F1 + Toto Wolff = XY ungelöst: Differenzen stören!

Zeit-Differenzen bei Rundenzeiten in der Formel 1 zum Beispiel. Wer sich um die Auflösung des Rätsels bemüht, bekommt keine Antwort. Die Frage ging an eins der Spitzenteams in der Formel 1, zufällig ein deutsches. Dort führt ein Österreicher Regie. Da passt wohl eine solche Frage nicht ins Bild. Chef-Regisseur dort ist „Toto“ Wolff. Wo der Chef des Mercedes Formel 1-Teams her kommt, scheint ein Geheimnis zu sein. Wer – bei dieser Gelegenheit – einmal nachbohrt, erfährt in vielen Darstellungen immer das gleiche: „Toto“ kam aus dem Nichts! - Man erfährt, dass er geboren wurde, sein Vater früh starb, seine Mutter Ärztin ist, er mit seinem Einstieg in die Selbstständigkeit und „gutem Riecher“ zu viel Geld gekommen ist – und nun in der „Oberliga“ der Erfolgreichen mitspielt. Er ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei Kinder aus erster Ehe; mit Suzie Wolff, seiner zweiten Frau, inzwischen auch ein Kind. - Aber nirgendwo steht, wie er in den Motorsport kam, wer ihm die Bahnen ebnete, wer ihm das Geld zur Verfügung stellte, um seinen motorsportlichen Neigungen nachgehen zu können. - Aber die Erfolge sind erwähnt! - Inzwischen ist „Toto“ Wolff 46 Jahre alt. Aber irgendwann war er einmal jünger. Und ich kenne niemanden, der – um die Zwanzig alt – schon aus eigenem Vermögen sich den Genuss des Rennen fahrens aus selbst verdienstem Geld erlauben konnte. - „Toto“ Wolff kam – wenn man „Wikipedia“ vertraut – irgendwie aus dem Nichts. Selbst wenn man viele seiner Interviews liest, erfährt man immer das Gleiche. Weil offensichtlich niemand jemals danach gefragt hat. - Wie das auch jetzt bei den auffallend großen Differenzen zwischen schnellster Quali- und schnellster Rennrunde der Fall ist. - „Toto“ Wolff scheint vom Kindergarten aus schon direkt die Weichen zur Börse gestellt zu haben. - Er hat dazu niemals etwas gesagt. Genauso  wenig, wie er – bzw. die Öffentlichkeitsarbeiter seines Mercedes F1-Teams – nichts dazu sagen (dürfen?), warum die schnellen Runden im Qualifying und Rennen der Formel 1 so stark differieren. - Man erhält keine Antwort auf einfache Fragen. - Sie würden wahrscheinlich nicht ins Bild passen, dass uns von der Formel 1, der „Königsklasse“ des Motorsports, vermittelt werden soll.

F1 + Toto Wolff = XY ungelöst: Differenzen stören!

Wenn ich vor Jahrzehnten mit einem der BMW-Oberen, Paul G. Hahnemann, darüber sprach, warum BMW Motorsport betreiben würde, dann erhielt ich lachend die Antwort: Weil wir kein Geld für Werbung haben und erfolgreich betriebener Motorsport die billigste und beste Werbung ist.

Das hat sich genauso geändert, wie viele andere Dinge auch – über die Zeit. Auch der Motorsport unterliegt heute „modernen Gesetzmäßigkeiten“. Das macht ihn nicht unbedingt „billiger“. Man könnte auch einfach sagen: Er ist verlogener geworden.

Da passt es einfach nicht ins Bild, wenn jemand einfache Fragen stellt. Denn der Motorsport darf nichts von seiner Faszination verlieren, man darf keine Hintergründe offen legen. Vordergründig muss es der Sport bleiben, den der normale Bürger erwartet.

Werfen wir doch noch einmal einen Blick in die Aufstellung, die ich nach Ende des letzten Formel 1-Laufs in Spa-Francorchamps erstellte. Da fahren Vettel und Hamilton schon auf trockener Strecke in Quali 2 die schnellsten Zeiten, nach dem Start fliegt dann Vettel auf der ersten Geraden praktisch an Hamilton vorbei – mit großem Geschwindigkeitsunterschied - und diese zwei Vertreter der führenden Teams in der Formel 1, Ferrari und Mercedes, kämpfen nun um Sieg und Niederlage. - Optisch. - Schaut man auf die Leistungen der Fahrer, die hinter ihnen einliefen – die Liste wurde auf der Basis der ersten 10 nach der Zieldurchfahrt erstellt – dann muss einfach auffallen, dass im Qualifying Vettel und Hamilton deutlich schneller waren als die Konkurrenten, während sie es dagegen im Rennen geradezu „langsam“ angehen ließen. - Während sie um den Sieg kämpften!

Bottas, eigentlich sonst immer nahe an Hamilton, war im Qualifying klar langsamer, während der – von hinten durchs Feld pflügend – im Rennen die klar bessere fahrerische Leistung erbrachte. Zumal die bessere Rundenzeit mit den für diese Strecke zweitbesten Reifen erzielt wurden.

Blickt man einmal auf Verstappen, ergibt sich ein ähnliches Bild. Da wird dem Renault-Motor zwar fehlende Power unterstellt, aber Max Verstappen fährt damit im Qualifying auf Platz vier, fährt damit die drittschnellste Rennrunde, die dann in der Differenz zwischen diesen Werten eine Vier vorne stehen lässt, während Vettel und Hamilton eine Fünf in der Differenz aufweisen.

Das war nicht nur bei diesem Rennen so, so daß ich gegen Ende Juli schon mal bei Mercedes angefragt habe, aber bis heute keine Antwort erhielt. So ein Verhalten kann nicht auf der eigenen Entscheidung eines Pressesprechers basieren, dazu braucht er die Rückendeckung seines Chefs.

Sein Chef ist „Toto“ Wolff, der Mann, der – wenn man seine Entwicklung an dem misst, was über ihn öffentlich bekannt wurde – aus dem Nichts kam. Natürlich muss es eine technische Erklärung für die oben dargestellten „Differenzen“ geben, aber solche „Transparenz“ würde sicherlich der inzwischen zu einer Marketing-Inszenierung verkommenen Sportart Formel 1 nicht gut tun. - Vielleicht würde es dem jeweils vor den Rennen aufgebauten „Spannungsbogen“ schaden!

Darum hört man nichts, sagt man nichts. Auch weil man sicher sein kann, dass niemand anders solche Fragen stellt, weil „man“ doch heute mehrheitlich weiß, „was sich gehört“.

So habe ich dann Anfang der Woche meinen Lesern die Frage gestellt, ob sie eine Erklärung für die Differenzen haben. Denen sind auf der Suche danach folgende eingefallen, die ich einmal – um vielleicht eine kleine Diskussion „ganz unter uns“ auszulösen – unkommentiert folgen lasse:

  • Die Fahrer können für die Runde im Qualifying auf eine voll geladene Batterie und damit maximalen Antrieb (4 MJ) der MGU-K zurückgreifen.
  • Da nur eine Runde gefahren wird, kann möglicherweise auf eine hohe Energierückgewinnung durch die MGU-H verzichtet und damit der Abgasgegendruck reduziert werden, was eine höhere Leistung des Verbrennungsmotors ermöglicht.
  • Gegenüber dem Rennen kann das Verhältnis zwischen Kraftstoffverbrauch und der Menge des verbleibendes Kraftstoffs (max.105kg) zur Überwindung des Restdistanz optimal gewählt werden und wird nicht durch den Rennverlauf beeinflusst. Das Fahrzeuggewicht ist zudem während des Qualifyings am geringsten.
  • Im Qualifying3 können brandneue Reifen mit der schnellsten Reifenmischung verwendet werden, die zudem in ihrem optimalen Temperatur- und Druckbereich arbeiten. Dabei ist zu beücksichtigen, dass die Kombination von neuen Reifen und dem möglichst geringen Gewicht - praktisch - auch nur im Qualifying möglich ist. Beispielsweise fuhr V. Bottas in Spa die schnellste Rennrunde in Runde 32/44 mit der Reifenmischung "Soft" statt der schnelleren "Supersoft".
  • Der Reifenverschleiß kann während dem Qualifying auch außer Acht gelassen werden.
  • Durch die Möglichkeit des Einsatzes von verschiedenen Motoreinstellungen kann die Leistung des Verbrennungsmotors während des Qualifyings maximiert werden, ohne dabei Kompromisse hinsichtlich der Haltbarkeit eingehen zu müssen.
  • Außerdem kann  das DRS während dem Qualifying uneingeschränkt verwendet werden ohne dabei gleichzeitig durch die nachteiligen Turbulenzen durch einen nah vorausfahrenden Konkurrenten gestört zu werden.

So weit das neue Diskussionsmaterial! - Gewichtsunterschiede zwischen Qualifying und Rennen hat es immer gegeben. Auch zu der Zeit, in der der seit 2004 – heute immer noch (!) - bestehende Rundenrekord in Hockenheim gefahren wurde. Mit einer gut 4 Zehntel Sekunde Differenz, bezogen auf eine Runde Qualifying und die schnellste Rennrunde. - Da war die Erklärung noch einfach!

Ich möchte das hier dann so stehen lassen und melde mich zu diesem Thema mit einer entsprechenden Vergleichsliste wieder nach dem Formel 1-Lauf in Monza. - Meinen Lesern fällt vielleicht zu dem Thema in nächster Zeit noch mehr ein.

Das wird das „Differenzen“-Rätsel zwar auch nicht unbedingt lösen, aber vielleicht kommen wir der richtigen Antwort ein wenig näher. - Auch wenn es dem Teamchef nicht passen sollte.

Motor-KRITIK gehen niemals interessante Themen aus, die oft einfach während des Überlegens und Nachdenken zu ganz anderen Geschichten auftauchen.

Ich mache mir eigentlich so selber Arbeit – und versuche sie gut zu machen. - Der Versuch ist jedenfalls nicht strafbar!

MK/Wilhelm Hahne
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