Nürburgring: Noch in „Bermuda-Dreieck“-Funktion?

Vor fast 12 Jahren – exakt im September 2007 – habe ich eine Geschichte geschrieben, die auch in meinem Buch zum „Nürburgring-Skandal“ nachzulesen ist. Die trug den Titel: „Gibt es ein Bermuda-Dreieck für Steuergelder in der Vulkaneifel?“. - Zu dieser Zeit wurden meine Anfragen von einem Herrn Bruckner, damals Marketing-Guru der landeseigenen Nürburgring GmbH nicht mehr beantwortet. Diese Funktion hat heute – nun unter russischer Oberleitung – Herr Alexander Gerhard übernommen, der in der Gehaltsliste der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG als Teamleiter & Social Media/Pressesprecher geführt wird. Der antwortet in seiner Funktion offenbar nur auf Anfragen von solchen Journalisten, bei denen er sicher ist, dass seine Informationen ungeprüft übernommen werden. - War der Nürburgring – damals noch im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz – eine Art „Bermuda-Dreieck“ für Steuergelder, so hat er heute die gleiche Funktion, wenn es evtl. um Informationen geht, die den Nürburgring nicht in „rosigem Licht“ erscheinen lassen. - Denn lt. offizieller Darstellung, an der alle Nürburgring-Mitarbeiter mitarbeiten müssen, ist am Nürburgring alles bestens. - Oder wird doch Dieses oder Jenes vertuscht? - Darum stellt Motor-KRITIK – mit Beispielen in der folgenden Geschichte – die Frage:

Nürburgring: Noch in „Bermuda-Dreieck“-Funktion?

Die „Touristenfahrten“ auf der Nürburgring-Nordschleife sind für die neuen Besitzer einbringlich. Darum wird zugunsten dieses Angebots so manche andere Lösung, die sich im Umfeld von Rennen oder Festivals bewährt hat, heute ausgeschlagen. Wenn auch nicht der Rubel, so rollt doch der Euro mit Nordschleifen-Touristenfahrer-Hintergrund bei jeder Gelegenheit. Selbst an das Ende von „Industrietagen“ werden noch schnell ein paar Stunden „Touristenfahrten“ angehängt. Bei „Rock am Ring“ darf auch die Nordschleife nicht mehr zum Campen genutzt werden. „Touristenfahrten“ sind einbringlicher!

Darum ist man wohl besonders vorsichtig, wenn z.B. Motor-KRITIK bestimmte Dinge in diesem Zusammenhang hinterfragen möchte. Zwar zahlt der Fahrer – je nach Wochentag – zwischen 25 und 30 Euro pro Runde, aber er ist sich nicht darüber im Klaren, dass das auch deutlich teurer werden kann. Vor allen Dingen dann, wenn bei einem Unfall auf dieser Rennstrecke vielleicht seine  Versicherung nicht mit spielt.

Richtig ist: Die Rennstrecke Nordschleife ist – wenn sie nicht für Rennen genutzt wird – z..B. als Kraftfahrzeugstraße mit dem in der StVO vorgesehenen Schild versehen. Und die Polizei nimmt dort nicht nur – für den Besitzer des Nürburgrings kostenlos – Unfälle auf, sondern erfasst sie auch – und das ist eigenartig – in einer separaten Unfallstatistik, die aber nicht unbedingt aufmerksamen Beobachtern den Eindruck vermittelt, dass sie die Realität widerspiegelt.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, ehemals Besitzer des Nürburgring, ist übrigens – anders als der Besitzer des Nürburgrings aktuell - der Meinung, dass der Nürburgring eine Privatstraße ist!

Schon aus dieser unterschiedlichen Einstellung ergeben sich einige Differenzen in der Bewertung der einen oder anderen Situation. - Man macht es sich jeweils passend. - Aber in jedem Fall sind die „Touristenfahrten“ für den Nürburgring-Pächter – und damit auch für den Nürburgringbesitzer – einbringlich. Sie erbringen deutlich mehr als 50 Prozent des in letzter Zeit ausgewiesenen Gewinns.

Klar, dass jede Stunde, die der Nürburgring – z.B. aus Gründen eines Unfalls – nicht befahren wird, für den Pächter einen Verlust bedeutet, den er dann dem Unfallverursacher weiter berechnet. Selbstverständlich werden auch Schäden an Strecke und Leistplanken weiter berechnet.

Weil ich dazu meinen Lesern ein paar zuverlässige Informationen vermitteln wollte, habe ich am 8. April 2019  den Pressesprecher der Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG einmal danach befragt, ob sich in 2019 gegenüber 2018 die dem jeweiligen Unfallfahrer berechneten Zusatzkosten irgendwie verändert haben.

Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Auch als ich die zur Reparatur der Leitplanken jeweils eingesetzte Stahlbaufirma wegen der Kosten befragt habe, bin ich ohne Antwort geblieben. Beim Nachrecherchieren bin ich darauf gestoßen, dass man dort gerade mit der Pächter-Firma über einen neuen Anschlussvertrag verhandelte.

So konnte ich auch erfahren, das die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG in nächster Zukunft eigentlich dieses Geschäft – aber auch noch andere bisher „outgesourcten“ Arbeiten – gerne selber machen würde. Darum habe ich dann der Stahlbaufirma gegenüber auch mein Verständnis ausgedrückt, dass man in dieser Situation nicht mit mir sprechen würde, da den Chefs der Firma natürlich auch die „Abneigung“ der Nürburgring-Macher gegenüber Motor-KRITIK bekannt ist.

Unerwartet habe ich dann die Information erhalten, das man am Nürburgring wieder mit der „Leitplankenfirma“ einen Vertrag abgeschlossen hätte, die hält sich aber mir gegenüber – was die Reparaturkosten an Unfallstellen auf der Nordschleife betrifft – bedeckt. Weil man über Vertragsdetails nicht sprechen darf.

  • Mich würde übrigens die Laufzeit des Vertrages interessieren!

Keine Auskunft sollte ich auch bei der LBM, Fachgruppe Luftverkehr, am Flughafen Hahn erhalten, als ich nachfragte, ob es für eine vom Pressechef des Nürburgrings angekündigte Veranstaltung mit Drohnen-Vorführungen, eine nach m.E. notwendige „Aufstieggenehmigung“ gegeben hätte. Man berief sich auf die scharfen europäischen Datenschutzbestimmungen.

Es bedurfte schon eines kleinen Hin und Her von E-Mail, bis ich dann die Auskunft erhielt:

  • Es wurde keine Aufstiegsgenehmigung am entsprechenden Termin für die Veranstaltung am Nürburgring erteilt!

Dann erreichte mich in der letzten Woche die Information eines Lesers, die mich in Verbindung mit anderen Informationen nachdenklich machte:

„Bereits kurz nach der Sperrung der Nordschleife - kommen die Raser alternativ über die öffentlichen Strecken, weil man hat ja den Wagen fürs Wochenende gemietet und will jetzt auch fahren. Polizei: Fehlanzeige!“

Es hatte am vorletzten Wochenende z.B. durchaus diese Situation gegeben, als wegen eines Unfalls am „Schwedenkreuz“ die Nordschleife für Touristenfahrten lange gesperrt war. Bei der Nachrecherche bin ich auf widersprüchliche Informationen gestoßen. Darunter war auch der Polizeibericht vom Wochenende, wo von einem Unfall am „Schwedenkreuz“ mit zwei Schwerverletzten die Rede war.

Andere Informationen sprachen aber von zwei Unfällen am „Schwedenkreuz“, sowohl am Samstag, als auch am Sonntag. In beiden Fällen waren die „Touristenfahrten“ dann unterbrochen. Eine um Klärung bemühte Rückfrage bei der Polizei ergab:

  • Es hat zwei Unfälle am „Schwedenkreuz“ mit jeweils zwei Schwerverletzten gegeben!

Eigenartig mutet der letzte Satz in der richtig stellenden Information der Polizei an:

„Eine korrigierende Pressemeldung um Ergänzung des zweiten Verkehrsunfalls wird von hier aus nicht erfolgen und war auch letzte Woche nicht beabsichtigt.“

Der Streckenabschnitt „Schwedenkreuz“ wurde übrigens durch die im Winter durchgeführten Baumaßnahmen deutlich schneller, was nicht nur die Durchfahrtsgeschwindigkeiten von Rennfahrzeugen an dieser Stelle deutlich erhöhte, sondern auch das Unfallrisiko für „Touristenfahrer“, wie das Beispiel vom vorletzten Wochenende zeigt:

  • 4 Schwerverletzte an zwei Tagen!

Ich lasse hier noch einmal die „Unfall-Nebenkosten“ für „Touristenfahrer“ auf der Nürburgring-Nordschleife von 2018 einfließen:

  • Inspektion des Schadens durch Fachleute               150 Euro
  • Entfernung beschädigter Leitplanken pro Meter        10 Euro
  • Neue Leitplanken pro Meter                                      31 Euro
  • Safety-Car-Einsatz - 30 min -                                     82 Euro
  • Abschleppen des Unfallwagens mindestens              600 Euro
  • Nordschleifensperrung pro Stunde                       1.350 Euro

Ich habe sie in meiner Anfrage auch genannt und schrieb dem Pressesprecher des neuen Nürburgring-Besitzers und Verpächters dazu:

„Wenn ich nichts von Ihnen höre, gehe ich davon aus, dass sich die o.g. Preise in 2019 gegenüber 2018 nicht verändert haben. - Und Kameras sind nach wie vor an der Nordschleife "dünn gesät". - Über die Überwachungskamera in "Breidscheid" habe ich bereits berichtet.“

Drei Stunden nach dem Einstellen der Geschichte: Aus dem direkten Umfeld des Nürburgrings erhalte ich freundlicherweise – und sehr schnell - eine Korrektur der hier veröffentlichen Preise aus 2018 für 2019. Ich kann – weil man am Nürburgring mir gegenüber dazu keine Stellung bezieht auch nicht sagen, welche Angaben richtig sind. Wenn die „Touristenfahrer“ mit dem Teuersten rechnen, liegen  sie immer richtig:

Beim folgenden Position gibt es eine Übereinstimmung mit den von mir genannten Preisen:

  • Inspektion des Schadens durch Fachleute.
  • Sperrung der Rennstrecke.
  • Entfernung beschädigter Leitplanken pro Meter.
  • Safety-Car-Einsatz pro 30 Minuten.
  • Abschleppen des Unfallwagens.
  • Das ist anders, bzw. teurer:
  • Streckenbegrenzung pro Meter           150 Euro
  • Lohn je Meter Befestigung                   41 Euro

Wobei mich wundert, dass man auf der einen Seite immer wieder versucht, die Rennstrecke Nordschleife zu einer bei den „Touristenfahrten“ mautpflichtigen Kraftfahrzeugstraße zu machen, aber dann gleichzeitig eine Überwachungskamera installiert, die jedes diese Stelle passierende Fahrzeug mit seinem Kennzeichen im Bild festhält. - Man spricht von Datenschutz eben nur dann, wenn er eigenen Interessen dient.

Am Nürburgring stimmt leider – entgegen dem immer wieder gemachten Versuch, die Realität zu schönen – eigentlich wenig.

Inzwischen ist das Kulturgut Nürburgring auf eine andere Art zu einem „Bermuda-Dreieck“ geworden. Wo gestern noch Steuergelder verschwanden, verschwinden heute Informationen.

Erstaunlich ist, wer alle dem neuen Nürburgringbesitzer – und Nutzer – dabei hilft!

Auf wessen Anweisung? - Von Wem? - Von wo oben?

MK/Wilhelm Hahne
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