VLN & Porsche ohne Gefühl für Etiketten-Schwindel?

Die VLN-Organisation spricht in ihren Internet-Veröffentlichungen bei der Beschreibung ihrer Serie gerne von der „weltweit größten Breitensportserie“. Der ehemalige Chef der Vereins-Vereinigung zitiert aktuell bei „Facebook“ das Wissen von „Wikipedia“: „Eine einheitliche Definition des unscharfen Begriffs Breitsport fehlt.“ - Er selber empfindet: „Die VLN ist eine Rennserie, die in der Fülle unterschiedlicher Fahrzeuge, Gruppen und Klassen ihresgleichen sucht.“ - Richtig! - Motor-KRITIK-Feststellung: Man hat sich verzettelt! - Karl Mauer findet die Diskussionen, ob die VLN noch Breitensport ist, oder nicht „absolut überflüssig und … regelrecht zum Kotzen“. - Motor-KRITIK hat in der Vergangenheit immer wieder – auch mit Beispielen – darauf hingewiesen, dass sich die VLN inzwischen – nicht nur kostenmäßig – weit von der ursprünglichen Idee einer Serie, die durch ein „Basisangebot“ dem Ein- und Aufstieg in den Motorsport eine Plattform für interessierte Einsteiger schaffen sollte, den Weg zu einem kostengünstigen Einstieg in den Motorsport anbot, deutlich unter den „kaufmännischen Interessen“ der Veranstalter gelitten hat. - Da entschuldigt auch nicht der Hinweis, dass wir heute in einer anderen Zeit – als zur Zeit der Gründung der VLN in 1977 – leben. - Tatsache ist, dass es den Motorsport dieser Zeit nicht mehr gibt. Nicht nur die Sportinstrumente haben sich geändert. Auch das Selbstverständnis der Fahrer. Und die Marketing-Interessen der Automobilhersteller sind „bedeutender“ geworden. Was sich nicht nur in den Kalkulationen für die „Sport-Instrumente der Jetztzeit“ ausdrückt, sondern auch in der Art, wie Werke durch „Cup-Serien“ sicherstellen, dass immer ihr Fabrikat gewinnt. - Siege für die Statistik! - Und man missbraucht schließlich einen Cup– wie aktuell Porsche – zu einem Etikettenschwindet, und macht insgesamt damit deutlich, wie willkürlich heute Werksinteressen den sportlichen Wert einer Serie beeinflussen. - Und bei der VLN-Organisation klatscht man Beifall!

VLN & Porsche ohne Gefühl für Etikettenschwindel?

Die „Rhein-Zeitung“ informiert ihre Leser am 3. Januar 2019 auf Seite 32 ihrer Ausgabe Nr. 2/2019:

„VLN weist Kritik am neuen Reglement entschieden zurück“

Und informiert ihre Leser weiter:

„Bei dem vorgelegten Reglement handelt es sich um ein vorläufiges und noch nicht endgültiges Schriftstück.“

Das ist richtig! - Aber es ist unverständlich – und unentschuldbar – dass zu diesem Termin, 3. Januar 2019 noch keine verbindliche Ausschreibung für die Serie vorhanden ist, deren erste Test- und Einstellfahrten bereits für den 16. März 2019 terminiert sind. Das erste Rennen, die 65. ADAC Westfalenfahrt soll am 23. März über die Bühne des Nürburgrings gehen.

  • Auch am 5. Januar 2019 – an dem diese Geschichte erscheint - gibt es noch keine verbindliche Ausschreibung! - Noch 76 Tage bis zum ersten Rennen!

Die Termine für die 2019er VLN-Rennen wurden bereits am 20. Oktober 2018 verkündet. Zum Vergleich: Eine verbindliche, vom DMSB genehmigte, Ausschreibung für das 24h-Rennen, das gegen Ende Juni 2019 durchgeführt wird, ist lange offiziell, wurde vom DMSB unter der Reg.-Nr. 1/19  bereits am 16.11.2018 genehmigt!

Allein diese Tatsache zeigt, wie die VLN-Organisation – aus ihrer Sicht (!) - taktisch geschickt vorzugehen versucht:

Man versucht so die Zeit für Reaktionen aus dem Kreis der Teilnehmer zu minimieren und stellt aber schon – der Form halber - im „Vorfeld“ auf den VLN-Internetseiten fest:

„Die VLN ist grundsätzlich bereit, mit Teilnehmern oder Interessenvertretungen im Dialog die Serie weiterzuentwickeln. Die Reglementshoheit und die wirtschaftliche Verantwortung liegen allerdings alleine bei der VLN.“ (Hoffentlich ist man beim DMSB nicht beleidigt!)

Frage von Motor-KRITIK:

  • Was soll sich denn jetzt noch bis zur Veröffentlichung der endgültigen Fassung der Ausschreibung für die VLN-Serie 2019 ändern?

Inzwischen hat am 1./2. Dezember 2018 der Leiter Bereich Technik bei der VLN, Volker Strycek mit einem Opel Ampera beim ersten 24h-Rennen für Elektro-Serienfahrzeuge auf der Rennstrecke von Oschersleben den 4. Platz belegt. Nein, nicht als Werksteam von Opel, sondern als „Privat-Team“, u.a. zusammen mit seinem Sohn. Das Nenngeld betrug in diesem Fall nur 300 Euro + 25 Euro für jeden Fahrer.

  • Sind die Rennen mit E-Automobilen nun der bezahlbare Basis-Motorsport?

Volker Strycek ist der Mann, der die neuen – teuren – Vorschriften z.B. in der Klasse „V4“ der VLN  mit verantwortet. Er startete in Oschersleben mit einem E-Automobil nicht als Opel-Werksfahrer, weil man so 700 Euro sparen konnte. Er fuhr aber auch u.a. mit seinem Sohn -  mit dem E-Automobil einer Marke, dessen Lieferzeiten offiziell mit 3 – 4 Monaten benannt werden. - Schließlich ist Opel aktuell so eine Art Peugeot und der Ampera so eine Art GM.

  • Sind Rennen mit E-Automobilen – wenn man einmal auf das Nenngeld achtet - nun inzwischen der „Basissport“, der die VLN nicht mehr sein kann/will? - Nun fand das 24h-Rennen in Oschersleben auch ohne die Kontrolle des DMSB statt!

Während die Entwicklung bei der VLN immer weiter geht. - Was immer das auch heißen mag! - Immerhin gibt es auch in 2019 noch die “Cayman GT4 Trophy by Manthey-Racing“ in der VLN.  Nun mit drei unterschiedlichen Versionen des Porsche Cayman!

Porsche benennt die neue Version offiziell mit Typ 718. - Auch in dieser Renn-Version mit einem Sechszylindermotor! - In der Serie hat der Typ 718 allerdings einen Vierzylinder-Turbomotor in den unterschiedlichsten Leistungsstufen.

Aber klar müsste den Marketing-Strategen bei Porsche schon sein, dass der Porsche Cayman zunächst nur wegen seines Sechszylinder-Motors gekauft wurde. Nun hat er – als Typ 718 – in der Serie einen Vierzylinder-Turbomotor. - Aber was macht man damit in einem Cup, der in den Jahren zuvor von einem Sechszylindermotor bestimmt wurde?

Nun - man baut für diese Serie, weil sie von einem Sechszylindermotor bestimmt wurde – zumindest in der neuen Rennversion (!) - wieder einen Sechszylindermotor ein. Natürlich erstarkt. Und man bezeichnet ihn weiter als Typ 718. Das ist eigentlich der Cayman-Typ, der serienmäßig von einem Vierzylinder-Boxermotor befeuert wird. Von Turbokraft unterstützt.

Wenn diese Kraft vom Fahrer wirklich genutzt wird, ist es vorbei mit „Prospektverbräuchen“. Je mehr Leistung, desto mehr „Futter“. Wobei die „Futtermenge“ natüŕlich auch vom Gewicht beeinflusst wird.

Man brauchte so eine Vierzylinder-Version in der Serienpalette, weil sich damit ein niedriger Benzinverbrauch (theoretisch!) darstellen lässt.

Darum  musste der Sechszylindermotor - mit einer „größeren beaufschlagten Fläche“ - dem bei einem solchen Vergleich „günstigeren“ Vierzylinder weichen. Aber das geht nun gar nicht in einem Cup, der bisher mit Sechszylindern durchgeführt wurde und den man auch in 2019 weiter führen möchte.

Also hat der neue Cup-Typ 718 eben einen Sechszylindermotor, der eigentlich auch im Verkauf gebraucht würde. Aber das geht da leider aus CO2-Gründen nicht.

Weil man sich dem DMSB eng verbunden fühlt, ruft Porsche neben den nun schon so vorhandenen zwei Versionen, noch die Variante eines „alten“ Cup-Cayman ins Leben, dessen Leistung minimiert, dessen Gewicht erhöht und so ins Bild passt, das die Öffentlichkeit  von einem Automobil für den Basismotorsport haben sollte.

Damit darf man dann – profitierend von der Gnade des DMSP – auch eine B-Lizenz erstehen. - Natürlich gegen eine kleine Schutzgebühr durch notwendige Umbauten. - So gibt es dann weniger Leistung und mehr Gewicht!

  • Wer mit schlechterer Längs- und schlechterer Quer-Dynamik zurecht kommt, hat eben Anspruch auf die A-Version einer DMSB-Genehmigung, die Nürburgring-Nordchleife im Rennen befahren zu dürfen.

Und weil der neue Porsche Cayman 718 für den VLN-Cup am Nürburgring nun 40 PS mehr Leistung als die „alte“ Sechszylinder-Version hat, wertet man nun in 2019 die “Cayman GT4 Trophy by Manthey-Racing“ in drei Klassen. - Was in der SP9 eigentlich eine „Lachnummer“ ist, soll nun auch in „Cup 3“ zur Normalität werden: Drei Klassenwertungen und eine Gesamtwertung.

Der bisherige Leiter der Serie, Thomas Raquet, hat mein vollstes Verständnis, wenn er gerne – und sicher voll überzeugt – die Leitung einer solchen Cup-Klasse „die ihresgleichen sucht“ (würde wohl Karl Mauer sagen) in 2019 dem Kollegen Oliver Uhlmann überlassen hat.

Und der Geschäftsführer der VLN VV GmbH & Co. KG, Dietmar Busch, bestätigt mit seinem offiziellen Statement den Eindruck, den man auch schon bisher von ihm haben musste:

  • „Dass Manthey-Racing weiterhin die Teilnehmer der CUP3-Klasse betreut, bedeutet ein wertvolles Stück Kontinuität für die VLN. Wir sind uns sicher, dass die Caymans auch 2019 wieder spannenden Rennsport bieten werden.“

So kann man es eben auch sehen.

Die aktuellen Veränderungen in der „CUP 3“ für 2019 passen jetzt exakt in die Entwicklung der VLN.

Auch bei Porsche wird man sehr zufrieden sein, eine Lösung des Problems gefunden zu haben, die ihren Werks-Interessen voll entspricht.

Von der „Kollegen-Seite“ kommt auch schon der erste Beifall!

Etiketten-Schwindel? - Niemand hat‘s gemerkt!

MK/Wilhelm Hahne
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