12. August 2018: Lieber Leser!

Als Motor-KRITIK bei den ersten öffentlichen Äußerungen zum Ausbau des Nürburgring kritisch Stellung bezog und das „Projekt Nürburgring 2009“ bis hin zur Pleite weiter mit entsprechenden Anmerkungen begleitete, da gab es manchen Leser, der nicht glauben konnte, was bei Motor-KRITIK zu lesen war. Schließlich stand hinter dem Projekt eine Landesregierung. Und ich musste mir mehr als einmal anhören: „Aber die werden doch wissen was sie machen!“ - Und es wurde immer wieder auf Gutachten hingewiesen, aus denen doch klar hervorging… - Nun war die Pleite eines landeseigenen Firma nicht die einzige Pleite im Zusammenhang mit dem Nürburgring. Der Verkauf des Nürburgrings war eigentlich – aus der Sicht des Wählers und Steuerzahlers – eine weitere Pleite. - Um die sich aktuell kaum noch jemand kümmert. - Selbst die Oppositonspartei schweigt, wenn irgenwie – z.B. durch Motor-KRITIK – neue Absonderlichkeiten öffentlich werden. - Vielleicht muss man nach den nächsten Landtagswahlen… - könnte ja sein - …und da ist man dann evtl. auf den guten Willen der SPD angewiesen. - Und so verhält sich eine Partei ähnlich, wie Zeitschriftenverlage gegenüber ihren Anzeigen-Kunden: Nur nicht anecken! - Alles wird gut! - Wenn das Interesse der Leser am Gedruckten insgesamt zurück geht, so kann das – natürlich – nur am Internet liegen, an der Entwicklung der digitalen Medien. - Wer kommt schon auf die Idee, dass es heute nicht mehr den Journalismus gibt, der mal die Medien zur so genannten „dritten Macht“ aufsteigen ließ. Es ist doch immer weniger zu lesen wie etwas ist, sondern wie es der Leser erwartet, dass es so sein sollte. - Selbst in den so genannten „Fachzeitchriften“ sind heute wunderschöne Lesegeschichten die Norm, echte Hintergrundgeschichten eine Seltenheit. Wer von den jungen, sehr gebildeten, noch besser geschulten, modernen Journalisten sollte auch wissen, was gestern geschah, was wirklich – natürlich hinter den Kulissen – ablief und darum heute abläuft? - Und so müssen denn mit den immer gleichen – bzw. ähnlichen - Meldungen überfütterten Leser, Motor-KRITIK-Geschichten wie „unecht“ vorkommen.

12. August 2018: Lieber Leser!

Nachdem hier auf diesen Seiten eine kleine „Susie Wolff-Geschichte“ erschienen war, da erreichte mich tatsächlich ein Anruf, ob ich diese Geschichte selber geschrieben hätte. Tatsächlich hatte ich mich dabei nur kurz und knapp auf zumindest mir bekannte Fakten beschränkt, um meine Leser nicht mit einer Überlänge zu langweilen.

Zu dem Thema „Wolff“ könnte ich sicherlich ein Buch schreiben. Dafür bräuchte ich auch kein Archiv. Dazu habe ich alle Infos im Kopf. - Bis hin zum Großvater von „Toto“ Wolff und seine Verbindung zum Lechner-Team – und dessen Vorurteile gegenüber der Nürburgring-Nordschleife.

Dabei bin ich selber überrascht, wenn ich mal auf jemanden treffe, der auch „so einiges im Kopf hat“:

Im Moment läuft gerade der AvD-Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring. - Nein, ich habe mir dazu keine Pressekarte besorgt. Aber ich war am Freitag in einer anderen Sache zufällig in Nürburg. Während ich mich dort mit einem guten Bekannten unterhalte, kommt ein Herr – wohl in Begleitung seiner Frau - auf mich zu, geht nicht an mir vorbei, sondern bleibt stehen und fragt:

„Sind Sie nicht Herr Hahne? - Wilhelm Hahne?“

Ich kann nicht widersprechen. Er stellt sich vor und erzählt mir, dass wir vor Jahrzehnten in der kleinen Hubraumklasse bei Bergrennen gegeneinander gestartet sind. Er erinnerte sich gut an Details; an die ich mich nicht erinnert habe. - Dabei ist mir aufgefallen, dass ich „fremde Ereignisse“ zuverlässiger registriere als solche, die eigentlich nur mich betreffen.

Tatsächlich habe ich aber vor gut fünf Jahrzehnten einen Steyr-Puch bei Bergrennen bewegt. Der war von Eisele gemacht und war ein wunderschönes Rennfahrzeug. - Mit um 50 PS! - Damit konnte man eine Menge Spaß haben. Die 700er Klasse war immer proppenvoll! - Motorsport just for fun! - Nur das war wichtig!

Mein damaliger „Gegner“ ist heute noch im Besitz seines Steyr-Puch und das ist auch der Grund, warum er in diesen Tagen am Nürburgring ist. Wir haben über den damals unschlagbaren Dieter Nakaten und seinen Steyr-Puch gesprochen und seinen tragischen Tod im Jahre 2012; über seinen  damaligen Monteur, Oskar Berg, der auch mal in der Sportabteilung bei Solex in Neuss arbeitete, wo Ende der 60er Jahre dann ein Jürgen Stockmar sein Chef war, der später Chefentwickler sowohl bei Audi als dann auch bei Opel war und heute – wenn ich recht informiert bin – immer noch als Professor in Wien junge Studenten in die Welt der Technik einführt.

Nach Österreich hatte es ihn verschlagen, weil er auch bei Magna in Graz in leitender Position tätig wurde und sich zu dieser Zeit dann – endlich – seinen Kindheitstraum erfüllen konnte, Besitzer eines Ferrari zu sein.

Jürgen Stockmar war zwischenzeitlich auch mal mein Chef als Chefredakteur der „Auto Zeitung“ in Köln. Nicht nur von mir mit seinem großen technischen Wissen als Chef akzeptiert, sondern auch von der Industrie. Das war eine Zeit, in der ein Chefredakteur noch auf Augenhöhe mit den ranghohen Technikern der Automobilindustrie Fachgespräche führen konnte.

Es gab wirklich einmal eine Zeit, in der eine Fachzeitschrift noch ihre Aufgabe darin sah, zwischen Automobilindustrie und Autokäufer Mittler zu sein, Technik verständlich zu machen, überflüssige –   Technik, die nur dem „qualitativen Wachstum“ der Industrie diente, dann auch als das darzustellen, was sie eigentlich war. - Immer auf der Seite der Leser! - Die Leser wurden fachlich informiert, damit sie z.B. bei einer Kaufentscheidung, die einen wesentlichen Teil ihres Vermögens betraf, auch sicherer waren.

Heute hat man mehr den Eindruck, dass die Marketingvorstellungen von Industriefirmen umgesetzt werden.

„Damals“, das war eine Zeit, in der die Vorstände manche Automobilfirmen dann schon mal die Herren Verleger daran erinnern mussten, dass man doch in der Vergangenheit immer so nett zusammen gearbeitet habe und dass es doch schade wäre, wenn dieses gute Verhältnis jetzt durch eine so „dumme Geschichte“ in einer ihrer Zeitschriften eine Trübung erfahren würde.

Heute ist so etwas nicht mehr notwendig. Die Chefredakteure wissen was ihre Verleger von ihnen erwarten und die Redakteure wissen, was ihre Chefredakteure wollen. Darum machen sie sich schon mal – ab und an – eine wirklich gute Geschichte „selbst im Kopf kaputt“, weil sie nicht anecken wollen.

Bei Motor-KRITIK wird geschrieben, was geschrieben werden muss. Da heult dann schon mal selbst der eine oder andere Leser auf, „weil man das doch auch anders schreiben könnte“. - Wie z.B. meine letzte Geschichte zum Verhalten des DMSB.

Außer mir kannten – und kennen - die aktuelle Entwicklung noch weitere Kollegen aus der Fachzeitschriften-Welt. Aber wer hat schon klar und verständlich zu unverständlichen Entscheidungen beim DMSB in Frankfurt Stellung bezogen? - Zugegeben: Es ist auch schwer Entscheidungen zu beurteilen, die man nicht beurteilen kann, wenn man nicht in der Welt des Motorsports – sozusagen - „aufgewachsen“ ist.

Aber man muss auch gewachsene Strukturen kennen, Persönlichkeiten einordnen können. Ist z.B. jemand eher eigen- oder fremdbestimmt? Warum versagt in dem von Motor-KRITIK vor Tagen  beschriebenen Fall der Teil eines Rennsport-Ausschusses, der eigentlich dazu bestimmt ist, die spezifischen Eigenheiten der Nürburgring-Nordschleife in die Regularien des DMSB einzubringen?

Wenn sich meine Leser einmal einen Eindruck von dem Entscheider bei dem DMSB in Frankfurt machen wollen, der für die in der Motor-KRITIK-Geschichte beschriebene Ablehnung sorgte, dann sollten Sie sich einmal rd. drei Minuten Zeit nehmen und mal HIER auf „YouTube“ hinüber klicken.

Vielleicht verstehen Sie dann die eigentlich selbstherrliche Ignoranz der handelnden Personen beim DMSB gegenüber den eigenen Gremien!

Wenn jetzt ein Max Welti vom VW-Konzern zur BMW-Group wechselt: Was wird man darüber lesen können? - Sicherlich schöne Geschichten! - Aber wer kennt schon Hintergründe, Zusammenhänge? - Wer könnte sie überhaupt herstellen, weil Max Welti eigentlich ein Mann war, der seine Aktivitäten gerne im Hintergrund entfaltete. - Vom Geschäftsführer einer Tanzschule zum Motorsport-Berater von Automobil-Konzernen. - Geht doch!

Mir ist er schon besonders in Sachen „V8-Star“ aufgefallen. Wer erinnert sich überhaupt noch an diese Serie? - Sie wurde im Ruhrgebiet geboren, hatte dort auch ihren Finanzier. Mit fallen dazu Namen wie Altfried Heger und Thomas Ammerschläger ein. - Und natürlich Peter Zakowski.

Wer erinnert sich noch an Willy Knupp? - Das war der Mann, der später für die Formel 1-Verbindungen von RTL stand. - Ich kenne ihn noch aus seiner Zeit als Sportsekretär des ADAC Gau Nordrhein, wie er „früher“ hieß. - Aber auch schon vorher! - Alles Vergangenheit?

Denn zwischen dieser Vergangenheit und der aktuellen Situation im deutschen Motorsport gibt es  einen Zusammenhang. - Wer soll den herstellen, wenn er die Vergangenheit nicht erlebt, die Entwicklung hin zu den „modernen Lösungen“, stark marketinginitiert, nicht beobachtet hat? - Mit der notwendigen Nähe zum Geschehen und dem richtigen Abstand zu den Aktiven.

Was den DMSB betrifft: Da sollte man schon wissen, wer woher kam, sollte sich ein Bild gemacht haben, in dem er Leute „über die Zeit“ aufmerksam beobachtete. - Bis hin zu solchen Details, dass jemand „Birkenstock“ bevorzugt.

Es tut mir weh, wenn ich aktuell die Zukunft von bisher guten und wichtigen Serien im Motorsport nicht so positiv sehen kann, wie sie an anderer Stelle – immer noch – dargestellt werden. Ich werde auch in den nächsten Wochen wieder Details veröffentlichen müssen, die mich nach der notwendigen Recherche in der Sache nicht unbedingt glücklich gemacht haben und die ich z.Zt. noch in Detail-Recherchen abkläre.

Aber sollte ich  – weil es viele andere tun –  nun auch „Hallulujah!“ rufen und ein „Alles wird gut!“ vorhersagen wollen?

Da halte ich es lieber mit Adenauer, der bei jeder Gelegenheit eine Feststellung gerne wiederholte:

„Die Lage war noch nie so ernst!“

Oder sollte ich mich lieber an den vor Jahren üblichen morgendlichen Beginn bei SWR3 erinnern:

„Positiv sollten Sie Ihren Tag beginnen!“

Ich bin als Journalist da mehr für die Schilderung von Fakten, die oft – als Aneinanderreihung – kein gutes Bild ergeben. - Ich würde gerne „schöne Bilder“ schaffen, fühle mich aber mehr dem eigentlich journalistischen Grundgedanken verpflichtet,

„...dass Journalismus nicht nur die Übermittlung und Verbreitung von Information zugrunde liegt, sondern dieser auch seine Verpflichtungen gegenüber der Öffentlichkeit erfüllt und deren Anliegen und Interessen in den Mittelpunkt stellt.“

Fortsetzung folgt!
Wilhelm Hahne
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