„Die Grenze“: Eindrucksvolle 60.932 Kilometer lang!

Eigentlich ist das, was folgt, der Hinweis auf ein Buch. Man sollte es gelesen haben, bevor man sich zu dem Krieg in der Ukraine äußert. Dazu äußern sich derzeit viele. Und eigentlich kommen alle Äußerungen – und Bewertungen (!) - von Leuten, die noch niemals einen Krieg erlebt haben. Das ist auch normal, denn zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und heute liegen viele Jahrzehnte.

Bei einer solchen Rechnung sollte man aber nicht vergessen, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg schon viele „kleine Kriege“ gegeben hat, die aber von unserer Gesellschaft, die gerade damit beschäftigt war, sich zu einer Wohlstands-Gesellschaft zu entwickeln, kaum wahrgenommen wurden. - Man hatte Wichtigeres zu tun!

Wenn ich z.B. aktuell in einem Gespräch versuchen würde darauf hinzuweisen, dass schon damals, als Russland die Krim annektierte… - Da könnte es schon passieren, dass man mir ins Wort fallen würde mit dem Hinweis:

Richtig! - Schon damals hätte man Putin…

Putin? - Entschuldigung, ich spreche von der Annektion der Krim durch Russland im Jahre 1783! - Und wieso Putin? - Haben Sie nicht gelesen – oder davon gehört – dass Putin schon vor einiger Zeit gestorben ist?

Nein, dass kann doch nicht sein! Ich habe doch erst gestern noch… -

So kann man also auch eine Buchbesprechung beginnen, die auch eigentlich keine Buchbesprechung sein soll, aber ein – hoffentlich – überzeugender Hinweis darauf ist, dass man sich nicht auf eine Basis verlassen sollte, die z.B. die „Öffentlich-Rechtlichen“ mit ihrer aktuellen Russland-Berichterstattung schaffen.

Versuchen Sie es, lieber Leser, lieber mal mit einer Basis, die Sie selber schaffen, indem Sie sich z.B. für 13 Euro ein dickes Taschenbuch kaufen, das nicht nur mit mehr als 600 Seiten einen guten Gegenwert bietet, sondern auch mit einem ganz anderen Ansatz als dem heutigen Ukraine-Krieg, viel Basis-Wissen zu Russlands Geschichte und dessen Umfeld vermittelt.

Die norwegische Journalistin Erika Fatland hatte schon lange vor dem aktuellen Ukraine-Krieg eine Reise rund um Russland unternommen. Sie hat den Grenzen von Nord-Korea, China, der Mongolei, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien, der Ukraine, Weissrussland, Litauen, Polen, Lettland Estland, Finnland und Norwegen entlang, sozusagen Russland ein Stück umkreist, hat auch die sogenannte Nordostpassage nicht ausgelassen.

Das waren mehr als 20.000 Kilometer, die sie entlang der russischen Grenzen zurück gelegt hat. Bei dieser Reise durch 14 Länder hat sie mit den unterschiedlichsten Menschen dort gesprochen, die die unterschiedlichsten Berufe ausübten. Sie hörte zu, stellte Fragen, bekam interessante Antworten. Nicht nur von Geschichtsprofessoren, sondern sie schildert z.B. auch das Gespräch bei einer Taxifahrt in Georgien, bei der sie gemeinsam mit einem Geschäftsmann unterwegs ist, auf Seite 298 des Buches so:

„Übrigens“, fügte der Geschäftsmann hinzu, „ist Putin tot.“
„Tot?“
„Ja“, bestätigte der Fahrer, „das weiß doch jeder. Der echte Putin starb vor vielen Jahren an Krebs. Und der sich jetzt als Putin ausgibt, ist ein Doppelgänger.“
„Woher wissen Sie das?“, fragte ich fassungslos.
„Der echte Putin konnte fließend Deutsch“, erklärte der Fahrer. „Er hat viele Jahre in der DDR gelebt. Der Doppelgänger muss sich immer an einen Übersetzer wenden, wenn er mit Angela Merkel spricht. Achten Sie mal darauf.“

Die norwegische Original-Ausgabe des Buches ist schon 2017 erschienen. Man kann also sicher sein, dass hier keine aktuell von irgendwem beeinflusste Stimmungsmache betrieben wird. Auf dem hinteren Umschlagtitel wird aus einer Buch-Kritik der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert:

„Jedes Kapitel dieser Grenzgängerin ist fesselnde Lektüre.“

Das kann ich nur unterstreichen. - Erinnern Sie sich z.B an den Krieg von 1988 bis 1994 zwischen Bergkarabach und Aserbaidschan? Oder den von 1991/92 zwischen Südossetien und Greorgien? - 1992 gab es z.B. auch noch einen Krieg zwischen Transnistrien und Moldawien.

Nach Lesen dieses Buches ist man Vielen, die „alles genau wissen“, deutlich überlegen.

Übrigens hat man mir nicht dieses Buch vom Suhrkamp-Verlag als kostenloses Besprechungs-Exemplar zugeschickt, sondern mein Augenarzt hat es meiner Frau empfohlen. Es ist ein gekauftes Exemplar.

MK/Wilhelm Hahne

PS: Die erste deutsche Auflage des Buches, das 2017 zunächst als norwegische Original-Ausgabe erschien, gab es 2021 als Suhrkamp-Taschenbuch vom gleichnamigen Verlag in Berlin. Ich zitierte aus der 2. Auflage 2022. - ISBN 978-3-518-47117-3

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