Wer ist hier eigentlich „befangen“?

Pietro Nuvoloni, der Abhängige der Insolvenz-Sachwalter, hat mich im Oktober 2012 in der Sache „Nürburgring 2009“ als „befangen“ bezeichnet und dafür gesorgt, dass ich zu einer Live-Diskussion einer öffentlich-rechtlichen Anstalt zum Thema Nürburgring nicht eingeladen wurde. Obwohl das so von der Redaktion geplant war. - Wenn man bei Wikipedia nachschlägt, dann liest man zum Thema Befangenheit: „Mit Befangenheit wird der Zustand eingeschränkten (das heißt nicht unabhängigen) Urteilsvermögens einer Person aufgrund einer im Speziellen vorliegenden persönlichen Motiv- oder Sachlage oder eingeschränkten Urteilsvermögens auf Grund von einseitig bewerteter, das heißt nicht in ausgewogenem Verhältnis vorliegenden Informationen bezeichnet. Eine befangene Person entscheidet damit auf der Grundlage eines Vorurteils.“ - Lt. „Rhein-Zeitung“ vom 13. Februar sagt Pietro Nuvoloni im Auftrag der Ring-Sanierer ganz „unbefangen“: „Wir wollen den Ring-Racer aktivieren“ und faselt etwas von einem möglichen Starttermin „mit Beginn der Sommersaison“.

Wer ist hier eigentlich „befangen“?

Die „Rhein-Zeitung“ macht aus dieser „unbefangen“ gemachten Information eine Meldung, deren Wert man dadurch betont, dass man sie auf Seite 3 platziert. - Wer ist da „befangen“? - Pietro Nuvoloni, der wohl aufgrund einer internen Strategieplanung aktuell für eine ganze Serie von Positivmeldungen über ein insolventes Staatsunternehmen sorgen soll, oder die „Rhein-Zeitung“, die ungeprüft jede Aussage von unmaßgeblichen Leuten ins Blatt stellt?

In der „Rhein-Zeitung“ ist zu lesen, dass „die Bahn … mehr als 10 Millionen Euro Steuergeld verschlungen“ hat. Tatsächlich sind es mehr als 12 Millionen. Was fehlt, ist eine Betriebsgenehmigung der Kreisverwaltung Ahrweiler. Herr Nuvoloni tut so, als wäre eine Betriebsgenehmigung für die seit vier Jahren still vor sich hinrostende Achterbahn die normalste Sache der Welt.

So etwas kann man tatsächlich nur sagen, wenn man selbst keine Ahnung von der Sache und den Problemen hat, also „unbefangen“ ist. Und ich begreife langsam, was man mir vorwirft: „Der weiß zuviel!“

Das war schon zu Zeiten von Dr. Kafitz so, wie ich von einem seiner Berater weiß. Ich habe auch heute nicht die Übersicht verloren und möchte in Sachen Ring-Racer noch einmal zusammenfassen:

  • Es gab keinen Grund eine solche Achterbahn – wenn man sie denn für notwendig hielt – in den USA zu bestellen. Es gibt sogar einen Hersteller in Rheinland-Pfalz, der aber bei der Ausschreibung, die in dieser Sache tatsächlich erfolgte, nicht zum Zuge kam, sondern die schnellste Achterbahn der Welt – wie sie von Dr. Kafitz für den Nürburgring gewollt war – dann für Abu Dhabi lieferte. - Und sie läuft!
  • Die Achterbahn am Nürburgring wurde nicht nach den Plänen, so wie in der Ausschreibung beschrieben gebaut, sondern erfuhr eine Änderung durch eine Hinzufügung der „Steilkurve“, nachdem die US-Firma den Zuschlag erhalten hatte. - Damit war der Preis, zu dem die US-Firma den Zuschlag erhielt, auch hinfällig und nahm auch den Aufschwung in einer Steilkurve.
  • Jede Achterbahn ist ein Prototypenbau, dessen Eigenschaften und Ausführung vom Besteller bestimmt werden. So ist auch die Achterbahn am Nürburgring ohne jedes Beispiel in der Welt. Das tatsächliche Risiko beim Betrieb einer solchen Anlage, kann also nur beim Auftraggeber liegen. Die Herstellerfirma kann nur den Bau entsprechend dem Stand der Technik zusichern.
  • Der Ring-Racer ist nach meinen Informationen bis heute noch nicht abnahmefähig aufgebaut. So fehlt z.B. der Unterschutz der Laufstrecke im Bereich des „Boulevard“. Denn wie sind die Besucher des „Boulevard“ geschützt, wenn die Achterbahn z.B. bei Regenwetter durch die Halle fährt oder in diesem Bereich Mitfahrer irgendwelche Teile bei der Durchfahrt verlieren?
  • Aktuell, am 15. Februar 2013, erklärt die Kreisverwaltung Ahrweiler auf meine entsprechende Anfrage schriftlich:

„Der Ring-Racer am Nürburgring ist noch nicht genehmigungsfähig. Die Kreisverwaltung Ahrweiler kann die Baugenehmigung nicht erteilen, weil noch nicht alle erforderlichen Unterlagen vorliegen, die teilweise bereits seit Beginn des Genehmigungsverfahrens im März 2009 gefordert werden. Das gilt beispielsweise für bautechnische Nachweise, Gefährdungsbeurteilungen und ein Evakuierungskonzept.“

  • Die Sicherheit der Besucher und Fahrgäste habe oberste Priorität, heißt es nochmals aus dem Kreishaus in Ahrweiler.
  • Zum 7. Juli, dem GP-Termin, kann weder beim Training noch während des Rennens, bzw. auch der weiteren Rennen, der Ring-Racer zum Einsatz kommen, da Bernie Ecclestone sich ganz klar und deutlich gegen den Betrieb der Achterbahn während des Veranstaltungs-Wochenendes ausgesprochen hat.
  • Auch während der Veranstaltungen zur Deutschen Langstreckenmeisterschaft (VLN) am Nürburgring darf der Ring-Racer nicht genutzt werden, wie die Veranstaltergemeinschaft deutlich machte. Der Ring-Racer dürfte also nur dann zum Einsatz kommen, wenn eigentlich keine – oder nur wenige – Besucher am Nürburgring sind. Ein wirtschaftlicher Betrieb dürfte so unmöglich sein.

Welcher Veranstalter, der nach der Anmietung der Strecke das Hausrecht genießt, würde wohl den Einsatz während „seiner“ Veranstaltung zulassen? - Darüber hat wahrscheinlich niemand nachgedacht, aber wahrscheinlich liegen den Optimismus verbreitenden Herren im Umfeld der Insolvenz-Sachwalter eine Reihe von Gutachten und Businessplänen vor, die ein großartiges Geschäft versprechen, und die Herren Insolvenzverwalter haben von den Dingen schließlich keine Ahnung. Wie Herr Dr. Kafitz, wie die Herren Politiker in Mainz. - Herrn Nuvoloni darf ich da aufgrund seiner qualifizierten Äußerungen zuordnen.

Alle lassen sich gerade von der CDU-Fraktionsvorsitzenden in Mainz, Julia Klöckner, sozusagen „die Butter vom Brot nehmen“, weil die Dame sich am Mittwoch nächster Woche dann mit dem EU-Kommissar Joaquín Almunia in Brüssel trifft, um auf dem Boden der Tatsachen zu versuchen, einer vernünftigen, allen Teilen gerecht werdenden Lösung im Fall Nürburgring näher zu kommen. Eine solche Reise hätte man eigentlich von Malu Dreyer, der neuen Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz erwarten können. - Mainz bleibt Mainz?

Welche der Damen ist denn nun „befangen“? - Wir sollten Herrn Nuvoloni befragen. Der hat immer eine Antwort. - Während der Herr Insolvenz-Geschäftsführer (der lt. Handelsregister bei der NBG keiner mehr ist) gerne stumm bleibt. - Bei seinem Fachwissen zum Thema Nürburgring verständlich.

MK/Wilhelm Hahne

 

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