Suzuki Ignis: Kann ein „Micro“-SUV sinnvoll sein?

Die regelmäßigen Leser von Motor-KRITIK wissen, dass auf diesen Seiten nur unregelmäßig „Erlebnisberichte“ über Automobile erscheinen, weil dieser Informationsdient kein (mit Anzeigen) bezahltes Sprachrohr der Industrie ist. Die Auswahl der „Test“-Fahrzeuge erfolgt nach unterschiedlichen Kriterien, ist aber immer daran orientiert, Lesern einen Zusatznutzen zu bieten. - Darum wollen wir heute auf einen SUV aufmerksam machen, der sich in seiner Allrad-Version bei seiner Nutzung im Alltag – z.B. für einen Zwei-Personen-Haushalt – als geradezu ideal erwies. Und das in einer Region, in der man wegen einer nicht optimalen Verkehrs-Infrastruktur einfach auf ein Automobil angewiesen ist. Hier ist die Nutzung von Feld- und Waldwegen – weil land- und forstwirtschaftlicher Betrieb gegeben ist - gar nicht so unüblich, Wege, die – gerade im Winter – nicht immer in einem Zustand sind, dass ein Befahren mit einem normalen Automobil möglich wäre. - Darum hatte ich auch zum „Erleben“ eine Allrad-Version dieses von Suzuki selbst mit „Micro“-SUV beschriebenen Fahrzeugs gewählt. Um meinen Lesern einen Vergleich – in runden Zahlen – möglich zu machen, folgen hier ein paar Zulassungszahlen für das Jahr 2018: Da wurden rd. 10.000 Suzuki Ignis in Deutchland zugelassen, rd. 30 Prozent davon als Allradversion. - Um hier auch schon – für eilige Leser - das Ergebnis meiner Erfahrungen „unter dem Strich“ zu nennen: Dieser kleine SUV ist als Allrad in ländlichen Gegenden besonders sinnvoll. - Auch wenn das Fahrzeug in städtischen Ballungsgebieten bewegt wird, ist er – dann auch evtl. ohne Allrad – eine wirkliche Kaufempfehlung. - Um es mit wenigen Worten zu sagen:

Suzuki Ignis: Ein „Micro“-SUV mit „Maxi“-Nutzen!

Nachdem ich diesen Suzuki Ignis Allrad ein paar Tage fahre, treffe ich zufällig auf einen Bekannten, der mich beim Aussteigen gleich mit einem „Na, du jetzt auch?“ begrüßt. - Ein wenig verblüfft frage ich ihn was er meint. - Seine Antwort:

„Du fährst jetzt auch einen dieser unsinnigen SUV? - Dafür gibt es keinen Grund!“

Auf meine Nachfrage spricht er von dem unsinnig hohen Gewicht, das man spazieren fährt, von der unsinnigen Länge und Breite mal abgesehen, die eine Nutzung z.B. in Parkhäusern geradezu unmöglich macht. - Er ist erstaunt, dass ich ihm recht gebe. Ich versuche ihm zu erklären, warum ich gerade diesen Suzuki Ignis als Testwagen – einen kleinen, einen „Micro“-SUV – gewählt habe. Und ich sage:

„Dieses kleine Automobil macht zwar auf dich einen großen Eindruck, wiegt aber welbst in der Allrad-Version, wie er hier vor dir steht, weniger als 1.000 Kilogramm!“

In diesem Moment entstand die Idee, die kleinen SUV mal im Vergleich zu einem großen SUV, wie z.B. der Audi Q8 einer ist, zu fotografieren:

Ich hätte auf den Fotos auch den Suzuki im Vergleich zu einem BMW X5 darstellen können, der ähnlich ausgefallen wäre. So ein Suzuki Ignis macht tatsächlich wegen seiner Höhe – die im Inneren dann auch Kopffreiheit bedeutet – eine Menge her. Doch beansprucht er fast 4 qm Verkehrsfläche weniger als die o.g. SUV‘s. - Oder anders: Dieser Suzuki SUV benötigt 38 Prozent weniger Verkehrsraum!

So stellt sich der Suzuki Ignis optisch dar, wenn man ihn mal mit der Kamera umwandert. Nur von hinten betrachtet wird dem Betrachter eigentlich klar, dass es sich nicht um einen großen SUV handelt. - Auch nicht um einen kleinen, sondern wie es Suzuki richtig darstellt, um einen „Micro“-SUV!

Öffnet man die Motorhaube, stellt man zunächst staunend fest, wie schwer eine Motorhaube ist, wenn das Anheben nicht durch einen Hydraulikdämpfer unterstützt wird, der dann die Haube auch offen hält. Bei Suzuki hat man hier gespart: Man muss von Hand eine kleine Stange nutzen, um die Haube offen zu halten. - Dafür ist dann der Motor nicht nur optisch, sondern auch technisch ein Leckerbissen: Es ist ein Vierzylinder-Benzinmotor, natürlich wassergekühlt, dessen insgesamt 16 Ventile über zwei obenliegende Nockenwellen betätigt werden. Und er verfügt über eine moderne Multipoint-Einspritzanlage. Der Hubraum ist mit 1242 ccm, auf die Fahrzeuggröße bezogen, genauso angemessen und passend, wie die Leistung von 90 PS und das maximale Drehmoment von 120 Nm.

Das Ergebnis ist natürlich EURO 6 und in der von mir gefahrenen Verbrauchsrunde, die auf einem Rundkurs von je rd. 50 Prozent Autobahn und Landstraße mit Stadt- und Dorfdurchfahrten gefahren wurde, lag der von mir gemessene Testverbrauch bei 4,996 l/km, also rd. 5 Litern pro 100 Kilometer. Das bei einer Durchschnittgeschwindigkeit von 80 km/h in einer Berg- und Talfahrt und auch einer Nutzung nahe der Höchstgeschwindigkeit. - Über den Testzeitraum insgesamt lag der Durchschnittsverbrauch bei 5,5 l/100 km. - Der Motor verlangt bei einer Verdichtung von 12,5:1 nach Super 95, das man – nicht so „powerfull“ - auch als E 10 tanken kann. Der Motor verträgt das, aber nach meiner Erfahrung bringt es für den Geldbeutel keinen Vorteil, da damit der Verbrauch etwas höher ausfällt, was den Vorteil beim Tanken von meist 2 Cent pro Liter wieder ausgleicht.

Nicht nur das ist eine Erwähnung wert, sondern auch die Tatsache, dass der Durchschnittsverbrauch eines Automobils auch von der Art seiner Nutzung bestimmt wird: Viele Kaltstarts im Kurzstreckenbetrieb ergeben einen höheren Verbrauch.

Ich habe das beim Suzuki einmal genau gemessen und den Verbrauch in Relation zur Wassertemperatur beobachtet. Nach einem morgendlichen Kaltstart beträgt der momentane Verbrauch ungefähr das vierfache des gemessenen Durchschnittsverbrauchs. Da der Wasserkreislauf zunächst nur im Motor – nicht über den Kühler – erfolgt, ist zwar schon nach wenigen Kilometern Fahrt dann eine Wassertemperatur von 85 Grad erreicht, aber dann wird der Wasserkreislauf über den Kühler frei gegeben und die Temperatur sinkt zunächst wieder.

Es dauert ungefähr 15 – 20 Fahrminuten, bis dass das Wasser eine Temperatur von 90 Grad, das Öl eine Temperatur von rd. 80 Grad erreicht. Dann erst „normalisiert“ sich der Kraftstoffverbrauch. Darum bin ich ein Verfechter einer Öltemperaturanzeige in einem Automobil! - Es genügt nicht, dass eine blau leuchtende Wassertemperatur-Anzeige – wie im Suzuki – nach relativ kurzer Zeit erlischt. - Das ist Augenwischerei! - Eigentlich bestimmt die Öltemperatur, wann ein Motor „gesund“ arbeitet. - Darum sollte auch ein Warmfahren drehzahlarm erfolgen und man sollte den Motor direkt nach dem Starten zunächst eine kurze Zeit im Leerlauf drehen lassen, damit alle wichtigen Stellen im Motor über die Ölpumpe mit Öl versorgt werden können.

Über solche Selbstverständlichkeiten, die jedem Autofahrer klar sein sollten, wird heute kaum noch informiert. Dafür wird der Fahrer mit „Assistenzsystemen“ unterstützt, die nur z.T. wirklich sinnvoll sind, oft nur die Gewinnmöglichkeiten der Hersteller verbessern, den Fahrer entlasten sollen, aber dazu führen, dass der Autofahrer das Autofahren verlernt. - Autofahren wird heute darum  vielfach als „Nebensache“ empfunden, die man „so nebenbei“ erledigen kann. - Man verlässt sich zu sehr auf die – nicht immer zuverlässigen - „Assistenten“

Man kann heute schon sehr wohl beim Hinterherfahren auf Landstraßen beobachten, wie unwichtig die Fortbewegung am Steuer eines Automobils genommen wird. So kann sich beim Fahrer nicht mehr das entwickeln, was eigentlich für ein unfallfreies Autofahren unerlässlich ist: Ein Fahrgefühl, eine Verbindung zum Automobil!

Der Suzuki Ignis Allrad, von Suzuki mit „Allgrip“ benannt, ist serienmäßig mit einer  Komfortausstattung versehen, was auch den Listenpreis von 17.940 Euro erklärt. Aber ich muss auch feststellen, dass das „Allgrip“-Angebot von Suzuki keine Marketing-Auszeichnung ist, sondern von den Suzuki-Technikern wirklich ernst genommen wurde.

Nur der Ignis-Allgrip – nicht die „Normalversion“ - hat hinten eine Starrachse. - Ich bin ein Freund – gerade bei Geländefahrzeugen – der Starrachse hinten. Sie bietet den Vorteil, in jeder Lage immer die gleiche Bodenfreiheit zu haben, die beim Szuzuki-Allrad 18 Zentimeter beträgt. Außerdem neigt so ein Fahrzeug weniger zum Wanken. Und es entfallen auch Sturz- und Spurprobleme an der Hinterachse. Es gibt dort keine Veränderungen, was man als Fahrer z.B. bei regennassen Straßen durchaus positiv registriert.

Man muss allerdings kleine Komforteinbußen gegenüber einer Einzelradaufhängung in Kauf nehmen, die man wahrscheinlich nur im direkten Vergleich empfinden wird. Jedenfalls ist der Suzuki Ignis in seiner Allradversion als ein Allradfahrzeug richtig ernst zu nehmen. - Was man nicht von jedem Allrad sagen kann, der heute so angeboten wird.

Ich war mit dem Suzuki Ignis Allgrip oft auf Feld- und Waldwegen – z.T. sehr matschig und rutschig unterwegs. Manchmal ging es auch steil bergauf, über eine glitschige, nasse, steinige Oberfläche. Ich habe in der Testzeit niemals den Allradantrieb konstant zuschalten müssen, weil eine Visko-Kupplung sicherstellt, das bei einem Durchdrehen der Vorderräder – der Suzuki ist ein Frontantriebsfahrzeug – die vorne nicht umsetzbare Kraft auf die Hinterräder durchgeleitet wird.

Das bringt übrigens auch auf kurvenreichen Straßen Vorteile, gerade in engen Serpentiven, weil man so sehr gut „aus den Ecken“ kommt. Ich habe die Kombination von Einzelradaufhängung vorne und Starrachse hinten bei allen Wetterbedingungen auch auf der Landstraße als positiv empfunden.

Ein Tipp von mir: Einen Suzuki Ingnis Allgrip würde ich übrigens – wenn ich mir persönlich ein solches Fahrzeug kaufen würde – nur mit Allwetter-Reifen ausrüsten. Das bringt nicht nur Vorteile im Gelände, sondern macht auch einen Wechsel von Sommer- auf Winterreifen überflüssig und vermeidet irgendwelche Lagerkosten für Reifen.

Es ist zwar nicht einmalig, aber sehr angenehm, dass man – je nach Art der Transportaufgabe – die hinteren Sitze, geteilt in Zwei + Eins, so verstellen kann, dass entweder Passagiere mit entsprechender Fußfreiheit bequem sitzen oder dass man den Kofferraum entsprechend vergrößern kann, indem man die hinteren Sitze nach vorne schiebt.

So kann man jeweils das Fahrzeug ohne jede Anstrengung – nur durch einen Knopfdruck – auf die jeweiligen Transportaufgaben einstellen. - Übrigens ist bei diesem kleinen Suzuki auch eine Anhängerkupplung zulässig, an die man insgesamt 1.000 Kilogramm hängen kann..

Der Einstieg vorne – zumindest – ist bequem, weil die Sitzhöhe sich in angenehmer, sozusagen passender Höhe befindet. Der hintere Einstieg ist schmaler und es gab – bei unserem „Test“ - schon mal einen Passagier, der sich beim Einstieg hinten den Kopf gestoßen hat. Aber die hinteren Sitze sind – wenn man nicht im Kofferraum mehr Platz benötigt – zumindest keine Notsitze.

Die Ausführung der Innenausstattung ist durchaus nicht primitiv, sonder verbreitet – auch dadurch dass man die Nutzung der Knöpfe und Schalter ohne Betriebsanleitung versteht – eine durchaus sympathische Atmosphäre. Nicht alles serienmäßige Zubehör wird wirklich gebraucht. Wenn so manche Assistent-Systeme nicht vorhanden wären, würden sie auch nicht vermisst. - Sie verteuern das Fahrzeug nur unnötig.

Über andere Kleinigkeiten freut man sich als Nutzer. So weisen z.B. die Sonnenblenden sowohl auf der Beifahrer- als auch auf der Fahrerseite einen Make-up-Spiegel auf und auf der Fahrerseite gibt es eine „Spange“, in der z.B. der Fahrzeugschein Platz finden kann, damit man ihn niemals vergisst.

Insgesamt ist der Suzuki Ignis Allgrip ein Angebot, das man als kostenbewusster Käufer eines Automobils nicht übersehen sollte. Die Kraftfahrzeugsteuer beträgt z.B. unter 100 Euro pro Jahr.

Ich habe diesen Suzuki bisher – ohne ihn näher gekannt zu haben – einfach unterschätzt. Für einen kostenbewussten Autofahrer ist er ein Angebot, das man nicht übersehen sollte. Es gibt sicherlich im Preis günstigere SUV‘s, wie z.B. einen Dacia. - Aber auch der ist deutlich schwerer als dieser Suzuki – und kein Allrad!

Damit kommen wir zu einem Punkt, der in unseren Fachorganen keine Erwähnung findet. Dort wird immer die maximale Leistung, das maximale Drehmoment, die Beschleunigung von Null auf 100 km/h in den Vordergrund geschoben. - Tatsächlich ist eine tolle Längsdynamik eindrucksvoll, aber nirgendwo wird darauf hingewiesen, dass unter dem hohen Eigengewicht der hochgelobten Produkte die Querdynamik leidet!

Es ist ein deutlicher Unterschied, ob man mit einem Automobil mit 1.000 Kilogramm Eigengewicht um eine Kurve fährt, oder mit einem Fahrzeug mit 2 Tonnen „Wertigkeit“. Man wird daran erinnert, wenn man auf einer kurvenreichen Eifel-Landstraße mit einem Suzuki Ignis hinter so einem Zwei-Tonnen-Geschoß mit hoher Leistung und Drehmoment herfährt. Diese „Dinger“ stehen einem dann fast nur im Weg herum.

Weniger ist oft Mehr! - Das bestätigt sich auch beim Automobil, wenn man das auf‘s Gewicht bezieht. Aber auch zuviel Leistung und Drehmoment (!) können z.B. im Winter zur Belastung werden, weil sie schnell den Grip abreißen lassen. - Ich habe im letzten Winter nur solche Fahrzeuge mit Problemen auf glatten Straßen und kräftigen Steigungen erlebt, die a) zu schwer waren und b) über zuviel Drehmoment verfügten.. - Wozu übrigens auch E-Fahrzeuge gehören, wenn deren Nutzer nicht sehr gefühlvoll ihren „Gasfuß“ nutzen!

  • Der Suzuki Ignis Allgrip ist als „Auto für alle Fälle“ ein Geheimtipp!

Ich würde ihn nur als Allrad-Automobil - „für alle Fälle“ - kaufen. Damit hat man unter allen Umständen immer „freie Fahrt“.

Man findet damit in Städten immer einen Parkplatz, kann in Parkhäusern problemlos parken, ist auf allen Straßen und Wegen, bei jedem Wetter immer sicher, nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Man ist immer bequem und wirtschaftlich unterwegs und braucht auch im Hinblick auf den Klimawandel kein schlechtes Gewissen zu haben!

MK/Wilhelm Hahne
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