Nürburgring-Events: Nachbetrachtung & Vorausschau!

Motor-KRITIK-Leser haben bei mir beanstandet, dass meine letzte Geschichte eigentlich keine „richtige“ Nachberichterstattung – wie von mir angekündigt – gewesen wäre. Man hätte sicherlich der Geschichte Einiges entnehmen können, was ihnen als Besucher sonst sicher verborgen geblieben wäre, aber eigentlich… - Darum gibt’s hier dann nicht nur eine kleine Sammlung von Notizen, die ich mir zum 24h-Rennen gemacht habe – schön durchnummeriert – sondern dann auch gleich noch ein paar Gedanken – ich nenne es „Vorausschau“ – zu der vor uns liegenden Großveranstaltung „Rock am Ring“. - Ich hoffe so, dann alle Leseransprüche erfüllt zu haben. So nebenbei habe ich dabei Ordnung in mein Notiz-Chaos gebracht. - Das 24h-Rennen hat sicherlich nicht zur Zufriedenheit aller Akteure  – Hersteller, Teams, Fahrer – geendet, wurde aber wohl doch zur Zufriedenheit der meisten Besucher und Zuschauer abgewickelt. Ob das auch bei „Rock am Ring“ so sein wird, wird aus den verschiedensten Gründen von mir – ganz persönlich – bezweifelt. Beide Veranstaltung sind sicherlich, was die Anzahl der zahlenden Zuschauer betrifft, die größten „Events“ in diesem Jahr, die am Nürburgring stattfinden.

Nürburgring-Events: Nachbetrachtung & Vorausschau!

# 1  Das BMW-Junioren-Team musste aus meiner Sicht als Favorit für den Gesamtsieg beim 24h-Rennen empfunden werden. Es ist typisch für die „moderne Art“ ein Langstreckenrennen zu fahren, dass der neue BMW M4 GT3 durch Max Hesse in der 87. Runde des Rennens in der „Mut-Kurve“ weggeschmissen wurde, nachdem sein Team-Kollege, Daniel Harper  – zuvor - die schnellste Runde mit diesem Fahrzeug in der 75. Runde mit 8:13.344 min gefahren hatte.

# 2  Da hat Jochen Neepasch (83) noch ein wenig Arbeit vor sich, die man auch nicht dem freien BMW-Mitarbeiter Dirk Adorf überlassen sollte, der auch mehr ein Vertreter der „modernen Art“ ist, Langstreckenrennen zu fahren. - Auch, weil er nicht gerne als „alt“ empfunden werden möchte. - Er durfte dieses Mal sogar schon -  weil über 50 - bei den BMW-Legenden mitfahren. - Obwohl es sicherlich eine Reihe von anderen BMW-Legenden gibt, die aus der Sicht der Besucher auch wirklich als BMW-Legenden empfunden worden wären.

# 3  Jochen Neerpasch kennt noch „die alte Art“ des Langstreckenfahrens. Ich erinnere mich, dass er mal auf der Nordschleife in seinen jungen Jahren in einem Langstreckenrennen eine AC Cobra bewegte. Nach dem ersten Training zeigte er mir seine „Schalthand“. Die hatte er natürlich mit einem Handschuh zu schützen versucht. Doch unter dem Handschuh war seine Hand von der „harten Art“ zu schalten offen und blutig. - Heute schaltet man mit einem kleinen Fingerzucken vor und zurück. Die Kupplung wird nur zum Anfahren gebraucht. Man fahrt mit frischem Wasser an Bord und – Klimaanlage! Kein Wunder, dass die jungen Leute da manchmal übermütig werden! - Heute hätte ich übrigens auch einen „guten Rat“ für Jochen: Unter dem Fahrerhandschuh noch einen – dünnen – Radfahrer-Handschuh tragen. Diese Kombination verhindert dann bei Automobilen wie der Renn-Cobra, Schäden an der Innenhand durch die notwendigen Schaltvorgänge!!

# 4  Ich habe nicht nur einen Anruf aus Fahrerkreisen erhalten, in denen mir „von der unverschämten, respekt- und rücksichtslosen Art“ berichtet wurde, mit denen heute eine neue Fahrer-Generation in den modernen GT3 unterwegs ist. Das war besonders in den ersten Stunden des Rennens der Fall, bis dass die Nacht den jungen Dynamikern ihre Grenzen aufzeigte. Nur beim SIM-Racing macht die Nürburgring-Nordschleife ausschließlich Spaß. Nach einem Abflug ein kurzer Tastendruck – und es geht weiter. - In der Realität kostet das ein kleines Vermögen! - Ein „alter Fahrer“ zu mir: „Wir müssen jeden Kratzer auf unsere Kosten lackieren lassen, die „Werksfahrer“ interessiert selbst ein Totalschaden überhaupt nicht!“

# 5  Ich habe immer wieder von Zuschauern gehört, das sie vor allen Dingen das Rennen mit den „Classic Cars“ begeistert hat. Wegen des „Sounds“! - Die modernen GT3 sind dagegen „flüsterleise“, weil gerade auf der Nürburgring-Nordschleife besonders streng auf die dB(A)-Werte geachtet wird. Allerdings wird damit ein wenig unqualifiziert umgegangen. Mit einer normalen dB-Messung wird die vom Menschen wahrgenommene „Lautheit“ nicht erfasst. Mit einer „dB(A)“-Messung wird dagegen versucht, bei einer Messung das Frequenzspektrum des Schallereignisses mit einzubeziehen (bewertet mit Frequenzfilter „A“). Für eine Beurteilung eines solchen  Messergebnisses muss dann allerdings immer die Entfernung zwischen Schallereignis und Messpunkt angegeben werden! - Was – leider (!) - meistens vergessen wird!
 
# 6  Selbst studierte Ingenieure sind aber – mit mir – der Meinung, dass selbst eine dB(A)-Messung nur ein gut gemeinter Versuch sein kann, das menschliche Hörempfinden nach zu empfinden, der aber wohl doch wohl „etwas daneben“ ist. Wie auch die Beschwerden von Leuten aus dem Umfeld des Nürburgrings zeigen, die sich z.B. in der Nacht sehr von einem als Relaisstation für den Fernsehsender NITRO seine Runden drehenden Flugzeug gestört fühlten. Das aber „nur“ nach dem natürlichen menschlichen Empfinden. Das wäre bestimmt nicht mit dem dB(A)-Wert nachzuweisen gewesen. Trotzdem haben diese Menschen recht! - Wie z.B. auch meine Frau bestätigen kann, die sich ebenfalls – auch am Tag – durch dieses mit einem „unangenehmen Geräusch“ kreisende Flugzeug gestört fühlte.

 # 7  Der ADAC Nordrhein hat seinen Besuchern als Veranstalter nicht nur auf der Rennstrecke etwas geboten, sondern auch im „Boulevard“. Da gab es dann schon am Freitag eine Autogrammstunde mit ehemaligen Gesamtsiegern des 24h-Rennens. Die Organisation hatte man einer Agentur übertragen. Die hatte dann für die „Edding“-Stifte gesorgt, die den Ex-Gesamtsiegern kostenlos (!) zum Unterschreiben zur Verfügung gestellt wurden. Anschließend hat man sich dann zum geselligen Zusammensein in der Lounge 22 – 23 oben auf dem „Laubengang“ getroffen. Dort wurde zunächst „Finger-Food“ gereicht. Dann, nach ein paar kleinen Reden, hat man auch das Buffet eröffnet. Da gab es dann den gleichen „Finger-Food“, nur dass der jetzt nicht gereicht wurde. Den musste man sich abholen. Ein Ex-Gesamtsieger: „Das war das richtige Futter für Veganer – Es gab wirklich nichts Vernünftiges zu essen. Das Beste war noch ein wenig Hühnerfleisch auf Couscous. Aber der schmeckte, als hättest du in geschreddertes Papier gebissen. - Mann, wie sehr habe ich mir da eine einfache „Rennwurst“ gewünscht!“

# 8  Die Grundidee zu dieser Autogrammstunde im „Boulevard“ hatte übrigens Johannes Scheid, der sie auch dem ADAC Nordrhein vorgetragen hat. Der hat dann die Organisation einer Agentur übertragen, die offensichtlich den Auftrag hatte, die Kosten niedrig zu halten. Selbst die Legenden, die dann auf der Rennstrecke mit publikumswirksamen Leistungen aufwarteten, wurden für ihre „Arbeit“ nicht zusätzlich bezahlt. Der größte Kostenfaktor bei diesem Legenden-Rennen war wohl Bill Auberlen, für den BMW – wie einer der Teilnehmer mir gegenüber feststellte – „tief in die Tasche greifen musste“. - Aber der war auch wirklich jeden Cent wert!

# 9  Beim Legenden-Rennen hat sich eigentlich niemand über den Sieg von Bill Auberlen gewundert. Weil der noch nicht so-o-o-o alt und immer noch „im Geschäft ist“. Auch über die fahrerische Leistung eines Steve Soper war keiner (der ihn kannte!) wirklich erstaunt. Dazu muss man aber wissen, dass der immer noch vielfach im Jahr in England bei Oldtimer-Rennen unterwegs ist und dabei auch Erfolge feiert. Denn junge Leute können mit solchen Automobilen – ohne jede  Fahrhilfe (!) - heute kaum noch umgehen. Ein gutes Beispiel für gute „Car-Control“ bot Soper bei seinem Ausritt in der letzten Runde. - Toll! - BMW hatte übrigens den Legendenfahrern vor ihrem Einsatz am Nürburgring erklärt, dass sie nichts an den Fahrzeugen verstellen dürften. Der einzige, der sich dann wirklich – ein wenig – um die Fahrwerkeinstellung gekümmert hat war Bill Auberlen. An dessen Einsatzfahrzeug gab es an dessen vier Rädern – vor der Überprüfung durch ihn – vier unterschiedliche Stoßdämpfereinstellungen. Das hat der smarte Amerikaner dann schnell korrigiert. Von den möglichen 12 Klicks hatte er mal so auf Verdacht „die Mitte“ gewählt. - Hat doch gut funktioniert! - Auberlen ist übrigens noch „ein echter Sportler“: Er hat auch seine Kollegen auf die Möglichkeit hingewiesen, das Fahrwerk der Einsatzfahrzeuge zu verbessern!

# 10  Jochen Mass war übrigens die einzige „Legende“, die nach dem Rennen noch im Fahreranzug in der BMW-Lounge zur „Nachfeier“ erschien. Ein Kollege dazu ironisch: „Dem hat wohl keiner aus der Rennkombi geholfen.“ - Auch Jean Todt, der Ex-FIA-Präsident wurde dort als Ehrengast vorgestellt. - Es gab Beifall! - Aber es gab auch Fahrer, die nicht geklatscht haben, was nur der versteht, der sich viele Jahre in der Szene bewegt hat. - Aber an diesem Abend gab es dort viele, die sich in einer Art und Weise artikulierten, als hätten sie den Motorsport erfunden. So manche der in den unterschiedlichen Loungen an diesem Abend gehaltenen Reden, wurde – wie ich recherchieren konnte – so als eine Art von Selbstdarstellung empfunden. - Ich möchte da keine Namen nennen.

# 11  Bei „modernen“ Sportereignissen, die gerne als „Event“ dargestellt werden, steht das Geldverdienen klar im Vordergrund. Darum habe ich am Montag nach dem 24h-Rennen mal einen Blick auf den Friedhof in Nürburg geworfen, der nahe der Rennstrecke liegt. Offenbar hatte sich während der Veranstaltung keiner der „Offiziellen“ dorthin verlaufen. Sie werden jetzt erst von mir erfahren, dass das Grab des ehemaligen ADAC-Präsidenten, Hans Bretz, inzwischen verlegt worden ist. Der aktuelle Grabschmuck wirkte ein wenig alt, weil er wohl aus dem Abo-Auftrag an einen Adenauer Blumenhändler seiner Tochter stammte. - Das neue Quartal beginnt eben erst am 1. Juni!

# 12  Der Pächter des Nürburgrings hatte sich im Vorfeld des Rennens intern große Mühe gegeben, die Besitzverhältnisse im direkten Umfeld „ihres Besitzes“ zu klären. Und hat trotzdem an einigen Stellen hinnehmen müssen, dass auch „Privatbesitzer“ am 24h-Rennen mit verdienten. Die dann  mit – aus meiner persönlichen Sicht – „kleinlichem Verhalten“ daran erinnert wurden, wer denn hier in der Hocheifel „das Sagen hat“. So wurde Campern, die direkt neben einem „Bedarfscampingplatz“ des Verpächters einen Platz gefunden hatte, die Nutzung der Toiletten „auf ihrem Platz“ verwehrt. - Von einem speziell dafür abgestellten Mitarbeiter! - Eindrucksvoll!

# 13  Natürlich habe ich am Montag nach dem Rennen eine kleine Inspektionsfahrt um die Nordschleife unternommen, um einen Eindruck davon zu erhalten, wie die Besucher des 24h-Rennens ihre Plätze verlassen hatten. Ich war erstaunt! - Obwohl dort – eigentlich wie immer – Hochsitze und kleine Tribünen aufgebaut und „eigene Gebiete“ mit Flatterband abgegrenzt waren, was eigentlich verboten sein sollte (Motor-KRITIK informierte), war schon am Montag-Nachmittag alles wieder wirklich „clean“! - Sicherlich auch eine Leistung der Nürburgring-Mitarbeiter! - Aber auch ein gutes Verhalten der 24h-Besucher!

# 14  Inzwischen laufen die letzten Vorbereitungen für die Durchführung von „Rock am Ring“. Das müssen die schon vorher für das 24h-Rennen getroffenen Sicherheitsmaßnahmen nur ergänzt werden. Aber es werden punktuell, gerade im Bereich Start- und Ziel, mehr Besucher gezählt werden. Selbst die Gesamtbesucherzahl des 24h-Rennens – gemessen an den verkauften Karten – wird durch die von „Rock am Ring“ deutlich übertroffen werden. - Das scheint die verantwortliche Leitung der Pächterfirma nicht wirklich zu interessieren, da sie zwar verantwortlich, aber eigentlich nur auf Anweisung handelt. Und von „ganz oben“ kam z.B. die Weisung, dass auch während des „Rock am Ring“-Wochenendes die Nordschleife für die einbringlichen „Touristenfahrten“ frei gehalten werden muss. Die Strecke darf also weder zum Parken noch Zelten genutzt werden! - Das wird spannend!

# 15  Gegenüber dem Hotel, das gerne als „Lindner-Hotel“ bezeichnet wird, obwohl es im Besitz des Nürburgring-Käufers ist, wird zu „Rock am Ring“ wieder ein Pracht-Zelt von „Lidl“ stehen, indem die „RaR“-Besucher alle Lebensmittel und wichtigen Dinge für den täglichen Bedarf finden können. Dieses Verkaufszelt war offenbar auch in der Vergangenheit schon für „Lidl“ ein finanzieller Erfolg! - Dass das die heimische Geschäftswelt ärgert, nimmt man dann gerne in Kauf! - Der Mann der in den Vorjahren den „Lidl“-Erfolg dort sicher stellte, hat sich damit offenbar gegenüber der Geschäftsleitung so qualifiziert, dass man ihn inzwischen mit der Aufgabe betraut hat, mal in den USA nach dem Rechten zu sehen und dort die Basis für einen größeren Geschäftserfolg zu verbreitern.

# 16  Natürlich werde ich auch wieder nach „RaR“ – montags – eine kleine Inspektionsfahrt unternehmen. Aber wir werden sicherlich schon vorher von den chaotischen Verkehrsverhältnissen dort oben im Rundfunk informiert werden. Angeblich wurden 90.000 Karten verkauft. - Früher waren mir einmal zahlenmäßige Verkaufsgrenzen – aus „Sicherheitsgründen“ – bekannt, die jetzt offensichtlich keine Rolle mehr spielen. - Aus gegebenem Anlass wiederhole ich mich jetzt gerne mal wieder: Der Rubel muss rollen!

Hoffentlich bleibt das Chaos aus, das man bei der Unerfahrenheit der vielen nun bei „Rock am Ring“ tätigen – offiziell verantwortlichen – Leiter, eigentlich erwarten darf!

MK/Wilhelm Hahne

Um es nicht zu vergessen: Das abendliche Essen in der BMW-Lounge war – verglichen mit dem in der ADAC-Lounge – wie mir übereinstimmend berichtet wurde – „hervorragend“! Da kam dann auch nicht der Wunsch nach einer deftigen „Rennwurst“ auf. - Und wenn… - dann hätte die Wurst schon von einem heimischen Metzger sein müssen!

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