NLS 3: Erlebtes und was mir dazu auf- und einfiel!

NLS-Lauf 3 war eigentlich erst das zweite Rennen der Saison 2022. Der zweite Lauf wurde aus Wettergründen abgesagt. Vor einem 24h-Rennen war bisher ein solches Rennen – wie jetzt NLS 3 als # 2 - immer sehr gut besetzt, weil es vielen Teams zur Rennvorbereitung auf das längste Rennen des Jahres dient. Trotzdem waren dieses Mal weniger als 150 Fahrzeuge am Start. Die Klasse der GT 3-Fahrzeuge, aus denen seit Jahren immer der Gesamtsieger bei einem solchen Langstreckenrennen kommt, war erwartungsgemäß mit 22 Fahrzeugen (= 106.700 € Nenngeld) gut besetzt. Diese Kategorie stellt auch den Gesamtsieger beim 24h-Rennen Ende Mai. Aber schon ein Blick in die Klassen – und Klassen-Vielfalt – zeigt, dass die „Fachleute“ dieser Veranstaltungs-Serie auf einem falschen Weg sind. Es gab 27 Klassen, von denen 15 mit weniger als 5 Fahrzeugen besetzt waren. Das wohl, weil eine „Pokal-Vielfalt“ bei der Sieger-Ehrung erwünscht ist. Vielleicht auch, weil die NLS als eine „Breitensportserie“ vermarktet wird? - Und niemand scheint sich etwas dabei zu denken. Dass es auch im (Zuschauer-)Umfeld eigenartige Entwicklungen gibt, darüber habe ich schon geschrieben, weshalb dieser Bericht – mit einigen Fotos – auch etwas verspätet erscheint:

NLS 3: Erlebtes und was mir dazu auf- und einfiel!

Der neue BMW M4 GT3 hat am Ende mit einem Zieleinlauf auf Platz 1,2 und 3 seine Überlegenheit gezeigt. Das Siegerfahrzeug lag 0,582 sec vor dem Zweiten. Insgesamt erreichten 118 Fahrzeuge in Wertung das Ziel. Es gab die üblichen Unfälle, von denen einer erwähnt werden muss, weil hier der Fahrer nach einem Einschlag auf der Brücke in „Breidscheid“ mit einem Hubschrauber in die Klinik geflogen werden musste.

Entwarnung: Es waren „nur“ ein paar Rippen gebrochen. Erwähnenswert ist auch, dass der zweitplatzierte BMW M4 GT3 den Sieg nur verlor, weil er bei einem Boxenstop die Ausfahrt um 1 sec (in Worten: Eine Sekunde!) zu früh verließ und darum von der Rennleitung zu einer „Stop&Go“-Strafe verurteilt wurde.

Meine Meinung: Die Mindest-Boxenstandzeit, wie sie z.B. auch für die GT3-Fahrzeuge bei den NLS-Läufen vorgeschrieben ist, ist aus sportlicher Sicht ein Unding. Bei normalen Rundstreckenrennen sollte immer die beste Fahrer/Maschine-Kombination gewinnen. Bei Langstreckenrennen sollte zusätzlich die Leistung der Boxenmannschaft ins Rennergebnis mit einfließen. Mit Mindest-Boxenstandzeiten wird das sportliche Ergebnis eines Langstreckenrennens verzerrt. - In diesem Falle dann sogar drastisch, zum Nachteil des BMW-Junior-Teams!

Damit sind wir eigentlich schon bei der Problematik, die eigentlich durch die GT3-Kategorie ausgelöst wurde. Es wird nun aber Zeit darüber nachzudenken, was denn danach kommt. Denn die VLN, gleich ob „VV“ oder „oHG“ würden sicherlich die inzwischen in NLS- umgetaufte VLN-Serie sicherlich gerne noch einige Jahre weiterführen.

Aber das Ende der GT3-Kategorie ist nun abzusehen. Man darf nicht vergessen, dass die ADAC GT-Masters, die mit der Einführung der GT3 ihren Anfang nahm, schon seit 2007 (erste Saison!) durchgeführt wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Serie in der Vergangenheit so lange gelebt hat.

Das Ende der „Hoch-Zeit“ der GT3-Serie würde ich spätestens für 2025 erwarten. Nach meinen Informationen hat Audi z.B. die letzte Überarbeitung am Audi R 8 LMS GT3 gerade vorgenommen und der Termin für die Einstellung der Produktion scheint fixiert.

Die jetzt gerade von BMW geradezu überzeugend vorgestellte neue Version eines BMW GT3 soll dagegen für 2023 noch einmal überarbeitet werden und noch attraktiver für die reinen Privatteams werden.

So wird man beim zukünftigen Modell (2023/2024) als unbedarfter Amateur die Abstimmung des Einsatzfahrzeugs auf die jeweilige Rennstrecke mit einem einfachen Knopfdruck am Lenkrad vornehmen können. - Fahren muss man allerdings – Teufel aber auch! - immer noch selber!

Hier am Nürburgring versucht man die GT3 immer weiter zu nutzen. Obwohl sie nicht in diese „Breitensportserie“ passt. Man nutzt die GT3-Kategorie derzeit  als „Geld-Esel“ und hofft, damit auch in Zukunft auf dem richtigen Weg zu sein. - Geld bestimmt die Welt! - Auch die des Motorsports! Sie soll quasi den Langstreckensport am Nürburgring retten. Aber hat so eine Serie mit sehr teuren Automobilen, die erfolgreich nur mit teuren Werksfahrern im Sinne der Marketingabteilungen wirklich gut funktioniert, überhaupt noch als VLN/NLS eine Zukunft?

  • Ich persönlich sage das Ende des GT3-Booms spätestens für 2025 voraus und würde den Herren am Nürburgring empfehlen, sich schon mal ein paar Gedanken zu machen!

Anders bei NLS 1 wurde zwar der Parkplatz „Brünnchen“ gut genutzt, aber das Interesse der Besucher, ganz vorne – sozusagen im abgesperrten Bereich – zu stehen war bei NLS 3 relativ gering. Dagegen war der Betrieb am Imbiss „normal“ und man jonglierte mit den teuren Pommes (bei den Ölpreisen!) dann vorsichtig zum Stammplatz, der – wenn auch nicht ganz vorne – trotzdem eine gute Sicht bot.

Hier sieht man die Zwei, die die als Erstplatzierte das Rennen beendeten. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen lag aber das BMW-Junior-Team noch klar vor den Routiniers im ROWE-BMW. Im Rennen muss man Entscheidungen in Millisekunden treffen. Farfus war da im Bereich „Flugplatz“ schneller und in der letzten Runde dann auch in seinem Verhalten gegenüber dem jungen Kollegen „knallhart“. Da hatte der „Junior“ mit der # 44 keine Chance. Trotzdem muss man ihn loben: Er hat es nicht mit der „Brechstange“ versucht, sondern so für BMW eine optimale Platzierung sicher gestellt. - Jochen Neerpasch wird ihn wegen seiner Übersicht gelobt haben. (So wie ich Jochen kenne.)

Ich habe auch mal eine „Code 60“-Situation im Bild festgehalten. Das erste Foto soll allerdings nur das Schild exakt zeigen und wurde in der Boxengasse gemacht. Die anderen Fotos stammen aus dem Bereich „Brünnchen“, zeigen die Arbeit der Streckenposten, die Auswirkungen aufs Rennen und dann auch die Freigabe zum dann – evtl. - möglichen Überholen.

Im Fahrerlager war wenig davon zu spüren, dass „draußen“ die Menschen immer noch – entsprechend der Corona-Situation – mit „Masken“ unterwegs sind. Die anderen Fotos sind nur Momentaufnahmen. So sucht z.B. der knieende Monteur nicht unbedingt nach seiner FFP2-Maske. Auch in und hinter den Boxen gab man sich ungezwungen, blicke entweder aufmerksam auf die Bildschirme oder still vor sich hin.

Auf den Tribünen bei Start & Ziel gab es da ein paar Zuschauer mehr, wo einem von seinem Platz aus einen Mehrfachnutzen geboten wurde. Gegenüber blickte man auf einen Großbildschirm, über den man – neben Werbung – auch etwas zum Rennen sehen konnte. Außerdem kann man vom dortigen Sitzplatz auch gut die Bremszone am Ende der lange Geraden blicken, wo die Bremsleuchten der Wettbewerbsfahrzeuge so im Bereich des 100-Meter-Schildes angehen. - Hinter den Boxen brauchte es keinen Bildschirm, so lange es etwas zu essen gab.


Übrigens war einer der vor dem Rennen als Favorit gehandelten Porsche GT3 des Manthey-Teams ausgefallen. Er war unverschuldet in einen Unfall auf der langen Geraden der „Döttinger Höhe“ verwickelt. Ein unaufmerksamer Fahrer eines langsameren Fahrzeugs wollte seinerseits überholen und hat übersehen, dass der Porsche mit der Start-Nr. 911 ihn auch gerade überholen wollte. Aber es stimmt natürlich nicht, dass man bei Manthey nun im Hinblick auf das 24h-Rennen „das Handtuch werfen“ würde. Man lässt auch nicht den Porsche-Nachwuchs – weit vorausschauend – schon mal mit einem Tretroller trainieren.

Wenn man in die Ausschreibung des ADAC Nordrhein für das 24h-Rennen blickt, wird man sogar – ich mit Erstaunen (!) - feststellen, dass der Veranstalter bei Manthey, Meuspath den Prüfstand als „Referenzprüfstand“ bei einer evtl. notwendigen Überprüfung eines GT3 nach dem 24h-Rennen nutzt. Es hat sich offensichtlich noch nicht herum gesprochen, dass Manthey = Porsche ist. Dabei gäbe es einen Prüfstand des gleichen Typs auch im nahe gelegenen Müllenbach.

Der Besitzer dieses Prüfstandes, Holger Boemanns, ist leider in diesen Tagen verstorben. Er war für viele Motorsportler der „Profi ihres Vertrauens“. Holger Boemanns war ein Mann, der seinen Betrieb nicht führte, um damit reich zu werden, sondern weil er selbst ein Technik- und Motorsport-Fan war. Übrigens werden auch alle im Hinblick auf das vor uns liegende 24h-Rennen für die „BoP“ erforderlichen Messungen bei der Firma dieses Mannes in Müllenbach vorgenommen. - Immer noch! - Weil hier nüchtern und unbeeinflussbar die Messungen erfolgen. Das wird sich auch nach dem Tod von Holger Boemanns nicht ändern!

Aber so mancher Fachmann wird in Zukunft auf das Wissen und den Rat dieses Technik-Genies verzichten müssen. Und seine Frau, Edda, wird nach wie vor die Zigaretten stangenweise kaufen.

Wenn ich „früher“ im Fahrerlager jemanden traf, dessen Kleidung stark nach Zigarettenrauch duftete, konnte ich eigentlich sicher sein, dass er vorher bei Boemanns in Müllenbach gewesen war, wo man gerne umgeben mit einer Wolke von Zigarettenrauch seine Arbeit machte.

Mich macht es traurig, dass so ein Mann, uns nun schon so früh verlassen musste. Wir, die wir ihn schätzten, kannten natürlich seine Krankheit, aber Holger Boemanns hat niemals davon gesprochen, geklagt. Seine Arbeit war sein Leben. Und einige Leute, die man schon als Motorsport-Spezialisten mit großen Technikkenntnissen bezeichnen kann, haben seinen Rat gesucht oder um seine Meinung zu diesem oder jenen Fall gebeten. Gerade im „neuen Zeitalter“ des Motorsports, wo gerade die GT 3 nach einer „passenden“ Einstufung (Balance of Performance) verlangen, war er mehr als ein kenntnisreicher Ratgeber. Er hatte auch schon mal die richtige Idee, wer wen mit welchem Trick hinters Licht geführt hatte.

Aber sein Prüfstand bleibt, sein langjähriger Mitarbeiter bleibt und es bleibt seine Frau Edda, die als kenntnisreiche Insiderin der Motorsport-Szene, schon mal von dem einen oder anderen Team – mit Recht - Vorkasse verlangen wird.

Aber zurück zu NLS 3:

Und während die Rennfahrzeuge zur letzten Runde noch einmal die Grand-Prix-Strecke verließen, um dann in die „Hatzenbach“ hinunter zu stechen, verließen die ersten Zuschauer die Strecke. Manche im Boxenbereich – ganz stolz – mit einem abgefahrenen Rennreifen (Slick), der vielleicht später zu einem kleinen Couch-Tisch in der Kellerbar umgemodelt wird.

Man kann sicherlich Einiges kritisch werten. Ich habe mir dazu auch Gedanken gemacht. Aber man muss auch sagen:

  • Es war ein schöner, sonniger Renntag, der Samstag, an dem NLS 3 stattfand!
MK/Wilhelm Hahne
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