Realität: Digitaler BMW-Sieg mit „großer Schnauze“!

Erst für die Motorsport-Saison 2022 wird der neue BMW M4 GT3 zu kaufen sein. Im Moment ist er noch in der Entwicklungsphase. Aber virtuell – fürs SIM-Racing – ist er schon zu erhalten. Während die Kinder auf der Nürburgring-Nordschleife mit ihren Schlitten rodeln und sich Schneeballschlachten liefern, ist der neue BMW M4 GT3 aber schon auf den Bildschirmen als virtuelles Rennfahrzeug - dort auf trockener Straße im Einsatz. Erfolgreich! - Er macht seiner „großen Schnauze“ alle Ehre. Man fragt sich, warum BMW dann das Fahrzeug den möglichen Käufern überhaupt noch real – wenn auch erst 2022 – zur Verfügung stellen wird. - So ist es doch immer trocken, immer bei besten Straßenverhältnissen auf dem Bildschirm – und dann noch erfolgreich! - unterwegs, macht auch den Nürburgring so – virtuell – zu einer Ganzjahresdestination und den Organisatoren Freude. Es gibt keine Streckenposten-Probleme, keinen (Kosten-)Ärger durch Unfälle. - Und es lassen sich damit Siege darstellen. - Wie das Beispiel vom 16. Januar 2021 zeigt.

Realität: Digitaler BMW-Sieg mit „großer Schnauze“!

Mit einem Automobil, das es noch gar nicht gibt, im Motorsport einen Sieg zu erringen, das ist schon etwas Besonderes. Man pfeift zwischen den Zähnen, wenn gleich zwei solcher Modelle die ersten zwei Plätze belegen. Nach einem Dreifach-Sieg würde das Feiern kein Ende nehmen.

Findet ein Vierfach-Sieg beim SIM-Racing statt, belegt das Modell einer bestimmten Marke die Plätze eins, zwei, drei und vier, so ist das auch toll, aber da so eine Zieldurchfahrt nur virtuell erfolgte, feiert die Presse dann einfach nur einen „fulminanten Sieg“. - Und das bei seinem Debüt!

Dabei macht das doch deutlich, dass dieser BMW seine in der Öffentlichkeit mit sehr viel Kritik belegte „große Schnauze“ eigentlich zu recht trägt. - Aber wer will mit so einem Ding - mit so einer großen Schnauze - schon gerne im normalen Straßenverkehr unterwegs sein? - Ein richtig großes Auto, richtig „powerfull“, so mit 2,5 to Eigengewicht, dass lässt man sich heute noch gefallen. - Aber so ein kleines Auto mit einer so  großen Schnauze? - Ist das der richtige Rahmen für moderne Selbstdarsteller?

Den Vierfach-Sieg erreichte der neue BMW M4 GT3 – eigentlich nur als Prototyp in der Realität vorhanden – beim „TÜV Rheinland 3h-Rennen“ am 16. Januar 2021. Es war der dritte Lauf einer virtuell ausgefahrenen Serie, die über den Winter, dann bei trockener Nürburgring-Nordschleife -  auf dem Bildschirm – stattfindet. Die Fahrer sitzen bequem in gut geheizten Räumen und sind eigentlich keinem Stress ausgesetzt. - Außer - sie machen ihn sich selber!

Man kann – bei virtuell ausgetragenen Rennen – bequem Interviews geben, kann auch mal ein Glas Wein trinken – noch nicht einmal „Hans“ hätte etwas dagegen. Es drückt auch kein Helm und es läuft auch kein Schweiß über’s Gesicht. - Es ist ein Sport für „Bleichgesichter“, die gerne Rennfahrer spielen.

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe nicht nur bei virtuellen Rennen schon dem Fahrer – über dessen Rücken blickend – zugeschaut, sondern bin selbst schon ein 24h-Rennen komplett unter ärztlicher Aufsicht gefahren. Mit regelmäßigen Blutentnahmen – auch aus den Kapillargefäßen – nach und vor jedem Einsatz. Vor dem Einsteigen deshalb, um festzustellen, wie weit sich der Körper in der Ruhephase wieder erholt hatte.

Der diese Untersuchung über 24 Stunden verantwortlich vornahm, war Professor an einer Sporthochschule und überrascht, wie hoch die körperliche Belastung bei einem 24h-Rennen in der Realität ist. Er selbst hatte sich vorgestellt, dass so ein wenig Drehen am Lenkrad, das Kupplungs- und Bremspedal treten und dazu den Schalthebel bewegen, gar nicht so anstrengend sein kann.

Der Herr Professor hatte sich geirrt. Nun war das damals auch seine erste Untersuchung bei Motorsportlern.

Weil es vielleicht ein paar Leser interessiert: Man hat bei mir auch Stress festgestellt. Aber das war überwiegend positiver Stress. - Denn den gibt es auch. - Und bei aller ärztlicher Überwachung, die auch Essen und Trinken betrafen, hatte ich am Ende  des 24-Rennens dann um 2,5 Kilogramm abgenommen. - Flüssigkeitsverlust! - Trotz des vielen Trinkens!

Allerdings gab es damals bei uns noch keine Trinkflaschen im Rennfahrzeug. Wir kamen auch nicht in den Genuss einer Klimaanlage. - Aber es wurde bei uns auch die Veränderungen der Herzfrequenz über eine Runde Nürburgring gemessen. Es waren in jeder Runde die gleichen Stellen, an dem die Herzfrequenz anstieg. Auch ein Zeichen dafür, dass wir uns als Fahrer der jeweiligen Schwierigkeit der entsprechenden Passage bewusst waren!

Ich erinnere mich, das für mich z.B. am Streckenabschnitt „Fluglatz“ immer ein kurzzeitiger Anstieg auf 160 bpm gemessen wurde. Das war identisch z.B. mit der Herzfrequenz von Hans Heyer – an der gleichen Stelle - der auch schon mal in seiner Ford-Zeit über eine Runde gemessen wurde.

Weil der normale Fan sich wirklich nicht vorstellen kann, wie hoch die Belastung für einen Fahrer an einer besonders kritischen Stelle sein kann: Bei einem Renn-Profi, gut trainiert, wurde bei der Durchfahrt der ursprünglichen Kurvenpassage „Eau Rouge“ (in Francorchamps) ein kurzzeitiger Anstieg der Herzfrequenz auf 300 (!) gemessen. - Das hatten eigentlich Mediziner bis dahin für nicht möglich gehalten.
 
Entschuldigung! - Ich wollte eigentlich von der modernen, angenehmen Art des Motorsports schreiben, die sogar von FIA und DMSB als richtiger Motorsport anerkannt ist. Das ist der Motorsport der angenehmen Art, bei der auch ein Ausrutscher (Unfall) kein Geld kostet, bei dem es keine Leitplankenschäden geben kann und Verletzungen des Fahrers unbekannt sind: SIM-Racing!

Hört sich nicht nur toll an, sondern ist auch toll. In diesen Tagen habe ich gerade gelesen, dass ein Verfechter dieses Sports (?) gerade irgendwo im Internet schwärmte:

„Andreas Gülden, Alex Autumn, Gunnar Miesen und Marc Hennerici, so lautet die spaßversprechende Fahrerpaarung für das iRacing Daytona 24h Rennen am kommenden Wochenende. Mit sicherlich mehr als 6000 Fahrern und 1500 Teams startet eines der größten Online Events im Kalender am kommenden Samstag. Wir sind zwar nicht das jüngste Team am Start, aber unsere 173 Jahre geballte Rennerfahrung werden das durch puren Wahnsinn versuchen zu egalisieren. - Ik freu mir.“

Da habe auch ich gestaunt und mir versucht vorzustellen, wie man das bei dieser Anzahl von Teams und Fahrern dann auf einer so kleinen Strecke wie Daytona (5,7 km) durchführen will. Irgendwo habe ich dann gelesen, dass man dann irgendeinem „Split“ zugeordnet wird. - Verstanden habe ich das aber nicht!

Beim Suchen bin ich später irgendwo darauf gestoßen, dass bei dieser SIM-Racing-Veranstaltung exakt 6.290 Fahrer am Start sind. - Ob das Sieger-Team da ein „Mi Band 5“ als Ehrenpreis erhält?

  • In der Realität - dem echten 24h-Rennen - starten in diesem Jahr 50 Fahrzeuge!

Beim realen 24h-Stunden-Rennen gehen die Sieger auch mit einer echten „Rolex“ nach Hause, die sie dann ihr Leben lang an einen Erfolg erinnert, den nur wenige Fahrer auf der Welt gleich mehrfach errungen haben.

Ob etwas als groß und wichtig empfunden und gewertet wird, entscheidet sich im Motorsport nicht über die große Zahl. - Vielleicht müsste man – würde man es real werten – auch beim SIM-Racing in der gerade genannten Form von „Masse statt Klasse“ sprechen.

Aber in einer Zeit der Pandemie sollte man nicht so streng urteilen. - Die Hauptsache ist doch, die Jungs haben ein wenig Abwechslung. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann fahren sie eben mit einer „FPP 2-Maske“. - Und sie sind nur virtuell in den USA unterwegs.

Aber die Maske sollte schon zertifiziert sein und möglichst nicht aus China kommen! - Habe ich irgendwo gelesen.

SIM, SIM - Hurra!

MK/Wilhelm Hahne
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