinkindes, über Operationsmethoden und den Gleichgewichtssinn.

- ????? - Ich drehte mich mit meinen Recherchen im Kreis. - Bis ich mal abends, beim Reflektieren bei einem Glas (guten) Weins, auf eine mögliche Lösung kam:

Was wäre, wenn Robertino Wild wirklich eine Dissertation, eine Doktorarbeit geschrieben hätte, so dass die Öffentlichkeit immer wieder durch den wirklichen Doktorvater diese Tatsache bestätigt bekam, während er tatsächlich – ohne Wissen des Professors - diese Arbeit niemals abgegeben hatte?

Bei weiteren Recherchen schien sich das zu bestätigen. Ich bin aber darauf gestoßen, dass Robertino Wild auch z.B. in Österreich einen viele Monate dauernden Crashkurs in Betriebswirtschaft belegt hatte, der aber nach meinen Feststellungen ohne Abschluss blieb.

Robertino Wild teilte mir auf eine entsprechende Anfrage auch mit, dass er sowohl an der Donau-Universität als auch der „UCLA“ in den USA ein „postgraduates Master-Studium belegt“ habe, das mit „MBA“ abschließt. - Eine MBA (Master of Business Adeministration) berechtigt zur Promotion.

Robertino sorgte weiter für Verwirrung, indem er Motor-KRITIK gegenüber feststellet: „Ich stelle mich niemals als Doktor vor.“

Aber auch: „Ich bin berechtigt, den mir zugeschriebenen Titel zu tragen.“ - Er sagt auch, dass er noch niemals eine Visitenkarte mit Titel gehabt hat. Und droht geradezu an: „Um weitere Wirrungen zu vermeiden, werde ich nunmehr die Eintragung beim Einwohnermeldeamt beantragen.“

Typisch Robertino Wild. Er sollte wissen – und weiß es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch – das lt. BGH-Beschluss eine solche Eintragung ins Personenstandsregister nicht mehr möglich ist, da „eine Reduzierung der Beurkundungsdaten auf das für die Dokumentation des Personenstandes erforderliche Maß“ erreicht werden soll.

Wie meine Leser aus meinen Veröffentlichungen wissen, habe ich vor kurzer Zeit eine Anfrage an die Staatskanzlei in Mainz gerichtet, indem ich meine Bedenken bei der Führung eines Doktor-Titels im Fall von Robertino Wild ausgedrückt habe. Dort hat man schon einige Tage gebraucht. Nach meinen Vorstellungen hat man so alle Möglichkeiten eines Staatsapparats zur Klärung der Frage nutzen können um zu hinterfragen, ob meine Bedenken einen greifbaren Hintergrund hätten.

Die Antwort aus dem politischen Mainz erreichte Motor-KRITIK am 17. Oktober. Sie lautete – und ich gebe außer der Anrede und den „freundlichen Grüßen“ den gesamten Lauftext wieder:

„...ich weiß, dass Frau Dreyer in ihrer Rede Herrn Wild mit Dr. angesprochen hat. Das war ein Versehen. Aber wie Sie selbst an Ihren Mails sehen, kann man sich mal verschreiben, vertippen, versprechen.

Ich bitte um Nachsicht und Verständnis.“

Zugegeben: Ich war fassungslos. Eine Nachricht dieser entschuldigenden Art hatte mich noch niemals zuvor aus der Mainzer Staatskanzlei erreicht. Sie spricht aber dafür, dass man sich – wahrscheinlich aktuell zum ersten Mal zu diesem Thema – gründlich informiert hat.

Vielleicht macht man sich jetzt auch mal über das Finanzierungskonzept – angeblich durch die Insolvenz-Sachwalter und die KPMG überprüft – ein paar Gedanken. - Auch bei der EU könnten ein paar Überlegungen zur aktuellen Situation nicht schaden!

Die „Doktorspiele“ des Herrn Robertino Wild werden – vielleicht (!) - in Mainz anregend wirken.

Schade, dass Robertino Wild kein Bundesbeamter im höheren Dienst oder gar Minister ist. Eine gut dotierte Position als Botschafter im Vatikan wäre ihm sicher.

MK/Wilhelm Hahne
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