Wütherich & Dean: Ein Schicksalsdrama mit Porsche!

Natürlich hätte ich Dean, James Dean – den alle Freunde „Jimmy“ nannten - zuerst nennen müssen. Er war der Fahrer eines Porsche, der am 30. September 1955 auf der Abzweigung einer Straße, der heutigen Route 46 auf die Route 41, in einem Porsche 550, einem offenen Rennsportwagen,  tödlich verunglückte. Vor nunmehr 65 Jahren. Auf dem Beifahrersitz des Porsche saß Rolf Wütherich, sein Rennmechaniker, der bei diesem Unfall schwer verletzt wurde. Es war die Zeit des Motorsports, in der man noch „per Achse“ zu den Rennen fuhr. - Die Art des Zusammenlebens als Porsche-Monteur mit einem Film-Idol, hat Wütherichs Leben bestimmt. Aber auch der Unfall! Ich hatte das – aus meiner Sicht – etwas realitätsfremde, verwunderliche Verhalten eines Rolf Wütherich Ende der 70er Jahre am Nürburgring im Fahrerlager beobachtet, habe zu seinem Leben recherchiert. Da ich zu der Zeit als freier Mitarbeiter für die Freizeit- und Jugend-Zeitschrift „Rocky“ tätig war, habe ich es im Interesse der Leser dieser Zeitschrift als richtig empfunden, ihn in seiner damaligen Wohnung am Stadtrand von Siegburg – nahe Köln – zu  besuchen und einen langen Abend mit ihm über sein Leben und seine Erlebnisse in Amerika zu sprechen. Dazu habe ich dann „damals“ auch eine Geschichte für „Rocky“ geschrieben. - In meiner Erinnerung habe ich beim Weggang dort einen einsamen Mann mit einer Katze zurück gelassen. - In einer eigenartigen, melancholischen, „dunklen“ Stimmung. - Dieser Mann war „damals“ nicht nur aus einem Sportwagen geschleudert worden! - Meine Geschichte – die nachstehend auch hier bei Motor-KRITIK zu lesen ist – hat den Eindruck wiedergegeben, der auch jetzt noch in meiner Erinnerung mit schwingt. Aber ich habe weit mehr „Material“ an diesem Abend mitnehmen können, als ich damals in „Rocky“ verwendet habe. Jetzt habe ich dieses „Wissen von damals“ mal wieder aufleben lassen und bin sicherlich einer von Wenigen, die eine stimmige Darstellungen der Abläufe und Ereignisse von „damals“ - in den 50er-Jahren - heute noch einmal niederschreiben können und eine Zeichnung vom Unfallort veröffentlichen, die Rolf Wütherich bei meinem Besuch für mich angefertigt hat. - Dieser Unfall geschah in einer anderen Zeit als heute! - Woran ich auch erinnern muss, weil sie sonst den Charakter eines Märchens erhält. Wobei hier – logischerweise - nicht James Dean im Vordergrund stehen soll, der aber eine wesentliche Rolle spielt, sondern Rolf Wütherich, dessen Leben ohne Jeames Dean auch anders verlaufen wäre. - Auch Rolf Wütherich ist inzwischen schon lange tot. - Ebenfalls bei einem Autounfall in 1981 gestorben. - Selbstverschuldet in einem Honda. - Trotzdem ist...

Wütherich & Dean: Ein Schicksalsdrama mit Porsche!

Rolf Wütherich war eigentlich mal ein normaler junger Mann, der davon träumte, mal irgendetwas mit Flugzeugen zu tun zu haben. Nein, er wollte nicht Pilot werden, sondern vielleicht mal als Techniker an richtigen Flugzeugen arbeiten. So hat er dann auch eine Lehre als Flugzeug-Mechaniker begonnen.

Aber er lebte zur falschen Zeit, in der des Zweiten Weltkriegs. Da wurde er nicht nur zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, sondern war gegen Kriegsende als 17jähriger (!) Fallschirmjäger in die Kämpfe gegen die vorrückenden Amerikaner in Italien verwickelt.

Natürlich geriet er in Gefangenschaft, aus der er – krank und abgemagert – dann wieder in die Gegend um Stuttgart zurück kehrte. Dort schraubte er dann an US-Army-Fahrzeugen, spielte nachts als Schlagzeuger in einer kleinen Band, bevor er – wieder als Lehrling – zu Daimler-Benz nach Untertürkheim fand.

1948 machte er dann seine Gesellenprüfung mit einem „Gut“ in Theorie, während die Prüfer seiner praktischen Arbeiten nur als „Befriedigend“ empfanden. Aber schon 1949 fand er die abwechslungsreiche Arbeit in einem kleinen Autohaus interessanter, als bei Daimler immer und immer wieder die gleichen Handgriffe auszuführen.

Als er für seinen damaligen Chef mal wieder einen alten Holzvergaser-Lastwagen beim Technischen Überwachungsverein abnehmen lassen sollte, traf er auf einen Porsche-Mitarbeiter, der dort mit einem Porsche 356 mit einer Alu-Sonderkarosse vorgefahren war. Dieses Auto hat ihn fasziniert, weil dieser Porsche aus seiner Sicht mehr ein Flugzeug war. Und er hat den Porsche-Mitarbeiter angesprochen: „Braucht ihr nicht noch einen guten Mann?“

Tatsächlich fand er dann Anstellung in der Porsche-Versuchsabteilung, wo er engagiert tätig war. Weil Versuchs-  und Rennabteilung nahe beieinander lagen, hat er dort nach seinem Feierabend dann schon mal nachgefragt, ob er nicht noch ein wenig dort mitarbeiten dürfe. - Mit den Arbeitszeiten wurde das damals nicht so genau genommen. - Er durfte.

So wurde er zunächst quasi „nebenbei“, dann aber doch „richtiger“ Rennmonteur, der mit dem Porsche-.Werksteam auch in Le Mans oder bei der Targa Florio dabei war. Es war Nachkriegszeit und Rolf Wütherich erzählte, dass z.B. ein Richard von Frankenberg in dieser Zeit mit großen Löchern in den Socken herum lief.

Dann entdeckte Rolf Wütherich im Vorbeigehen am „Schwarzen Brett“ eines Abends, dass intern nach einem zuverlässigen Mechaniker für den Außendienst-Service in Amerika gesucht wurde. - Und er hat sich beworben.

Bei Porsche war man davon überzeugt, dass Rolf Wütherich aufgrund seiner Erfahrungen der Richtige wäre und so ist er dann im März 1954 in einer der Lufthansa-Propellermaschinen nach New York gestiegen. Porsche hatte ihm vier Wochen New York zum „Einleben“ zugestanden. Dann ging es ab zur Westküste, nach Los Angeles, seinem neuen Service-Standort.

An der Ostküste war zur gleichen Zeit für Porsche ein anderer, auch heute noch sehr bekannter Mitarbeiter tätig: Herbert Linge. Der betreute auf dieser Seite Amerikas die zahlungskräftige Porsche-Kundschaft. Das Amerika-Geschäft war damals für Porsche sehr wichtig. Dorthin gingen zu dieser Zeit rd. ein Drittel der gesamten Porsche-Produktion.

Es ist ein wenig bezeichnend für die damalige Zeit und die Einstellung der Mitarbeiter zu „ihrer Firma“, dass Herbert Linge als junger Mann seine Lehre bei Porsche begann und dort auch sein Berufsleben beendete. - Ein Leben für eine Firma. - Inzwischen, in der Zeit der routiniert arbeitenden Personalberatungen, bei einem so hervorragenden Mitarbeiter wie Herbert Linge, undenkbar!

Es gab in den USA zu der Zeit auch keine Werks-Niederlassungen, sondern der Porsche-Import wurde von einer amerikanischen Firma vorgenommen, der „Hoffmann Motor Company“, die von Maximilian Hoffmann, einem gebürtigen Wiener gegründet und geführt wurde. „Maxi“ war, als Deutschland durch den „Zugewinn“ von Österreich zum Großdeutschen Reich wurde, über Frankreich nach den USA geflüchtet. Sein Vater war Jude.

Es war seine Anregung an Porsche, für den amerikanischen Markt einen Porsche 356 Speedster zu bauen. Das war eigentlich der Vorläufer zum Porsche 550, obwohl der mehr aus den Rennerfahrungen eines Helmut Glöckner entstanden ist. Dieser Porsche 550 hatte den berühmt gewordenen „Fuhrmann-Motor“, mit oben liegenden Nockenwellen, die von Königswellen angetrieben wurden.

Ich erzähle später mal, welchen – guten (!) - Einfluss Maxi Hoffmann auch als BMW-Importeur hatte. Die Umstellung der Hersteller auf Werksniederlassungen, die dann den Import übernahmen, hat nicht nur Vorteile gebracht. Es begann „damals“ - in den 70ern – dann die „moderne Zeit“ bei der Automobilindustrie, unter der sie heute noch leidet.

James Dean, der übrigens von seinen Freunden „Jimmy“ genannt wurde, hatte zunächst einen Porsche 356 Speedster. Als dann der „550“ kam, da hat er dieses Auto unbedingt haben wollen. Rolf Wühterich hatte ihn in LA  in der „Grand-Prix Bar“ kennen gelernt, wo damals u.a. die Film-Prominenz auflief.

Wütherich erinnerte sich in unserem Gespräch, dass „Jimmy“ fast niemals Alkohol trank, ein stiller, verträumt wirkenden junger Mann war. Er hat sich damals in der Bar erst dann neben Rolf Wütherich gesetzt,  nachdem er von den anderen Gästen aus der Filmbranche erfahren hatte, dass Wütherich als Porsche-Service-Mitarbeiter in LA war. - Und Wütherich hat dann auch schon bald an James Dean‘s 356-Speedster arbeiten müssen. - Motor überdreht!

Rolf Wütherich erinnerte sich in unserem Gespräch, dass James Dean kein Frauenheld war. Eigentlich wurde James Dean auch damals kaum jemals auf der Straße angesprochen. Anders als z.B. Clark Gable.

Aber dann hat es bei „Jimmy“ gefunkt, als er Pier Angeli kennen lernte. „Jimmy“ hat Rolf erzählt, dass es Liebe auf den ersten Blick war. - Aber die Mutter von Pier hatte etwas gegen die Verbindung. „Jimmy“ war Baptist und Pier katholisch. So musste Pier dann auch auf Drängen der Mutter ein paar Monate später einen reichen italienischen Geschäftsmann heiraten. - Der war – natürlich - katholisch!

Rolf Wütherich erzählte, dass auf der anderen Sraßenseite, der Kirche gegenüber, bei der Heirat von Pier Angeli ein Motorradfahrer in einer alten, abgeschabten Lederjacke stand und geweint hat: James Dean. - Danach war er zwei Wochen verschwunden, war allein in die Wüste bei LA gefahren, wollte allein sein, Pier vergessen.

Da war es fast normal, dass sich James Dean „zum Vergessen“ dann auch ein neues Auto kaufen wollte. Und er hat dann einen Porsche 550 erstanden, der beim VW- und Porsche-Händler Johnny von Neumann in Los Angeles stand. - Es war die neue Liebe von „Jimmy“.

Dann hat „Jimmy“ Rolf Wütherich mal abends in die „Grand-Prix-Bar“ bestellt und ihn in seinen Kalender schauen lassen, wo er unter dem 1. Oktober notiert hatte: „Autorennen in Salinas“. - Mit drei Ausrufezeichen!!! - Wütherich sollte ihn als Mechaniker begleiten.

Salinas ist ein Ort, viele Meilen von Los Angeles entfernt. Weil der Porsche 550 praktisch neu war, hatte Rolf Wütherich James Dean empfohlen, doch mit dem „550“ per Achse nach Salinas zu fahren, weil das im Hinblick auf das Rennen schon gut wäre, wenn der Motor zunächst ein wenig gefühlvoll eingefahren wäre, aber auch im Getriebe so ein paar Reibungsverluste – die bei einem neuen Getriebe immer größer sind – abgebaut würden.

So ist man dann Ende September in Richtung Salinas gefahren – um dort niemals anzukommen. Man hatte unterwegs schon mal Pausen gemacht, damit ein Begleitfahrzeug wieder aufschließen konnte. Es war früher Abend, als man dann die Abzweigung vom Highway 466 erreichte. Genau 17:58 zeigte die Uhr, als es zum Unfall kam, den Rolf Wütherich auf dem Beifahrersitz schlafend – nicht – bewusst mitbekam. - Er war dann nach dem Unfall kurz bei Bewusstsein, hat nach „Jimmy“ gefragt und – es ist wieder dunkel um ihn herum geworden

Vier Tage später ist Rolf Wütherich in einem kleinen „Indianer-Krankenhaus“ - wie er sagt – aufgewacht und hat eigentlich gar nichts begriffen. - Warum lag er hier? - Wo war „Jimmy“? -

Man hat ihm nicht gesagt, dass James Dean tot war. Erst einige Tage später hat es ihm seine damalige Freundin, auch eine Porsche-Mitarbeiterin, die er in Stuttgart kennen gelernt hatte, dann beigebracht – in Pasadena. - Die hat er übrigens später – auf Druck eines leitenden Porsche-Mitarbeiters – dann geheiratet. - Es war eben eine Zeit, in der man nicht unverheiratet zusammen leben durfte, weil das auch scheinbar – in diesem Fall - das Ansehen einer Firma beschädigte.

Porsche hatte Rolf Wütherich ins Krankenhaus nach Pasadena fliegen lassen. Dort hat man dann in einer vielstündigen Operation das linke Bein gerettet. Es ist aber drei Zentimeter kürzer geblieben. Aber deswegen hat Rolf Wütherich nicht gelitten! - Er hat nicht verstanden, warum James Dean sterben musste. - Warum hatte er „Jimmy“ fahren lassen? - Warum hatte ein Zwischenstop nicht ein paar Minuten länger gedauert? - Dann hätte man den Unfallverursacher an der Abbiegung verfehlt.

Ich habe mir von Rolf Wütherich bei meinem Gespräch damals eine kleine Skizze machen lassen, so dass ich mir ein Bild machen konnte. Das habe ich hier nun für meine Motor-KRITIK-Leser eingefügt, damit sie nicht auch – wie ich damals – der Meinung sind, es hätte sich um eine richtige Kreuzung zweier Highways gehandelt. Es war eine Abbiegung, bei der der Unfallbeteiligte, ein Student, mit seinem Wagen die Fahrbahn von James Dean kreuzte, weil er ihn in der Abenddämmerung wohl einfach übersehen hatte. Jeams Dean war ohne Licht in der Dämmerung unterwegs. Über die gefahrene Geschwindigkeit gibt es unterschiedliche Angaben, die sich aber nicht wesentlich unterscheiden.

In neueren Aufarbeitungen des Unfalls ist – publikumswirksam – zu lesen, dass James Dean gerast sei. In offiziellen Gutachten zum Unfall wurde keine „überhöhte Geschwindigkeit“ ermittelt oder erwähnt. - Es gab auch eine Gerichtsverhandlung zu diesem Unfall, bei dem der andere Unfall-Beteiligte aber frei gesprochen wurde.

An einer Tatsache ist aber nicht zu rütteln:

James Dean ist tot und Rolf Wütherich hatte – wie auch in der Folge immer deutlicher wurde – nicht nur körperliche Schäden erlitten, sondern war – aus meiner Sicht – stark traumatisiert. Was in der Folge dann später u.a. dazu führte, dass er nicht nur sich, sondern auch seiner – inzwischen – vierten Frau das Leben nehmen wollte. Ein Gericht hat ihn aber aufgrund seines Zustandes dafür nicht ins Gefängnis, sondern in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.

Rolf Wütherich hatte Halluzinationen, glaubte ein evangelischer Pfarrer zu sein und erzählte mir von Heilungsversuchen per Elektroschocker.

Er hatte, als er aus den USA zurück war, an seinem Arbeitsplatz bei Porsche immer wieder Zusammenbrüche erlitten, war – wie man manchmal sagt, ohne es wirklich zu begreifen – ein gebrochener Mann. Jemand, der nicht mehr so richtig in diese Welt zu passen schien. - Darum war er mir auch als Besucher am Nürburgring aufgefallen. Darum hatte ich auch den Kontakt gesucht und „damals“ dann für „Rocky“ (Burda-Verlag) im Jahre 1979 folgende Geschichte geschrieben:

Rolf Wütherich war Rennmonteur von James Dean, gehörte zu seinem Freundeskreis. Damals, im Jahre 1955.

Jetzt sitze ich ihm in seiner kleinen Wohnung am Stadtrand von Siegburg gegenüber. Rolf Wütherich kann immer noch nicht emotionslos über jene Zeit sprecchen. - Damals. - Los Angeles. - Damals, auf der Highway 466 saß er neben James Dean. Das war am 30. September 1955. Damals wurde das Leben von James Dean ausgelöscht.

Und plötzlich war James Dean ein Idol! - Warum?

Rolf Wütherich ist aus seinem Sessel aufgestanden. Der jetzt 52jährige Mann ist ein wenig ratlos, als er auf meine Frage antwortet:

„Eigentlich verstehe ich es auch nicht. Jimmy war unauffällig, aber anders als die Masse der jungen Leute in Amerika. Jimmy war zurückhaltend, verschlossen, fast schüchtern. Er liebte nicht die Show, drängte nicht in das Licht der Öffentlichkeit. Er konnte stundenlang in einer Bar bei einem Glas Bier oder einer Cola sitzen und Menschen beobachten. Er sprach wenig, aber er hatte seine eigene Meinung von allem. - Und vertrat sie auch!“

Während wir sprechen hat Rolf Wütherich in alten Fotos gewühlt, reicht mir hin und wieder eins herüber. Es gibt nur wenige Fotos, die Rolf und James zusammen zeigen. Rolf Wütherich erklärt:

„Wir waren gute Freunde und ich suchte nicht seine Nähe, um mich in seinem Ruhm zu sonnen. Sonst hätte ich mich mit ihm fotografieren lassen. Eigentlich war „Jimmy“ auch gar nicht so gefragt. Ich habe niemals erlebt, dass ihn jemand auf der Straße oder im Lokal um ein Autogramm angesprochen hätte. Ich habe an den Rennstrecken erlebt, dass z.B. Clark Gable von Menschentrauben umringt war, während James Dean nur wenig entfernt davon, fast unbeachtet blieb. Da sagte zwar Dieser oder Jener schon mal: ‚Sieh‘ mal, der James Dean!‘ - Aber das war schon alles.“

Rolf Wütherich streicht sich mit einer nachdenklichen Bewegung durch sein kurzes, angegrautes Haar.

„Eigentlich hat Jimmy schon damals die Jugend von heute verkörpert. Er lehnte sich innerlich gegen vieles auf, fühlte sich unverstanden. War neugierig. Bei allen Dingen war er auf der Suche nach dem Warum.“

Rolf Wütherich erzählt von Dean‘s Romanze mit Pier Angeli und seiner grundsätzlichen Einstellung gegenüber Frauen:

„James Dean war kein Frauenheld. Er glaubte an die große Liebe, war sentimental und romantisch. Bei ihm gab es keine Flirts, keine Weibergeschichten. Wenn er jemand mochte, galt seine ganze Aufmerksamkeit dieser Einen.“

Nachdenklich findet Rolf Wütherich:

„...dass Jimmy eigentlich in allem so war. Was er machte, das machte er richtig, intensiv. Er nahm alles ernst. - James Dean war häuslich, saß gerne abends in seinem Appartment im Norden Hollywoods und hörte klassische Musik. Vielleicht zusammen mit ein oder zwei Freunden. James Dean hatte keinen Respekt vor großen Namen. Leute die er nicht mochte, ließ er links liegen. Er suchte nicht die wortreichen Auseinandersetzungen mit ihnen, Er ignorierte sie – oder aber provozierte sie durch sein Verhalten.“

Wütherich sagt:

„Eigentlich war James Dean wie der gute Junge von nebenan, dem jede Mutter gerne ihre Tochter anvertraut hätte.“

Warum es nach seinem Tod eine solche Hysterie gab, versteht er eigentlich nicht.

„Jimmy ist jetzt mehr als 20 Jahre tot und alle Welt spricht noch von ihm. - Wer spricht noch von Clark Gable?“

Er fragt es fast nachdenklich.

Rolf Wütherich begleitet mich zur Tür. An seiner Seite eine schnurrende kleine Katze, „Sie braucht jetzt ihr Futter“, sagt er. Und fast wie zu sich selbst:

„Ich möchte in meiner Einsamkeit diese Katze nicht mehr missen.“

Wie er jetzt so im Türrahmen steht, dieser 52jährige Mann, da frage ich mich: Was wäre heute mit James Dean, wenn er noch leben würde? - Er wäre jetzt auch fast 50 Jahre alt!

Wäre er der große Regisseur geworden, wovon er träumte? - Hätte er jemals einen Ferrari Formel 1 gesteuert? - Ein anderer Traum von ihm.

Das Leben ist kein Traum! - Der Mann im Türrahmen beweist es.

Er war ein Freund von James Dean. Dessen Epoche begann eigentlich erst mit seinem Tod. Am 30. September 1955 um 17:48 Uhr auf der Highway 466 zwischen Bakersfield und Salinas,

Für Rolf Wütherich endete hier der sonnige Abschnitt seines Lebens.

„Es ist alles Schicksal“, sagt Rolf Wütherich, nimmt seine Katze und schließt die Tür.

Hier endet meine Geschichte, die ich im Jahre 1979 für „Rocky“ geschrieben und heute als Ergänzung zur Information meiner Leser hier eingestellt habe.

Die Chronistenpflicht gebietet es, hier noch kurz weiter zu informieren:

Rolf Wütherich ist am 20. Juli 1981 in Kupferzell mit einem Honda Civic tödlich verunglückt. Aus ungeklärten Gründen. - Auch um seinen Tod ranken sich Gerüchte. Man weiß, dass er an diesem Abend in einem Kegelverein als Gastkegler auch alkoholische Getränke zu sich genommen hat. - Andere halten einen Selbstmord dieses Mannes nicht für ausgeschlossen. - Tatsache aber ist:

Zwei Tage nach dem Unglück berichtet die „Hohenloher Zeitung“:

In einer langgezogenen Kurve geriet er mit seinem Honda infolge überhöhter Geschwindigkeit und vermutlich alkoholischer Einwirkung von der Fahrbahn ab und prallte gegen eine Hausmauer. Der Fahrer, der nicht angeschnallt war, erlitt tödliche Verletzungen.

Rolf Wütherich wurde 54 Jahre alt.

MK/Wilhelm Hahne
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