„Großer Preis der Eifel“: Alles eitel Sonnenschein?

Sonnig, aber kalt war es am Renn-Sonntag. Aber das ganze Rennwochenende wurde durch die Informationspolitik der Veranstalter vergoldet. Für den Ausfall der beiden Trainingseinheiten am Freitag hat man schließlich – als alle anderen Argumente nicht mehr zogen – einen „Nebelring“ verantwortlich gemacht, der natürlich am Nürburgring selbst nicht zu sehen war. - Und der Deutsche Wetterdienst antwortet nicht! - Meine Anfrage war von Montagfrüh. Wir haben heute Freitag. - Sind alle Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen im Homeoffice oder haben die Übersicht im Nebelring verloren? - Nachstehend zeige ich auch den Screenshot der Aufnahme einer Web-Kamera am Ring, die die reale Situation darstellt. - Von einem „wachen“ Leser zu Beginn des ausgefallenen zweiten Freien Trainings gemacht. - Am Ende dieser Geschichte zeige ich dann auch, was man selbst aus solchen Fotos machen kann! - Ein Gleichnis zur aktuellen Informationspolitik am Ring, die offenbar „nach Gutsherrenart“ erfolgt. Dazu werde ich auch noch ein Beispiel vom Samstag anführen - dem 10. Oktober 2020 - das sich dann aber auf Ereignisse auf der Nürburgring-Nordschleife bezieht.  - Aber versuchen wir doch zunächst mal eine Antwort auf die Frage zu finden:

„Großer Preis der Eifel“: Alles eitel Sonnenschein?

Da schreibt mir ein Motor-KRITIK-Leser, der auch als zahlender Besucher beim „Großen Preis der Eifel“ war:

„Wie schon Toto Wolff am WE sagte, kann er sich dauerhaft Zweitagesveranstaltungen vorstellen, ist sich aber nicht sicher, ob dies die Veranstalter wollen - wegen der Zuschauer. Ich persönlich war bei ca. 30 F1-Wochenenden live vor Ort, der Freitag war für mich wichtig, weil man meist nur an diesem Tag um die ganze Strecke laufen und auch mal in Ruhe fotografieren konnte.“

Das unterstreicht eigentlich meine persönliche Meinung, dass das Aussetzen des 1. & 2. Freien Trainings am Freitag mit Gründen argumentiert worden sind, die in der realen Situation keine Basis hatten. Einer meiner Leser hat eine der Nürburgring-Webcams genutzt, um die reale Situation dam Freitag, zum Zeitpunkt des 2. Freien Trainings festzuhalten.

Vom Pirelli-Fachmann wissen wir, dass zu diesem Zeitpunkt – der Screenshot wurde am Freitag, 9. Oktober, um 14:53 Uhr gemacht - aus seiner Sicht „Intermediates-Wetter“ herrschte. Der Mann hatte recht!  Auch die Sicht „vor Ort“ war recht ordentlich. - Nur der Pressesprecher des Nürburgrings hatte später – als niemandem mehr etwas besseres einfiel - einen „Nebelring“ um den Nürburgring ausgemacht. - Ehering, Nürburgring, Nebelring. - Ist doch logisch!

Hier ist das Foto – der Screenshot – meines Lesers, der dem FIA-Rennleiter – mit einem Augenzwinkern – unterstellt, dass dessen Linse wohl auch von einem Regentropfen – wie auch auf der Kamera zu sehen – getrübt war.

Zu diesem Thema möchte ich mich jetzt nicht weiter äußern. Alle an dieser Entscheidung Beteiligten, haben sich in den Augen der auf den Tribünen in der Kälte ausharrenden Besucher lächerlich gemacht.

Zur Situation auf den Tribünen schreibt mir der Motor-KRITIK-Leser:

„Die Umsetzung des Corona-Konzepts fand ich weitgehend in Ordnung, wobei mir auffiel, dass relativ viele Plätze nicht eingenommen wurden. Wir Beide hatten um uns herum mind. 5 m Platz. Bei der Buchung war die Tribüne schon fast vollständig ausverkauft.“

Und über sein Gefühl als Zuschauer, bei einem unwirtlichen Wetter für viel Geld einen ganzen Tag ohne die versprochene “Action“ verbringen zu müssen, schreibt er:

„Ein kalter und regnerischer Tag am Ring wird i.d.R. subjektiv wärmer, wenn es Rennfahrzeuge zu sehen gibt. Daran fehlte es. Auch ich hatte nicht das Gefühl, dass darüber außer den Zuschauern irgend jemand traurig oder überrascht war, auch nicht die Streckensprecher.“

Ich hatte bei seiner Schilderung in einer E-mail den Eindruck, dass er schon überrascht war, was man da den Zuschauern, auf die „Qualität“ - zumindest auf einen Sprecher bezogen - zumutete. Er hat mich dazu so informiert:

„Die hatten die undankbare Aufgabe, das Publikum bei Laune zu halten und das, ohne nennenswertes F1-Fachwissen zu haben. Obwohl ich F1 nur bei RTL schaue und mich gelegentlich bei Motorsport-Total informiere, war ich den Sprechern im Fachwissen und auch der Kenntnis von erzählbaren aktuellen und historischen Anekdoten haushoch überlegen. Dafür weiß ich jetzt insbesondere durch den gebürtigen Adenauer, dass er ein Kind der Eifel ist, gerne Mountain-Bike fährt, wie viele Gaststätten es in Nürburg und Adenau gibt („die sich auf einen Besuch freuen würden“), dass die F1 und der Nürburgring untrennbar zusammen gehören.... Er erzählt z.B. auch, dass die F1 auf der GP-Strecke einen Top-Speed von 270-280 erreicht (was für einen weniger informierten Zuschauer durchaus von Interesse ist), verkennt dabei aber die echten Werte (310 Start/Ziel-Gerade und Gegengerade sogar über 315), die durchaus respektabel sind.... „

Natürlich hat sich dieser Zuschauer auch Gedanken gemacht, warum am Nürburgring – aus seiner Sicht -  keinerlei Freies Training erfolgte. Kalt und schlecht durch – zumindest – einen der Streckensprecher unterhalten, ist ihm – so nebenbei, weil nicht durch ein F1-Training abgelenkt - eingefallen:

„Um die Ursache für das Nichtfahren herauszufinden, könnte man z.B. an Imola denken. Der dortige GP ist nur eine Zweitagesveranstaltung (angeblich wegen der Reisezeit aus Portimao), es soll deswegen für den Veranstalter ordentlichen Rabatt bei der Antrittsgebühr geben. Vielleicht ist dem sauer aufgestoßen, dass am Nürburgring fürs gleiche Geld 3 Tage gefahren wird....“

Da der Motor-KRITIK-Leser drei Tage am „Ring“ war, hat er natürlich nicht nur das Rennen am Sonntag erlebt, sondern auch das Qualifying am Samstag. Über die Abläufe an diesem Tag – unter Corona-Bedingungen – äußert er sich so:

„Was mir sonst noch aufgefallen ist, war eine übermäßige Präsenz von Security-Leuten, die teilweise die Zuschauer sehr stark gegängelt haben, z.B. wurden die Tribünen vor allem am Samstag unmittelbar nach Veranstaltungsende geräumt, das anschließende Gedrängel hinter den Tribünen war dann für Corona kontraproduktiv und führte speziell am Samstag zu massivem Funkverkehr der Stewards („Sicherheitshinweise“). Hier wäre weniger mehr gewesen. Man sollte auch nicht stehen bleiben, sondern offenbar schnellstmöglich ins Auto und verschwinden...“

Es war also nicht alles so, wie es aus Sicht des Veranstalters dargestellt und von den Mitarbeitern der Sparte „Öffentlichkeitsarbeit“ verbreitet wurde. Als z.B. knapp acht Tage vor dem Rennen die ersten Lkw aus Russland anrollten, da konnten deren Fahrer und mitreisende Aufbau-Mitarbeiter der Teams keine Personalpapiere vorlegen, weil die – angeblich – von den russischen Behörden einbehalten worden waren.

Überhaupt, so wurden lächelnd Aussagen von Team-Mitgliedern kolportiert, war vieles nicht so, wie es in der Presse zu lesen war. Manches wurde in der Praxis relativ locker gehandhabt. Aber die Genehmigungs-Behörden waren bei den von ihnen vorgenommenen Kontrollen voll des Lobes über die überall eingehaltenen Vorschriften. - So war es jedenfalls in der Zeitung zu lesen!

Wer in der Woche vor dem Rennen in einem Corona-Hot-Sport gearbeitet hat, aber jeweils zum Wochenende in einem anderen Ort – seinem Heimatort zu Hause ist – der hatte z.B. keinerlei Probleme, auch als Zuschauer beim „Eifel-Grand-Prix“ zugelassen zu werden. - Die richtige Postleitzahl genügte!

Während der drei Veranstaltungstage, die von den zugelassenen Besuchern auch bezahlt wurden, hatte der Mitveranstalter, die Nürburgring 1927 GmbH & Co. KG die von ihr auch veranstalteten „Touristenfahrten“ auf der legendären Rennstrecke Nordschleife natürlich nicht ruhen lassen. Da passierte am Samstag nun etwas, was einen meiner Leser veranlasste, telefonisch bei mir nachzufragen:

„Wissen Sie, warum die 360-Grad-Webcam an der neuen Einfahrt zur Nordschleife nicht läuft?“

Ich habe natürlich gefragt, wie er das festgestellt hätte – und er hat mir erzählt, dass nun  – es war kurz nach 16 Uhr – schon längere Zeit kein neues Bild mehr zu sehen wäre. Dieses, seit vielen Minuten „stehende Bild“, zeige einen einfahrenden Krankenwagen. - Mir war da klar, dass jemand die Kamera abgeschaltet, aber nicht berücksichtigt hatte, dass nun der interessierte Bildschirm-Gucker nicht etwa „schwarz sah“, sondern ihm ein „festgefrorenes Bild“, die letzte Aufnahme aus dem Speicher gezeigt wurde.

Ich habe meinen Leser gebeten, mich doch noch mal in einer Stunde anzurufen, die ich nutzen wollte, um nach dem Grund für ein Abschalten zu recherchieren.

Bei seinem erneuten Anruf habe ich ihm dann das Ergebnis meiner Schnell-Recherche mitteilen können:

  • Dass sich zum Zeitpunkt vor dem Abschalten der Web-Cam ein Personenwagen während der „Touristenfahrten“ in der „Fuchsröhre“ überschlagen hatte. Wer diesen Streckeabschnitt kennt, der weiß, dass man schon viele Schutzengel braucht, um unverletzt davon zu kommen. - So wurde der Krankenwagen auch erklärlich. Auch, dass die Strecke gesperrt war. Aber auch, dass man diesen Unfall – gerade als Veranstalter – nicht unbedingt „an die Große Glocke hängen“ wollte.

Wie mich mein Leser am Sonntag dann informierte, blieb die Web-Cam an der Nürburgring-Einfahrt auch bis zum Samstagabend hin aus- und abgeschaltet.

Da es sich – wie mir vor einiger Zeit bei der Polizei in Adenau erklärt wurde – bei einem Unfall während der „Touristenfahrten“ auf der Nordschleifein immer um einen Verkehrsunfall handeln würde, der polizeilich aufgenommen werden muss, habe ich mir die Polizeimeldungen der Tage danach  angesehen.

  • Es gab keine zum Unfall am Samstag auf der Nürburgring-Nordschleife passende Meldung  der Polizei im Streckenabschnitt „Fuchsröhre“ auf der Nordschleife! - Weder von der Polizei-Inspektion Adenau, noch der Polizei-Direktion Mayen wurde so ein Unfall vermeldet. - Offiziell scheint es diesen Unfall – trotz Einfahrt eines Krankenwagens zur Unfallzeit - nicht gegeben zu haben! - Gute Öffentlichkeitsarbeit?

Ich erwähne diesen von mir registrierten Vorfall nur, weil er auch ein Beispiel für die „gute“  Öffentlichkeitsarbeit insgesamt am Nürburgring, auch die zum „Großen Preis der Eifel“ ist.

Und ich zeige hier noch mal eine oben schon gezeigte Sicht, die von einer Web-Cam in Richtung Grand-Prix-Kurs aufgenommen wurde und die „dunstige Realität“ am Freitag zeigt. Das Foto daneben hat das gleiche Foto als Ausgangs-Basis, wurde aber von mir so bearbeitet, dass es nun ein Stück „Kunst“ ist.‘

Von ähnlich „künstlerisch“ verfremdeter Realität ist auch die Öffentlichkeitsarbeit am Nürburgring geworden. Aber es macht – zumindest mir – genauso viel Spaß da hinzuschauen und zuzuhören, wie meinen Lesern – hoffentlich – der Blick auf das von mir „künstlerisch verfremdete“ Foto einer Web-Camera.

Alles wird gut? - Auch wenn die jeweilige Situation wirklich nicht so ist, so können wirkliche Könner doch „eitel Sonnenschein“ verbreiten. - Evtl. auch mit einem „Nebelring“ ein Lächeln in das Gesicht des Lesers oder Zuhörers zaubern.

MK/Wilhelm Hahne
Durchschnitt: 4.1 (bei 74 Bewertungen)

Kategorie: 

+ Hinweis für Leser – nicht nur an einem Abonnement Interessierte! +

 

Lieber Leser,

 

Motor-KRITIK ist vollkommen werbefrei, aber – darum – auch ein wenig abhängig von seinen Lesern. - Oder anders: Von Einnahmen. - Nicht alle Leser mögen sich gleich für ein Abo entscheiden.

Wenn Sie ab und an mal auf diesen Seiten vorbei schauen und Ihnen der hier gebotene investigative Journalismus gefällt, dann machen sie doch einfach ihre Zustimmung durch eine kleine Spende deutlich. - Auch kleine Beträge können – per Saldo – eine große Hilfe und Unterstützung sein!

Meine Kontendaten – auch wenn Sie Abonnent werden wollen - finden Sie HIER.

 

Danke!