8. Dezember 2017: Lieber Leser!

Die Anregungen, mal wieder etwas nicht unbedingt „Branchenbezogenes“ zu schreiben, sind immer unterschiedlicher Art. In diesem Fall keimte sie beim Erleben eines Theaterstücks. Ich habe mir mit meiner Frau zusammen „König Lear“ angesehen. Wobei „angesehen“ eigentlich zu oberflächlich dahingeschrieben ist. Ich – aber auch meine Frau – haben „König Lear“ erlebt. Nein, nicht die Ur-Fassung von William Shakespeare, sondern eine zeitgemäße – oder besser: einfühlsame – Übersetzung. Wobei Shakespeare, in Deutschland aufgeführt, eigentlich immer eine Übersetzung ist. Diese hier, im Koblenzer Theater erlebt, war wirklich „anregend“, weil hier jemand das Stück praktisch für die Schauspieler geschrieben hatte die er kannte. Das Thema, eigentlich eine „politische Geschichte“ über das Problem Macht abzugeben, ein politisches Erbe zu verteilen erfährt hier eine eindrucksvolle Darstellung, weil sie durch die Art der Überzeichnung der Realität sehr nahe kommt, bzw. einem aufmerksamen Zuschauer und Zuhörer „die Augen öffnet“, um die Realität wahrzunehmen. - Mich hat das insofern beeindruckt, weil man auch als Journalist im Grunde eine gesellschaftspolitische Verantwortung hat, die sich nicht darin erschöpfen sollte, die für alle wahrnehmbare Situation „auf der Bühne“, sondern auch die „hinter den Kulissen“ aufzuzeichnen. Da muss man dann als Journalist natürlich auch begriffen haben, „was da eigentlich abgeht“ und das setzt nicht nur Einfühlungsvermögen, sondern auch Erfahrung durch eigenes Erleben voraus. - Wie sagte mir gerade „ein junger Mann“ in diesen Tagen, der meine Geschichten wohl als Anregung zu eigenem (Nach-)Denken empfindet, zum Inhalt und wie er ihn wertet: „Da sind Sie nun mal Ihren Kollegen um vier Jahrzehnte voraus.“ - Danke! - So muss man‘s sehen.

8. Dezember 2017: Lieber Leser!

Aus den gleichen Gründen sind andere Leser der Meinung, dass meine Geschichten „nicht in die Zeit passen“. - Da haben sie Recht! - Wenn sich die Arbeit eines Journalisten darin erschöpfen sollte, das für alle wahrnehmbare Schauspiel auf der Bühne unserer Zeit noch einmal zu beschreiben, dann bin ich nicht als Journalist zu betrachten.

Natürlich habe die Veränderungen in unserer Gesellschaft mitbekommen. Aber das heißt doch nicht, dass ich insgesamt als richtig empfinden muss, was eine kritiklose Gesellschaft als gegeben hinnimmt. Es wäre auch nicht gut, alle Entwicklungen und aktuellen Geschehnisse nur an der eigenen Meinung zu messen, sondern man muss auch versuchen, elementar andere Ausgangspositionen zu erkennen – auch evtl. zu respektieren.

Solche gibt es nämlich. Nicht nur bei einzelnen Menschen, weil die – schließlich und endlich – auch nur ein Produkt ihres Umfeldes sind, sondern man sollte auch nationale Unterschiede kennen. Ich habe z.B. nichts gegen ein politsch vereintes Europa, aber man sollte doch registrieren, dass sich damit die Politik schon ein wenig vom Menschen – und damit von der eigentlichen Basis – entfernt hat.

Blickt man einmal ein wenig „global in die Runde“, dann müsste einem eigentlich klar werden, dass man nicht alles „in einen Topf werfen kann“. Aber gerade das wird in der aktuellen Politik versucht. Oder anders: Die Politik hat sich vom Menschen entfernt, der sich inzwischen auch verändert hat: In Richtung Geschäft. - Da gibt es auf der einen Seite also die Politik, auf der anderen Seite das Geschäft und dann noch den Menschen selbst, dessen Handeln – um es zu Komplizieren – noch von Gefühlen beeinflusst wird. - Eigentlich wird unser Leben heute – meine ich - insgesamt von drei wesentlichen Faktoren beeinflusst. Dem Drang nach...

  • Geld, Macht und Sex!

Natürlich gibt es andere Einflussgrößen. Aber wer bemüht sich schon darum sie zu erkennen und – zu ergründen? - Sind alle Menschen gleich? - Nein! - Deutsche denken und empfinden anders als z.B. Russen. Engländer sind anders als Japaner, Chinesen anders als Italiener.

Ich muss manchmal lächeln, wenn ich Pressemitteilungen erhalte, nach denen gerade der Herr X – den ich irgendwie zu kennen glaube – von seiner aktuellen, sehr bedeutenden Position in Deutschland, zu der jetzt noch wichtigeren Position z.B. in China versetzt wurde. China ist ein Zukunftsmarkt, darum sehr wichtig! Und der Manager hatte in Deutschland auch bewiesen, dass er sehr gut ist. - Also wird er auch in China „funktionieren“! - Aber: Das muss nicht so sein!

Nehmen wir mal ein ganz anderes Beispiel: Da haben Russen in Deutschland den Nürburgring gekauft, eine deutsch klingende Firma gegründet. Wird die jetzt auf deutsche Art funktionieren?

Das nur scheinbar! - Ein deutscher Geschäftsführer wird ein solches Bild nach draußen zu vermitteln suchen. Dafür ist sein Einsatz auch von den Russen gedacht. Aber das schließt nicht aus, dass die Russen – natürlich geschickt – ihre Art Geschäfte zu machen umsetzen.

Man muss in diesem Fall zunächst einmal – als kritischer Beobachter – versuchen den Begriff „Russe“ als zu simpel zu empfinden und die sich dahinter verbergende Persönlichkeit zu begreifen. Wer aus Russland kommt ist Russe? - Schon diese Einstufung ist einfach nicht ausreichend und nicht richtig!

Werfen Sie, lieber Leser, doch mal einen Blick auf die Landkarte, oder auf den Globus, um zu begreifen, dass Russland zwar ein Land ist, in dem aber Menschen unterschiedlicher Mentalität – auch in unterschiedlichen Klimazonen - leben.

Um eine Anregung zu geben: Wir leben in der koordinierten Weltzeitzone (UTC) „+1“. - Man kann auch ein GMT (Greewich Mean Time) davor setzen. - Russland besteht aus 11 (elf) Zeitzonen! Die reichen von „UTC+2“ im Westen, bis „UTC+12“ im Osten des Landes. - Irgendwo leuchtet da immer die Sonne!

Sollen in allen Zeitzonen die Menschen alle von gleicher Art sein? - Man sollte schon wissen, wo jemand her kommt, lebt. Moskau liegt z.B. in der Zeitzone +3, ist übrigens rd. 2.000 Kilometer von Berlin entfernt.

Die russische Politik ist nach meiner Einschätzung die, die sich am besten – sehr nahe! - an der zweiten Einflussgröße im Leben eines Menschen, dem Geschäft orientiert. Putin ist da ein bekanntes Beispiel. Er wird – das ist meine Meinung – die immer wieder von westlichen Politikern ausgesprochenen Embargos gegen sein Land – oder Teile seines Landes – mit einem Lächeln registrieren. Er weiß als Russe, wie man sie aushebelt. - Westliche Politiker machen z.T. eine „lebensfremde“ Politik. Ihre Entscheidungen sind zwar „bedeutend“. Die Auswirkungen für die Menschen scheinbar dramatisch.

Es ist in der Praxis aber vieles anders, im Endergebnis – jetzt auf‘s „Geschäft“ bezogen – eigentlich dumm! - In Russland gibt es z.B. den Begriff der „Ein-Tages-Firmen“. Sie werden zu einem bestimmten Zweck gegründet und gehen evtl. schon am nächsten Tag in den Konkurs. - Daher der Name. - Natürlich bestehen sie manchmal auch Wochen und Monate. Aber werden immer mit einer bestimmten Absicht gegründet.

Russland-Kenner wissen das. - Werden aber Russen anders sein, wenn sie Firmen im Ausland betreiben? Grundsätzlich nicht! - Aber sie werden sich anpassen, wie man so schön sagt, sich pragmatisch verhalten. So wie ein japanischer Vater nichts dabei findet, Budhist und gleichzeitig ein Katholik zu sein, weil er seine Kinder auf eine katholische Schule schicken möchte, die in Japan als die besten gelten.

So wird ein russischer Geschäftsmann nichts dabei finden, eine Firma mit mehr als 200 Beschäftigten zu übernehmen, die man aber eigentlich gar nicht braucht. Weder von der Anzahl her, noch über das ganze Jahr. Weil – bleiben wir beim Beispiel Nürburgring – diese Firma den Nürburgring niemals eine „Ganzjahres-Destination“ betreiben kann und wird.

Also wird er eine geschickte Weichenstellung vornehmen, bzw. vornehmen lassen, um eine für ihn sehr wichtige Absicht beim Firmenkauf umzusetzen:

  • Unter Nutzung aller Möglichkeiten (!) einen maximalen Gewinn zu generieren!

Wenn man das aber weiß, könnte man schon bestimmte Dinge vorhersagen. Als erfahrener Journalist wird man darum die Entwicklung auf diesem Gebiet aufmerksam beobachten und – schon darum wird sie einem nicht entgehen!

Dass gehört vielleicht auch zu „den vier Jahrzehnten Vorspung“, die ich in meinem Beruf zu nutzen versuche.

Wobei – um bei Russland zu bleiben – man auch wissen muss, dass es in diesem Land etwas nicht gibt, was man z.B. in unserem Deutschland sehr ausgeprägt findet: Neid! - Selbst unter nahen Verwandten. Achten Sie doch nur einmal bei Erbauseinandersetzungen – o.ä. - darauf!

In Russland gibt es das nicht. Man hilft sich untereinander. Man lebt jetzt! - Jeder dort strebt nicht nach Reichtum, damit „die Kinder es mal besser haben“, Russen leben im „Jetzt und Heute“. Aber sie achten schon darauf, nicht unangenehm in anderen Ländern aufzufallen. Darum gibt es für sie eine weitere Maxime:

  • Keine negative Darstellung nach außen!

Verstehen Sie nun, warum man die Geschäfte oben am Nürburgring nicht selber führt, sondern von einem deutschen Geschäftsführer „nach draußen darstellen“ lässt?

Was den Nürburgring betrifft:

  • Auch das Thema Sicherheit darf nicht in eine öffentliche Diskussion geraten!

Wenn man das begriffen hat, dann noch die aktuell agierden Persönlichkeiten, gleich aus welchem Land sie kommen, ein wenig hinterfragt hat, ein paar Hintergründe mehr kennt, als andere, dann kann man diesen Vorsprung auch in der Berichterstattung – um bei diesem Beispiel zu bleiben – über den Nürburgring nutzen.

Aber natürlich auch über den Motorsport und – um bei Motor-KRITIK zu bleiben – über Themen der Branche überhaupt. Welcher meiner Kollegen hat z.B. bei Volkswagen alle Vorstandsvorsitzenden von Nordhoff bis Müller erlebt? - Ich weiß – zumindest ungefähr – wie ein Zetsche tickt, denn ich habe seine berufliche – und ein wenig auch private – Entwicklung mitbekommen. Ich weiß, wer wirklich  von den „Bossen“ jeweils ein „Auto-Freak“ war oder sich nur als solcher „verkaufen“ ließ.

Ich habe in einer für die Entwicklung des Automobils wichtigen Zeitspanne die technische Entwicklung – auch die der Preise (!) - mitbekommen, kenne einige Kosten im Detail, kann darum auch so manche Kalkuation (?) beurteilen.

Um noch einmal auf die bei uns zu spürende Auffassung von „deutscher Überlegenheit“ im Hinblick auf unsere Kontakte zu Russen zurück zu kommen: Ich habe da gerade eine Reihe von Ankündigungen im Motorsport für 2018 gelesen. Dabei ist mir eine für die DTM aufgefallen und ich habe mich an die Beschreibung eines Rahmens-Rennens, bzw. die der dort eingesetzten russischen Wettbewerbsfahrzeuge in 2017 erinnert. Dort steht, das eigene Niveau zum Maßstab nehmend:

„Auf technische Hilfsmittel wird verzichtet. Die Fahrzeuge verfügen weder über ein ABS noch ein ESP und sind aus technischer Sicht eher puristisch.“

Nun möchte ich hier nicht meine persönlich Einschätzung der DTM-Fahrzeuge – erst recht nicht die der aktuellen Situation der Serie gegenüber stellen.

Uns werden jedenfalls heute beim Automobil „technische Innovationen“ als Fortschritt – natürlich gegen entsprechenden Aufpreis – verkauft, die kein Mensch wirklich braucht!

Ablenkend mache ich da noch mal einen Sprung „übers grosse Wasser“ und in die Politik: Ein Donald Trump und seine Politik muss einem Vladimir Putin schon sympathisch sein, weil dieser Amerikaner auch Politik und Geschäft kaum noch trennt.

Wenn man einmal betrachtet, wie Trump mit einem Konkurs den Gewinn seiner anderen Firmen minderte, um keine Steuern zu zahlen: Donald Trump könnte eigentlich auch Russe sein!

Hier möchte ich dann schließen. - Für Anregungen aus meiner Leserschaft bin ich immer dankbar. Denn obwohl ich schon alt bin, vieles erlebt – und manches begriffen – habe, weiß ich immer noch nicht alles! - Ich lasse mir gerne von meinen Lesern helfen! - Und verspreche ihnen:

Fortsetzung folgt!

Wilhelm Hahne

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