Entschuldigung! - Eigentlich hätte ich gerne…

...mal eine ausführliche Geschichte zum Thema „smart“ geschrieben, der uns im späten Herbst dieses Jahres in einer neuen Version wieder erreichen wird. Dieses Mal aus China. - Während die meisten Firmen derzeit ihre bisher bestehenden guten Kontakte zu Russland abbrechen, um „einen guten Eindruck zu machen“, wird die Abhängigkeit von China – gerade bei der Automobilindustrie – immer größer. Bis dass dann mal wieder irgendein „Volksvertreter“ auf die Idee kommt… - Aber ich möchte hier keine Abhandlung über die „moderne Vorstellung“ von „freier Weltwirtschaft“ schreiben.

Entschuldigung! - Eigentlich hätte ich gerne...

...aber während ich darüber nachdachte, wie ich nun so eine „smart“-Geschichte strukturell aufbaue, wurde mir klar, dass sie viel zu lang – zu groß -  werden würde. Auch die Leserschaft von Motor-KRITIK ist jünger geworden. Und die „BILD“ verbildet! - Wer erinnert sich noch von den jungen Lesern z.B. noch an einen Herrn Dr. Christoph Boubin?

Der war z.B. damals bei der Micro Compact Car AG in Biel (Schweiz) für „Finance & Controlling“ verantwortlich. Denen wird auch kaum noch ein Johann H. Tomforde bekannt sein, der „damals“ „Engineering & Produktion“ in der Schweizer Firma verantwortete, einer Firma, in die dann im April 1994 auch die Firma Mercedes Benz AG mit einstieg.

Wie man heute hört – auch aus dem Mund der ehemals Beteiligten – war der „smart“ ein Riesenerfolg! - Nun haben die auch heute fast immer mit jungen Nachwuchskräften zu tun, die auch alles glauben, was sonst so derzeit bei uns über den Zeitraum „früher“ (also vor ihrer Zeit) alles erzählt wird.

Zu diesen jungen Nachwuchskräften in der Industrie muss auch der aktuelle journalistische – junge – Nachwuchs bei den Medien gezählt werden, der intelligent und gut ausgebildet das als richtig empfinden muss, was ihm aus den Presseabteilungen der Automobilhersteller so alles zur weiteren Verbreitung (Vervielfältigung!)  vorgesetzt wird.

Das ist z.T. dann wirklich – sehr oft (!) - ein wenig realitätsfern! - Jedenfalls für jemanden, der „damals“ dabei war! - Eigentlich also „Kindergarten-Niveau“!

Wer kann sich wohl von den jungen Leuten noch erinnern, dass ein Ferdinand Piech in den 90ern – er war damals Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG – zum Thema „smart“ feststellte:

„Wenn mir einer meiner Entwickler so ein Auto anbringen würde, würde er sofort entlassen!“

Zum Thema „smart“ kam danach offiziell aus dem Hause Mercedes (oder Daimler) immer nur „süßes Gesäusel“. In das inzwischen auch aktuell die Chinesen einstimmen. Der bisherige deutsche Hersteller aus Stuttgart – inzwischen zu fast 20 Prozent in chinesischer Aktienhand – ist nämlich ein“Joint Venture“ mit dem chinesischen Hersteller Geely eingegangen. - Anders geht’s in China auch nicht! -  Darum wird der neue „smart“, der nichts mehr mit dem alten gemeinsam hat und ein SUV sein wird, inzwischen auch mit den bisher in der Marketing- und Pressearbeit für den „smart“ üblichen süßen, prallen Phrasen dann zur Lieferung im Herbst dieses Jahres so angekündigt:

„Die Weltpremiere des Smart #1 ist“ – so der chinesische CEO der neuen deutsch/chinesichen Gemeinschaftsfirma – „ein Meilenstein der unglaublichen Entwicklungsphase, in der wir uns seit der Markenerneuerung befinden. Als Erster einer neuen Generation an vollelektrischen Smart-SUV’s ist der brandneue Smart #1 die perfekte Verkörperung dieser Innovation.“

Hier in Deutschland dürfen wir sie gegen Ende dieses Jahres erwarten. - Trotzdem: Der Elektro-Schrott von Morgen! - Die angekündigte „vollelektrische Innovation“ hat rein gar nichts mehr mit dem „alten“ Smart gemeinsam, dessen  „Erfindung“ sich sowohl mal ein Nicolas G. Hayek, als auch ein Johann H. Tomforde jeweils auf ihre Fahnen geschrieben hatten.

Tomforde, heute als Professor in Sachen Design unterwegs, hatte schon während seines Fahrzeugtechnik- & Design-Studiums in Hamburg im Jahre 1969 eine „TECC“-Studie (Tomforde Electric City Car) aufs Papier geworfen, die aber als Projektvorschlag für ein späteres Diplomthema von seinem Professor abgelehnt wurde. - Ein guter Mann!

Was Ferdinand Piech von dem Projekt hielt, das dann von Herrn Hayek, dem „Erfinder“ der „swatch“-Uhren, allen bedeutenden Automobilherstellern angeboten wurde; daran habe ich hier schon erinnert. Was ich dann aus dem Bereich „Testfahrer“ in den 90ern zum Entwicklungsstand des „smart“ erfuhr, der eigentlich von Herrn Hayek – „damals“ schon (!) - ausschließlich als E-Fahrzeug geplant war, lautete:

„Den musst du mal auf Eis fahren. Der rollt in alle Richtungen. Dagegen ist eine Kugel standfest!“

Jürgen Schrempp, „damals“ Daimler-Chef, wollte dann später mal – als der smart schon in Hambach vom Band lief - exakt wissen, ob das Fahrzeug auch alle seine Vorgaben erfüllen würde. Die Demonstrationsfahrt sollte in Idiata (Spanien) durchgeführt werden und wurde dort auch mit einem richtigen Rennfahrer geprobt. Ergebnis lt. Aussagen von MCC-Mitarbeitern – von denen es übrigens in der Entwicklungszeit rd. 800 – überwiegend Ex-Mercedes-Mitarbeiter - gab:

„Nein, der smart ist nicht umgefallen!“

Richtig! - Er war für den Versuch auch mit Stützrädern ausgerüstet!

Sollte ich hier noch etwas zur Produktionssituation – „damals“ – im Werk Hambach sagen oder im Motorenwerk Berlin? - Zum Gesamtergebnis wurde in der letzten „DossierB“-Ausgabe (bitte wörtlich nehmen!) im April ds. Jrs. vermerkt:

„Nach Expertenschätzung kostete das Smart-Abenteuer Daimler in alter Währung neun Milliarden Mark und jede Menge Managerköpfe – obwohl nach Angaben von Designer Tomforde gut 2,5 Milliarden Smarts verkauft worden sein sollen.“

Damit hier nicht der Eindruck entsteht, nur bei Motor-KRITIK („damals“) und „DossierB“ (heute) wäre die smart-Entwicklung kritisch gesehen worden: Schon im Oktober 1997 konnte man in der österreichischen „auto revue“ lesen:

„Trotz aller Untersuchungen über Akzeptanzverhalten von DINKS und Happy Nesters gegenüber zweisitzigen Armbandautos ist noch völlig unklar, ob man hier nicht auf den größten Flop beider Jahrhunderte zusteuert.“

Inzwischen sind aber auch die Armbanduhren größer geworden! - Und Motor-KRITIK-smart-Geschichten kürzer! - Vielleicht darum auch „intensiver“!

MK/Wilhelm Hahne
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