Kurz erklärt: Die Sache mit den Leserbriefen!

Leserbriefe sind nicht immer das, was sie eigentlich sein sollten: Leserbriefe! - Da gibt es solche, die werden von Redakteuren geschrieben. Manche in eigenem Interesse, zu der eigenen Geschichte, manche im Auftrag der Chefredaktion. - Es soll sogar Agenturen geben, die im richtigen Moment die richtigen Leserbriefe – selbstverständlich im Auftrag - schreiben.

Veröffentlichte Leserbriefe sind aber natürlich in der Mehrheit echt. Aber sehr oft sind sie sinnvoll gekürzt, irgendwie passend gemacht. Damit erfüllen sie dann meistens auch ihren Zweck, den Anlass zu Beifall oder kritische Anmerkungen deutlich zu machen. Was sicherlich dann den Leser der Publikation zufrieden stellt, aber nicht unbedingt den Schreiber von vielen Zeilen.

Ich musste jetzt daran denken, nachdem ich einen Leserbrief erhielt, aus dem ich – weil er anderswo schon erschienen war, dann kurz zitiert hatte. Natürlich deshalb, weil die dort dargestellte Meinung zum Thema meiner Geschichte passte. Was mich nicht wunderte, denn ich kannte den Briefschreiber.

Vor Jahrzehnten sind wir mit- und gegeneinander Rennen gefahren. Er hatte mich zu sich ins Cockpit eingeladen, obwohl ich 24 Jahre älter bin. Er hatte mich – da Konkurrent – als „Opa“ eingeschätzt und war dann überrascht worden, hatte seine Meinung an der erlebten Praxis korrigiert.

Ich war darum nicht über seinen Leserbrief überrascht, weil ich seine Grundeinstellung kenne. Weil ich nun seinen Leserbrief – aus dem in der anderen Publikation nur kurz zitiert wurde – in seiner ganzen Länge kenne, finden Motor-KRITIK-Leser ihn nun nachfolgend – ohne jeden weiteren Kommentar – nachstehend auch in der gesamten Länge:

"Lieber X XXX,
 
Sie schreiben in Ihrem Editorial u.a. “Es ist verheerend, wenn nach außen der Eindruck entsteht, die WM würde über die BoP entschieden.” Da kann ich nur fragen, ja was denn sonst?

 

Früher betrieb man Motorsport mit Fahrzeugen, deren technische Voraussetzungen erfolgversprechend waren. Diese Basis durfte dann in einem vorgegebenen Rahmen modifiziert werden, die seriennahen bzw. Sonderklassen wurden dann in verschiedene Hubraumklassen aufgeteilt. Dieser Grundidee verdankten wir auch tolle “Homologationsmodelle”, die in ihrer Serienausführung schon mit Blick auf Motorsporteinsätze optimiert waren. Ich denke da z.B. an Alfa GTA, BMW 1800 TI/SA oder die berühmten Porsche Carrera RS 2,7 und 3,0. Versuche, mit eigentlich ungeeigneten Modellen Motorsport zu treiben, waren meist sehr teuer und der sportliche Erfolg blieb übersichtlich. Ich denke da z.B. an die berühmte “rote Sau” von AMG (300 SEL 6,8), die allerdings marketingtechnisch ein Riesenerfolg wurde.

 

Seitdem es nun die GT 3-Klasse gibt, wird die Basis ignoriert, weil Marketing-Leute glauben, dass jeder dort teilnehmen können muss, der möchte. Und so fahren dort echte Sportwagen wie Porsche 911 RSR oder Ferrari 488 GTE Evo gegen denkbar ungeeignete Modelle wie z.B. Bentley Continental GT3. Und hier kommt nun die BoP in´s Spiel. Wie kann ich diese Autos gegeneinander rennen lassen, und zwar so eng, dass möglichst 5 Hersteller nach z.B. 24 Stunden nebeneinander über den Zielstrich fahren? Man muss die besten Autos über die BoP auf das Niveau der schlechtesten absenken! Und daher haben diese Veranstaltungen wenig mit echtem Motorsport zu tun, vielmehr handelt es sich um künstliche Zirkus-, pardon, Marketingveranstaltungen.

 

Zurück zu Ihrem Editorial: Selbstverständlich werden solche Rennen und Meisterschaften über die BoP entschieden.
 
Mit motorsportlichen “ungebopten” Grüßen,
 
XX XXX"

Damit meine Leser nicht lange suchen müssen: Er passt zu meiner Geschichte „Hat die „BoP“ den Motorsport positiv beeinflusst?“

MK/Wilhelm Hahne

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