VDA-Präsidentin Müller lenkt von der Realität ab!

Eigentlich sollte das hier abgehandelte Thema zunächst nur dem Einstieg in einen Fahr- oder Erlebnisbericht über ein Automobil dienen, das ich gerade gefahren habe. Aber bei der Recherche zu diesem „Einstieg“ hat sich dann das Thema als so „fett“ erwiesen, dass ich daraus eine zwar kurze Geschichte machen möchte, aber eine, die zum Nachdenken anregt. Mir ist nämlich bei dieser Gelegenheit aufgefallen, dass wir alle heute häufig durch eine geschickte Weichenstellung von unserem eigentlichen Kurs abgelenkt werden, den wir eigentlich eingeschlagen hätten, wenn wir nicht intelligent und erfolgreich durch geschickte Manager – oder Politiker – und deren Weichenstellung auf eine „falsche Spur gebracht“ worden wären. - Beim Thema heute würde ich sagen:

VDA-Präsidentin Müller lenkt von der Realität ab!

Natürlich spielt das Thema E-Antrieb, Batterie und Hybrid im aktuellen Automobilgeschäft eine große Rolle. Es wird politisch forciert und der Öffentlichkeit suggeriert: Das Ende des Verbrennungsmotors ist nahe! Wenn aber die neue VDA-Präsidentin, Hildegard Müller – eine erfahrene Politikerin – in einer offiziellen Information das Thema ein wenig ausweitet, lenkt sie dann ab? - Hier folgt ein Ausschnitt aus ihrer offiziellen Darstellung:

...„Auch in den anderen Feldern sind wir Spitze: bei Forschung und Entwicklung, in den Bereichen Antrieb, Batterie, Hybrid, bei der Digitalisierung, dem autonomen Fahren, bei der Verbesserung des Kolbenmotors und der Senkung von Abgaswerten. Ich sage bewusst Kolbenmotor, denn nicht die Verbrennung ist das Problem, sondern der Kraftstoff und seine Herkunft, deshalb benötigen wir auch E-Fuels. Wir haben das Auto erfunden, und jetzt erfinden wir es neu. Die Unternehmen der Automobilindustrie forschen und entwickeln auf allen Feldern.“ …

Sie stellt also den Kraftstoff – in diesem Fall E-Fuels - in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Das ist gut gemacht, weil sie so „das Ende des Verbrennungsmotors“ und eine Aussage dazu geschickt umgeht. - Zu E-.Fuels gibt es bisher – wie auch zum Thema E-Automobil – die unterschiedlichsten Meinungen. - Auch in der Politik. - Nun passt es der „gelernten Politikerin“ Hildegard Müller gerade gut in den Kram. - Sie spricht aber nicht davon, wie die Industrie durch das Angebot von „vernünftigen Automobilen“ schon heute den öffentlichen Druck auf den Verbrennungsmotor mindern könnte.

So kann sie als VDA-Präsidentin auch vermeiden, zum Ende des Verbrennungsmotors Stellung  beziehen zu müssen. Zu diesem Thema gibt es inzwischen auch „Vorhersagen“ von Automobilherstellern, die aus meiner Sicht nicht unbedingt glaubwürdig sind. Denn es genügt nicht, möglichst schnell viele E-Automobile zu bauen, um den Verbrennungsmotor dem Ende zuzuführen, sondern man muss diese E-Automobile auch verkaufen können! - Da ist dann nicht nur der Kaufpreis eine wesentliche Hemmschwelle! - Steigende Strompreise an den Ladestationen, die auch nur bisher „mit großen Löchern“ unser Land durchziehen, sind weitere „Hemmschwellen“.

  • Zu bedenken ist auch: E-Automobile die man heute kauft, sind morgen schon Elektronikschrott!

Es ist typisch für das Denken – und die moderne Handlungsweise – der verantwortlichen Automobilmanager, wenn sie am liebsten zunächst einmal im Hochpreis-Segment erfolgreich sein wollen. Ein gutes Beispiel dafür gibt Mercedes, die gerade als neues Flaggschiff der von ihrem Vorstandsvorsitzenden angedrohten E-Offensive, zunächst mal mit einer „S-Klasse in E“ einsteigen. Dessen Batterie soll nicht weniger als 770 Kilometer weit reichen. - Vom Preis wird (noch) nicht  gesprochen!

Dabei ist es eigentlich kein Geheimnis – es wird nur nicht kommuniziert – dass der neue Vorstandsvorsitzende eigentlich weg von den „Kleinwagen“ will und – so höre ich von Insidern – für die nächste Zukunft mehr und mehr auf die drei Säulen „Maybach, AMG und S-Klasse“ setzen will. - Kleinvieh macht zwar auch Mist, aber wohl zu wenig, um damit die Vorstandsbezüge (incl. Bonus) angemessen zu düngen. Da glaubt man in Stuttgart, z.B. bald auf die A-, aber auch die B-Klasse verzichten zu können.

Aber so denkt man nicht nur in Stuttgart, sondern auch bei anderen Automobil-Konzernen. Da werden z.B. auch die „Kleinstwagen“ – beim KBA in Flensburg unter „Minis“ eingeordnet - zunächst mal preislich neu ausgerichtet. Da wird die Ausstattung auf ein Niveau gebracht, das eigentlich kein Autofahrer braucht, aber man verbessert so die Gewinne durch das so genannte „qualitative Wachstum“.

Natürlich hat auch das Autogeschäft derzeit unter Corona in Deutschland – aber auch anderswo in der Welt – richtig gelitten. Da agieren die Hersteller noch ein wenig vorsichtig und abwartend.

Ich habe mir einmal die Zulassungszahlen der ersten drei Monate des Jahres 2021 angesehen, um sie mit denen des entsprechenden Vorjahres-Monats zu vergleichen. - Hier ist meine entsprechende Tabelle, die auf den amtlichen Zahlen des KBA in Flensburg beruhen:


Kraftfahrzeug-Neuzulassungen in Deutschland
im Januar, Februar und März 2021
im Vergleich zu den gleichen Monaten des Jahres 2020

Kategorie bzw, Segment
lt. VDA
Januar
2021
Februar
2021

März

2021

Minis -   5,0 % -   5,2 % + 96,0 %
Kleinwagen - 36,5 % - 21,9 % + 39,7 %
Kompaktklasse - 32,2 % - 27,4 % + 14,1 %
Mittelklasse - 30,9 % - 23,9 % + 18,9 %
Obere Mittelklasse - 39,9 % +  6,4 % + 45,1 %
Oberklasse - 19,3 % +  4,1 % + 28,0 %
SUVs - 26,4 % - 12,7 % + 65,5 %
Geländewagen - 28,0 % -   7,3 % + 33,1 %
Sportwagen - 43,7 % - 34,1 % + 11,3 %
Mini-Vans - 63,6 % - 65,4 % +   4,9 %
Großraum-Vans - 55,5 % - 44,7 % +   2,9 %
Utilities - 42,0 % - 29,6 % + 12,7 %
Wohnmobile -   5,0 % -   2,9 % + 52,2 %
Entwicklung insges.: - 31,1 % - 19,0 % + 35,9 %

 

Meine Leser erhalten beim Betrachten der Zahlen vielleicht schon eine Ahnung davon, wohin meine Argumentation läuft, aber sie wissen es spätestens dann, wenn ich aus einer KBA-Presse-Info zu den Zulassungs-Erfolgen des Jahres 2019 zitiere.

„SUVs im Jahr 2019 erstmalig Spitzenreiter bei den Neuzulassungen

29. Mai 2020. 3.607.258 Personenkraftwagen (Pkw) wurden im Berichtsjahr 2019 neu zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen damit die Neuzulassungszahlen um +5,0 Prozent.

Im Jahr 2019 entfiel mit 21,1 Prozent der größte Anteil der Neuzulassungen erstmalig auf die SUV-Modelle, deren Anzahl auf 762.490 Pkw (+21,0 % zum Vorjahr) stieg. Auf den Plätzen zwei und drei im Ranking der Segmente folgten die Pkw der Kompaktklasse mit einem Marktanteil von 20,5 Prozent (2018: 22,0 %) und die Kleinwagen mit 13,5 Prozent (2018: 14,5 %). Zunahmen im zweistelligen Bereich konnten auch bei den Segmenten Geländewagen (+20,3 %), Wohnmobile (+15,1 %) und Utilities (+10,1 %) beobachtet werden. Weniger gefragt im Vergleich zu 2018 waren Modelle der Segmente Oberklasse (-12,4 %), Minis (-4,1 %) und Großraum-Vans (-3,7 %).

Mit 204.550 Einheiten war der VW Golf trotz eines Rückgangs von -3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erneut das am häufigsten neu zugelassene Modell. Auf den Plätzen zwei und drei folgten mit 87.771 Einheiten der VW Tiguan und die C-Klasse von Mercedes (64.403). Das zulassungsstärkste Importmodell war wie bereits im Vorjahr der Skoda Octavia mit 55.210 Neuzulassungen.“

Um bei 2021 und dem Monat März zu bleiben:

  • Es wurden in diesem Monat 72.372 SUV’s zugelassen.
  • Das waren rd. 25 Prozent aller vom KBA im März notierten Neuzulassungen im Pkw-Bereich überhaupt.

SUV’s sind nicht nur Fahrzeuge, die im Straßenverkehr durch optische Größe auffallen, sondern auch durch das insgesamt unsinnig zu beschleunigende Gewicht und die vorhandene „Stirnfläche“ eine Menge mehr Benzin als „Kleinwagen“ oder „Kleinstwagen“ („Minis“) verbrauchen. Zu „Kleinwagen“ zählt das KBA in Flensburg z.B. auch solche Automobile wie Peugeot 208 oder Renault Clio, während zu den „Minis“ auch z.B. Automobile wie der Toyota Aygo gezählt werden, einem Fahrzeug, mit dem man leicht – wie Motor-KRITIK nachgewiesen hat, innerhalb von 12 Stunden (einschl. der notwendigen Pausen) rd. 1.000 Kilometer bequem zurück legen kann. - Mit deutlich geringerem Verbrauch als mit einem SUV!

Würden also mehr „Minis“ und „Kleinwagen“ statt SUV verkauft… - ja, dann würde die Automobilindustrie weniger verdienen! Darum ist sie auch am Verkauf von „großen“ Fahrzeugen interessiert. Aber es würden bei „Kleinwagen“ – wenn sie denn SUV’s ersetzen würden, auch deutlich weniger „fossile Treibstoffe“ benötigt!

Ich habe schon Mercedes erwähnt, aber ich könnte hier auch andere Firmen nennen, die auch daran interessiert sind, die vom KBA unter „Minis“ und „Kleinwagen“ geführten Automobile aus ihrem Angebot ganz verschwinden zu lassen. Zunächst werden die aber so „aufgerüstet“, dass sie preislich für ihre bisherige Käuferschicht vielleicht uninteressant werden. - Achten Sie bitte einmal auf die Preisentwicklung dieser Fahrzeug-Segmente in dieser – und nächster - Zeit. Man versucht die Kaufinteressenten durch eine intelligente Argumentation des Marketing ebenfalls in Richtung „rollende Computer“ zu beeinflussen, die – weil man eigentlich ein Automobil zur Fortbewegung nutzt – eigentlich kein Mensch braucht.

Darum werden viele Teile der eigentlich nicht notwendigen Ausstattung dem Thema „Sicherheit“ zugeordnet. Dem Käufer wird auch eingeredet, dass man ein von der Fahrbahn ablenkendes großes Display dringend braucht. Man kann es inzwischen sogar mit „Sprachbedienung“ erhalten! - Ein Nutzer zu dieser Ausstattung befragt, die er auch zunächst als wichtige Weiterentwicklung empfand:

„Niemals habe ich mehr auf’s Display geschaut als jetzt, weil ich immer kontrollieren muss, ob mich das Ding verstanden hat!“

Die Argumentation für eine solche Ausstattung ist so sinnvoll, wie manche behördliche Anordnung – oder Ausnahme-Genehmigung (!) - in Corona-Zeiten. - Angeblich dient alles der Sicherheit und klingt auch scheinbar logisch. - Nur in der Praxis… -

Vielleicht verstehen das junge Leute nicht. Aber „alte Leute“ wie ich, wissen das durch Praxiserfahrung. In den 50ern sind wir mit einem VW Standard und 24 PS nach Italien gefahren, ich mit den 40 PS eines 700er BMW-Sportcoupés in den 60er z.B. nach Portugal. Als ich die 2.500 Kilometer dorthin an die Algarve dann später mal mit einer Alfa Romeo Giulia Super – und mehr als 100 PS - zurück legte und auch erst nach 2,5 Tagen mein Ziel erreichte, da war das sicherlich bequemer – und teurer – aber nicht schneller!

  • Ein Auto sollte heute nicht mehr ein Statussymbol sein und muss auch keinen Wohnraum ersetzen! - Man sollte beim Kauf eines Automobil heute mehr dem eigenen Verstand als der Werbung vertrauen!

Ist ein dem KBA-Segment zuzurechnender „Mini“ mit hubraumkleinen Dreizylinder-Verbrennungsmotor – klar unter 1.000 Kilogramm wiegend - wirklich für das Erreichen der Klimaziele schlechter, als eins der modernen E-Automobile mit einem Gewicht, das – „dank“ Batterie – gegen 2 Tonnen tendiert? - Vom Preisunterschied wollen wir hier nicht sprechen!

Wie eingangs gesagt: Diese Geschichte soll nur eine Anregung für Motor-KRITIK-Leser sein, über die Problematik nachzudenken, unter der das „Thema Auto“ insgesamt heute leidet. Das Thema wäre auch für den Einstieg in einen Fahr- oder Erlebnis-Bericht für ein kleines Automobil viel zu bedeutend gewesen!

Man merkt es auch daran, das aus der angedachten kurzen Geschichte mal wieder eine lange geworden ist!

MK/Wilhelm Hahne
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1 Kommentar

Weichenstellung auch bei VW

Interessanter "Insider"-Bericht dazu aus WiWo online: https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/pro-und-contra-elektroauto-vws-radikaler-e-auto-kurs-entzweit-die-eigenen-haendler/27071906.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE Nicht, das ganz viele VW-Kunden hier in Zukunft ge"DI(E)SST" werden... Grüße vom VW-fahrenden Uwe

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