Lob verdient? - Ola-la, Källenius, alter Schwede!

In jedem Fall hat er es gut gemacht! Wofür haben wir ihn auch in St. Gallen studieren lassen? Dort hat Ola Källenius alles mitbekommen, was man in Sachen „Management & Finance“ wissen muss. Was man seit seiner Inthronisierung als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG – und Nachfolger von Dieter Zetsche - erlebte, war insgesamt aber nicht so berauschend, hat jedenfalls mich nicht davon überzeugt, dass dieser Neue in Stuttgart über ein besonderes Einfühlungsvermögen beim Einstieg in seine neue Führungsrolle verfügt. - Anderes ist aber besser.

Nachdem er in 2019 Dieter Zetsche abgelöst hatte, forderte er als erstes seine Führungskräfte mit einer e-Mail zu Einsparungen auf. Dann hat er eine Aufteilung des Konzerns angedacht. Aus einem DAX-Konzern macht er zwei DAX-Konzerne. Und die hohen ersten Verluste aus der Diesel-Affäre – und andere Zetsche-Hinterlassenschaften - hat er erst einmal in der 2019er-Bilanz untergebracht, für deren Ergebnis er nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Er hat also eigentlich alles umgesetzt, was man so in St. Gallen zum Thema „Management &  Finance“ lernen kann. Nur hat er leider wohl nicht gelernt, wie man das der Öffentlichkeit ein wenig anders präsentieren kann. Källenius hat offenbar keine hohe Meinung von seinen Aktionären, um die er sonst sehr bemüht ist. Er handelt und verkauft die neue Ausrichtung des Konzerns wie mit dem Holzhammer. - Dem Niveau seiner Aktionäre angepasst?

Natürlich will er Milliarden einsparen. Bis 2021 sechs Milliarden Euro. - Hat er gesagt. Und bis 2040 soll Mercedes CO2-frei sein. - Tolle Versprechen, alter Schwede! - 2040 ist Ola Källenius dann 71 Jahre alt! - Hat er dann immer noch keinen Nachfolger? - Und wenn er 10.000 Leute entlässt, erhöht er die Produktivität! - Det är okej, det ordnar sig!

Er schwimmt auf der aktuellen Welle der Versprechungen in eine Zukunft, die ihn nicht mehr interessiert, weil er eigentlich dann in der Funktion, in der er dieses Versprechen gab, nicht mehr in der Position ist, in dem man ihm dieses Versprechen vorhalten könnte.

Dass Ola Källenius intern zum Nachfolger an der Spitze des Unternehmens aufgebaut wurde, hat man spätestens dann begreifen müssen, als er 2017 „noch schnell einmal“ – für zwei Jahre – die Konzernforschung und Entwicklung bei „Mercedes Cars“ übernehmen musste. Källenius ist kein Techniker, man wollte aber offenbar für die Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass er in allen Sparten eines Automobilherstellers „ausgebildet“ wurde.

Gerade die letzte Position vor seinem Aufstieg an die Spitze des Konzerns macht aber klar, dass seine „interne Ausbildung“ nur Alibi-Charakter hat: Wer zwei Jahre die Entwicklung bei so einem Automobilhersteller geleitet hat, der hat da nur mal „rein geschnuppert“, noch nicht einmal die ganze Entwicklungsphase auch nur eines einzigen neuen Modells mitbekommen. - Dann hätte er gut fünf Jahre dort verbringen müssen.

Wenn gerade mal wieder – weltweit – ein großer Rückruf bevorsteht, der eine siebenstellige Zahl von Mercedes-Automobilen betreffen wird, so zeigt die Häufung solcher Rückrufe – gerade in letzter Zeit – dass Mercedes dabei ist, seinen guten Ruf als „Premium-Marke“ zu verlieren. Im hier erwähnten Fall geht’s um das eCall-System. - Aber eigentlich gibt’s Rückrufe bei Mercedes in letzter Zeit querbeet! - Der Name Mercedes ist aktuell kein  Qualitätsversprechen mehr!

Ein Prof. Niefer hätte in einem solchen – und den ähnlichen Fällen – hart ein- und durchgegriffen. Ola Källenius werden nur die Kosten interessieren. Schließlich ist er ein perfekt ausgebildeter Finanz-Fachmann mit Manager-Qualitäten – auf diesem Gebiet!

  • Rückrufe werden wahrscheinlich aus seiner Sicht die Kontakte zum Kunden intensivieren!

Denn eigentlich verhält er sich doch geschickt! - Das hat er doch jetzt mit der 2020er-Bilanz bewiesen! Er hat 50 Prozent mehr Gewinn als 2019 ausgewiesen. Und wenn er den Konzern erfolgreich gesplittet hat, wird man seine Leistungen auf anderen Gebieten auch nicht mehr per Statistik vergleichen können.

  • Ola Källenius ist wirklich der Größte. - Zur Zeit immer noch 1,95 Meter!

Aber auch das wird bis zum Jahr der CO2-Freiheit bei Mercedes – das wäre dann 2040 – nicht mehr so sein! - Alles ändert sich!

Mercedes ist auch nicht mehr Mercedes!

MK/Wilhelm Hahne

PS - für neue Motor-KRITIK-Leser: Auch zu Vorgänger Zetsche habe ich kurz nach dessen  Berufung im Jahre 2006 eine Geschichte geschrieben, die den Titel trug: „Dieter Zetsche: „Einer wie kein anderer zuvor“. - Die ist mit einem Klick HIER zu erreichen, weil ich sie im Jahre 2019 – zum Zetsche-Ende als Vorstandsvorsitzender – noch einmal, im „Vorspann“ den „Nachrufen“ angepasst - auf diesen Seiten – zur Erinnerung - eingestellt hatte.

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