Warum? - Über kleine Unterschiede am Nürburgring!

Der Nürburgring ist eine Rennstrecke, eine Teststrecke, eine Rekordstrecke und eine Landstraße. Es finden dort also Rennen, Tests, Rekordfahrten und „Touristenfahrten“ statt. Es sind auf dieser Strecke also Rennfahrzeuge, Testwagen, Rekordfahrzeuge und ganz normale, für den Straßenverkehr zugelassene Automobile unterwegs. - Die Fahrer sind überwiegend erfahrene Rennfahrer, inzwischen wie „Raumfahrer“ mit Sicherheitskleidung und vielen „Lizenzen“ ausgestattet. Die „Touristenfahrer“ sind evtl. auch erfahrene Autofahrer, die aber nichts weiter brauchen als ein „gutes Gemüt“, einen Führerschein und an Wochenenden 30 Euro für ein Ticket, damit sie die Nürburgring-Nordschleife so langsam oder so schnell umrunden können, wie sie es gerne möchten. - Die meisten möchten es gerne schnell. - Mit schnellen GT-Fahrzeugen, für den Straßenverkehr zugelassen, geht dass dann schneller, als mit den schnellsten GT3-Rennfahrzeugen, wie sie auch an diesem Samstag beim 4. NLS-Lauf wieder unterwegs sein werden. Die haben auch weniger PS als ein „Straßenfahrzeug“, werden auch durch eine „BoP“ und ihre dann auch vorgeschriebene Aerodynamik mehr oder weniger eingebremst. - Darüber soll nachstehend zu lesen sein:

Warum? - Über kleine Unterschiede am Nürburgring?

Gerade – exakt am 14. Juni 2021 – wurde wieder ein neuer Rekord für straßenzugelassene Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife aufgestellt. Ein Porsche 911 GT2 RS, ein Turbo-Porsche mit 700 PS plus einem Manthey-Performance-Kit umrundete mit für die Straße zugelassenen Reifen, von einem erfahrenen Test- und Rennfahrer bewegt, die Nürburgring-Nordschleife in 6:43.30 min. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 185,87 km/h.

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Bei solchen Rekordfahrten ist der Fahrer natürlich von Bedeutung. Lars Kern hat als Porsche-Entwicklungsfahrer eine große Erfahrung auf der Nordschleife. Die Erfahrung eines SIM-Racers wäre da nicht ausreichend. Sein Rekordwagen war im genannten Fall ein Serien-Sportwagen, den sich zu einen Preis von um 400.000 Euro jeder kaufen kann, der über ein entsprechend gefülltes Bankkonto verfügt.

Der kann natürlich auch das Fahrzeug während der „Touristenfahrten“ nutzen. Porsche macht auch in der Pressemitteilung zum Rekorderfolg darauf aufmerksam:

„Unsere GT-Kunden setzen ihre Fahrzeuge häufig auf Rundstrecken ein, zum Beispiel bei Trackdays“, sagt Frank-Steffen Walliser, Leiter der Baureihen 911 und 718. „Gemeinsam haben die Ingenieure von Manthey und Porsche ein perfekt aufeinander abgestimmtes Paket entwickelt, das den 911 GT2 RS noch performanter macht.“

Etwas später wird auch erklärt, dass man diesem Straßensportwagen damit auch ein „Aerodynamik-Paket“ verordnet hat, das das Durchfahren von Kurven noch schneller möglich macht:

„Auf den ersten Blick erkennbar sind die Aerodynamikkomponenten. Zusätzliche Flaps an der Frontschürze erhöhen in Kombination mit einem Carbon-Unterboden sowie zusätzlichen Luftleitelementen im Bereich der Vorderräder den Abtrieb an der Vorderachse. Bei 200 km/h steigt der Anpressdruck von 49 auf 70 Kilogramm, an der Hinterachse bei gleichem Tempo sogar von 93 auf 200 Kilogramm. Möglich wird dies durch den Einsatz eines neuen Heckflügels, eines geänderten Diffusors sowie Aerodiscs an den Hinterrädern.„

Mit diesem Fahrzeug kann Herr oder Frau Jedermann nun auch an einem Wochenende z.B. zum Preis von 30 Euro über die Nürburgring-Nordschleife „düsen“. In einem Video zu der Rekordfahrt ist zu sehen, dass man mit diesem Fahrzeug z.B. auf der „Döttinger Höhe“ dann einen Top-Speed von 307 km/h erreicht.

Wenn an diesem Samstag am Nürburgring der 4. NLS-Lauf über die Nordschleife geht, werden dort die schnellsten Rennfahrzeuge einen Top-Speed von um 285 km/h erreichen. Andere „Spitzenfahrzeuge“ werden wegen der „verordneten“ BoP langsamer sein. Die Fahrer brauchen zum Fahren dieser Rennfahrzeuge trotzdem aber nicht nur einen gültigen Führerschein, sondern auch eine Fahrerlizenz des DMSB, ein DMSB-Nordschleifen-Permit, durch dessen Besitz – angeblich – ihre besondere Streckenkenntnis offiziell beglaubigt wird, fahren in feuerfester Kleidung, mit „HANS“ und Vollvisier-Helm und sind natürlich mit einem Sechspunkt-Gurt gesichert.

Und Tage drauf sind dann evtl. die „Touristenfahrer“ auf der gleichen Strecke mit einem GT2 RS in Sonderausführung unterwegs, evtl. im „Nadelstreifen“ mit Krawatte, die dann ihren Golffreunden beim 4-Gang-Menue am Abend erzählen können, dass sie „mit über 300 km/h“ auf der Nürburgring-Nordschleife unterwegs waren. - Ungefähr so: „Das geht alles flat! - Prost!“

Die Rennfahrer jetzt am Samstag können nicht so schnell sein. Die fahren auch nicht mit einem zugelassenen Straßenfahrzeug, sondern mit einem richtigen „Rennwagen“ ein Rennen – und werden unterschiedlich – je nach „BoP“ (Belieben!) - eingebremst. Der Eine „rödelt“ dann mit 272 über die „Döttinger Höhe“, der Andere mit 283 km/h. - Wie hätten Sie’s denn gerne?

Das liegt natürlich nicht nur an der Motorleistung – aber auch - sondern auch an der Aerodynamik. So sind zwar alle – wenn ich noch ein „ziemlich normales“ Rennfahrzeug der Gruppe „VLN Produktionswagen VT2“ zum Vergleich hinzu nehme – zwar in langsamen Kurven alle ziemlich gleich:

Auf der kleinen „Wehrseifen-Brücke“ und im „Karussell“ z.B., wo die Durchfahrtsgeschwindigkeit aller drei hier erwähnten Fahrzeuge, des GT2 RS, des GT3-Rennfahrzeugs und die VT2 (Golf VII) bei um 75 km/, bzw. bei 90 km/h liegt.

In schnellen Kurven zeigen sich die Unterschiede. Das „Schwedenkreuz“ dürfte ein GT3 mit um 250 km/h und ca. 250 Kilogramm Abtrieb vorne und 560 Kilogramm Abtrieb hinten passieren. Ein Porsche 911 GT2 RS – wie der „Rekordwagen“ - mit 230 km/h bei ca. 70 Kilogramm Abtrieb vorne und 220 Kilogramm Abtrieb hinten. Der VT2-Golf wird hingegen das  „Schwedenkreuz“ deutlich mit unter 200 km/h durcheilen und der Fahrer wird so – dank der um 15 Kilogramm Auftrieb (!) vorne und 40 Kilogramm Auftrieb (!) hinten – fahrerisch fast mehr gefordert sein, als der Fahrer eines GT3.

Was wenigen Nürburgring-Kennern klar ist:

Die schnelle „Pflanzgarten“-Passage (nach dem „großen Sprunghügel“) ist eine der schnellsten Streckenabschnitte am Nürburgring, in dem z.B. der 911-Rekordwagen dann 260 km/h erreichte. Der zweitschnellste Streckenabschnitt, nach der „Döttinger Höhe“ ist für PS-Ungeheuer, wie dem  Porsche 911 GT2 RS (Rekordwagen) oder einem Mercedes AMG GT3 (nach SP9), das „Kesselchen“, wo man vor der „Mutkurve“ so um 280 km/h schnell ist!

Was in den „schnellen Kurven“ eine hohe Durchfahrtgeschwindigkeit ermöglicht, bremst dann aber auf der „Döttinger Höhe“. So ist ein Renn-GT3 dort langsamer als ein straßenzugelassener Porsche GT2 RS mit der o.g. Sonderausstattung, der gerade einen neuen Rekord auf der Nordschleife fuhr. - Mit 700 PS! - Turbo-PS!

Das lässt z.B. einen Porsche Renn-GT3 mit seinem Saugmotor dann z.B. am „Kesselchen“ – obwohl er ein „Rennwagen“ ist – dann „ziemlich alt aussehen“: Ihm fehlt das Drehmoment!

Darum gibt es auch keine „BoP“ (Balance of Performance“) auf der Welt, die zwischen  unterschiedlichen Konstruktionen von Motor, Fahrwerk und Gewichtsverteilung einen gerechten Ausgleich schaffen könnte. - Man kann zwar Vorteile mindern, aber keine Nachteile aufbessern!

Eine „BoP“ kann aber sehr wohl dazu dienen, schon vor dem Beginn eines Rennens einen Sieger zu bestimmen. - Dabei fällt mir „zufällig“ ein altes Sprichwort ein:

„Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird!“

Am kommenden Samstag – morgen - wird auf der Nürburgring-Nordschleife das „Musikfestival“ Nr. 4 dieses Jahres durchgeführt. Die GT3 tritt dann aber nicht als Big Band auf, sondern man spielt nach „NLS-Noten“ in „kleiner Besetzung“!

Die wird inzwischen nach „Gutsherren-Art“ von Leuten dirigiert, die dazu bestimmt wurden und verkommt immer mehr zu einem „Treffen der einsamen Herzen“: In 9 Klassen (von 26) gibt es nur je einen Starter!

Das passt rein  zufällig noch zum Thema: „Warum? - Über die Unterschiede am Nürburgring!“

Fast vergessen: Wenn ich richtig gezählt habe, sind auch drei Frauen am Start!

MK/Wilhelm Hahne
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