Ist der ADAC vielleicht die einzige Volkspartei?

Eigentlich ist der ADAC ein e.V. der mit dieser Gesellschaftsform auch schon mal Probleme hatte. Ist man als e.V. als gemeinnützig anerkannt, hat man schon steuerliche Vorteile. Aber mit steigenden Mitgliederzahlen – und steigenden Umsätzen – hat man in München dann lieber auf eine „Dreisäulen“-Struktur gesetzt um diesen Vereins-Status nicht zu gefährden: Ein e.V., eine SE (AG nach europäischem Recht) und eine Stiftung. Es gibt 18 ADAC-Regionalklubs und inzwischen fast 1.800 ADAC Ortsklubs. Jetzt in 2019 hat man inzwischen die 21 Millionen-Grenze bei den Mitglieder-Zahlen überschritten. Der ADAC lebt im Wesentlichen von dem Wunsch der Deutschen, sich gegen alle Problemfälle des Lebens abzusichern. Ursprünglich als Automobilklub gegründet – daher auch sein Name „Allgemeiner Deutscher Automobil Club – ist er eine Vereinigung, die sich  lt. Satzung der „Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrzeugwesens und des Motorsports“ widmet. Inzwischen hat sich dieser ADAC zu einer „Krake“ entwickelt, die mit vielen GmbH‘s um eine „zufällige“  Geldvermehrung bemüht ist, mir denen er „Sicherheit“ bietet. - Seinen Mitgliedern! - Erfolgreich! - Dieser Klub leidet aber derzeit noch darunter, dass man allen Mitgliedern zehn Mal im Jahr die Klub-Zeitschrift „motorwelt“ per Post zustellt. Man arbeitet an einer Änderung, die kostensenkend wirken soll. Auf einer gerade am Nürburgring durchgeführten Hauptversammlung sollten die abstimmungsberechtigten 237 Delegierten dort u.a. einer Änderung zustimmen, dass in Zukunft pro Jahr nur noch 4 „Premium“-Ausgaben einer solchen Zeitschrift den Mitgliedern per Post zugestellt werden. - Motor-KRITIK schien es bei dieser grob beschriebenen Ausgangslage interessant, einmal die Hauptversammlung eines Vereins mit inzwischen mehr als 21.000.000 Mitgliedern (= gut 25 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung!) zu besuchen und Eindrücke zu sammeln. - Und fragt nun, nachdem eine Menge neuer Eindrücke gesammelt und verarbeitet wurden:

Ist der ADAC vielleicht die einzige Volkspartei?

Zugegeben: Auch ich habe den ADAC vor Jahren noch als „selbstverständlich“ hingenommen, war selbst ADAC-Mitglied, weil ich auch aktiv Motorsport betrieben habe und der ADAC… - Eigentlich war es auch für mich „normal“ ADAC-Mitglied zu sein. Erst nach dem „Umfall“ eines Test-Dacia bei der Mitglieder-Zeitschrift „motorwelt“ vor Jahren habe ich mich näher mit dem ADAC beschäftigt und bin damals dann – aus Überzeugung – ausgetreten.

Jetzt bin ich auf der Fahrt zur Hauptversammlung am Nürburgring und habe ein eigenartiges Gefühl, weil der ADAC im Vorfeld wenig getan hatte, diese Veranstaltung zu publizieren. In der Mitgliederzeitschrift „ADAC motorwelt“ hatte es im Aprilheft eine Einladung der Delegierten zu dieser Veranstaltung gegeben und ich war dann im Internet auf eine Presse-Einladung von „Europas größtem Mobilitätsclub“ gestoßen, die vom „Leiter der Marke, Marketing und Kommunikation“ ausging.

Eine interessante Mischung von Aufgaben in einer Person! - Interessant auch, dass ausdrücklich darauf hingewiesen wurde:

„Bitte beachten Sie, dass eine Teilnahme nur nach vorheriger Akkreditierung möglich ist.“

Diese Anmeldung sollte bis spätestens 3. Mai 2019 erfolgen. Das habe ich dann am 2. Mai über das im Internet stehende „Online-Anmeldeformular“ gemacht, aber bis zum Veranstaltungstag, dem 11. Mai 2019 keinerlei Bestätigung erhalten. Nach dem Absenden war zwar kurz auf dem Bildschirm meines Computers ein:

„Ihre Daten wurden erfolgreich gespeichert!“

- farblich in Grün - aufgeleuchtet. - Aber nach dem Verlassen der Seite war dieser Satz nicht mehr vorhanden. Es gab danach auch keinerlei Bestätigung aus München.

Das hatte mich angeregt, zwei Arbeitstage lang vor der ADAC-Hauptversammlung mich einmal intensiv mit dem deutschen Wunder ADAC auseinander zu setzen, was meine Nachdenklichkeit zum Thema ADAC noch erhöhte.

Bei der Anfahrt in strömendem Regen habe ich bei einer Tankstelle angehalten, um kurz in den dort angebotenen aktuellen Zeitungsausgaben zu überfliegen, ob dort die ADAC-Hauptversammlung irgendwo ein Thema war. - War sie nicht!

Aber ich erfuhr bei dieser Gelegenheit aus der „Bild“, dass es im Dezember einen Dokumentarfilm über „Schumi“ geben solle. Das war keine Überraschung für mich, da ich die Dreharbeiten dazu Anfang des Jahres in Nürburg schon mitbekommen hatte.

Also weiter! - Am Nürburgring war alles mögliche ausgeschildert und ich erfuhr so, dass es an diesem Tag auch eine Radsport-Veranstaltung für Jedermann auf dem Grand-Prix-Kurs geben würde. So habe ich einen Parkplatz in der Nähe des Lindner-Hotels angesteuert, den ich von VLN-Veranstaltungen kenne. - Der war geschlossen, weil dort bereits – im Hinblick auf kommende Rennveranstaltungen des ADAC Nordrhein, der Aufbau eines Supermarktes mit einem Großzelt erfolgt.

Darum habe ich dann einen anderen Parkplatz angefahren um den Versammlungsort „Bitburger Event-Center“ von der anderen Seite – über den trockenen Weg durch den „Boulevard“ - zu erreichen.

So konnte ich registrieren, dass hier gerade der Abbau einer großen ADAC-Vorabend-Veranstaltung erfolgte. Mein Weg führte mich so vorbei an einer „Wein-Lounge“. Weil Fragen hilft, konnte ich erfahren, dass es praktisch die ganz Woche über hier am Nürburgring schon vorbereitende „Gruppen-Veranstaltungen“ des ADAC gegeben hatte. - Wurden hier kleine Gruppen so beeinflusst, dass die „Glut unter der Asche“ durch den harmonischen Ablauf der Hauptversammlung unentdeckt blieb?

Den vorhandenen Parkplatz vor dem „Bitburger Event-Center“ hatte der ADAC genutzt, dort dekorativ einen seiner „Gelben Engel“-Hubschrauber zu platzieren. Außerdem hatten hier sowohl BMW als auch Renault jeweils einen kleinen Stand, an dem Elektro-Automobile zur Probefahrt für die Delegierten bereit standen, die jetzt – kurz nach 9:30 Uhr – wie im Gänsemarsch aus dem gegenüber liegenden Hotel dem Versammlungsort zustrebten, um dann im „Empfang“ an einem langen Tisch, aufgegliedert nach den Buchstaben des Alphabets, ihre Stimmkarten entgegen nehmen und quittieren zu können.

Eine „Presse“-Anlaufstelle konnte ich nirgendwo entdecken, so dass ich mich bei „H“ mit angestellt habe, um zu erfahren, dass ich mich bitte nach ganz links begeben solle, an das freie Ende des Tisches. „Es kommt gleich jemand!“ - So hatte ich Gelegenheit auf einem hier stehenden Aufsteller zu lesen:

„Bitte beachten Sie, dass wir heute Film- und Fotoaufnahmen erstellen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Organisation.“

Also kein Verbot, nur eine sachdienliche Empfehlung! - Die Betonung lag wohl auf WIR!

Schon nach wenigen Minuten erschien dann ein ADAC-Mitarbeiter, der mich nach Namen und dem Woher fragte und dann bat, meinen Namen in Druckbuchstaben auf einen karrierten DIN-A 4-Bogen zu schreiben. - Meine Bemühungen mit dem Kugelschreiben fanden nicht ganz seinen Beifall:

„Soll das ein N sein?“, fragte er. - Ich bestätigte das. Und er zog den Schrägstrich im N mit dem Kugelschreiber nun korrekt gerade nach. - Seiner „A-G“-Kollegin – auf dem Foto zu sehen – rief er dann kurz zu: „Ich nehme ihn gleich mit!“ und bat mich, ihm zu folgen.

Es hat mich niemand nach einer Akkreditierung gefragt oder es gab auch keine Liste, auf der akkreditierte Kollegen erfasst worden wären; wo deren Namen – nach Ankunft – vielleicht nun abgehakt wurden.

Ein seltsamer Empfang, der auf mich so wirkte, als wäre man eigentlich davon überrascht, dass überhaupt jemand gekommen war. - Ich hatte den Eindruck: Die Presse war unerwünscht!

Ich erhielt an einem Pressetisch mit acht Sitzplätzen einen Platz zugewiesen: „Dieser hier ist noch frei!“ und wurde informiert: „Bis zu Beginn der Veranstaltung können Sie sich noch frei bewegen“, aber dann möge ich – bitte – auf meinem angewiesenen Platz bleiben. - Ich war noch niemals auf einer chinesischen, einer russischen oder einer koreanischen – politischen – Presse-Konferenz, aber so ähnlich würde ich mir dort einen Empfang auch vorstellen, wenn ich deutschen „Meinungsmachern“ glauben kann.

Mit einem Blick nach rechts hatte ich festgestellt, dass ich „strategisch gut platziert war“, denn bei einer Veranstaltungsdauer von rd. fünf Stunden Dauer, würde ich doch so einen recht guten Eindruck von den Delegierten erhalten können, weil davon doch sicherlich einige zwischendurch zur Toilette mussten.

Die Organisation dieser ADAC-Hauptversammlung vor Ort hatte beim ADAC Regionalklub Mittelrhein gelegen, der dieses Mal „dran war“. Im letzten Jahr war die Veranstaltung in Dresden durchgeführt worden. Die Delegierten des ADAC Sachsen e.V. saßen zufällig vor mir. Die regionale Zuordnung war jeweils durch einen entsprechend beschriebenen Aufsteller gekennzeichnet.

Der Presse-Platz neben mir war zwar mit den Utensilien eines Journalisten belegt, aber nicht besetzt. Am rechten Ende, von mir um 4 leere Plätze getrennt, unterhielten sich zwei Kollegen, von denen einer auch eine Kamera mit mächtigen Objektiven besaß. - Wie ich erfahren konnte: Er kam von der Süddeutschen Zeitung. - Übrigens: Eine empfehlenswerte Tageszeitung!

Dann erschien auch der Kollege neben mir und stellte sich kurz vor. Es war der Chefredakteur der ADAC motorwelt. - Wunderbar! - So konnte ich den – ergänzend zu meinen Vorab-Recherche-Ergebnissen - doch gleich zu den Verhandlungen über ein „Outsourcen“ der redaktionellen Arbeit und wie der Stand der Verhandlungen sei, befragen.

Ich habe ihm offen gesagt, dass mir natürlich die Empfehlung in der aktuellen Ausgabe der „motorwelt“ aufgefallen ist:

„Steigen Sie um, lesen Sie digital!“

Aber auch, dass ich natürlich um die Bemühungen des Präsidiums weiß, die „Entstehung“ und den Vertrieb einem Partner - einem großen Verlag - zu übertragen. Da war natürlich die Frage unausweichlich: „Was machen Sie dann?“

Das war wohl nicht so gut, denn nach einigen intelligenten, ausweichenden Antworten hat er sofort seine Sachen gepackt und sich an einen zwanzig Meter entfernt stehenden Tisch gesetzt. Verständlich! - Er wollte wahrscheinlich bei seiner nur konzentriert durchführbaren Arbeit, einer schnellen, direkten Information der ADAC-Mitglieder auf den ADAC-Internetseiten nicht gestört sein.

Nachdem der Lautsprecher um 9:57 Uhr verkündet hat, dass die Sitzung in Kürze beginnt, wurde es ruhig am Versammlungsort, der ADAC Präsident, Dr. August Markl, sprach nach einem kurzen „Einspieler“, der mit Beifall bedacht wurde, dann die einleitenden Worte.

Dann begrüßte der Vorsitzende des die Veranstaltung ausrichtenden ADAC Club Mittelrhein die Gäste, darunter auch den Verkehrsminister von Rheinland-Pfalz, der auch als Redner auftreten sollte, aber - noch nicht eingetroffen war.

In dieser Rede erfuhr ich auch, dass das Land Rheinland-Pfalz bei der Einrichtung der Wein-Lounge im „Boulevard“ unterstützend beteiligt war.

Der Herr Minister traf dann mit sieben Minuten Verspätung ein, um zu hören, dass er schon vorher in der Rede sehr gelobt worden sei. - Jeder ging hier mit Jedem – öffentlich - sehr nett und freundlich um.

Auch der Verkehrsminister hat freundlich auf die positive Entwicklung in Rheinland-Pfalz hin gewiesen, in dem er darauf aufmerksam machte, dass er schon im letzten Jahr für den Straßenbau in Rheinland-Pfalz 500 Millionen Euro ausgegeben hat. In diesem Jahr werden es mehr als 600 Millionen werden. - Beifall!

Wer denkt in diesem Moment – außer mir – daran, was der überflüssige Ausbau des Nürburgrings gekostet hat und wie hoch der Verlust des Volksvermögens ist, in dem das Land Rheinland-Pfalz den Nürburgring quasi verschenkte?

  • Man wird aber auch durch den derzeitigen Zustand des Straßennetzes in der Eifel daran erinnert!

Wir hörten dann auch aus dem Mund dieses Politikers, dass eine noch bisher unbekannte Umfrage manche Politiker verblüffen wird, dass die Bevölkerung etwas anders will als sie planen. - Es kann wirklich sein, dass das so ist! - Weil Politiker in ihrer eigenen Welt leben!

Dann ist – als Hauptredner – ein Zukunftsforscher an der Reihe. Der versucht die Zuhörer auf eine Welt einzustimmen, in der die meisten seiner Zuhörer – hier und heute - nicht mehr leben. Er spricht über die Mobilität der Zukunft, erzählt von den Möglichkeiten die dann die „Quanten-Computer“ bieten. Wir erfahren: Wenn wir heute über Digitalisierung und Vernetzung reden, dann sei das quasi „der Schnee von gestern“. Die Zukunft sieht anders aus. Prognose-Daten, Echtzeit-Daten bestimmen die Arbeitswelt. Städte werden so staufrei und Hersteller können ihre Produktion an den ihnen exakt voraus berechneten Absatzdaten spielend ausrichten.

Dieser Trend- und Zukunftsforscher hat etwas von einem modernen „Rattenfänger von Hameln“. Er trägt frei vor, spricht ohne Manuskript, unterstreicht gestenreich und von Bildern und Grafiken unterstützt, die an der Stirnwand der Halle erscheinen, seine „Vorhersagen“. - Nicht nur als Trend- und Zukunftsforscher könnte dieser Mann erfolgreich sein, sondern auch als Influencer bei „Facebook“. - Für Mercedes zum Beispiel, die heute schon – ohne Prospekte – in der Zukunft unterwegs sind!

Sven Gábor Jánszky, so heißt dieser Trend- und Zukunftsforscher, könnte durchaus beispielhaft für eine „alte“ Feststellung (1998) eines Georg Frank sein, der in seinem Buch „ Ökonomie der Aufmerksamkeit“ festhielt:

„Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.“

Sven Gábor Jánszky bevorzugt z.B. seine Selbstvermarktung per „Twitter“. Schon in der Nacht hat er dort seinen Auftritt bei der ADAC-Hauptversammlung angekündigt. Wenn man seine Internetseiten aufmerksam liest, ist man auch beeindruckt: Dieser Mann verlässt sich nicht auf zukünftige Quanten-Computer, sondern vermarktet sich – sehr geschickt – schon heute. - Und das dann gleichzeitig im Interesse des ADAC e.V., dessen Präsidium so seine Delegierten auf Entscheidungen einstimmt, die das nicht unbedingt alle verstehen werden, aber man kann so zukünftige Entscheidungen des ADAC-Präsidiums, mit den Argumenten des Vortragenden heute begründen.

Die Welt von morgen wird von KI, der „Künstlichen Intelligenz“ bestimmt! - Das ist die Meinung der Zukunftsforschers und er versucht die vor ihm sitzenden Delegierten – von denen viele „aus dem Gestern“ zu kommen scheinen - auf dieser ADAC-Hauptversammlung daran zu erinnern, dass sie es zwar heute noch mit vielen Millionen Autofahrern zu tun haben, aber in ein paar Jahrzehnten nur noch mit Passagieren!

Nein, er gibt keine direkte Antwort auf die so im Raum stehende Frage:

  • Wie will Europas größter Autofahrer-Club, der sich inzwischen schon zukunftsorientiert als Mobilitäts-Club darstellt, dann sein Geld verdienen?

Denn das ist eigentlich die Frage aller Fragen, der man sich jetzt bei den folgenden Abstimmungen mit passenden Entscheidungen annähern will.

Zunächst geht es darum: Stimmt man mit Handzeichen ab, oder anonym? -  Man ist für eine elektronische Abstimmung. - Weil die (scheinbar) anonym ist? - Bei einer Probeabstimmung wird danach gefragt, wer den 2013 am Nürburgring beim GP von Deutschland gewonnen hat: Rosberg, Vettel? - Oder enthält man sich der Stimme? - Man muss entsprechend 1, 2 oder 3 drücken.

Das Ergebnis: 105 Stimmen für Rosberg, 94 Stimmen für Vettel und es gibt 38 Enthaltungen. - Tatsächlich hat 2013 Vettel gewonnen! - Die 237 Deligierten sind eben keine F1-Spezialisten!

Aber – so wird man später erfahren – ha der ADAC in 2018 rd. 9 Millionen Euro für den Motorsport ausgegeben.

Dr. August Markl, der ADAC-Präsident führt scheinbar souverän durch die einzelnen Tagesordnungspunkte. Seine Anspannung ist aber – zumindest für mich – spürbar. Sie wird auch erkennbar, wenn er bei einer Abstimmung vor der Frage, ob man dem Vorstand Entlastung erteilt, schon die Entlastung – unter dem Gelächter der Delegierten verkündet.

Der Vorstand wird aber dann tatsächlich „en bloc“ entlastet, was für Dr. August Markl – von mir so empfunden – eine Befreiung bedeutet. - 212 Delegierte entlasten, 21 stimmen mit NEIN und es gibt 4 Enthaltungen.

Auch bei den anstehenden Wahlen für vier der insgesamt sieben Präsidiumsposten merkt man, dass die Stimmung im ADAC e.V. sehr „bewölkt“ ist. Der neue „Vize“ von Dr. Markl erhält nur 62,2 Prozent der Stimmen. Und ist – zumindest ein wenig – verstimmt. Er fleht die Delegierten an, doch die Missverständnisse der Vergangenheit und das verloren gegangene Vertrauen zu überwinden. - Ich hätte ihm gerne ein sauberes Taschentuch gereicht!

Auch ein anderes neues Präsidiums-Mitglied, für Finanzen zuständig, kommt nur auf 67,5 Prozent der Stimmen. Wenn man weiß, dass diese zwei Neuen, als Mitglieder in der Führungs-Crew nun solche sind, die man den Markl-Getreuen zurechnen muss, dann erhält man einen Eindruck vom derzeitigen inneren Zustand des ADAC e.V.

Aufgrund eines – wie man hört – einmaligen Sondereffekts lag das Jahresergebnis des ADAC e.V. in 2018 bei 759,8 Millionen Gewinn. Aber darin ist eine Auszahlung aus Kapitalrücklagen der ADAC SE an den e.V. und ein Gewinn aus dem Verkauf von e.V.-Anteilen an der ADAC SE an ADAC Regionalclubs u.a. enthalten. - Die KPMG hat das übrigens alles überprüft und für richtig befunden!

Das mit dem Verkauf von e.V.-Anteilen an der SE an Regionalclubs hat mich interessiert. Die „Nummer“ scheint aber geheim zu sein, wurde öffentlich nicht spezifiziert.  Aber ich konnte  recherchieren, dass z.B. der ADAC Nordrhein nichts gekauft hat.

Und damit wären wir dann auch schon dabei, die auf dieser Hauptversammlung vorgespielte Harmonie und Sympathie füreinander zu zerreißen. Da sind nicht nur aktuell fünf ADAC-Regionalclubs in einen Streit mit ihrer „Mutter“ vor dem Münchner Landgericht verwickelt, da wird auch an diesem Tag schon – interessanterweise durch den KPMG-Mitarbeiter – darauf hingewiesen, dass diese Klagen der Regionalclubs wohl wenig erfolgreich sein werden. Denn die e.V. hat dafür keine Rückstellungen gebildet, da die Erfolgsaussichten unter 50 Prozent liegen. - Sagt er.

Was hier nicht zur Sprache kommt ist, dass sich die „Mutter“ gerne die Regionalclubs, die jetzt noch selbstständig sind, ganz „unter den Nagel reißen möchte“. In den Regionalclubs wird kräftig gegen solche Versuche der „Mutter“ gearbeitet.

Man kämpft dagegen - aber schon im eigenen Interesse – natürlich nur „hinter den Kulissen“. Es wird schon mal von Differenzen zwischen dem ehemaligen ADAC-Präsidenten Meyer, heute „Chef“ beim ADAC Nordrhein und seinem „Nachfolger „ Markl gesprochen. So entsteht dann der Eindruck, dass diese Differenzen aus dieser "alten" Situation entstanden sind. Nach meinen Recherchen entstehen sie dadurch, dass Markl z.B. weniger den Meyer „unterbuttern“, sondern aktuell mit seinem ADAC den ehemaligen „Gau“ Nordrhein vereinnahmen will. Immerhin gibt es allein in diesem Club 3.000.000 Mitglieder!

Nun gehen sowohl Markl wie auch Meyer in zwei Jahren vom Kommandostand ihrer Vereine. Bis dahin – das ist klar – wird es Markl kaum gelingen, sich z.B. Nordrhein „einzuverleiben“. Der Nachfolger von Markl ist mir – zumindest derzeit – unbekannt. Den Nachfolger von Meyer glaube ich zu kennen! - Daran wird sich dann auch der Nachfolger von Markl „die Zähne ausbeißen“.

Es handelt sich übrigens um eine Frau! - Das wird dann auch dem leitenden Springer-Mitarbeiter „viel Wind aus den Segeln nehmen“, der dieses Mal noch glaubte, sich mit einem Twitter-Hinweis auf einen fehlenden Frauen-Anteil in der ADAC-Führungsspitze in den Vordergrund schieben zu müssen. - (s. o. das Frank-Zitat)

Zum Thema Frauen: Was mir bei dieser Hauptversammlung auffiel. Es waren zwar schon Frauen unter den Delegierten. Da in den fünf Stunden der Veranstaltung – und in der 20minütigen Pause – praktisch alle an meiner mir fest (!) zugewiesenen Sitzposition vorbei mussten, habe ich feststellen können, dass keine dieser Damen „fraulich“ gekleidet war, sondern - aus meiner Sicht – verkleidet wie Männer in Hosenanzügen angereist waren.

Zurück zum leitenden Springer-Mitarbeiter und seinem populistischen Twitter-Beitrag: Bei den von ihm bei Springer mit betreuten Medium WELT habe ich übrigens nur eine dpa-Meldung – automatisch übernommen – auf den Internetseiten - über die ADAC-Hauptversammlung gefunden.

Überhaupt gab es wenig Journalisten, die live vor Ort bei der ADAC-Hauptversammlung waren. Dass die ADAC motorwelt vertreten war, ist fast selbstverständlich. Was mir – positiv – aufgefallen ist: Die Süddeutsche Zeitung hatte einen Journalisten an den Nürburgring entsendet. Dieser Mann war – und ist – auch „im Thema“. - Guter Journalist, gute Zeitung!

Dr. Markl beklagte, dass zwar das scheinbar gute finanzielle Ergebnis stimmen würde, aber man dürfe nicht die Sondereffekte übersehen, denn das „operative Geschäft“ des ADAC e.V. sei negativ verlaufen. So gerechnet beklage die e.V. im eigentlichen operativen Geschäft einen Verlust von 24,7 Millionen Euro. - Das müsse besser werden, hatte sich aber auch in 2018 gegenüber 2017 schon verbessert.

Aber man will auch hier zukünftig „schwarze Zahlen“ schreiben. Schon darum stand die ADAC-Hauptversammlung auch unter dem Motto:

„Helfer aus Leidenschaft“

Das hört sich gut an, ist aber wenig glaubhaft! - Aber vielleicht wird es ja von den inzwischen gut 21 Millionen Mitgliedern geglaubt. Der ADAC weitet inzwischen auch sein Dienstleistungsangebot aus. In München hat man inzwischen - zunächst versuchsweise - mal einen Schlüsseldienst installiert. Das läuft angeblich dort sehr gut, weil gerade der Sektor Schlüsseldienst im allgemeinen nicht unbedingt von seriösen Firmen  besetzt ist. - Darum ist man dort auch für Nicht-Mitglieder tätig!

Auch der ADAC ist auf einem Weg, den fast viele „modernen“ Unternehmen einschlagen: Unabhängig vom eigentlichen Basisangebot bietet man alles an, was der Markt verlangt. In einem Möbelhaus kann man heute Essgeschirr und Bestecke kaufen und auch zu Mittag essen. Beim Metzger kann man Brötchen kaufen, aber auch andere Lebensmittel. Warum soll da nicht beim ADAC ein Schlüsseldienst angegliedert sein?

Aber der ADAC macht schon heute weitaus mehr, als dem einzelnen Mitglied klar ist. Er ist nicht nur ein „Mobilitätsanbieter“. - Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Firmen zusammen zu stellen, die der ADAC neben seiner Vereinstätigkeit betreibt oder an denen er – mehr oder weniger – beteiligt ist. - Die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber – zumindest für mich – sehr eindrucksvoll und soll auch meinen Lesern eine Ahnung von dem vermitteln, was sich so hinter der Fassade eines e.V. abspielen kann:

  1) ADAC Autovermietung GmbH,
  2) ADAC Luftrettung gGmbH (gemeinnützig)
  3) ADAC Finanzdienste GmbH,
  4) ADAC Helicopter Flugbetrieb GmbH,
  5) ADAC HEMS Academy GmbH,
  6) ADAC Luftfahrt Technik GmbH
  7) ADAC Service GmbH,
  8) ADAC Service Hellas A.E.,
  9) ADAC Touring GmbH,
10) ADAC Camping GmbH, München
11) ADAC Aquio GmbH,
12) ADAC Customer Service GmbH
13) ADAC Compliance GmbH,
14) ADAC Dritte RC Beteiligungsgesellschaft mbH
15) ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH
16) ADAC TruckService GmbH & Co. KG,
17) ADAC Verlag GmbH & Co. KG,
18) ADAC Rechtsschutz Versicherungs-AG,
19) ADAC-RSB-Gesellschaft,
20) ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG,
21) Aero-Dienst GmbH & Co. KG,
22) ARISA Assurances S.A.,
23) ARISA Ré S.A.,
24) FSZ Linthe Grundbesitz GmbH,
25) Europe Net NV, Brüssel,
26) Deutsche Motor Sport Wirtschaftsdienst GmbH,
27) ADAC TruckService Verwaltungs GmbH,
28) ADAC Verlag Verwaltungs GmbH,
29) Aero-Dienst Verwaltungs GmbH,
30) AFES-AVUS Luxembourg S.à.r.l.,
31) Deutsche Post Mobility GmbH
32) ADAC Autoversicherung.B. die Zurich-vErsicherung AG,
33) AD Clubreisen GmbH,
34) STARTER Sp. z o.o.,
35) ARC Europe S.A.,
36) ACTA Assistance SA,

Wenn man mal auf einem einzelnen Gebieten etwas tiefer einsteigt, dann wird einem z.B. klar, weshalb die ZURICH-Werbung in der Boxengasse am Nürburgring ohne weitere Probleme durch TOTAL ersetzt wurde - werden konnte. An der ADAC Autoversicherungs AG ist z.B. die Zurich-Versicherung mit 34 Prozent beteiligt. Bis Ende 2019. Dann wird diese Beteiligung durch die Allianz übernommen. Also kann man in 2019 schon auf die ZURICH am Nürburgring verzichten. - Zumal das die Verträge erlauben.

Wenn es dann auf der ADAC-Hauptversammlung gegen Ende einen Einspieler gibt, der ein Bild von München, der Stadt der nächsten Hauptversammlung 2020 vermitteln soll und dabei auch in einer Sequenz das Olympia-Stadion rot strahlend, mit einer Allianz-Werbung erscheint, so ist das sicherlich kein Zufall.

Wie eigentlich auf dieser ADAC-Hauptversammlung nichts dem Zufall überlassen bleibt. Die Veranstaltung wird routiniert und – bis auf den Presse-Empfang – perfekt abgewickelt. Am Vortag – am Freitag – gab es schon eine Delegiertentagung, bei der die Herren und Damen offensichtlich schon mal auf den Abstimmungs-Samstag in richtiger Art eingestimmt wurden.

Am Samstag musste die ganze Veranstaltung eben ohne jede deutlich werdende Störung verlaufen. Das war wirklich so gut gemacht, wie von jedem Bürgermeister hier in der Eifel vor einer Gemeinderatssitzung, wo dann bei der Abstimmung meist alles „einstimmig“ verläuft. Das „Passendmachen“ findet in der Eifel am Tresen der Dorfkneipen statt, beim ADAC u.a. in der Wein-Lounge.

Ich habe fünf Stunden still – entsprechend der Anweisung - auf meinem Platz gesessen. Ich habe zwei Tage vorher zu Details des ADAC recherchiert. Ich habe vor dem Schreiben dieser Geschichte aufgrund meiner Eindrücke vor Ort weiter recherchieren müssen. - Darum ist Motor-KRITIK zwar nicht schnell, aber diese Geschichte erfüllt – hoffentlich – so die Ansprüche meiner Leser.

Diese Geschichte gibt wirklich meine Eindrücke (bitte nicht lachen!) – in Kurzform! - von dieser ADAC-Hauptversammlung wieder. Ich habe bei meinen Bemühungen den ADAC zu verstehen, diesen „eingetragenen Verein“ selber noch besser kennen gelernt.

Mehr als 21 Millionen Mitglieder! - Das muss auch eine Angela Merkel schocken! - Die CDU, ihre „Volkspartei“, hat z.B. weniger als 500.000 Mitglieder! Diese 21 Millionen des ADAC sind eine Macht, die der ADAC geschickt nutzt – und die er noch ausbauen möchte.

Der ADAC ist in seinem derzeitigen Umfang und Form mehr als eine Volkspartei!

Er hat in jedem Fall – auch politisch – mehr Gewicht als selbst seinen Mitgliedern klar ist! Nun versucht man auch noch den Gewinn für die nächsten Jahre zu optimieren.

Darum wird es auch – so ergab die Abstimmung unter den Delegierten - in 2020 selbst keine der vom Präsidium angedachten vier „Premium“-Ausgaben der „motorwelt“ im Postversand geben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sich die ADAC-Mitglieder ihr Vereinsblatt gegen Vorlage ihres Vereins-Ausweises dann an einer Tankstelle (o.ä.) abholen können.

Man wird – vielleicht – nicht die normalen Mitgliederbeiträge erhöhen, sondern eine neue Extra-Klasse von Mitgliedern schaffen, die dann besondere Vorzüge zu besonderen Preisen genießen. - Das ist nicht strafbar. Aber auch die Machtansprüche werden  – mit 21 Millionen Mitgliedern im Rücken –  immer größer werden. - Macht macht süchtig!

Auch – das ist mein Eindruck - auf Kosten der eigenen, direkten Mitarbeiter, deren Leistungen auch auf dieser Hauptversammlung nicht erwähnt wurden. - Mitarbeiter werden beim ADAC e.V.  offenbar nur als Kostenfaktor – nicht als Menschen – empfunden.

Der ADAC ist wie eine „Krake“. Es wird schwer sein, seinen Fangarmen zu entkommen! - Er ist mit seiner Größe auch „unmenschlich“ geworden. - In der Realität. - In seiner Darstellung ist er ein...

„Helfer aus Leidenschaft“

Diese Aussage ist zwar – wenn man sich ein wenig mit den Hintergründen beschäftigt hat - nicht sehr glaubwürdig, aber ich erinnere mich, dass ich mal – vor Jahrzehnten – bei einer Karneval-Veranstaltung am Niederrhein mit meinem Auftritt als „Arzt aus Leidenschaft“ auch sehr erfolgreich war.

MK/Wilhelm Hahne
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1 Kommentar

ADAC Hauptveraammlung

Danke nochmal für den Hinweis auf die Vernichtung des Volksvermögens beim Verkauf des Nürburgrings. Kann gar nicht oft genug wiederholt werden. Die zwischenzeitlich, gesundheitlichen Probleme des Herrn Beck scheinen ja ausgeheilt zu sein, ist jetzt Beauftragter für die Opfer des Anschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt !?! Die Einstimmigkeit vonAbstimmungen in den Kommunen wird in vorher stattfindenden, nicht öffentlichen Sitzungen beschlossen. Die “ Dorfkneipe “ gibts leider nur noch sehr vereinzelt.

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