1000-Kilometer-Rennen: Die Curry-Wurst war besser!

Nein! - Ein Versuch ist nicht strafbar! - Aber irgendwie hatte das am Samstag (!) auf dem Nürburgring-Gesamtkurs durchgeführte 1000-Kilometer-Rennen in der erlebten Realität wenig mit dem zu tun, was man als Zuschauer in der eigentlichen Vergangenheit des „alten“ 1000-Kilometer-Rennens am Nürburgring erleben konnte. Hier wurde etwas – auch im Internet – versprochen, was dann nicht zu halten war. Ich – und wir bei Motor-KRITIK – waren davon nicht überrascht. Ich habe noch die „Hoch-Zeit“ der 1000-Kilometer-Rennen am Nürburgring erlebt. Ich kann vergleichen. Weder Wagen- noch Fahrer-Qualitäten waren dieses Mal auf dem Niveau von „damals“. Für mich war das diesjährige 1000-Kilometer-Rennen aber immerhin eine perfekte akustische Begleitung beim Essen einer – guten (!) - Curry-Wurst, die so zu einer „scharfen Rennwurst“ wurde. - Als Journalist so – eigentlich nur zum Essen – vor Ort, ist mir aber noch einiges ein- und aufgefallen. - Das habe ich dann nachstehend – mit Fotos garniert – für meine Leser mal notiert. Denn ein 1000-Kilometer-Rennen braucht auch eine Kulisse und eine Atmosphäre, die von den Besuchern als positiv empfunden wird. Die schafft nicht alleine ein Veranstalter, sondern auch der Besitzer des Nürburgrings bzw. dessen Verpächter-Firma. - Schau’n wir mal! - Aber eigentlich – um schon jetzt das Ergebnis meiner journalistischen Bemühungen zusammen zu fassen:

1000-Kilometer-Rennen: Die Curry-Wurst war besser!

Ich halte Abstand! - Nicht im Straßenverkehr unterwegs, sondern vor einer Würstchenbude auf dem Nürburgring-Parkplatz „Brünnchen“ in einer Schlange stehend. Wir rücken langsam vor. Aber ich habe auch Zeit! - Es ist Samstag und meine Frau ist mit dem dörflichen Möhnenverein unterwegs.

Es ist früher Nachmittag und ich verspüre Hunger. Da liegt es nahe, dass man – in der Eifel wohnend - zum Essen einer „Rennwurst“ an den Nürburgring fährt. Schließlich ist es ein Renn-Samstag! - Es findet aber kein VLN-/NLS-Lauf statt, sondern der ADAC-Versuch, das 1000-Kilometer-Rennen wieder aufleben zu lassen. So kann ich dann meinen privaten Hunger mit meinem journalistischen Interesse verbinden.

Im Internet hatte ich gelesen:

„17. – 18. September 2021 - Real Racers do it! -  Das legendäre Rennen am Nürburgring kommt zurück.

Rennsportgeschichte wird lebendig

Seit 1953 sind die ADAC-1000 Kilometer-Rennen der ultimative Rennsport auf dem Eifelkurs.
Start zum 1000km Rennen Nürburgring 1956    
Auf der Gesamtstrecke siegten bis 1983 alle großen Rennlegenden. Ascari, Moss, P. Hill, Surtees, Siffert, Ahrens, Peterson, Ickx, Merzario.
Stommelen, Heyer, Stuck, Alboreto, Mass, Redman, Wollek, Piquet, Patrese oder Ludwig, Laffite, Fitzpatrick oder Vic Elford.
Die Gesamtstrecke mit gut 26 Kilometer bewältigen, fast 7 Stunden Renndauer, nahezu 40 Runden über Grand Prix Kurs und Nordschleife.
Eine der größten Herausforderungen für Teams und Mensch und Maschine. Im Jahr 2021 kehrt das Rennen zurück. Seien Sie mit dabei!“

Wer die Motorsport-Szene über Jahrzehnte beobachtet hat, der wusste, dass das so nicht gehen würde. Welche Sportwagen und Prototypen aus jener Zeit sollten denn in 2021 unter den “neuen Bedingungen“ im Motorsport hier starten?

„Damals“ war zwar auch vom Veranstalter ein „Überschuss“ erwünscht. Aber er zahlte auch Startgelder! - Heute fordert er – nicht geringe - Nenngelder! - Und die heutigen Besitzer der Unikate von damals – gerade in Deutschland – haben eine andere Einstellung zu ihren Fahrzeugen, als sie z.B. die Engländer heute noch haben.

Es war also auch schon ein wenig journalistische Neugierde dabei, die mich zur Rennwurst an den Nürburgring gelockt hatte. Und ich zählte jede Vorbeifahrt – beim Vorrücken in der Würstchenbuden-Schlange – die ich sehen – und hören – konnte mit. - Bei 56 konnte ich meine Curry-Wurst mit Brötchen in Empfang nehmen. Drei Euro musste ich zahlen. Das entspricht der normalen Kalkulation, wie man sie noch heute – auf den „Materialeinsatz“ bezogen – in der Berufsschule lernt.

Preis korrekt! - Qualität korrekt! - Dabei ist der Besitzer dieser Würstchenbude hier am „Brünnchen“ auch nicht verpflichtet, seine Wurst via Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG zu kaufen. Hier auf dem „Gebiet“ der Würstchenbude bewege ich mich auch nicht auf Nürburgring-Gebiet (angepachtet!), sondern auf dem der Gemeinde Herschbroich! - Die kassiert auch die Pacht für die Würstchenbude!

Als ich zu Hause losfuhr, war ich schon gespannt was mich erwarten würde, denn ich war schon am frühen Abend des Freitags mal hier auf dem Parkplatz gewesen. Immerhin schon ein Veranstaltungstag. Bei der Einfahrt zum Parkplatz hatte ich auch Gitter wahrgenommen, die Zu- und Abfahrt trennten, es gab auch Stühlchen, auf den das Ordnungspersonal Platz nehmen konnte und ein direkt daneben geparktes Fahrzeug, dass auf vor Ort befindliches Kontrollpersonal schließen ließ, aber – es war niemand zu sehen. Ich konnte auch kein Hinweisschild irgendeiner Art entdecken, wie ich sie am Wochenende vorher noch fotografiert hatte.

Als ich auf meinem Parkplatz angekommen war, sah ich, warum es „oben“ keine Einfahrtkontrolle gegeben hatte. Man hatte offensichtlich die Polizei „-dein Freund und Helfer“ gerufen, um einen Camper mit seinem Wohnwagen zu entfernen. Wie ich bei der Wegfahrt feststellen konnte…

...gehörte der wohl auf die andere Seite der B 492, wie auf einem „Privatgelände“ dann auch das Hinweisschild zu finden war, das dort auch schon in der Vorwoche gehangen hatte. Camper hatten wohl für den Zeitraum des 1000-Kilometer-Rennens dort Aufstellung zu nehmen! - Kosten 35 Euro pro Tag, wie man lesen konnte. Dort parkten auch schon Fahrzeuge, wie ich fotografieren konnte.

Ich habe dann noch am Freitag-Abend auf der Internetseite des Nürburgrings folgende Information gefunden:

„An der Nordschleife gibt es derweil keine Zugangsbeschränkungen. Wandern, Spazierengehen und Radfahren ist entlang der Strecke wie gewohnt möglich. Besonderer Service: Wer ein Ticket für den Besuch der Tribünen an der Grand-Prix-Strecke erwirbt, kann sein Fahrzeug exklusiv auch auf den geöffneten Parkflächen an der Nordschleife abstellen. Hierbei handelt es sich um die Streckenabschnitte Brünnchen, Pflanzgarten und Hatzenbach.

Mit dem ADAC 1.000 Kilometer-Rennen kehrt diesen Samstag (18. September) ein großer Name zurück in die Grüne Hölle. Fans dürfen sich beim Revival des Langstreckenklassikers auf historischen Motorsport der 60er, 70er und 80er Jahre freuen. Gefahren wird auf der Kombination aus Nordschleife und Sprintstrecke.“

Es gab also für mich – als Journalist – Gründe genug, an diesem Renn-Samstag auf dem Parkplatz „Brünnchen“ eine „Rennwurst“ zu essen!

Ich habe mein Auto auf einem Parkplatz oberhalb der Zufahrt zum „Brünnchen“-Parkplatz auf der B 492 – kostenlos! - geparkt und bin dann hin zur Würstchenbude gewandert.

  • Tatsächlich hat mich an der Zufahrt niemand angehalten, aufgehalten, befragt, mir wurde freundlich zugenickt und ich bin in Richtung Rennstrecke gegangen.

  Auf meinem Fußweg bergab zur Parkplatz-Zufahrt habe ich im Bild festgehalten, was mir schon bei der Vorbeifahrt aufgefallen war: Es kommt dort zu einem Fahrzeugstau auf der Bundesstraße. Es war so gegen 13:30 Uhr, als ich dort fotografierte. Es kamen hier wohl Zuschauer an, die sich den Start „oben“ an Start- und Ziel angesehen hatten und nun in Ruhe den Fortgang des Geschehens im Bereich „Brünnchen“ beobachten wollten. Erstaunlicherweise – oder nicht? - gab es keinen großen Andrang. Der ist bei einem NLS-Lauf größer!

Aber eigentlich war ich auch wegen der „Rennwurst gekommen. Der Besitzer der „Brünnchen Foodbox“ hatte es auch seinen Gästen gemütlich gemacht. Es waren „Bier-Garnituren“ aufgestellt und man konnte gemütlich beim Blick auf die Strecke essen und trinken. - Tout comfort! - Dass die Gäste dann oft ihre geleerte Pommes- oder Wurstschale in die falsche – in die „gelbe Tonne“ – warfen, soll hier nur als eine meiner Beobachtungen festgehalten werden. - Ich habe meine Schale in die „graue Tonne“ geworfen, die links von der „Foodbox“ (ich bin lernfähig!) stand.

Beim Essen hatte ich weiter auf der Strecke mitgezählt. Ich war bis 70 gekommen, als ich den Porsche wieder mal sah, den ich als schnell und gut gefahren empfand. Ich habe hinterher festgestellt, dass 80 Fahrzeuge am Start waren. Darunter viele Tourenwagen aus der guten und alten Zeit. Ich habe mich zwar gefreut, mal wieder einen Ford Escort MK1 RS 1600 zu sehen, aber: Gehörten jemals BMW E30, E36 oder Opel Kadett zu einem Starterfeld bei einem 1000-Kilometer-Rennen?

Dem Initiator des Rennens, einem Kölner Rechtsanwalt, der z.B. einige ADAC e.V.’s zu seinen Mandanten zählt hat dieses 1000-Kilometer-Rennen aber offensichtlich gefallen, wie ich heute der aktuellen „Rhein-Zeitung“ entnahm:

„Organisationsleiter Henning Meyersrenken zeigte sich bei Sonnenschein mit der erfolgreichen Neuauflage des Rennens sehr zufrieden. ‚Wir haben heute ein einmaliges Langstreckenrennen auf der Nürburgring-Gesamtstrecke im historischen Formal wieder neu aufleben lassen können. Das Feld von 100 Fahrzeugen hat Fahrer und Zuschauer begeistert. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Auflage vom 16. bis 17. September 2022.‘“

Nun, es waren keine 100, sondern 80 Fahrzeuge am Start und das „historische Format“ bestand wohl im Titel zum Rennen. Was mich betrifft, so würde ich mich wirklich freuen, wenn ich im nächsten Jahr mal wieder die Prototypen und Sportwagen erleben könnte, die mich z.B. in den 60er Jahren begeistert haben.

Ich habe, „oben“ am „Brünnchen“ stehend z.B. John Surtees im Ferrari im Regen erlebt. Der war einer der Fahrer der damaligen Zeit, die mich schon begeistert haben. Der einzige Fahrer auf der Welt, der sowohl Motorrad- als auch Formel 1-Weltmeister war. - Er ist – seit 2017 - so tot, wie der Motorsport der damaligen Zeit heute ist, der tatsächlich mal ein anderes Niveau hatte!

Rainer Braun wird mir das bestätigen können. Ich erinnere mich, dass der bei einem 1000-Kilometer-Rennen in den 60ern neben mir am „Brünnchen“ im Regen stand. Er schrieb damals – so nebenbei – für „rallye + racing“. Beim aktuellen ADAC 1000-Kilometer-Rennen hatte er als Streckensprecher nun auch seinen letzten Auftritt. - So habe ich gehört! - Ihm sind sicherlich schöne Sätze eingefallen!

  • Ich kann zum diesjährigen 1000 Kilometer-Rennen nur sagen: Ich wäre als Zuschauer enttäuscht gewesen!

Aber ich war ja zum Essen einer Curry-Wurst zum Rennen gekommen, die ich auf Herschbroicher Gelände genossen habe. - Und als ich ging, hat mir eine Nürburgring-Ordnerin „ein schönes Wochenende“ gewünscht! - Danke!

Es hat aber – neben mir – noch andere Zuschauer beim 1000-Kilometer-Rennen gegeben. Damit sich meine Leser ein Bild von deren Masse, aber auch von der Bewegung auf der Strecke machen können, habe ich ein paar Fotos eingefügt, die am Samstag zwischen 13:30 und 14:00 Uhr entstanden. - Mich hat das Rennen beim Essen nicht gestört!

Mein „Höhepunkt“ an diesem Wochenende war dann aber, dass mir auf dem Weg zu meinem Parkplatz ein Ehepaar begegnete. Wir haben uns im Vorbeigehen gegrüßt, der Mann blieb stehen und fragte: „Herr Hahne?“ - Ich: „Wie kommen Sie drauf?“ - Er: „Motor-KRITIK“.

Auch er war mit seiner Frau auf dem Weg zur „Brünnchen Foodbox“, hatte Eintritts- und/oder Parkplatzgebühren gespart, um die nun anders „zu verprassen“. - Guten Appetit !

Für meine Leser hier noch der Ziel-Einlauf der ersten 10 Fahrzeuge im Gesamtklassement. Ich kann mir allerdings dazu die Anmerkung nicht verkneifen, dass der Gesamtsieger das Rennen mit einer Runde Vorsprung vor dem Zweiten gewonnen hat. Und der Ford, der mit diesem tollen 1600er-Motor, der wurde Zehnter!

  1. Kersten Jodexnis/Robin Chrzanowski/Andreas Gülden/Dr. Eddy Althoff – Porsche 934/5
  2. Ivan Reggiani/Stefano Specht/Ivan Jacoma – Porsche 964 Cup
  3. Jürgen Rudolph/Michael Knebel/Heiko Hammel – Porsche 964 Cup
  4. Peter Schumann/Jürgen Schumann/Joachim Kiesch/Olaf Manthey – BMW 635 CSI
  5. Alexander Kolb/Vincent Kolb/Carl-Friedrich Kolb – Porsche 964 Cup
  6. Georg Griesemann/Björn Griesemann – Porsche RSR
  7. Pedro Sanchez/Lucco Sanchez/Ingo Pütz – Porsche 911
  8. Jürgen Pentz/Marc Simon/Achim Leinhorst – Porsche 964 Cup
  9. Arne Bast/Kurt Strube – Porsche 993
10. Heinz Schmersal/Mike Stursberg/Markus Diederich – Ford Escort MK1 RS 1600

Damit sich meine Leser am Ende dieser langen Geschichte noch/wieder an den Titel zu dieser  Geschichte erinnern, die auch einer „Bewertung“ dieses 2021er ADAC 1000-Kilometer-Rennens gleich kommt:

„Die Curry-Wurst war besser!“

MK/Wilhelm Hahne
Durchschnitt: 4.6 (bei 60 Bewertungen)

Kategorie: 

+ Hinweis für Leser – nicht nur an einem Abonnement Interessierte! +

 

Lieber Leser,

 

Motor-KRITIK ist vollkommen werbefrei, aber – darum – auch ein wenig abhängig von seinen Lesern. - Oder anders: Von Einnahmen. - Nicht alle Leser mögen sich gleich für ein Abo entscheiden.

Wenn Sie ab und an mal auf diesen Seiten vorbei schauen und Ihnen der hier gebotene investigative Journalismus gefällt, dann machen sie doch einfach ihre Zustimmung durch eine kleine Spende deutlich. - Auch kleine Beträge können – per Saldo – eine große Hilfe und Unterstützung sein!

Meine Kontendaten – auch wenn Sie Abonnent werden wollen - finden Sie HIER.

 

Danke!