Auch im Motorsport: Unterschiedliche Philosophien?

Natürlich! - So wie jeder Mensch durch seine direkte Umgebung – und deren Einflüsse – geprägt wird, so wird auch der Motorsport durch die Zeit geprägt, in der jeweils anders geprägte Menschen – auch schon durch unterschiedliche Herkunft und Erfahrungen – einen anderen Einfluss ausüben. So ist aus der VLN eine NLS geworden, denn der ursprüngliche Promotor dieser Breitensportserie war z.B. anders geprägt, als der heutige Renndirektor der Serie. Es wird zwar immer noch von Sport gesprochen, aber diese neue Form des „Breitensports“ ist längst Profi-Sport geworden. Auch der  Sport insgesamt, eigentlich ursprünglich eine Art von „sinnfreiem Tun“, wird längst von „sinnvollem Geldverdienen“, dem Geschäftemachen bestimmt. So wurde aus der VLN längst auch deshalb eine NLS, weil auch der Motorsport heute in direkter Verbindung zu den Zielen steht, die man als moderner Mensch erreichen möchte. - Das bedeutet primär: Geld verdienen! - Motorsport war in früherer Zeit u.a. auch Teil des Prüffeldes für die technische, automobile Entwicklung, aus dessen Umfeld auch wieder Weiterentwicklungen resultierten. Die Zeit scheint vorbei. - Oder doch nicht? - Am Beispiel der Teilnahme eines japanischen Teilnehmers am 4. NLS-Lauf (der eigentlich erst der dritte war) möchte ich aufzeigen, dass es hier immer noch Unterschiede gibt, die - auch – von der  unterschiedlichen Art zu Denken und der persönlichen Einstellung eines fernöstlichen Firmenlenkers geprägt sind.

Auch im Motorsport: Unterschiedliche Philosophien?

Wir leben in der Neuzeit des Motorsports, die anders geprägt, von Personen anderer Prägung bestimmt ist, als „damals“, als ein Graf Berghe von Trips seinen Team-Kollegen Taruffi bei der Mille Miglia 1957 nicht überholte, weil dessen Fahrzeug – für ihn erkennbar – einen technischen Defekt aufwies und er nicht einfach – so würde man heute sagen „billig einen Sieg abstauben wollte“.

Dass das schon seit Jahren von einer neuen Generation von „Werksfahrern“ anders empfunden wird, weil man glaubt, dass in „unserer Zeit“ für Rücksichtnahme auf Andere kein Platz mehr ist, hat man z.B. beim 24h-Rennen am Nürburgring des Jahres 2016 erlebt. - Ein Graf Trips hätte heute z.B. in einem Mercedes-Team, gemeinsam mit den „Werksfahrern“ neuer Prägung unterwegs, keine Chance!

Wir leben in der Neuzeit des Motorsports, die eigentlich vom Konsum bestimmt ist, weniger vom Genuss. Selbst im Motorsport sind statistisch große Zahlen wichtiger geworden, als das Erleben eines einzigen Erfolgs. Sportliche Automobile werden nicht etwa deshalb produziert, um einzelnen Menschen einen besonderen Genuss zu ermöglichen, sondern um mit solchen Fahrzeugen einen besonders großen Gewinn einzufahren.

Ich bin selbst über Jahrzehnte mehrfach zu Besuchen in Japan gewesen, habe dabei lernen müssen, dass die Menschen dort – von fernöstlicher Kultur geprägt – anders empfinden, sich anders verhalten, als wir es in Europa gewohnt sind. Aber man hat sich über die Jahrzehnte schon etwas  in Richtung Westen orientiert.

Ich erinnere mich noch gerne an meinen ersten Besuch in Japan – um 1970 – wo selbst die Taxifahrer in Tokio kein Wort Englisch sprachen, aber man da schon als Fahrgast den Kofferraum dieser Taxis nicht nutzen konnte, weil sie mit Gasflaschen gefüllt waren. Schon „damals“ fuhr man in Tokio mit Gas! Und kleine Stadtautomobile, die in der Enge japanischer Städte weniger Verkehrsraum beanspruchten, wurden steuerlich begünstigt.

Ich bin mit einem solchen japanischen Kleinwagen schon 1969 eine 24h-Zuverlässigkeitsfahrt auf der Nordschleife des Nürburgrings mit einen Satz Straßenreifen (Kleber) ohne den geringsten Defekt gefahren. Mit einem Fahrzeug mit 360 ccm Hubraum, das von Stuttgarter Kollegen als „Rappel-Rutsch“ empfunden und eingestuft wurde.

  • Unsere westliche Welt war – und ist! - eine andere als die, in der andere Menschen auf einer anderen Seite der Welt leben! - Auf der fernöstlichen Seite. - Bitte nicht vergessen: In Tokio ist man uns um 7 Stunden voraus!

Auch die Einstellung der Firmenlenker dort ist eine andere. Obwohl man sehr pragmatisch ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg hasste man geradezu die Amerikaner, aber kopierte gerne ihre geschäftlichen Systeme. Man war vielleicht in den Buddhismus hinein geboren, nahm aber – zusätzlich! - den katholischen Glauben an, weil die katholischen Schulen in Japan als die besten galten – und man seinen Kindern die beste Ausbildung mit auf den Weg geben wollte. - Man musste katholisch sein, um diese Privatschulen besuchen zu können!

Ich habe habe lernen müssen, dass ein Japaner als Zuhörer bei einem Gespräch nicht etwa nickend den gehörten Argumenten zustimmt, sondern damit nur andeutet, dass er alles richtig gehört hat. Ich habe lernen müssen, dass Japaner Frauen anders empfinden – und behandeln - als Europäer, dass Visitenkarten eine andere Bedeutung zukommt, dass es in japanischen Bahnhöfen nicht riecht, dass japanische Züge immer pünktlich sind, habe begreifen müssen, dass auch eine gewisse Disziplin beim Ein- und Aussteigen auf den Bahnhöfen, mit über die Pünktlichkeit von Zügen entscheiden kann.

Im Japan der „damaligen Zeit“, erkannte man die wirtschaftliche Stellung, z.B. eines japanischen Technikers, am Wert des Kimonos und Schärpe (!) seiner Frau. In Deutschland wurde damals der jeweilige Wohlstand an der Länge des Automobils und die der Gesamtlänge der Chromleisten gemessen. Natürlich hat sich einiges verschoben, geändert. Gingen „damals“ die Freundinnen junger Japaner noch drei Schritte hinter ihren Freunden durch die „Ginza“ in Tokio, so werden sie heute von denen vielleicht mit der Hand lachend vor sich her geschoben. Es hat sich Einiges „angeglichen“ in Fernost, aber – es  wird immer eine „Differenz“ im Empfinden, Denken und Handeln zwischen Japanern und Europäern bestehen bleiben.

Die sich auch in den Automobilen wieder spiegelt, obwohl moderne Technik hier für einen gewissen Gleichstand gesorgt hat. Aber japanische Automobile sind immer noch ein wenig anders, als z.B. deutsche, bei denen das „qualitative Wachstum“ durch „Sicherheits“-Zubehör im Vordergrund zu stehen scheint. - Wegen der Marge?

Ich habe daran denken müssen, als ich hörte, dass wieder mal ein japanisches Werksteam, das von Toyota, zu einem Langstreckenrennen an den Nürburgring nach Deutschland kommen würde. Mit einer Weiterentwicklung des Toyota GT 86, einem GR 86 und einer im Hinblick auf den Einsatz im Motorsport weiter entwickeltem Version des Lexus LC.

Dass er neue Toyota GR 86 eine gute, vernünftige Weiterentwicklung des GT 86 sein würde war zu erwarten, nachdem ich erfuhr, dass auf diesem Fahrzeug der Sohn des Toyota-Präsidenten, Akio Toyoda, als erster Fahrer beim Renneinsatz dieses Fahrzeugs hier auf der Nürburgring-Nordschleife vorgesehen war. Warum er dann nicht nach Deutschland gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Pilotiert wurde das Fahrzeug so von den zwei anderen für den Einsatz vorgesehenen, guten japanischen Rennfahrern.

Es entsteht der Eindruck, dass sich auch in diesem Fall eine alte Volksweisheit zu bestätigen scheint, die da heißt: „Wie der Vater, so der Sohn“! Auch der Vater, Chef eines der größten Automobilherstellers in der Welt nimmt immer mal wieder Gelegenheit, auch bei Rennen ins Steuer seiner Automobile zu greifen. So war er z.B. schon vier Mal beim 24h-Rennen am Nürburgring unter dem Pseudonym Morizo Kinoshita am Start. Nicht um sich als ein kommender Formel 1-Star dazustellen, sondern um selbst zu erleben, dass die Fahrzeuge u.a. auch den Anspruch erfüllen, den er all seinen Automobilen verordnet hat: Sie müssen Fahrfreude vermitteln! - Neben den anderen Attributen, die für moderne Großserien-Automobile selbstverständlich sein sollten. Die  Selbsteinschätzung seiner Qualitäten als Rennfahrer ergibt sich aus einem aufgeschnappten Gesprächsfestzen während eines 24h-Rennens:

Akio Toyoda klopft einem seiner Rennfahrer auf die Schulter und sagt: „Zum Schnellfahren habe ich euch!“

So ein normales Verhalten ist für den CEO einer der weltgrößten Automobilhersteller nicht normal. Oder ist vorstellbar, dass sich Oliver Zipse (BMW) oder etwa ein Ola Källenius (Mercedes) als Fahrer ihrer Produkte in einem Rennen zeigen? Der Chef des immer schneller wachsenden, immer größer werdenden Konzerns „Stellantis“ (mit Firmensitz in Holland – aus steuerlichen Gründen!), Carlos Tavares, fährt allerdings auch gerne Rennen. Beide CEO’s bleiben dabei unauffällig. - Das wäre sicherlich nicht der Stil der Repräsentanten der - auch von der Politik als bedeutsam empfundenen - deutschen Automobilindustrie! - Durchs Fahrerlager, durch die Boxengasse schlendern, natürlich umgeben von Bodygards, das wäre eher der deutsche Stil. Dem auch dann deren Produkte entsprechen. - Achten Sie bitte auf die „großen Schnauzen“ bei den Automobilen bestimmter Marken!

  • Und vergleichen Sie, lieber Leser, doch bitte einmal den Preis eines Lexus CL-F mit dem eines Mercedes AMG GT Black Series.

Ist es vorstellbar, dass ein deutscher CEO ins Lastenheft für einen neuen Sportwagen schreiben lässt: So wenig elektronische Fahrhilfen wie möglich! - ? - Akio Toyoda hat das im Falle des Toyota GT 86 machen lassen, der aufgrund seiner Anregung überhaupt erst entstand. Er wollte nicht nur reine „Nutzfahrzeuge“ den Käufern von Toyota anbieten. - Auch Automobile, die – so nebenbei – viel Fahrfreude vermitteln!

Als über die bisher sportlichste Lexus-Entwicklung, den LC-F im Entscheidungsgremium von Toyota abgestimmt wurde, da war Firmenchef Akio Toyoda der einzige Teilnehmer in diesem  Top-Gremium, der sich für die Produktion eines solchen Fahrzeugs ausgesprochen hat.

Akio Toyoda hat auch einmal in einem Interview mit dem „Stern“ festgestellt: „Gewinn ist nicht alles!“

Ich möchte nicht wissen, wie ein Ola Källenius (Daimler/Mercedes) eine solche Einstellung bezeichnen würde, der gerade, Mitte Mai, die Villa des verstorbenen Designers Karl Lagerfeld an der Côte d’Azur anmieten ließ, als er mögliche Investoren unter dem Obertitel, „The Economics of Desire“ informierte, dass nach seiner Einschätzung weltweit die Zahl der Dollar-Millionäre zwischen 2020 bis 2025 um 50 Prozent auf insgesamt 84 Millionen anwachsen wird. Darum möchte er den Schwerpunkt der Produktion von Mercedes-Automobilen auf die Luxusklasse legen und auf den Bau von „Kleinwagen“, wie A- und B-Klasse möglichst verzichten. - Beifall? - Dafür hatten die Investoren an der Côte d’Azur wenig Zeit. Das „Sternekoch“-Dinner wartete!

Toyota hat 1997 das erste wirkliche Hybrid-Automobil weltweit, den „Prius“ präsentiert, hat in Amerika als erster – und bisher einziger – Importeur den größten amerikanischen Hersteller, General Motors, schon mal bei den Zulassungszahlen geschlagen, vernachlässigt auch die Kleinwagensparte mit dem Modell „Aygo“ in unseren Landen nicht.

Nun ist es wieder Akio Toyoda, der die Entwicklung des Spitzensportwagens von Lexus in neue Fahrleistungs-Höhen treiben möchte. Zum aktuellen Zeitpunkt ist dieser Lexus-Sportwagen, den man für die Saison 2023 sowohl als GT3- als auch GT4-Version anbieten will, in der letzten Phase seiner Entwicklung. - Die muss natürlich auch auf der Nürburgring-Nordschleife zeigen, dass sie ohne Schwächen ist. Wenn die neue Super_LC-Version dort Schwächen zeigt, wird man die noch beseitigen, das Fahrzeug im Sinne seiner zukünftigen Käufer optimieren.

Bei Toyota in Japan hat man sich an den im „alten“ Fahrerlager des Nürburgrings zu lesenden Spruch erinnert:

„Jeder lobt, was Nürburgring erprobt“

So habe ich mir das am Freitag, Samstag letzter Woche, am Nürburgring einmal angeschaut, um einen Eindruck zu gewinnen. Sowohl in der Box, als auch an der Strecke. - Nicht immer ist allein am Rennergebnis ablesbar, wie die Abläufe wirklich waren.

Sofort, nachdem ich am Freitag vor dem Rennen die Box #10 erreicht hatte, hatte ich den Eindruck, dass sich hier alles um die Start-Nummer 345, die neue Lexus GT3-Version dreht. - Oder doch die GT4-Version? - Jedenfalls war das Fahrzeug nicht in der Prototypen-Klasse gemeldet, sondern startet in der Klasse „VLN 24h-Special SP-Pro startet (Restriktorpflichtige Fahrzeuge über 3.000 ccm)“. Die japanischen Mechaniker habe ich nicht gekannt, zumal jedes Mal hier am Nürburgring eine neue Truppe antritt. So eine Reise nach Europa - mit viel Arbeit - wird diesen Toyota-Mitarbeitern quasi als Belohnung für besonders gute Leistungen gewährt. Wer hier als Monteur auftritt, ist also schon als „Sonderklasse“ zu empfinden. - Und so gezielt und ruhig sind auch die Abläufe in der Box.

Die Startnummer 244, der neue Toyota GR 86, erst wieder in 2023 lieferbar, lebte hier eigentlich hier ein Mauerblümchen-Dasein. Er hat auch längst die Erprobungsphase verlassen, wurde auch schon in einer kleineren Stückzahl ausgeliefert und machte hier am Nürburgring einen fertigen Eindruck. Das bestätigte sich auch am nächsten Tag im Training, als er dem nächsten seiner zwei Konkurrenten in der Klasse um 1:16 min enteilt war, was in der Startaufstellung dann eine Differenz von 25 Startplätzen bedeutete. - Da konnte man dann das Rennen ganz locker angehen.

Das war dann auch der Fall. Der Klassenzweite, ein BMW beendet das Rennen gegen den Toyota mit einem Rückstand von zwei Runden. In seiner schnellsten Rundenzeit im Rennen war er allerdings nur gut 21 Sekunden langsamer. - Trotzdem ist so ein BMW in dieser Klasse inzwischen eine Erinnerung an gute alte Zeiten: Eine Legende!

Das Rennen war gut besucht. Auch im Fahrerlager herrschte der übliche Betrieb. Da ich nicht nur dort, sondern auch an der Strecke unterwegs war, würde ich die Zuschauer auf insgesamt 4.000 schätzen. Ich weiß, dass ich damit die Veranstalter-Vorstellungen nicht erfülle. Aber auch ein Blick auf die unterschiedlichen Abschnitte der Tribünen zeigt, dass hier nicht Zehntausende unterwegs waren. Hauptsache: Den einzelnen Besuchern hat’s gefallen und sie kommen wieder. - Diesen Eindruck musste man allerdings haben. Die VLN – Pardon! - NLS, hat ihre Fan-Gemeinde!

Beim Lexus mit der Start-Nummer 345  steckte dann aber am Renntag wohl der Teufel im Detail. Er stand zwar mit einer Trainingszeit von 8:36,03 in der Startaufstellung, aber nach dem Startvorgang des Motors wurde plötzlich das Display dunkel und schwarz. - Die Elektronik? - Das bedeutete aber auch, dass sich das Fahrzeug nun nicht mehr schalten ließ. Man machte kein großes Theater, schob das Fahrzeug aus der Startaufstellung nach hinten heraus, um nachstarten zu können, wenn der Fehler beseitigt war. Die Beseitigung bereitet zwar kein Problem (Reset!), aber das Nachstarten bedeutete dem nach Reglement auch, dass man einen Zeitzuschlag von einer Minute erhalten würde. - Dumm gelaufen!

Das Rennen verläuft dann programmgemäß. - Zunächst! - Die Fahrer machten – wie ich an der Strecke beobachten konnte - einen guten Job und vor dem letzten Servicestopp liegt man im ersten Drittel der Fahrzeuge, bei denen die Fahrer hoffen, dass sie auch so die Ziellinie überfahren können. Aber das ist bei der Start-Nummer 345 leider nicht so. Der letzte Tankstopp muss verlängert werden, weil man einen Defekt im Bereich der vorderen rechten Radaufhängung erkennt. - Das Fahrzeug wird in die Box geschoben und unaufgeregt montiert.

Nachdem das Fahrzeug wieder zurück auf der Strecke ist, treffen sich die einzelnen Gruppen (Monteure am Renntag in Rot, Ingenieure in Schwarz, die Bridgestone-Reifenleute in ihrer Teamkleidung) zu klärenden Gesprächen. Ganz emotionslos werden die Probleme besprochen und mögliche, noch vorzunehmende Änderungen besprochen. - Ein gutes Team!

Aber eigentlich wird der Unterschied zu großen deutschen Werksteams – zu denen, die es eigentlich sind, bei denen aber die Werksingenieure im Fahrerlager – hinter den Boxen - vor den Computer-Bildschirmen hocken – noch deutlicher, als ich an der Drahtzwischenwand zwischen den Boxen das gerahmte Foto eines alten Toyota-Chefingenieurs entdecke. Der ist ziemlich genau vor 12 Jahren bei einem Verkehrsunfall  auf der L 94, unweit der Servicewerkstatt des Lexus-Testteams gestorben:  Hiromu Naruse.

Ich bin dann noch am Abend an der damaligen Unfallstelle des Lexus-Chefingenieurs vorbeigefahren, wo Toyota unweit der Unfallstelle des Jahres 2010 eine kleine Erinnerungsstätte eingerichtet hat. Die Lexus- und Toyota-Mitarbeiter aus Japan haben auch nach 12 Jahren ihren alten Chefingenieur nicht vergessen. Sie hatten nicht nur – zur Erinnerung - ein gerahmtes Foto aus Japan mitgebracht, sondern sich auch zu einer kleinen Andacht am Freitag vor dem Rennen an der Gedächtnisstätte getroffen, sie frisch hergerichtet und frische Blumen aufgestellt, bzw. gepflanzt.

Ich höre schon die Argumentation in deutschen, großer Firmen, die ihre verstorbenen Legenden längst vergessen haben. Die wahrscheinlichste Argumentation: Da würden Kosten entstehen, die nicht vom Controlling akzeptiert werden!

  • Jeder Europäer versteht das. Für Japaner ist das kein Argument. Für sie ist das Menschliche von größerer Bedeutung als die Kosten!

Während man sich bei Toyota mit ihrem Chef Akio Toyoda gerade um die Schaffung eines neuen GT3, bzw. GT4, für die Saison 2023 bemüht, hat man bei Audi schon beschlossen, die Produktion des bekannten – und aktuell siegreichen -  Audi R8 GT3 LMS, mit dem René Rast nun am letzten Sonntag sein erstes Langstreckenrennen auf der Nürburgring-Nordschleife gewinnen konnte, aber auch praktisch alle bisher betriebenen Motorsportaktivitäten weitgehend einzustellen. Weil man dann – etwas später - zusammen mit Porsche die Marketing-Maschenerie der „Formel 1“ nutzen möchte! - Entsprechend der neuesten Erkenntnis: Im normalen Motorsport lässt sich kein Geld mehr verdienen!

Da fragen sich dann einige Audi-Fans nachdenklich:

  • Und warum arbeitet Toyota – und damit auch Lexus – weiter am Verbrenner?

Da man muss dann aber auch fragen:

  • Warum steigt der VW-Konzern in die Formel 1 mit Verbrennermotoren (!) ein, während man in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt hat, dass der Verbrenner für diesen Konzern längst gestorben ist und konsequent durch E-Automobile ersetzt wird?

Hinter den Kulissen denkt und handelt man in Europa eben anders als in Japan. Da versucht man das gut zu machen, was man nicht lassen sollte. Während man in Europa im Trott jenen Politikern hinter her läuft, die unter lautem Ausrufen von gut klingenden Parolen eigentlich nicht interessiert, was dann passiert, wenn sie als handelnde Personen später mal ohne jede Bedeutung sind. - Politiker sind „Visionäre“! - Besonders gute können sich auch später nicht mehr erinnern!

  • Und die CEO’s unserer Tage kassieren längst ihre Pensionen, wenn die Entscheidungen, die sie aktuell treffen, sich als falsch erweisen sollten!

Um nicht – neben dieser „Akzent“-Berichterstattung – noch eine wichtige Information zum Gesamtsieger zu vergessen, der den 4. NLS_Lauf nach dem 29-fachen (!) Umrunden der Nordschleife beendete. Davon war der siegreiche Audi R8 GT3 exakt 14 Runden „rastlos“ unterwegs. Ein mir persönlich bisher unbekannter polnischer Rennfahrer fuhr auch seine schnellste Runde um 85 Tausendstel Sekunden schneller als René Rast, war aber in den von ihm gefahrenen Turns um deutlich mehr als 4 min langsamer als René Rast, der durch die Gleichmäßigkeit der Zeiten, in der er seine Runden zurücklegte, als Rennfahrer deutlich überzeugender war und so auch den Audi-Sieg des Phoenix-Teams sicherstellen konnte. - Für mich war er „der Mann des Rennens“!

Eine weitere Beobachtung an der Strecke: Ein verpflichtendes DMSB Nordschleifen-Permit macht einen schlechten Rennfahrer nicht zu einem besseren Rennfahrer. Ich habe solche gesehen, denen ich raten würde, sich in Zukunft vielleicht mit Golf oder Tischtennis zu beschäftigen!

Zum Schluss noch zwei persönlich eindrucksvolle Erlebnisse, durch Fotos dokumentiert, bei dieser NLS-Rennveranstaltung, dem 45. RCM DMV Grenzlandrennen:

1) Wirklich „Ernst“: Beim letzten Tankstopp von René Rast wurden dem ein paar Liter des kostbaren Super-Plus-Benzins zu viel mitgegeben, was den Teamchef toben ließ. - Verständlich! - Schließlich war hier der zwangsweise zur Verfügung gestellte Treibstoff um rd. 90 Cent pro Liter teurer, als an diesem Tag bei einer nahe gelegenen „Kulttankstelle“. - 2) Wirklich „lustig“: Mir ist es gelungen, einen menschlichen „Arm-Leuchter“ zu fotografieren, bei dem der Ernst (Moser) dann – lächelnd - im Hintergrund bleibt. - Hihi!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Bei aller Philosophie (= Liebe zur Weisheit) möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass der Geschäftsführer der VLN Sport GmbH & Co. KG die am Nürburgring – wegen NLS4 anwesenden – Teamchefs zu einer Vorlesung geladen hatte. Thema: 12h-Rennen, mit dem offiziellen Titel „12 Stunden Nürburgring“. - Ein richtiges 12h-Rennen… -  in zwei Teilen! - ??? - An einem Samstag im September von 14:30 – 20:30 Uhr; am Sonntag von 10:00 – 19:00 Uhr. - ??? - So wie Berufsmusiker vom Blatt spielen, so lesen professionell bezahlte „Sport-Geschäftsführer“ auch vom Blatt. - Man konnte erfahren, warum die Welt so etwas noch nicht gesehen hat! - Einige Teamchefs sollen schon vor Ende der Vorlesung gegangen sein. Mögliche Erklärung: Sie hatten kein sauberes Taschentuch dabei. -  Um ihre Tränen zu trocknen! - Ja, ja – bei den derzeit aufgerufenen Kosten für den Motorsport am Nürburgring reicht das Geld kaum noch für Papiertaschentücher!

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