...bin an die offizielle Sprachregelung gebunden!

Wäre man in den „modernen“ Presseabteilungen ehrlich, müssten diese Worte sehr oft in deren Antworten auf Journalisten-Anfragen zu finden sein. Die Zeit scheint vorbei, in der sich die Presseabteilungen von Industriefirmen und Behörden als reine Dienstleister empfunden haben. Heute gestalten sie die Außendarstellung ihrer Arbeitgeber mit, sind mit beteiligt an deren „Imagegestaltung“! - PR steht heute weniger für „Presse“, mehr für „Public Relation“! - Public Relation steht  - wenn man es aus dem Englischen übersetzt - für Meinungspflege, Beziehungspflege, Firmenwerbung und Medienarbeit! - Darum verlasse ich mich hier bei Motor-KRITIK nicht unbedingt auf die Aussage von Pressesprechern oder Presseabteilungen. Das geht so weit, dass ich auch mal offizielle Auskünfte auf diesen Internetseiten nicht mit veröffentliche, wenn – zumindest mir – deutlich ist, dass es sich eigentlich um eine „interne Sprachregelung“ handelt, deren Wert daher für mich – und meine Leser - gegen Null tendiert. - So habe ich auch meinen Nachruf zum Tod des verdienten Nürburgring-Mitarbeiters Manfred Strack nicht auf der Basis von offiziellen Verlautbarungen geschrieben – die es auch (noch?) nicht gibt - sondern auch Details mit genannt, von denen ich schon vorher Kenntnis hatte oder die in den Jahrzehnten meiner persönlichen Kontakte mit den Betroffenen erlebt und „notiert“ hatte. - Dabei handelte es sich um Fakten, die mir – zufällig – auch noch mal durch Leseraussagen nach Erscheinen des Nachrufs bestätigt wurden. - Trotzdem gab es Grund für Nachrecherchen, die zu den unterschiedlichsten Erkenntnissen führten. - Unter anderem auch zu dem Titel:

...bin an die offizielle Sprachregelung gebunden!

Wenn der Kölner EXPRESS am 3. November 2020 auf die – auf Corona bezogen – „tiefroten Zahlen“ in der Verbandsgemeinde Adenau hinwies, dann fehlte da dann auch als Ergänzung nicht, dass man das natürlich nicht in Verbindung mit den Motorsportveranstaltungen am Nürburgring bringen dürfe. Wörtlich war da zu lesen:

„Im Kreis Ahrweiler bricht eine Gemeinde den absoluten Rekord. In der Gemeinde Adenau liegt der Inzidenzwert zurzeit bei 325. Die hohen Zahlen sind laut Kreis maßgeblich auf private Feiern zurückzuführen – ein Zusammenhang zu den Motorsportveranstaltungen auf dem Nürburgring besteht laut Kreisverwaltung nicht.“

Diese Darstellung erfolgte nicht etwa auf Basis einer Nachfrage der Kölner Journalisten bei den Verantwortlichen des Kreises, sondern war offensichtlich einer offiziellen Darstellung der Kreisverwaltung Ahrweiler zur Corona-Situation in Adenau vom 2. November 2020 entnommen, wo zu lesen ist:

„Diese hohen Zahlen sind maßgeblich auf private Feiern und Zusammenkünfte zurückzuführen. Die Infizierten haben das Virus sowohl innerhalb der Familie als auch im Rahmen von Außenkontakten in der Verbandsgemeinde Adenau weitergetragen, sodass man in der Region von einem diffusen Infektionsgeschehen sprechen kann. Hier besteht kein Zusammenhang zu den Motorsportveranstaltungen am Nürburgring.“

Einer meiner Leser sendete mir zu dieser Behauptung der Kreisverwaltung zwei Leserbriefe, die am Samstag, 7. November 2020 in der „Rhein-Zeitung“ erschienen sind und einen anderen Eindruck vermitteln, wie ihn wohl auch die Bürger der Region allgemein so empfunden haben. - (Meine Leser finden sie als pdf-Datei im „Anhang“.) - Dazu habe ich – aus Leserkreisen – auch weitere, sozusagen ergänzende Informationen erhalten. - Ich möchte hier aber – beispielhaft – auf zwei Todesfälle zurück kommen, über die ich schon berichtet habe.

Ich habe hier in Motor-KRITIK nicht nur über den Tod des verdienten Nürburgring-Mitarbeiters Reiner Strack berichtet, der am 23. Oktober 2020 im Alter von 89 Jahren verstarb, sondern auch über den Tod seines Sohnes, Manfred Strack, der in leitender Stellung bei der Nürburgring 1927 GmbH beschäftigt war und praktisch sein ganzes Berufsleben am Nürburgring verbracht hat und nur wenige Tage nach seinem Vater – am 3. November 2020 – gestorben ist. Auch hier war nach meiner Kenntnis der Auslöser zum Tod das Corona-Virus!

Es ist – nicht nur für mich – auffallend, dass bis heute keine Information zu diesen – sicherlich traurigen – Anlässen von der Arbeitgeberseite erfolgte. - Ich zumindest habe nirgendwo etwas ausmachen können. Meine Feststellung wird durch Leseranrufe bestätigt, die auch nicht verstehen, warum zum Tod dieser Mitarbeiter keinerlei Information – gleich welcher Art – durch den Arbeitgeber erfolgt.

Auf der anderen Seite – wie ich auch von Leserseite hörte – wird mir und damit Motor-KRITIK vorgeworfen, dass ich den Tod dieser zwei Nürburgring-Mitarbeiter wohl bewusst als durch das Corona-Virus ausgelöst dargestellt hätte. - Das meine Darstellung „bewusst“ erfolgte ist richtig!  Denn das wurde von mir als Tatsache recherchiert! - Und ist auch nachweisbar. Zum Beispiel durch den Einsatz eines Rettungswagens, der – mit einer Besatzung von Sanitätern in „vollem Viren-Schutzanzug“ – der vor dem Wohnhaus der Familie Strack zu einem entsprechenden Zeitpunkt gehalten hat.

Deshalb ist – zumindest – mir unverständlich, wenn man auch unter dem Datum 5. November 2020 in einer Corona-Information der Kreisverwaltung Ahrweiler lesen kann:

„Der aktuelle Verlauf der Corona-Pandemie stellt sich in den einzelnen Städten, Gemeinden und Verbandsgemeinden im Kreis wie folgt dar:

Verbandsgemeinde Adenau: 121 Infektionen, davon 44 genesen
Verbandsgemeinde Altenahr: 61 Infektionen, davon 47 genesen, 1 Person verstorben
Verbandsgemeinde Bad Breisig: 63 Infektionen, davon 31 genesen
Verbandsgemeinde Brohltal: 51 Infektionen, davon 29 genesen
Gemeinde Grafschaft: 74 Infektionen, davon 58 genesen
Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler: 188 Infektionen, davon 109 genesen, 3 Personen verstorben
Stadt Remagen: 92 Infektionen, davon 50 genesen
Stadt Sinzig: 93 Infektionen, davon 52 genesen, 1 Person verstorben“

Demnach gab es bisher – trotz hoher Infektionszahlen in der Verbandsgemeinde Adenau keinen einzigen Toten durch Corona-Virus. Vergleicht man das mit den anderen Zahlen, ergibt sich schon daraus eine gewisse Unverständlichkeit! - Das kann kein Zufall sein, auch kein Versehen! - Darum habe ich bereits am 5. November bei der Pressestelle der Kreisverwaltung Ahrweiler nachgefragt:

„In Ihrer aktuellen Meldung, "Coronavirus: 19 Neuinfektionen im Kreis" vom 04.11.2020 vermisse ich aber unter "Verbandsgemeinde Adenau" die Angabe, wie viele Personen an Corona verstorben sind.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir diese Zahl noch kurz nennen würden.“

Weil ich an diesem Tag keine Antwort mehr registrieren konnte, habe ich die gleiche Frage am Morgen des 6. November noch dem Leiter des Gesundheitsamtes in Ahrweiler gestellt.

Auch hier habe ich bis zur Einstellung dieser Geschichte auf meinen Internetseiten keine Antwort erhalten!

Dabei kann ich hier nur noch einmal die Feststellungen aus meinem Nachruf auf Manfred Strack vom 3. November 2020 wiederholen, in dem ich u.a. informierte:

„Nur vor Tagen wurde sein Vater beerdigt. Was nicht kommuniziert wurde war: Reiner Strack war am Corona-Virus verstorben. Darum war auch sein Sohn Manfred nicht bei der Beerdigung seines Vaters. Er war in Quarantäne. Weil – nicht nur – er durch seinen Vater angesteckt worden war.“

An anderer Stelle dieser Geschichte ist – von mir geschrieben – zu lesen:

„Und ich verstehe, wenn nun seine Familie leidet. Auch, weil sie zusätzlich noch vom Corona-Virus betroffen ist. - Sie alle haben mein Mitgefühl!“

Meine Information zu der Situation, in der sich die gesamte Familie befindet, wird auch durch die Schilderung eines meiner Informanten unterstrichen, der zur oben schon geschilderten Situation mit dem vor dem Wohnhaus der Familie Strack parkenden Rettungswagen seinen Eindruck so schilderte:

„Das war auch so ein Moment, wo man an Hollywood-Blockbuster denkt.“

Die Darstellung der Kreisverwaltung Ahrweiler zur Corona-Situation in der Verbandsgemeinde Adenau ist also offensichtlich fehlerhaft! - Durch das Fehlen irgendeiner Reaktion durch den Arbeitgeber auf den Corona-Tod zweier verdienter Nürburgring-Mitarbeiter wird eigentlich nur der Eindruck unterstrichen, dass hier – warum auch immer – wieder mal die Realität geschönt werden soll.

  • Auch hier kann man sicherlich von einer „internen Sprachregelung“ sprechen, die auf die Öffentlichkeit „beruhigend“ wirken soll!

Realität ist: Inzwischen liegt auch die Witwe des Nürburgring-Mitarbeiters Manfred Strack – Inge Strack – im Krankenhaus! - Diagnose: Corona-Virus positiv!

Auch weitere Mitglieder der Familie Strack – einschl. des Enkel/Neffen Alexander Huth, der aktuell das Café an der Nordschleifen-Einfahrt Breidscheid betreibt – sind Corona-infiziert!

MK/Wilhelm Hahne

PS: Sofort wenn mich eine offizielle Antwort der Kreisverwaltung Ahrweiler/Gesundheitsamt auf meine Anfragen vom 5. und 6. November 2020 – oder als Reaktion auf obige Geschichte - erreicht, werde ich sie in vollem Umfang auf diesen Seiten veröffentlichen.

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